Bundesregierung Schwarz-Gelb nörgelt sich ins neue Jahr

"Ungeheuer", "überheblich", "überflüssig": CDU, CSU und FDP streiten über Vizekanzler und Steuersenkungen. Der Start der Regierung gilt als verpatzt. Von M. Schlieben

Nun hat sich auch noch Jörg-Uwe Hahn in den Koalitionsstreit eingemischt. "Die CSU verwechselt Neujahr mit dem 1. April", schrieb Hessens Justizminister und FDP-Chef in einer Rundmail an die Redaktionen der Republik. Den Wunsch der CSU nach einem eigenen Vizekanzler wies Hahn entschieden zurück, schließlich sei die CSU im Bundestag nur halb so groß wie die FDP. Gallig fügte er hinzu: "Wie viele Wahlniederlagen muss die CSU noch einfahren, um diese ungeheure Überheblichkeit abzulegen?"

Hoppla, der Ton wird rauer. Besinnlich ist die Bundesregierung jedenfalls nicht ins neue Jahr gestartet. In den letzten Tagen verging kaum ein Stündchen, in der sich nicht ein aufgeregter Koalitionsvertreter sich zu Wort meldete. Die CSU stänkerte mal gegen die CDU, mal gegen die FDP. Die FDP arbeitete sich an beiden Unions-Schwesterparteien ab. Und die CDU wiederum verbat sich Kritik – und faucht ihrerseits ganz ordentlich zurück.

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Losgegangen war der neuerliche Koalitionskrach mit einer massiven Kritik des CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich an Angela Merkel, von der er in der Süddeutschen Zeitung einen entschlosseneren, stringenteren Führungsstil forderte. Es klang wie weiland in der Großen Koalition, als die Spitzen-Genossen über Merkels vermeintliche Führungsschwäche lästerten. Flankiert wurde die CSU-Meckeroffensive von ein paar bayerischen Abgeordneten, die via BILD-Zeitung einen eigenen CSU-Vizekanzler forderten.

Zusätzlich lud Horst Seehofer die gereizte Stimmung auf, indem der CSU-Chef kurzerhand das Lieblingsreformprojekt der FDP zur Disposition stellte. In der Bild am Sonntag kritisiert Seehofer die Zusage der FDP, den Bürgern ab 2011 Steuererleichterungen in Höhe von 24 Milliarden Euro jährlich zu gewähren, als voreilig. Über den Umfang der künftigen Steuererleichterungen könne erst im Sommer auf der Grundlage der aktuellen Steuerschätzung entschieden werden, sagte der CSU-Chef.

Kritik an der Kanzlerin, der Wunsch nach dem Vizekanzler-Posten und neuerliches Infragestellen der Steuersenkungen – viel unbeliebter hätte sich die CSU bei den übrigen Koalitionären an einem einzigen Wochenende kaum machen können. Entsprechend ließen die pikierten Reaktionen nicht lange auf sich warten.

Der Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe, nannte die Neujahrsideen der CSU noch am gleichen Tag "überflüssige Gespensterdebatten". "Kritik an unserer Bundeskanzlerin" sei abwegig und nicht gerade hilfreich. Andere prominente CDU-Politiker hielten sich zurück mit einer möglichen Zurechtweisung der Schwesterpartei. Unrecht habe die CSU mit ihrer Kritik an Merkels Führungsschwäche ja schließlich nicht, heißt es aus dem Umfeld eines christdemokratischen Ministerpräsidenten.

Wolfgang Böhmer (CDU) bestätigte an diesem Wochenende indirekt sogar die Kritik der CSU an seiner Parteichefin. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident sagte dem Spiegel: "Es hat Probleme gegeben, die man sich hätte sparen können". Auch er sei unzufrieden mit der Performance und den ersten Reformen der Regierung. Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hoteliers sei "reine Klientelpolitik".

Leser-Kommentare
    • ddkddk
    • 03.01.2010 um 14:19 Uhr

    Das würde den Steuerzahler ja nichts kosten und keinem FDP-Wähler einen Cent bringen!

    In Bayern allerdings hält die FDP Seehofer brav den Steigbügel.

    Westerwelle will das Steuersenkungsprogramm natürlich konsequent fortsetzen. Hier noch ein Vorschlag:

    Die FDP hat bei der Umsatzsteuersenkung für die Hoteliers nicht bedacht, dass mindestens 30 % davon über die Ertragsteuern wieder eingesammtelt werden.

    Wie wäre es mit einem Einkommensteuerfreibetrag für Hoteliers in Höhe der Umsatzsteuerersparnis? Würde das Wachstum doch sicher noch entscheidender beschleunigen.

  1. denn sie werden immer fündig!

    • IllI
    • 03.01.2010 um 15:16 Uhr

    auch die Medien, denn Sie lassen sich ablenken vom tatsächlichen Diletantismus

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Mopped
    • 03.01.2010 um 15:54 Uhr

    "Selig" schrieb

    auch die Medien, denn Sie lassen sich ablenken vom tatsächlichen Diletantismus

    Dilettantismus wird mit doppeltem t geschrieben.

    • Mopped
    • 03.01.2010 um 15:54 Uhr

    "Selig" schrieb

    auch die Medien, denn Sie lassen sich ablenken vom tatsächlichen Diletantismus

    Dilettantismus wird mit doppeltem t geschrieben.

  2. 99,99 Prozent der Zeit beschäftigt sich der Bundestag nur mit seinen eigenen Querelen. Der eine hat das gesagt, der andere hat den beschuldigt usw.... Mensch Leute ihr seid eigentlich dazu da zum Wohle des Volkes zu regieren und was zu bewegen!

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    Dass die Regierung im Sinne des Volkes entscheidet, passiert leider schon seit einigen Jahren nicht mehr. Komisch, in der Schweiz scheint es ja zu klappen, ohne dass sich die Leute dann gegenseitig die Köpfe einschlagen.

    Warum mir das Wahlergebnis von Anfang an Bauchschmerzen bereitet hat, ist ja nicht weiter zu erklären. Bedenken wir doch die letzte Amtsperiode einer schwarz-gelben Bienchenregierung.
    Ich denke so wie mabi56, dass die Regierung einfach nicht in der Lage ist, zu regieren. Die sollen sich nicht um ihre "der hat mir den Ball weggenommen"- Streitereien kümmern, Deutschland hat nen riesen Haufen ungelöster Probleme. Wie wäre es, sich darum zu kümmern und nicht auf seinen fetten Diäten rumzuhocken und sich den Allerwertesten breitzusitzen?

    Diese Regierung ist mal wieder eine Schande für Deutschland, das in der ganzen Welt mittlerweile belächelt wird.

    Dass die Regierung im Sinne des Volkes entscheidet, passiert leider schon seit einigen Jahren nicht mehr. Komisch, in der Schweiz scheint es ja zu klappen, ohne dass sich die Leute dann gegenseitig die Köpfe einschlagen.

    Warum mir das Wahlergebnis von Anfang an Bauchschmerzen bereitet hat, ist ja nicht weiter zu erklären. Bedenken wir doch die letzte Amtsperiode einer schwarz-gelben Bienchenregierung.
    Ich denke so wie mabi56, dass die Regierung einfach nicht in der Lage ist, zu regieren. Die sollen sich nicht um ihre "der hat mir den Ball weggenommen"- Streitereien kümmern, Deutschland hat nen riesen Haufen ungelöster Probleme. Wie wäre es, sich darum zu kümmern und nicht auf seinen fetten Diäten rumzuhocken und sich den Allerwertesten breitzusitzen?

    Diese Regierung ist mal wieder eine Schande für Deutschland, das in der ganzen Welt mittlerweile belächelt wird.

    • mabi56
    • 03.01.2010 um 15:47 Uhr

    Die Regierung ist in sich so zerstritten,das sie praktisch regierungsunfähig ist.Neuwahlen sind einfach erforderlich,damit das Volk wieder eine handlungsfähige Regierung bekommt.

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    • M.M.
    • 03.01.2010 um 17:05 Uhr

    Glauben Sie im Ernst, dass dann ein anderes Ergebnis (Stimmenanteil/Sitze)dabei herauskommen würde ??
    Der Wähler ist derartig dämlich, dass er es genau so wieder "hinstimmen" würde.
    Jede Wette !!!

    • M.M.
    • 03.01.2010 um 17:05 Uhr

    Glauben Sie im Ernst, dass dann ein anderes Ergebnis (Stimmenanteil/Sitze)dabei herauskommen würde ??
    Der Wähler ist derartig dämlich, dass er es genau so wieder "hinstimmen" würde.
    Jede Wette !!!

    • Mopped
    • 03.01.2010 um 15:54 Uhr
    6.

    "Selig" schrieb

    auch die Medien, denn Sie lassen sich ablenken vom tatsächlichen Diletantismus

    Dilettantismus wird mit doppeltem t geschrieben.

    Antwort auf ""Selig""
    • Fokko
    • 03.01.2010 um 16:15 Uhr

    Nun, bei der ganzen Diskussion um neue Steuermodalitäten wird immer etwas ganz Grundsätzliches übersehen: Dass kompetente Fachleute sich schon seit Jahren einig sind, dass einzig und allein ein komplett neues, rigoros vereinfachtes Steuerrecht sinnvoll ist.

    Alles andere ist sinnloser Aktivismus, Augenwischerei und Lobby-Gezerfe.

    Fokko vom Selbstversorger-Blog/Fantasy-Blog
    -------------------------------------------
    http://selbstversorger-bl...
    http://fokko.wordpress.com

    • JeMa
    • 03.01.2010 um 16:25 Uhr

    Die einzelnen Mitglieder der Regierungsparteien handeln offenbar getreu Christian Morgensterns "Galgenliedern":

    Vom blöden Volke unverstanden
    Treiben wir des Lebens Spiel.
    Gerade das, was unabwendbar,
    Fruchtet unserm Spott als Ziel.

    Jeder weiß genau, was jetzt unbedingt notwendig ist, alle andern sind "blödes Volk". - Und die Quadratur des Kreises "Steuern senken trotz Schuldenbremse und bei gleichzeitiger Konsolidierung des Staatshaushaltes" fruchtet dem Spott von CSU und FDP als Ziel.

    Neuwahlen? Nicht wahrscheinlich. - Führungsschwäche der Kanzlerin? Offensichtlich. - Fazit: Das Hauen und Stechen geht weiter. Und weiter. Und...

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