Steuerreform FDP schwenkt auf Unionslinie ein

Nach dem Koalitionsgipfel im Kanzleramt hofft die Regierung auf harmonischere Zeiten. Die FDP beugt sich den Vorgaben der Union: Die Steuerreform muss nicht 2011 kommen.

Die FDP rückt nach dem Koalitionsgipfel im Kanzleramt immer deutlicher vom kommenden Jahr als festem Zeitpunkt für weitere Steuerentlastungen ab. "Es kann auch später sein, wenn es objektiv nicht möglich ist und vielleicht die Courage beim Partner nicht so ausgeprägt ist wie bei uns", sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner. "Aber wir bestehen darauf, es muss eine Steuervereinfachung geben." Lindner verwies auf den Koalitionsvertrag, demzufolge möglichst 2011 der Einstieg in eine Steuerstrukturreform kommen solle. "Möglichst 2011 heißt: Man muss sich aktiv um eine Möglichkeit bemühen. Sie kann aber auch objektiv nicht gegeben sein."

Auch FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger, die in den vergangenen Wochen hartnäckig auf eine Steuerstrukturreform bereits im kommenden Jahr gedrungen hatte, wich von ihrer bisherigen Linie ab. "Die Koalition ist sich einig, dass Entlastungen und Haushaltskonsolidierung Hand in Hand gehen müssten" sagte sie und drang zugleich auf strukturelle Änderungen im Staatsetat, um Steuerentlastungen zu ermöglichen. "Es gibt manches im Bundeshaushalt, das ineffizient ist, das man anders organisieren könnte." So müssten die Subventionen auf den Prüfstand gestellt werden.

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Am Sonntag waren Bundeskanzlerin Angela Merkel, FDP-Chef Guido Westerwelle und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer im Kanzleramt zusammengekommen. Zweieinhalb Stunden lang bereiten die Koalitionsspitzen über das Erscheinungsbild der Regierung, die zuletzt ein Bild der Zerstrittenheit geboten hatte. Das Treffen ging am Abend ohne eine offizielle Stellungnahme zu Ende.

Als erster Beteiligter äußerte sich nun Bayerns Ministerpräsident. Das Gespräch sei "sehr entspannt und ergebnisorientiert" verlaufen, sagte Seehofer. So habe man sich darauf geeinigt, "an der großen Steuerstrukturreform" festzuhalten. "Wir machen es, das ist vereinbart." Allerdings wolle die Bundesregierung die Steuerschätzung im Mai abwarten, bevor weitere Entscheidungen fallen. Die Parteispitzen hielten bei dem Treffen fest, dass von den im Koalitionsvertrag genannten 24 Milliarden Euro bereits 4,6 Milliarden Euro durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz umgesetzt worden seien. Damit müsste die Koalition noch weitere 19,4 Milliarden Euro Steuerentlastung umsetzen.

Seehofer mahnte ein Ende der Debatte über den Zeitpunkt weiterer Steuerentlastungen an: "Wir haben uns jetzt auf ein Verfahren verständigt und wollen jetzt dieses Verfahren nicht begleiten mit pausenlosen öffentlichen Kommentaren". Alle Beteiligten müssten zudem die reale Wirtschaftsentwicklung im Blick behalten. Schließlich habe die Koalition nicht nur Steuerentlastungen, sondern auch Impulse für Bildung und Forschung sowie eine Haushaltskonsolidierung vereinbart.

Der bayerische Ministerpräsident  räumte "ein Kommunikationsproblem" der Regierung ein. Sie habe "gewaltige Entlastungen für Familien und Unternehmen beschlossen", jedoch zu wenig darüber und zu viel über "Selbstbedenken" geredet. "Das, was wir bisher getan haben, ist zu schlecht kommuniziert worden", sagte Seehofer. Merkel, Westerwelle und er seien sich einig gewesen: "Das müssen wir abstellen. Und das ist auch abgestellt." Künftig solle positiv über das Handeln der Regierung geredet werden.

Auf innerkoalitionäre Harmonie hofft auch Unionsfraktionschef Volker Kauder. Bis zu einer genauen Entscheidung über die Höhe der Steuerreform solle doch "jetzt mal Ruhe sein", sagte der CDU-Politiker und verwies ebenfalls auf die Regelungen im Koalitionsvertrag. Demnach werde es Steuerentlastungen geben, aber die Größenordnung werde erst nach der Steuerschätzung im Mai festgelegt werden. "Und deshalb sollte auch ich nicht mehr sehr viel dazu sagen."  

Kauders Fraktions- und Parteikollege Michael Meister indes wartet mit neuem Konfliktpotenzial auf. Er fordert den Koalitionspartner auf, Finanzierungsvorschläge für die Steuerreform zu unterbreiten. Der ins Gespräch gebrachte Aufschub der Reform entbinde die Liberalen nicht von der Pflicht zu sagen, wo sie das Geld für die Entlastungen hernehmen wollten, sagte der CDUler. Unabhängig davon, wann die Reform komme, müsse sie zusätzlich zu den ab 2011 ohnehin nötigen Einschnitten zum Schuldenabbau finanziert werden. "Die Verschiebung allein bringt daher nichts, es sei denn, man hätte später zusätzliches Wachstum", betonte der Finanzexperte.

 
Leser-Kommentare
  1. Frau Homburger wollte eigentlich sagen, dass alle Subventionen überprüft werden müssen, solange die jeweiligen Nutznießer weniger als 1 Mio. € der FDP gespendet haben

    Antwort auf
  2. "Wenn Frau Homburger jetzt fordert, man müsse die Subventionen auf den Prüfstand stellen, um Einsparmöglichkeiten zu finden, dann frage ich mich, was die Koalition gerade mit der Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers beschlossen hat. Wenn das keine Subvention ist, was soll es dann sein?"

    Zum Thema angebliche Subventionen für Hoteliers: Es gehört zu einer objektiven Darstellung, daß der Umstand erwähnt wird, daß es eine verminderte Mehrwertsteuer für Hoteliers und Gastronomen bei so gut wie allen europäischen Nachbarländern gibt; Deutschland war da eine der der wenigen Ausnahmen. Die FDP hatte in ihrem Wahlkampf versprochen, die Steuergesetzgebung hierzulande diesem Standard anzugleichen, und dieses Versprechen hätte sie demzufolge gehalten.

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    @4. Und in fast allen anderen Ländern der EU gibt es einen flächendeckenden Mindestlohn, oder??????
    Immer nur fürs Klientel Politik machen!!!!!

    Aufstockung von Hartz4, Kombi-Lohn-Modelle, alles keine Subventionen, ja was denn dann????? achja , fast vergessen, Geschenke ans Klientel der FDP.....lol

    @4. Und in fast allen anderen Ländern der EU gibt es einen flächendeckenden Mindestlohn, oder??????
    Immer nur fürs Klientel Politik machen!!!!!

    Aufstockung von Hartz4, Kombi-Lohn-Modelle, alles keine Subventionen, ja was denn dann????? achja , fast vergessen, Geschenke ans Klientel der FDP.....lol

  3. 3. FDP

    @4. Und in fast allen anderen Ländern der EU gibt es einen flächendeckenden Mindestlohn, oder??????
    Immer nur fürs Klientel Politik machen!!!!!

    Antwort auf "@1 Werner Koben:"
    • joG
    • 18.01.2010 um 14:04 Uhr

    ..."Steuer Reduzierungen" die geschlossen wurden keine Subvention?

    Antwort auf
    • kapa
    • 18.01.2010 um 14:14 Uhr

    lass uns versuchen diese regierung ab zu wählen so ein verlogender Haufen von scheinheiligen versprechen die nie ein gehalten werden [...] (Bitte achten Sie auf ihre Wortwahl. Die Redaktion /ft)

  4. Die Anhörung des zuständigen Ausschusses durch den Bundestag stellte vergangenes Jahr wiederholt fest, dass am so genannten Regelsatz des Zwölften Sozialgesetzbuches jeglicher sich messen lassen muss: Sein Leben unterhalb dessen zu finanzieren belegt für alle nachvollziehbar, durch eigene Mittel und eigene Kraft eine vollständig integrierte Lage zu besitzen. Oberhalb beginnen deshalb die Gefährdungen des Selbst (Guidano), denen auch beispielsweise die Kalte Progression der Einkommenssteuertabelle angehört. Insofern kann die aktuell mit Verve allenthalben und vielfältig vorgetragene Tabellendebatte allein fiktional sein und dient ausschließlich allgemeiner Unterhaltung, weil sie sich außerhalb alles Realen befindet.

  5. Aufstockung von Hartz4, Kombi-Lohn-Modelle, alles keine Subventionen, ja was denn dann????? achja , fast vergessen, Geschenke ans Klientel der FDP.....lol

    Antwort auf "@1 Werner Koben:"
    • Ranjit
    • 18.01.2010 um 15:14 Uhr

    Der älteste Trick des Politgeschäfts: Hanebüchene Wahlversprechen erst Medienwirksam und wider alle Vernunft einfordern und dann verschieben.
    Aus den Medien aus dem Sinn. Kein Wunder das die Verlage das Internet so hassen. Durch das lange Gedächtnis wird offenbar wie leicht sich die Massenmedien an der Nase herum führen lassen.

    Qualitätsjournalismus nennt man dass dann. Die Zeit bildet hier manchmal eine Ausnahme und schreibt auch mal antizyklisch, aber damit hat es sich dann auch schon.

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