Schwarz-gelber Koalitionsgipfel Viel Arbeit für die Chefs
Steuer, Gesundheit, Steinbach: Merkel, Westerwelle und Seehofer treffen sich zum Koalitionsgipfel – doch die meisten Probleme werden sie wieder nicht lösen.
Es hat sich eine Menge aufgestaut zwischen den angeblichen Wunschpartnern des schwarz-gelben Regierungsbündnisses, und das nur gut 70 Tage nach seinem offiziellen Beginn. Der Streit um die Auslegung und richtige Umsetzung des Koalitionsvertrags, der schon während der Koalitionsverhandlungen einsetzte, bestimmt seitdem fast täglich die innenpolitischen Schlagzeilen. Statt rascher gemeinsamer Taten prägen diese ständigen Reibereien das Bild der Koalition. Politiker vor allem der beiden kleinen Parteien CSU und FDP versuchen, sich mit immer neuen Wortmeldungen zu profilieren, bis hin zu einem solch absurden Vorschlag wie einen zweiten Vizekanzlerposten für die CSU.
Selbst das, was Schwarz-Gelb schon auf den Weg gebracht hat wie die Steuerentlastungen im Rahmen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes, wurde im Vorfeld von Experten und eigenen Leuten zerpflückt, sodass die frohe Neujahrsbotschaft bei den Wählern kaum ankam. Kein Wunder, dass der Eindruck eines formidablen schwarz-gelben "Fehlstarts" sich inzwischen festgesetzt hat. Auch in den eigenen Reihen.
Mit einem Spitzentreffen noch in diesem Monat wollen Angela Merkel, Guido Westerwelle und Horst Seehofer nun versuchen, diesem Eindruck entgegenzuwirken und mögliche Kompromisslinien in den Hauptstreitfeldern zu finden. Von einem "Krisengipfel" wollen sie natürlich nicht sprechen; alle Beteiligten bemühen sich, das Sechs-Augen-Gespräch als Routinevorgang darzustellen. Aber wenn die Chefs ranmüssen und nicht die normale Koalitionsrunde, zeigt allein dies, dass reichlich Feuer unterm Koalitionsdach ist.
In den entscheiden Streitpunkten wird es aber auch den drei Parteivorsitzenden nicht leicht fallen, zu schnellen Einigungen zu kommen. Zu weit liegen die Positionen zum Teil auseinander. Im Koalitionsvertrag wurden sie vielfach mit Formelkompromissen oder mithilfe von zahlreichen Kommissionen lediglich verkleistert. Merkel und ihre beiden Antipoden wird es deshalb vermutlich vor allem darum gehen, Zeitpläne aufzustellen, bis wann die Probleme wie gelöst werden sollen, und Sprachregelungen zu finden, mit denen die drei Parteien in den nächsten Wochen und Monaten leben können. Das Hauptziel aber dürfte sein, das Klima in der Koalition zu bereinigen und die hochgehenden Wogen zu glätten.
Steuersenkungen
FDP und CSU, obwohl im Ziel eigentlich einig, haben auf ihrem Treffen in Stuttgart und in Wildbad Kreuth am Mittwoch ihre gegensätzlichen Standpunkte noch einmal deutlich gemacht: Die FDP beharrt auf die vereinbarten weiteren Steuerentlastungen im kommenden Jahr und dem angestrebten Stufentarif. Seehofer dagegen nannte die im Koalitionsvertrag angepeilte Summe von 24 Milliarden Euro unrealistisch. Man müsse sich "nach den Realitäten richten", sprich: der wirtschaftlichen Entwicklung und der Lage der hoch verschuldeten öffentlichen Haushalte. Und beides lasse - so seine Botschaft - eine so umfangreiche Entlastung im kommenden Jahr voraussichtlich nicht zu.
Finanzpolitiker der CDU haben sich ebenfalls schon in diesem Sinne geäußert. Der CSU-Haushaltsexperte Bartholomäus Kalb sieht gar bis Ende der Legislaturperiode überhaupt keinen Spielraum für Steuersenkungen. Und selbst die FDP hat erkennen lassen, dass sie nicht unbedingt auf ihrer Maximalposition besteht und dass auch sie die Konsolidierung des Haushalts nicht völlig hintanstellen will. Einen Zeitpunkt und einen Umfang nannten Westerwelle und Fraktionschefin Birgit Homburger beim Dreikönigstreffen der FDP jedenfalls bewusst nicht.
Es wird deshalb wohl dabei bleiben, dass Eckpunkte für die angestrebte weitere Entlastung von Bürger und Unternehmen erst nach der Steuerschätzung im Mai erstellt werden und dass dabei andere wichtige Aufgaben wie die Begrenzung der Neuverschuldung und zusätzliche Ausgaben für die Bildung mit in die Rechnung einbezogen werden. Am Ende könnte es darauf hinauslaufen, dass die Steuern nicht in einem großen Schritt, sondern in mehrere Etappen weiter verringert werden - je nach Kassenlage. Seehofer wies bereits darauf hin, dass die Jahreszahl 2011 im Koalitionsvertrag nicht fix sei. Tatsächlich steht dort nur, dass die Steuern im Gesamtvolumen von 24 Milliarden Euro "im Laufe der Legislaturperiode" gesenkt werden sollen und der neue Stufentarif "möglichst zum 1.1.2011 in Kraft treten" soll.
Eine zeitliche Streckung würde es der Regierungskoalition auch leichter machen, die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einzuhalten. Sie verpflichtet Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ohnehin schon, ab 2011 Jahr für Jahr 10 Milliarden Euro im Haushalt einzusparen. Eine erneute Steuersenkung auf Pump, wie zu Beginn dieses Jahres, ist dann nicht mehr möglich. Sie müsste vielmehr durch weitere Kürzungen im Etat finanziert werden. Ohne gravierende Einschnitte auch bei den Sozialausgaben würde das kaum gehen.
Ein Grund, weshalb die Koalitionsparteien über die Steuersenkungen und geplante Einsparungen erst nach der Landtagswahl am 9. Mai entscheiden wollen. Denn von deren Ausgang hängt ab, ob Schwarz-Gelb die knappe Mehrheit im Bundesrat behält. Die Wähler sollen deshalb vorher nicht durch Sparszenarien verschreckt werden.
Steinbach
In dem seit Monaten schwelenden Streit um die Besetzung des Beirats der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" ist eine Lösung ebenfalls noch nicht in Sicht. Zwar hat die vor allem von Polen abgelehnte Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, Anfang der Woche angeboten, auf einen Platz in dem Gremium zu verzichten. Allerdings nur unter Bedingungen, die zumindest für die FDP so kaum zu akzeptieren sind. Deren Außenminister Westerwelle lehnt die Berufung Steinbachs mit Rücksicht auf das Nachbarland ab. Die BdV-Vorsitzende verlangt nun als Preis für ihren Verzicht, dass die Bundesregierung ihr Letztentscheidungsrecht über die Besetzung des Beirats aufgibt, ihr Verband dort wesentlich mehr Sitze erhält und die geplante Vertreibungs-Gedenkstätte nicht mehr unter das Dach des Deutschen Historischen Museums kommt.
- Datum 07.01.2010 - 18:20 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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völlig unerklärlich, wie Westerwelle, so weit wie er sich aus dem Fenster gelehnt hat, jemals von seinen Steuererleichterungs-Maximalforderungen wieder runterkommen will, ohne dabei selbst massiv beschädigt zu werden.
Die Zukunft unseres Landes ist zur Geisel der politischen Instinktlosigkeit (man könnte auch sagen Verantwortungslosigkeit) dieses Mannes geworden.
Ich freue mich für Guido Westerwelle dass er nach 12 Jahren schwarz-rot in der Politik Akzente zu setzen. Ich glaube, dass er Konzepte hat die etwas bewegen können.
Aber er muss aufpassen, dass er den Bezug zur Realität nicht verliert. Seit der Ära Helmut Kohl hat sich viel verändert.
Der kalte Krieg ist vorbei und die UdSSR ist Vergangenheit. Mit rein Neoliberaler Politik kann man auch im Westen nicht mehr ohne weiteres punkten.
Wenn die FDP eine Politik nur für Reiche machen will, dann ist sie Lobyistenpartei. Sollte sie sich zu sehr an das Bürgerliche Lager binden läuft sie Geahr zu einer Protestpartei wie die FPÖ in Österreich zu verkommen. Westerwell muss beweisen, dass er mehr kann als nur an die Eigenverantwortung der Bürger zu appelieren.
Was die Steuer betrifft gab es in der Verangenheit doch eigentlich immer noch einen Weg nach unten.
Klar Westerwelle ist ein anderer Liberaler Politiker, der als deutscher Aussenminister homosexuell ist.
Das zeigt, dass man nicht mehr so leicht zwischen links und rechts in der Politik unterscheiden kann. Er muss aber auch beweisen, dass er Politik für Arme und Benachteiligte in diesem Land machen kann. Das sehe ich im Moment nicht.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel, nun ist es also laut Umfrage erwiesen, ihre Popularitäts-Werte sind schlecht. Nun kann man sagen was interessieren mich Umfragen, oder nach ihrem Leitspruch weiter so. Nun zeigt es sich, sie haben sich nie um die Belange der Bevölkerung oder des Landes gekümmert. Sie fühlen sich nur auf großen internationalen Bühnen wohl, dies ist schade. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, unser Land und die Bevölkerung an die EU zu verkaufen, ich glaube man muß sich mehr auf sich selbst besinnen. Ich habe seit sie Kanzlerin sind, nichts Positives von ihren Regierungen für Land und Leute gesehen. Ich glaube, es ist an der Zeit, daß sie jetzt Regieren oder Zurücktreten, so wie bis jetzt kann es nicht weitergehen. Bitte überlegen sie nicht zu lange, sonst gehen unser Land und seine Bevölkerung andere Wege!!! Ihr Koalitionspartner, den sie unbedingt haben wollten, entpuppt sich nur als Spaß oder Klientel Partei dies brauchen wir in der Bundesrepublik Deutschland nicht. An die Adresse der CSU und seinem Vorsitzendem, richte ich eindringlich die Bitte, erst im eigenen Haus alles auf Vordermann zu bringen, bevor man sich anderen Aufgaben zu wendet.
Danke
mit dem Wort Chefs gemeint?
Erfahrung ist eine Parodie auf die Idee!
Ausser Spesen nichts gewesen
Für den Verlauf der 'Elefantenrunde' wünsche ich Frau Merkel Standvermögen, Weitsicht und Erfolg bei der Durchsetzung Ihrer Wünsche.
Im besonderen wünsche ich ihr aber auch Objektivität dafür, dass sich sich nicht von einer anderen 'starken' Dame, nämlich Frau Steinbach unter Druck setzen läßt, wo diese nun die 'anderen Mittel', die ihr zur Verfügung stehen bekanntgegeben hat.
Das Verhalten von Frau Steinbach ist ganz gewiss nicht friedensfördernd, sondern nur machtbesessen. Vielleicht liegt es an ihrer 'Jugend' gegenüber den Vertriebenen, die tatsächlich durch eine seelisch und körperlich wahrgenommene Vertreibung ein Trauma erlitten haben, und nun zu alt und zu müde sind, um auf Frau Steinbach einzuwirken, damit sie sich mit ihren Ansprüchen, seien sie nun sentimental vorgetragen: die Stiftung sei 'ihr Kind' oder mit den dreisten Bedingungen für ihren 'Rückzug' der letzten Tage verbunden, zurücknimmt.
Ingrid Welzel
Die lautstarken Dispute in der amtierenden Koalition können kaum mehr verhehlen, wie weit die politische Klasse von den Überlegungen entfernt sind, die eine tragfähige Krisenstrategie voraussetzt.
Das allgemeine Desinteresse in der Wählerschaft lies hier so einige Blütenträume von Handlungsspielräumen reifen,die sich bald als schöner Schein entpuppen können, wenn der Kampf um die nackte Existenz so dringlich geworden sind, dass die Ablenkung durch Medien nicht mehr greift.
Ob wir im Chaos untergehen oder sich die eher im Stillen wachsenden Potentiale den nötigen Halt bieten können, wird sich dann zeigen müssen.
Eine wirklich demokratische Verfassung könnte hier wichtige Haltepunkte bieten. Die wird sich nur gegen den Widerstand der Parlamentarier im ihrem wohl versorgten Schlaraffenland durchsetzen lassen.
Sie sitzen auf herrlichen Pferden,
die Mäntel aus Leder, ganz lang,
man nennt sie die Herren auf Erden,
erblick` ich sie wird mir ganz bang.
Sie sitzen auf herrlichen Pferden,
die Blicke so kalt und ganz hart,
man nennt sie die Herren auf Erden,
jetzt wird am Erbarmen gespart.
Sie sitzen auf herrlichen Pferden,
der Glanz ihrer Kutschen blitzt grell,
man nennt sie die Herren auf Erden,
sie nutzen die Schwachen, sind schnell.
Sie rasen und hetzen und jagen,
das Land hier ist heut` ihr Revier,
man nennt sie die Herren auf Erden,
für sie ist der Schwache ein Tier.
Tantiemen, Renditen, Debatten,
die Herrschaft über die Welt,
sie nutzen die Macht dort im Schatten,
sie morden die Herzen mit Geld.
Sie morden die Seelen mit Kälte,
sie sagen, Du bist gar nichts wert,
Du weinst und vergisst Deine Würde,
und wirst von den Herren entehrt.
Steh auf und nimm in die Hände,
Dein Herz und wage den Mut,
es gibt Deinem Leben die Wende,
die Liebe zum Schwachen, die tut.
Du nimmst Deine Hände zum Machen,
zu machen, was Hilfe man nennt,
sei stark und hilf nun den Schwachen,
und jeder im Ort Dich erkennt.
Die Kinder, die Alten und Schwachen,
sie suchen nach Deinem Arm,
sie zählen Dich zu den Wachen,
drum geh nun und schlage Alarm.
Leipzig, April 2000
(c) Politicon
Der Kanzlerin Merkel zum Gedächtnis und dem Deutschen Volke zur Mahnung.
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