Ministeriale Offensive Dirk Niebel kämpft um seine Politik
Unter Schwarz-Gelb verändert sich die Entwicklungspolitik drastisch. Dafür wird Dirk Niebel heftig kritisiert. Nun geht der Minister in die Offensive.
© Sean Gallup/Getty Images

Die FDP verspricht Entwicklungspolitik aus einem Guss: Außenminister Guido Westerwelle (r.) und Entwicklungsminister Dirk Niebel wollen gemeinsam deutsche Interessen im Ausland vertreten
Dirk Niebel lacht in die Kamera und hält ein kleines Büchlein in die Höhe. Auf dem Umschlag prangt eine strahlende Sonne über knallgelbem Löwenzahn. Horizonte. Geschichte(n) der Zukunft heißt das Werk, das der Entwicklungshilfeminister in Berlin präsentiert. Er ist Herausgeber und einer der 15 Autoren, darunter namhafte FDP-Politiker, Experten und der frühere Schwimmstar Franziska van Almsick.
Der Minister ist gut gelaunt, der Termin scheint ihm Spaß zu machen. Es gibt viel Applaus aus dem Publikum, das mindestens zur Hälfte aus FDP-Anhängern besteht. Der Minister nickt freundlich in die Runde. Mit Beifall wurde Niebel in den vergangenen Wochen selten bedacht, seitdem er das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) übernommen hat. Für fast alle seine Forderungen wurde er von den großen deutschen Hilfsorganisationen getadelt. Im neuen Kabinett zählt er zu den am stärksten kritisierten Ministern.
Um Entwicklungshilfe geht es in dem Buch Horizonte nicht und um globale Themen nur am Rande. Das Buch stammt noch aus Niebels Zeit als FDP-Generalsekretär. Dennoch holt ihn die Kritik auch bei der Buchpräsentation in der Hauptstadt-Präsentanz des Reiseveranstalters TUI ein. In der Fragerunde zu Horizonte gibt es nur ein Thema: Der Streit um die richtige Entwicklungshilfe.
Dirk Niebel hatte im Deutschlandfunk die Debatte um die deutsche Entwicklungspolitik angeheizt. Er sei "Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, so heißt das Ressort, was ein Unterschied ist zu einem Weltsozialamt", sagte Niebel. Entwicklungshilfe sei mehr als das Verteilen von Nothilfe – es gehe darum, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Wenn aus den Empfängern echte Partner würden, dann könnten sich "dadurch auch zusätzliche Chancen für die deutsche Wirtschaft eröffnen".
Diese häufige Betonung von wirtschaftlichen Interessen in der Entwicklungspolitik verärgert viele Nichtregierungsorganisationen. "Sein Blick gilt nicht primär den Armen und der Frage, warum sie arm sind und was ihnen helfen würde, ihre Armut zu überwinden", sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel in der Stuttgarter Zeitung über Niebel. Die Direktorin von Brot für die Welt kritisierte: "Er denkt von der Frage her, was die deutsche Wirtschaft braucht, speziell der Mittelstand und die Pharmaindustrie - also denjenigen, denen die FDP nahe steht. "Anders kann ich beispielsweise die Zurverfügungstellung von 14 Millionen Euro aus dem Entwicklungsetat für den Ankauf deutscher Impfdosen zur Bekämpfung der Schweinegrippe in Afrika nicht interpretieren."
In einer Presseerklärung wettert der Minister daraufhin am Montag gegen Brot für die Welt. Niebel weist die Vorwürfe zurück, er sagt: "Frau Füllkrug-Weitzel sollte sich zukünftig besser informieren und bei den Fakten bleiben, statt mit böswilligen Unwahrheiten alte Vorurteile zu bedienen." Der Ton wird rauer und der Minister dünnhäutiger. Die NGO-Chefin korrigierte sich später.
Niebel hatte bereits im November im Bundestag eine Kurskorrektur der Entwicklungspolitik angekündigt. "Unsere Entwicklungszusammenarbeit ist ausdrücklich interessenorientiert – im wohlverstanden besten Sinne der Bundesrepublik Deutschland", sagte Niebel damals. Er nannte die Bekämpfung der Folgen des Klimawandels, die Verhinderung von Migration und die Sicherheitspolitik als Beispiele für berechtigte Interessen Deutschlands. Zahlreiche Zwischenrufe aus Reihen der Opposition zeigten, wie umstritten der Minister auch beim politischen Gegner ist.
- Datum 04.01.2010 - 20:14 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 31
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Eine gute Entwicklung im Ministerium!
Endlich werden deutsche Interessen vertreten. Entwicklungshilfe hat nichts mit Wohltätigkeit ohne eigenen Nutzen zu tun. Schön, dass Niebel die linken Frauen mit Doppelnamen zur Raison bringt. Die Ineffizienz und schlechte Organisation vieler NGO ist bekannt, durch eine koordinierte Planung kann hier viel erreicht werden. Die Haltung, eine Zusammenarbeit mit staatlichen Organisationen wie der Bundeswehr aus ideologischen Gründen abzulehnen, sollte mit Entzug der Gelder sanktioniert werden. Weiter so, Herr Niebel!
Beim ersten Lesen ärgerte ich mich u.A. über das instrumentalisierte Verständnis von "Hilfe" - die ja dann keine Hilfe im eigentlichen Sinne mehr ist. Dann las ich den Text ein zweites Mal - und konnte viel Ironie hören. Weiter so!
...kein Freund der Entwicklungshilfe, die über Hilfe in der Not oder Beratung hinausgeht. Es ist aber nicht gut Dinge zuzusagen, die man nicht hält: "Für den Bundesverband Entwicklungspolitik (VENRO) hingegen ist das kein Erfolg, sondern ein Wortbruch der Bundesregierung. "Dass der BMZ-Etat von der neuen Regierung aufgestockt wurde, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die internationalen Zusagen, die Deutschland gemacht hat, nicht eingehalten werden", sagt der VENRO-Vorsitzende Ulrich Post. Es bleibe offen, wie die Regierung das Versprechen an die EU, die Entwicklungsausgaben bis 2010 auf 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommens anzuheben, erreichen wolle. 2009 lag die Quote bei 0,38 Prozent."
Das ist Ruf schädigend.
…ich werde einfach nicht den Eindruck los, dass wir immer mehr Versuchen die armen Länder als von uns abhängig zu behandeln…
Die neue Schutztruppe…
(teilweise haben wir diese ja sogar wirklich stationiert)
…ist die Erpressung durch die finanzielle Bedürftigkeit !
Der alte Kaiser Wilhelm II. und die Industrie jubeln,
aber selbst der alte Bismarck dreht sich im Grabe um !!!
Einheimische Abschlachten (Chinesen, Hereros, Hottentotten, Maji- Krieger,… ups Afghanen !!! - können wir ja… (mphf)
gelernt ist halt gelernt !!!
Lothar von Trotha sitzt im Entwicklungsministerium – ein schlechter Witz der Geschichte
Beim ersten Lesen ärgerte ich mich u.A. über das instrumentalisierte Verständnis von "Hilfe" - die ja dann keine Hilfe im eigentlichen Sinne mehr ist. Dann las ich den Text ein zweites Mal - und konnte viel Ironie hören. Weiter so!
...kein Freund der Entwicklungshilfe, die über Hilfe in der Not oder Beratung hinausgeht. Es ist aber nicht gut Dinge zuzusagen, die man nicht hält: "Für den Bundesverband Entwicklungspolitik (VENRO) hingegen ist das kein Erfolg, sondern ein Wortbruch der Bundesregierung. "Dass der BMZ-Etat von der neuen Regierung aufgestockt wurde, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die internationalen Zusagen, die Deutschland gemacht hat, nicht eingehalten werden", sagt der VENRO-Vorsitzende Ulrich Post. Es bleibe offen, wie die Regierung das Versprechen an die EU, die Entwicklungsausgaben bis 2010 auf 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommens anzuheben, erreichen wolle. 2009 lag die Quote bei 0,38 Prozent."
Das ist Ruf schädigend.
…ich werde einfach nicht den Eindruck los, dass wir immer mehr Versuchen die armen Länder als von uns abhängig zu behandeln…
Die neue Schutztruppe…
(teilweise haben wir diese ja sogar wirklich stationiert)
…ist die Erpressung durch die finanzielle Bedürftigkeit !
Der alte Kaiser Wilhelm II. und die Industrie jubeln,
aber selbst der alte Bismarck dreht sich im Grabe um !!!
Einheimische Abschlachten (Chinesen, Hereros, Hottentotten, Maji- Krieger,… ups Afghanen !!! - können wir ja… (mphf)
gelernt ist halt gelernt !!!
Lothar von Trotha sitzt im Entwicklungsministerium – ein schlechter Witz der Geschichte
Das Ministerium heißt nicht ohne Grund BMZ, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusamenarbeit und Entwicklung.
Entsprechend ist auch die Aufgabenstellung zu sehen. Katastrophenhilfe, Hungerhilfe, Sozialhilfe ist nicht das Thema.
Das heißt ja nicht, daß die anderen Themen nicht wichtig sind und derartige Hilfen nicht geleistet werden sollen.
Es sollte eine Aufstellung gefertigt werden, in der pro Land die Summe der Entwicklungshilfe der letzten Jahrzehnte aufgeführt ist und der Erfolg der damit verbundenen Projekte. Ferner eine Beurteilung der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des jeweiligen Landes.
Wir würden mit dieser simplen Methode wahrscheinlich sehr übersichtlich erkennen, dass ein Grossteil der Zahlungen bei korrupten Politikern und der nahestehenden Wirtschaft landet und bei den bedürftigen Menschen nicht ankommt.
Gerade Afrika ist für mich ein Beispiel einer verfehlten Entwicklungshilfe. In diese Länder fliessen seit Jahrzenten gigantische Summen. Und was hat es geholfen?
Es ist an der Zeit, die Entwicklungshilfe auf vernünftige Füsse zu stellen. Zahlungen sind mit Auflagen/Überwachung der Projekte zu verbinden. Ansonsten gibt es nichts.
Wie soll ein Politiker ein Ministerium, für dessen Abschaffung er im Wahlkampf stand und geworben hat, anschließend glaubwürdig leiten können? Die Besetzung des Entwicklungsministers mit Herrn Niebel ist eine einzige Farce und stellt ein weiteres Beispiel für die Politikverdrossenheit der deutschen Bevölkerung und das immer geringer werdende Vertrauen in die gewählten Volksvertreter dar.
Ich würde mich auch freuen, wenn Entwicklungshilfe mehr ist, als einfach nur Geld rüberzureichen. Was ist daran schlecht, wenn der Geber genau wissen will, wofür das Geld verwendet wird? Warum muss Korruption einfach so hingenommen werden und die einzige Antwort darauf sein, noch mehr Geld zu schicken ?
Also weiter so!
Und die Gutmenschen mit Helfersyndrom merken garnicht, dass sie Teil des Problemes sind !
Sie schreiben: "Und die Gutmenschen mit Helfersyndrom merken garnicht, dass sie Teil des Problemes sind!"
Und die Bösmenschen in ihrem Egoismuswahn merken gar nicht, dass sie Ursache des Problems sind.
Sie schreiben: "Und die Gutmenschen mit Helfersyndrom merken garnicht, dass sie Teil des Problemes sind!"
Und die Bösmenschen in ihrem Egoismuswahn merken gar nicht, dass sie Ursache des Problems sind.
Also muss er jetzt schauen, wo er die richtigen Hebel stellen kann.
Und da Herr Niebel keinen Pipeline-Verträge unterschreiben kann, muss er schauen, wie er die deutsche Industrie sonst glücklich macht.
SO funktioniert Politik in Deutschland heute.
Warum sollte ausgerechnet dieser FDP-Mann, der noch nie in der freien Wirtschaft tätig war da anders ticken ?
Mit Ihrem Beitrag haben Sie alles zum Thema gesagt.
Nur eins noch: Habe ich das richtig verstanden, dass Herr Niebel Uganda die Entwicklungshilfe streichen will, weil dort die Rechte von Homosexuellen beeinträchtigt werden? Ist das jetzt eine bislang unbekannte weitere Ausprägung von interministerieller Klientelpolitik?
Mit Ihrem Beitrag haben Sie alles zum Thema gesagt.
Nur eins noch: Habe ich das richtig verstanden, dass Herr Niebel Uganda die Entwicklungshilfe streichen will, weil dort die Rechte von Homosexuellen beeinträchtigt werden? Ist das jetzt eine bislang unbekannte weitere Ausprägung von interministerieller Klientelpolitik?
dürfte wohl schlichterdings nicht möglich sein, da dem BMZ dafür weder Personal noch die notwendigen Spezialkenntnisse hat.
Und wie soll in Afghanistan nach dem in den nächsten Jahren nach dem unausweichlichen Abzug der Bundeswehr dort humnitärer Einfluß genommen werden, wenn deutsche Hilfsorganisationen als "feindlich" wahrgenommen werden und ebenfalls dort nicht mehr arbeiten können? Es gibt dort neben Taliban und Militär etwa 2000 bewaffnete Banden und Organisationen, wer nach Abzug der fremden Truppen dort das Spiel macht, ist völlig unklar und eine Festlegung jetzt sehr leichtsinnig.
Sie schreiben: "Und die Gutmenschen mit Helfersyndrom merken garnicht, dass sie Teil des Problemes sind!"
Und die Bösmenschen in ihrem Egoismuswahn merken gar nicht, dass sie Ursache des Problems sind.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren