Merkels Getreue geben sich am Donnerstag erkennbar alle Mühe, die aufgeschreckte Seele der CDU wieder zu beruhigen. „Konservativ, christlich-sozial, liberal – keine der drei Wurzeln unserer Partei darf vernachlässigt werden“, sagt Fraktionschef Volker Kauder in die bereitstehenden Mikrofone in der Berliner Parteizentrale kurz vor Beginn der zweitätigen Vorstandsklausur. „Eine wertegebundene Politik ist uns wichtig“, attestiert CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Deswegen habe man beispielsweise auch nicht den Manager eines großen Unternehmens, sondern eben die Vorsitzenden der beiden christlichen Kirchen in Deutschland zu dem Treffen eingeladen.

Und doch sind es wohl gerade Sätze wie diese, die deutlich machen, wie sehr sich die CDU in den letzten Jahren verändert hat. Dass ein CDU-Fraktionschef und ein Generalsekretär extra darauf hinweisen müssen, dass die CDU neben liberalen auch christliche und konservative Elemente in sich vereinigt, zu Zeiten Helmut Kohls wäre dies wohl undenkbar gewesen.

Im Jahr 2010 dagegen, nach zehnjähriger Führung durch die ostdeutsche Protestantin Angela Merkel, ist das anders. Und nicht allen in der Partei gefällt das. So hatte es im Vorfeld der Klausurtagung ein heftiges Rumoren in der Partei gegeben. Ein schärferes Profil hatten Kritiker von der Kanzlerin verlangt, die CDU müsse für ihre Stammwähler wieder attraktiver werden, müsse inhaltlich weniger beliebig sein.

Doch auf der Vorstandstagung wird dann vor allem eines deutlich: Ein konservatives Rollback wird es in der CDU so schnell nicht geben. Es ist die Kanzlerin selbst, die diese Botschaft schon vor Beginn der Klausur sehr deutlich macht. Die CDU müsse künftig möglichst breite Wählerschichten erreichen, verteidigte sie ihren Kurs der Öffnung der Partei. Es gehe nicht nur darum, die an die FDP verlorenen Wähler zurückzuholen sondern auch SPD-Anhänger zu gewinnen.

Der Tenor der Berliner Erklärung, den der Vorstand am Freitag verabschieden will, geht in dieselbe Richtung. „Wir setzen alles daran, dass alle Strömungen in der Union eine Einheit bilden“, heißt es dort. Neben der Bindung der Stammwähler an die Partei komme es auch darauf an, neue Wähler zu gewinnen. „Wahlen werden in der Mitte gewonnen.“

An der Öffnung der Partei etwa in der Integrations-, der Familien- oder der Umweltpolitik will die CDU-Spitze, das wird in dem vom Generalsekretär erarbeiteten Papier sehr deutlich, nichts zurücknehmen. Den konservativen Stammwählern wird dagegen lediglich versprochen, ihnen sollten die „programmatischen Neuerungen“ künftig besser erklärt werden.

Doch trotz der aufgeregten Debatte der vergangenen Tage erfährt Merkel aus der Parteispitze schon vor Beginn der Klausur vor allem Unterstützung für ihren Kurs. „Wir müssen breite Wählerschichten ansprechen“, wiederholt etwa Ministerpräsident Wolfgang Böhmer aus Sachsen-Anhalt fast wortgleich die Vorgabe seiner Chefin. „Es ist richtig, sich breit aufzustellen. Die Partei in Flügel zu dividieren bringt gar nichts“, findet auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der noch tags zuvor scharfe Kritik am CDU-Wahlkampf geäußert hatte.

Da verwundert es nicht, dass der Generalsekretär nach etwa dreistündiger Debatte über das Bundestagswahlergebnis, zu dem die Partei Wahlforscher Matthias Jung eingeladen hatte, zufrieden verkünden kann, die Diskussion über die vergangene Bundestagswahl habe gezeigt, dass „alle die Überzeugung eint, dass Wahlen in der Mitte gewonnen werden“ und dass man sich erneuern müsse, wenn man den Kern der CDU bewahren wolle.