Als die Bundeskanzlerin nach der CDU-Vorstsandsklausur vor die Presse trat, war sie ersichtlich mit sich zufrieden. „Ich habe vor dem Treffen gesagt, dass ich mich darauf freue“, sagte Angela Merkel mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht. "Diese Vorfreude hat sich bestätigt.“

Tatsächlich hat die Kanzlerin Grund, sich zu entspannen. Von der massiven Kritik an ihrem Führungsstil, ihrem innerparteilichen Modernisierungskurs und ihrem weichgespülten Bundestagswahlkampf war am Freitagmittag nicht mehr viel zu spüren.

Stattdessen loben die meisten Teilnehmer das Treffen über den grünen Klee. So viel gelacht worden wie diesmal sei auf einer Klausurtagung schon lange nicht mehr, bekundete etwa Merkels Stellvertreterin und Bildungsministerin Annette Schavan. Von einem „super Aufbruch“ für den Rest der Legislaturperiode, sprach der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, der sich tags zuvor zumindest noch verhalten kritisch eingelassen hatte, indem er etwa eine „ergebnisoffene Debatte über das Wahlergebnis“ verlangte.

Glaubt man Wulff, hat diese jedoch durchaus stattgefunden. „Alle Fragen, die uns so bedrängen, wurden angesprochen“. Tatsächlich scheint Merkel ihre Kritiker vor allem dadurch eingefangen zu haben, dass sie nicht müde wurde zu betonen, jeder Debattenbeitrag sei wichtig, jeder werde ernst genommen.

Dass die Diskussion über das Profil der Partei damit beendet ist, ist jedoch wenig wahrscheinlich. Vor allem der rechte Flügel dürfte sich von Merkels Definition von Konservativismus - „das Gute bewahren, vor dem Neuen nicht erschrecken“ - nicht wirklich angesprochen fühlen. .

Der Vorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder (CDU), etwa verlangte auch nach der Tagung, die Partei müsse ihr konservatives Profil schärfen. Hessens
Innenminister Volker Bouffier betonte, Stammwähler könnten es schwer haben mit dem Wandel der CDU. Ähnlich äußerte sich auch der CDU-Politikers Wolfgang Bosbach, der allerdings nicht Mitglied des Vorstands ist, im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt.  Die Debatte über die Ausrichtung der Partei werde weitergehen, solange "ein entschiedenes Sowohl-als-auch" als geschickte Strategie gelte, sagte Bosbach. Es sei zwar richtig, dass der Parteivorstand sich künftig verstärkt um Wähler von SPD, Grünen und FDP bemühen wolle. Er sei aber gespannt, wie die Partei in der Praxis gleichzeitig die konservative Stammwählerschaft nicht aus dem Blick verlieren wolle.

Wichtige Symbolthemen der Konservativen wurden auf der Tagung zudem konsequent umgangen. Weder ist klar, wie die CDU sich im Streit um die Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach positionieren will, noch beispielsweise wie sie das geplante Betreuungsgeld, mit dem Familien mit traditioneller Rollenaufteilung unterstützt werden sollen, genau ausgestalten will.