Haushaltsdebatte Schäuble kündigt drastischen Sparkurs an
Die Haushaltsberatungen im Bundestag haben begonnen. Finanzminister Schäuble gab die Marschrichtung vor: Regierung und die Bevölkerung müssen sparen.
Koalition und Bevölkerung müssen sich ab dem kommenden Jahr auf massive Sparmaßnahmen der Regierung einstellen. Dies machte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zu Beginn der viertägigen Haushaltsberatungen deutlich. Anders könne man die Rekord-Neuverschuldung von 85 Milliarden Euro nicht begleichen.
Schäuble sagte, die Etatsanierung könne nicht mit herkömmlichen Haushaltsmaßnahmen bewältigt werden. Die Aufgabe werde von Jahr zu Jahr größer. Notwendig seien "schwerwiegende Entscheidungen" sowie Einschnitte auch bei gesetzlichen Leistungen. "Aber", so fügte Schäuble hinzu, "das muss dann auch gründlich Schritt für Schritt bedacht, öffentlich diskutiert und so begründet werden." Details ließ er erneut offen.
Der Finanzminister ermahnte seine Kabinettskollegen, diese Maßnahmen gründlich vorzubereiten und nicht öffentlich zu zerreden. "Wir dürfen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen, wenn wir nicht ins Stolpern geraten wollen." Mit diesen Äußerungen blieb Schäuble seiner Linie treu: In den vergangenen Wochen hatte er die Koalition auf eines der größten Sparpakete vorbereitet – allein um die Vorgaben der Schuldenbremse und des EU-Stabilitätspaktes einzuhalten. Als Ressortchef muss er zwischen 2011 bis 2016 jedes Jahr 10 Milliarden Euro einsparen, um das Struktur-Defizit, die um Konjunktureinflüsse bereinigte Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben, gemäß der Schuldenbremse abzubauen.
In diesem Zusammenhang ging er während seiner Rede vor dem Bundestag mit keinem Wort auf die von der Koalition geplanten weiteren Steuersenkungen von bis zu 19,5 Milliarden Euro im Jahr ein. So ließ er auch diesmal offen, wie Steuersenkungen finanziert werden. Das Volumen von jährlich 19,5 Milliarden Euro würde den Bund 10 Milliarden kosten.
Gleichwohl verteidigte Schäuble die für 2010 geplante Rekord-Neuverschuldung von fast 86 Milliarden Euro. Der Etatentwurf sei geprägt von den Erschütterungen in Folge der Wirtschaftskrise sowie des tiefsten Wirtschaftseinbruchs in der Nachkriegszeit. Die Konjunktur-Aussichten hätten sich zwar wieder spürbar aufgehellt. Die Unsicherheit über die künftige Entwicklung sei aber noch groß. "Deshalb bleibt es richtig, dass wir weiter auf Sicht fahren müssen", sagte er. "Wir befinden uns tatsächlich noch in einer ernsten und beispiellosen wirtschaftlichen Gesamtsituation." Dies gelte auch für den Arbeitsmarkt: Für 2010 und 2011 müsse von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit ausgegangen werden. Es sei aber zu hoffen, dass er weniger dramatisch ausfalle als früher.
In der folgenden Debatte kritisierte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß, Schäuble habe nur eine pathetische Rede gehalten, aber "null Antworten" über die Strategie gegeben. "Ihnen fehlt die klare Orientierung." Die Opposition warf Union und FDP generell Klientelpolitik vor und forderte, den künftigen Sparkurs bereits jetzt offenzulegen und nicht die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai abzuwarten.
Der Grünen-Finanzexperte Alexander Bonde kritisierte, der Haushalt verstoße gegen das Prinzip der Generationengerechtigkeit. Eine derart hohe Verschuldung sei nicht abbaubar, besonders, "wenn man gleichzeitig die Einnahmeseite kaputt macht". Der FDP warf er vor, sie verstehe zwar etwas von "Vetterle-Wirtschaft", aber nicht von Wirtschaft. Die Linken-Abgeordnete Gesine Lötzsch nannte den Etatentwurf Schäubles einen "Haushalt von Lobbyisten für Lobbyisten" und warf Schwarz-Gelb eine "Umverteilung von unten nach oben" vor.
Noch bis Freitag beraten die Abgeordneten über die Budgetplanungen der schwarz-gelben Regierungskoalition. In 17 Einzeldebatten werden die Etats der Ministerien unter die Lupe genommen. Höhepunkt ist die Aussprache über den Kostenplan des Kanzleramtes am Mittwochmorgen, wo SPD, Grüne und Linke erneut die Gelegenheit haben, ihr Urteil über die Politik der Bundesregierung zu sprechen.
Der erste Etatentwurf von Union und FDP steht ganz im Zeichen der Wirtschaftskrise. Das Budget sieht Ausgaben in Höhe von 325,4 Milliarden Euro vor. Das sind gut sieben Prozent mehr als 2009. Hinzu kommt eine Neuverschuldung in Rekordhöhe: Weil die Steuereinnahmen wegen der Krise sinken, werden die Ausgaben mit zusätzlichen Krediten von 85,8 Milliarden Euro gedeckt. Das ist mehr als das Doppelte des Schuldenrekords aus dem Jahr 1996. Der Umfang neuer Kredite könnte noch auf bis zu 100 Milliarden Euro steigen, wenn man die zusätzlichen neuen Schulden für das zweite Konjunkturpaket und den Banken-Rettungsfonds einbezieht.
Im Anschluss an die Beratungen im Bundestag wird der Haushaltsentwurf an die Fachausschüsse überwiesen, dann erneut vom Bundestag debattiert und schließlich beschlossen. Wegen der Bundestagswahl im Herbst hatte sich das Verfahren verzögert. Deshalb gilt seit Jahresbeginn eine vorläufige Haushaltsführung und zwar so lange, bis der reguläre Etat in Kraft treten kann. Dies wird voraussichtlich Mitte März der Fall sein.
- Datum 19.01.2010 - 16:19 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
- Kommentare 42
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...großer Betrag, wenn man vergisst, dass er nur daher so klein sein kann, weil man hofft über den Export, also auf Kosten Anderer, aus der Rezession heraus zu kommen. Das ist das gleiche Free Rider Verhalten, das das Land in so vielen Bereichen bevorzugt und wundert daher wenig. Das inländische Klagen ist allerdings widerlich und verlogen.
...wenn man vergißt, dass er nur daher zu rechtfertigen ist, durch die Hoffnung sich über die Exporte also auf Kosten Anderer Länder sich zu sanieren. Das ist Ausdruck des traditionellen Free Riding Verhaltens, das man an Deutschland in so vielen Bereichen beobachtet. Auch das mediale und politische Klage um die Kreditaufnahme ist typisch und weitgehend eher der Ignoranz geschuldet als verlogen.
Ich denke mal, dass die Kreditaufnahme ein wenig bescheidener hätte ausfallen können, wenn man nicht für die Spielschulden der zockfreudigen Banker hätte aufkommen müssen - oder besser gesagt: nicht freiwillig aufgekommen wäre...
[...] Bitte verzichten Sie auf die Verweise auf Ihre Websites. Dazu dient Ihr Profil. Danke. Die Redaktion/sh
... aufgenommen worden sein? Deutschland hat so wenig gemacht, wie es eben ging, ohne massive Proteste und/oder Sanktionen seiner Freunde erwarten zu müssen. Die deutsche Strategie ist wie immer, von den Ausgaben Anderer zu leben. Hier war entscheidend, dass Ausländer Geld ausgeben, um ihre Wirtschaften anzukurbeln, damit Deutschland sich aus der Krise heraus exportieren kann. Das wissen die Anderen auch und daher war man nach anfänglichem Zögern dann doch gezwungen ein gewisses Defizit einzugehen. Letztlich ist die Aufregung auch daher. Man hätte das Ausland mehr zahlen lassen können oder weniger mithelfen müssen.
Sonst ist man eigentlich da relativ wenig bekümmert. Seit Einführung des EURO hat man fast kontinuierlich sowohl die Verschuldungslimits der Verfassung als auch der EU Jahr für Jahr gebrochen. Damals war keine Weltwirtschaftskrise. Man schwafelte lediglich von einen volkswirtschatlichen Störung. Das war zwar Quatsch, da war keine echte Schwierigkeit der Wirtschaft, als die des handwerklich schlimmen Eurovertrags, den man selbst verbrochen hatte. Dennoch man brach ohne Not seine Verfassung und Verträge mit den anderen Euro Mitgliedstaaten.
... aufgenommen worden sein? Deutschland hat so wenig gemacht, wie es eben ging, ohne massive Proteste und/oder Sanktionen seiner Freunde erwarten zu müssen. Die deutsche Strategie ist wie immer, von den Ausgaben Anderer zu leben. Hier war entscheidend, dass Ausländer Geld ausgeben, um ihre Wirtschaften anzukurbeln, damit Deutschland sich aus der Krise heraus exportieren kann. Das wissen die Anderen auch und daher war man nach anfänglichem Zögern dann doch gezwungen ein gewisses Defizit einzugehen. Letztlich ist die Aufregung auch daher. Man hätte das Ausland mehr zahlen lassen können oder weniger mithelfen müssen.
Sonst ist man eigentlich da relativ wenig bekümmert. Seit Einführung des EURO hat man fast kontinuierlich sowohl die Verschuldungslimits der Verfassung als auch der EU Jahr für Jahr gebrochen. Damals war keine Weltwirtschaftskrise. Man schwafelte lediglich von einen volkswirtschatlichen Störung. Das war zwar Quatsch, da war keine echte Schwierigkeit der Wirtschaft, als die des handwerklich schlimmen Eurovertrags, den man selbst verbrochen hatte. Dennoch man brach ohne Not seine Verfassung und Verträge mit den anderen Euro Mitgliedstaaten.
Schwarzgelb konnte noch nie mit Geld umgehen. Aus ihren Reihen kommen die Rekordschuldenmacher Waigel und Schäuble.
Die Hauptsache ist für Schwarzgelb daß ihre Klientel zufrieden sind, egal was es den dummen dt. Steuerzahler kostet.
Erst werden reiche Erben, Hoteliers, Bankiers und Autohersteller reich beschenkt.
Dann holt man sich das Geld wegen der ach so schlimmen Schulden von Otto Normalbürger zurück.
Da hätte Otto Normalbürger sich doch am besten vorher auch ein paar Parteien kaufen sollen.
Ich fürchte meine Vorhersage vor der Wahl wird leider wahr:
Die neue Regierung senkt die Mehrwertsteuer von 19 auf 21%!
Irrtum, auf mind. 25% (s. EU-Umsatzsteuersätze)
dann sollten die Steuererhöhungen unter der Prämisse mehr Netto vom Brutto (d.h. die Erwerbseinkommen nicht zu belasten) stehen.
In der Krise kann man auch mal 20% Erbschaftssteuer (auf 10 Jahre gestreckt) verlangen. Streichen sollte man den reduzierten MWSt-Satz ausser aufGrundnahrungmsittel.
Ich denke die Mehrwertsteuersenkung für Übernachtungen muss man differenziert sehen. Die Mehrwertsteuer zahlt nicht der Holtelier sondern der "Übernachter". Es werden also jene entlastet, die in Deutschland Urlaub machen. man könnte natürlich argumentieren, dass die Hoteliers die Preise (incl. Mehrwertsteuer) konstant lassen und sich den Differenzbertrag in die Tasche stecken. Das werden sie aber nur zum teil tun, weil sie durch niedrigere Preise ihren Konkurrenten (auch aus dem Ausland) Kunden abjagen können. Es bleibt also festzuhalten, dass nicht nur die Hoteliers sondern auch die Urlauber "beschenkt" werden.
Böse gesprochen ist das Klientelpolitik für die bösen Menschen, die es wagen, Urlaub in Deutschland und nicht auf Malle zu machen...
Um zum Thema zurück zu kommen. Ich finde diese Steuersenkung in Anbetracht der Haushaltslage nicht angemessen!
Irrtum, auf mind. 25% (s. EU-Umsatzsteuersätze)
dann sollten die Steuererhöhungen unter der Prämisse mehr Netto vom Brutto (d.h. die Erwerbseinkommen nicht zu belasten) stehen.
In der Krise kann man auch mal 20% Erbschaftssteuer (auf 10 Jahre gestreckt) verlangen. Streichen sollte man den reduzierten MWSt-Satz ausser aufGrundnahrungmsittel.
Ich denke die Mehrwertsteuersenkung für Übernachtungen muss man differenziert sehen. Die Mehrwertsteuer zahlt nicht der Holtelier sondern der "Übernachter". Es werden also jene entlastet, die in Deutschland Urlaub machen. man könnte natürlich argumentieren, dass die Hoteliers die Preise (incl. Mehrwertsteuer) konstant lassen und sich den Differenzbertrag in die Tasche stecken. Das werden sie aber nur zum teil tun, weil sie durch niedrigere Preise ihren Konkurrenten (auch aus dem Ausland) Kunden abjagen können. Es bleibt also festzuhalten, dass nicht nur die Hoteliers sondern auch die Urlauber "beschenkt" werden.
Böse gesprochen ist das Klientelpolitik für die bösen Menschen, die es wagen, Urlaub in Deutschland und nicht auf Malle zu machen...
Um zum Thema zurück zu kommen. Ich finde diese Steuersenkung in Anbetracht der Haushaltslage nicht angemessen!
pervers, wie sich unsere Eliten die Problemlösungen vorstellen.
[...] (Bitte tragen Sie mit Ihren Beitägen zum Thema bei. Die Redaktion /ft)
Irrtum, auf mind. 25% (s. EU-Umsatzsteuersätze)
Irrtum, die MwSt. wird auf 25% erhoben, die Renten werden gesenkt und andere Sozialleistungen, z.B. in Gesundheitsbereich herunter gefahren.
Gleichzeitig könnte man ja noch eine neue Wirtschaftankurbelungsmaßnahme starten, die kurzfristig den Absatz in einem bestimmten Wirtschaftszweig erhöht und die blöden Deutschen fallen wieder darauf herein.
Das ist dilettantische Wirtschaftspolitik!
Interessant, hängt wahrscheinlich auch mit dem Essen im Kanzleramt zusammen, dass eine flammende Rede ala Obama hinsichtlich des Gehabes der Bankster in diesem unserem(?) Lande fehlt.
TOLL!:-((
Irrtum, die MwSt. wird auf 25% erhoben, die Renten werden gesenkt und andere Sozialleistungen, z.B. in Gesundheitsbereich herunter gefahren.
Gleichzeitig könnte man ja noch eine neue Wirtschaftankurbelungsmaßnahme starten, die kurzfristig den Absatz in einem bestimmten Wirtschaftszweig erhöht und die blöden Deutschen fallen wieder darauf herein.
Das ist dilettantische Wirtschaftspolitik!
Interessant, hängt wahrscheinlich auch mit dem Essen im Kanzleramt zusammen, dass eine flammende Rede ala Obama hinsichtlich des Gehabes der Bankster in diesem unserem(?) Lande fehlt.
TOLL!:-((
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