Hessens Ministerpräsident Kochs trübe Bilanz

Vor genau einem Jahr bekam Roland Koch seine dritte Chance. Doch seine Bilanz fällt trübe aus. Jetzt hat er auch noch eine Hartz-IV-Debatte angestossen. Von C.Schmidt Lunau

Der dienstälteste Ministerpräsident der Union: Roland Koch (CDU)

Der dienstälteste Ministerpräsident der Union: Roland Koch (CDU)

Hessens Ministerpräsident steht mal wieder in der Kritik. Am Wochenende zog Roland Koch den Zorn von Gewerkschaften, Arbeitslosen und auch seiner eigenen Partei auf sich. Er hatte in einem Interview angeregt, eine strenge Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger einzuführen, "damit niemand das Leben von Hartz IV als angenehme Variante ansieht", so Kochs Begründung. Die zuständige Vertreterin der Bundesregierung ging prompt auf Distanz zu Koch. Man dürfe nicht alle Hartz-V-Empfänger "in eine Ecke stellen", sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Dass selbst Parteifreunde auf Distanz zu ihm gehen, ist nichts Neues für den hessischen Ministerpräsidenten. Koch polarisiert, seit er im Amt ist. Zweimal stand er bereits am Abgrund. Im Januar 2000 verhedderte er sich in der Finanzaffäre der hessischen CDU. Er hatte „brutalstmögliche Aufklärung“ versprochen, die Öffentlichkeit aber über wichtige Details getäuscht. Diese Affäre überstand er, seitdem gilt er als krisensicher.

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Im Landtagswahlkampf 2008 verspielte Koch mit einer Kampagne gegen „kriminelle ausländische Jugendliche“ seine 2003 errungene absolute Mehrheit. Als geschäftsführender Ministerpräsident einer rot-rot-grünen Landtagsmehrheit überlebte er, weil seine SPD-Herausforderin Andrea Ypsilanti an ihrer eigenen Partei scheiterte. Vor heute genau einem Jahr, bei der Landtagswahl 2008, bekam Koch seine dritte Chance. Seitdem regiert er wieder mit einer klaren Landtagsmehrheit von CDU und FDP. Doch die Jahresbilanz fällt trübe aus.

Das Jahr 2009 ließ sich zunächst gut an. An der Seite des Opel-Betriebsratschefs Klaus Franz kämpfte Koch kraftvoll für einen Verkauf von Opel an den Investor Magna. Er setzte sich dabei gegen Widerstände aus CSU und FDP durch. Am Ende machte das irrlichternde GM-Management einen Strich durch Kochs Rechnung. Die frühe Festlegung auf einen Investor sei eben ein Fehler gewesen, kommentierte der stellvertretende Ministerpräsident Jörg Uwe Hahn, FDP, das Scheitern des Deals.

Auch Kochs unglücklichen Auftritt im Zusammenhang mit dem hessischen Kulturpreis nutzte der liberale Wunschpartner zur eigenen Profilierung. Dass Koch als Vorsitzender des Preiskuratoriums dem deutsch-iranischen Publizisten Navid Kermani den Preis wieder aberkennen wollte, als zwei weitere Preisträger, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann und Ex-Kirchenpräsident Peter Steinacker, Anstoß an einem Text des Autors genommen hatten, nannte Integrationsminister Hahn einen Fehler.

Teile der FDP gingen auch auf Distanz zu Koch, als er im ZDF-Verwaltungsrat die Ablösung von Chefredakteur Nikolaus Brender betrieb.

In der Landespolitik musste Koch erklären, warum die Regierung gegen ein Urteil des hessischen Verwaltungsgerichtshofs Revision einlegt, der die Genehmigungsbehörde beim Ausbau des Frankfurter Flughafens zu einem strikten Nachtflugverbot aufgefordert hatte. Koch und sein Koalitionspartner FDP hatten eben dieses Nachtflugverbot jahrelang als unabdingbare Voraussetzung für den Bau einer neuen Landebahn bezeichnet. Die Opposition spricht von Wortbruch, selbst hochrangige CDU-Kommunalpolitiker gehen auf Distanz.

Leser-Kommentare
  1. Ein Anti-Christ wie dieser Herr Koch kann wohl nix für seine Gedankenwelt. Beschäftigt man sich mit der Herkunft und dem Elternhaus aus dem jener stammt dann wird klar wessen Geistes Kind er ist. Sollen die Koch's in dieser Republik doch endlich die Arbeitspflicht ins BGB schreiben, für jeden Bürger ab 18 Jahren in diesem Land - sofort gäbe es keine Probleme mehr mit der Arbeitslosigkeit und Herr Koch müsste nicht ständig seine grauen Zellen bemühen und sich perfide Gedanken um die Ausgestossenen dieser Gesellschaft machen !

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    • Harzer
    • 19.01.2010 um 18:57 Uhr

    einmal in der DDR-Verfassung. "Recht und Pflicht auf Arbeit". Wer nicht arbeitete war assozial und kam ins Arbeitslager zur Erziehung.
    Aber.......jedem wurde vorher eine vielleicht schmutzige, unatraktive oder schwere Arbeit angeboten, von der man aber immerhin gemessen am DDR-Durchschnitt gut leben konnte.
    Enfacher Vorschlag an Herrn Koch: Wenn er es schafft, jedem Hartzer eine solche Arbeit anzubieten, kann er dann auch jeden sanktioniere oder einsperren, der diese nicht annimmt.

    • Harzer
    • 19.01.2010 um 18:57 Uhr

    einmal in der DDR-Verfassung. "Recht und Pflicht auf Arbeit". Wer nicht arbeitete war assozial und kam ins Arbeitslager zur Erziehung.
    Aber.......jedem wurde vorher eine vielleicht schmutzige, unatraktive oder schwere Arbeit angeboten, von der man aber immerhin gemessen am DDR-Durchschnitt gut leben konnte.
    Enfacher Vorschlag an Herrn Koch: Wenn er es schafft, jedem Hartzer eine solche Arbeit anzubieten, kann er dann auch jeden sanktioniere oder einsperren, der diese nicht annimmt.

  2. Wurde in Hessen die Liste der Mega-Steuerhinterzieher (Liechtenstein) abgearbeitet? Wohl kaum, wie es geboten wäre.
    Werden in Hessen Wirtschaftskriminalität, Subventionsbetrug,
    Begünstigung im Amt, die Untaten gewisser Bankster, die Mißstände der Justiz aufgearbeitet?
    Wie steht es um die justizielle Ahndung der Untaten des merkwürdigen Juristen-Ehepaares Wolski?
    Man stelle sich vor: Eine der höchsten Richterinnen des Landes mit einem Erbschleicher, Steuerschwindler verheiratet und keinerlei Konsequenzen?
    Wo man in Hessen hinschaut: Es stinkt gewaltig. Ämterpatronage, Personalfilz, Begünstigung im Amt, Durchstechereien, Entlassung Unliebsamer aus dem ÖD mithilfe fragwürdiger Methoden.
    Und was tun Medien, LKA, Rechnungshöfe, Prüfungsämter, Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, die vielen Anständigen, Aufrechten, Ehrlichen aus der Zivilgesellschaft?
    Meine Theorie: Die Lautesten erhalten eine kleine Gefälligkeit - und schweigen!! manus manum lavat.....oder, wie es ein früherer Landrat zu sagen wußte: "man muss mit den Wölfen heulen...."

  3. Vielleicht ist es Herrn Koch entgangen, aber diese Arbeitspflicht ist längst Bestandteil des Sozialgesetzbuches. In § 31 SGB II werden die Sanktionen aufgeführt, die im Falle einer Ablehnung oder bei Verlust durch Eigenverschulden eines Arbeitsplatzes verhängt werden. Diese Sanktionen reichen bis zum einhundertprozentigen Streichung aller Geldleistungen.

    Herr Koch, jetzt müssen Sie nur noch die Arbeit schaffen, damit Sie alle Leistungsbezieher zur Arbeit zwingen können.

    • Harzer
    • 19.01.2010 um 18:57 Uhr

    einmal in der DDR-Verfassung. "Recht und Pflicht auf Arbeit". Wer nicht arbeitete war assozial und kam ins Arbeitslager zur Erziehung.
    Aber.......jedem wurde vorher eine vielleicht schmutzige, unatraktive oder schwere Arbeit angeboten, von der man aber immerhin gemessen am DDR-Durchschnitt gut leben konnte.
    Enfacher Vorschlag an Herrn Koch: Wenn er es schafft, jedem Hartzer eine solche Arbeit anzubieten, kann er dann auch jeden sanktioniere oder einsperren, der diese nicht annimmt.

  4. Art 12
    (2) Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.
    (3) Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig.

    Absatz 2 wurde durch Hartz IV schon angetastet - sollten Hartz-IV-Empfänger jetzt auch noch zu Sträflingen gemacht werden? Ein schlichtes Bekenntnis zum Grundgesetz verlangt Herrn Koch wohl zuviel ab!

  5. Das Rezept haben im 19. Jahrhundert schon die russischen Feudalherren angewendet, als sie zur Ablenkung von ihren immer gewaltigeren Fehlleistungen und Verschwendungsexzessen zur Jagd auf "die Juden" aufrief und Pogrome als Instrument für diese Ablenkungspolitik einsetzte. "Sündenbockpolitik"

    Wir können also erwarten, dass Herr Koch in Fortführung seiner analogen Sündenbockpolitik, demnächst dazu aufrufen wird, dem "arbeitsscheuen Gesindel", dass sich da erdreistet, die nicht zur Verfügung stehenden Erwerbsarbeitsplätze nicht anzunehmen. Dazu wird dann wohl auch die Zwangsbeschäftigung als 1-Euro-Putzkräfte in den systemischen Kernwirtschaftsbetrieben der Möwenpick-Hotelgruppe als Konjunkturförderungsprogrammpunkt beschlossen und die Hotelbetriebe bekommen für die gemeinnützige Arbeitsplatzzurverfügungstellung einen Steuerzuschuss in Höhe des 100fachen der tariflichen Lohnsumme überwiesen.

    Wer allerdings die angebotene Arbeit nicht annehmen will, dem werden die bürgerlichen Ehrenrecht aberkannt, die Staatsbürgerschaft wird aberkannt und das dann noch verbleibende humanoide Restsubstrat wird mittels der noch zu beschließenden Endlösung der Arbeitslosengeld-II-Missbraucherfrage einer renditeorientierten Verwertung zugeführt.

    So gesehen, gehen wir doch wirklich einer hoffnungsfrohen Zukunft entgegen. Oder etwa doch nicht?

  6. Ja - Sofort.
    Vor allem bei der Bundes- und Landesregierungen.

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    Man stelle sich das vor: Die ganzen beamteten arbeiten den ganzen Tag - und was werden die dann "produzieren"????

    Gott bewahre uns vor einem Aufwachen all dieser Leute ...

    Man stelle sich das vor: Die ganzen beamteten arbeiten den ganzen Tag - und was werden die dann "produzieren"????

    Gott bewahre uns vor einem Aufwachen all dieser Leute ...

  7. ... an der SPD gescheitert, wie im Artikel geschrieben steht.

    Sie ist an sich selbst gescheitert - an Ihrer Machtgeilheit, die sie die vor der Wahl gegebenen Aussagen vergessen ließen. Und auch die SPD ist an sich selbst gescheitert - so wie diese Partei nach der Wahl mit dem Grüppchen Aufrechter umging - [ entfernt: Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

    Auch wenn es ZEITonline schwerfällt: Immer schön bei den Tatsachen bleiben ;-)

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    Liebe Redaktion: Auch wenn es Eure Lieblingspartei trifft, auch wenn Euch das gar nicht passt - Meinungsfreiheit bedeutet, dass man sagen darf, was man denkt.

    Natürlich darf man andere nicht diffamieren, runtermachen oder Lügen in die Welt setzen.

    Aber nun erklärt mir bitte mal, was an meinem Kommentar unsachlich war?

    Danke.

    Liebe Redaktion: Auch wenn es Eure Lieblingspartei trifft, auch wenn Euch das gar nicht passt - Meinungsfreiheit bedeutet, dass man sagen darf, was man denkt.

    Natürlich darf man andere nicht diffamieren, runtermachen oder Lügen in die Welt setzen.

    Aber nun erklärt mir bitte mal, was an meinem Kommentar unsachlich war?

    Danke.

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