Flugsicherheit Polizeigewerkschaft: Flugsicherheit muss auf den Prüfstand
Die Kritik an den Nacktscannern reißt nicht ab: Jetzt fordert die Gewerkschaft der Polizei, das gesamte Flugsicherheitssystem zu überdenken.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat davor gewarnt, die Debatte über Flugsicherheit in Deutschland allein auf die Einführung von Körperscannern zu verengen. Vielmehr müsse das gesamte Sicherheitssystem auf den Prüfstand gestellt werden, sagte der GdP-Vorsitzende Konrad Freiberg am Montag in Berlin. Man könne keine Wunderdinge erwarten, wenn man nur ein Sicherheitsloch flicke. Im ARD-"Morgenmagazin" sagte Freiberg, die Personenkontrollen an den Flughäfen seien löchrig. "Die Defizite sind vorhanden."
Die Scanner-Debatte war nach dem nur knapp vereitelten Terror-Attentat eines Nigerianers am ersten Weihnachtsfeiertag in einem US-Flugzeug über Detroit wieder hochgekocht. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sieht gute Chancen für einen Probebetrieb der umstrittenen Körperscanner noch in diesem Jahr. Es komme jetzt darauf an, dass sich die Geräte mit modernster Technik auch im praktischen Betrieb bewährten, sagte er. "Und das geht nicht in Labors, dafür braucht man den Praxistest auf deutschen Flughäfen." Er sei zuversichtlich, dass mit den Tests noch in diesem Jahr begonnen werden könne, unterstrich Bosbach.
Die FDP legte sich dagegen nicht auf einen Zeithorizont zur Einführung der Technik fest. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), sagte dem Berliner Tagesspiegel, die Erfahrung habe gelehrt, dass Sprengstoff in der Unterwäsche unerkannt an Bord von Flugzeugen gebracht werden könne. Daher sei der Einsatz von Körperscannern "der richtige Ansatz". Jedoch dürfe die Technik erst eingeführt werden, wenn der Eingriff in die Intimsphäre der Passagiere so gering wie möglich und mit dem Einsatz ein deutlicher Sicherheitsgewinn verbunden sei.
FDP-Generalsekretär Christian Lindner ließ eine Zustimmung seiner Partei zum Einsatz modifizierter Körperscanner offen. "Sollte es eine technische Weiterentwicklung geben, wägen wir neu", sagte er. "Die Würde des Menschen endet für uns nicht am Flughafenschalter. Die Peep-Show der heute üblichen Körperscanner lehnen wir ab."
Datenschützer sind weiter skeptisch. Der Leiter des Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holsteins, Thilo Weichert, sagte in Kiel, bisher sei richtigerweise viel über Persönlichkeitsrechte und deren Schutz geredet worden. Ein zweiter Punkt sei aber vernachlässigt worden: "Ob eine hinreichend sichere Detektion möglich ist - dass ist eine Diskussion, die noch nicht ausreichend geführt wurde. Es ist nicht auszuschließen, dass nicht hundert Prozent aller gefährlichen Gegenstände detektiert werden können." Wenn die Körperscanner nicht deutlich mehr Sicherheit als die üblichen Kontrollen böten, sei der Einsatz unverhältnismäßig und unnötig.
- Datum 04.01.2010 - 13:16 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







was passiert, wenn es mal ein gerät gibt, das unsere gedanken lesen kann? wird es dann seitens der sicherheits-fanatiker auch "fahrlässig" und "leichtsinnig" sein, es nicht einzusetzen?
Anstatt sich politisch-korrekt dumm zu stellen könnte man leicht darauf verzichten, die Fluggäste blosszustellen, würde man die Gefahr intensiv bekämpfen, wo sie sich als solche zeigt und darstellt - wie in anderen Ländern, die mit deutlich grösseren Sicherheitsproblemen zu kämpfen haben: http://www.tagesschau.de/... - na ja, unter diesen Umständen ist diese Form der Zwangspornographie in Deutschland so gut wie sicher, sollte nicht die eine oder andere Religion befinden, dass dies mit ihrem Glauben nicht vereinbar ist, was ein guter Witz wäre. Mal sehen, was kommt.
Na ja, die Nacktscanner wurden nun einmal entwickelt und wer das getan hat, möchte Geld damit verdienen. Der mit der Menschenwürde begründete Widerstand gegen die Einführung ist da natürlich mehr als ärgerlich. Da kam der im Flugzeug zündelnde Bub aka "Detroit-Bomber" gerade recht, auch wenn Experten inzwischen bezweifeln ob der "Sprengstoff" denn er bei sich hatte, von einem Nacktscanner hätte erkannt werden können. Wenn die ökonomische Realität - sprich das Profitstreben von Unternehmen - es erfordert, muss die Menschenwürde eben hintanstehen.
Ist das etwas Neues?
Eine andere Frage: Muss man unbedingt Fernurlaub machen? Muss man sich vielleicht demnächst auch noch in diverse Hautfalten und Körperöffnungen gucken lassen, damit man auf die Malediven kommt?
Wenn genügend Leute sich diese Fragen mit "Nein" beantworten, sind Dinge wie Nacktscanner oder Leibesvisitationen schneller wieder verschwunden, als man sie eingeführt hat. Denn auch die Fluggesellschaften wollen Geld verdienen und haben eine Lobby...
Fokko vom Fantasy-Blog/Selbstversorger-Blog
-------------------------------------------
http://fokko.wordpress.com/
http://selbstversorger-bl...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren