Den Berliner Ingenieur Walter Heimann könnte man postum einen Pionier im Anti-Terror-Kampf nennen. Er forschte ab 1931 zunächst bei AEG in Berlin-Reinickendorf an Kathodenstrahlröhren und befasste sich dann bei der Reichspost mit der Entwicklung von Röhren für Fernsehtechnik. Er sorgte maßgeblich dafür, dass es Live-Bilder von den Olympischen Spielen 1936 gab. Nach dem Krieg musste er sich eine neue Existenz aufbauen, lehnte mehrere Forschungsangebote aus den USA ab. Stattdessen gründete er 1946 in Wiesbaden die Heimann GmbH. Das Unternehmen baut heute unter anderem die sogenannten Körperscanner.

Diese Geräte sind spätestens seit dem gescheiterten Flugzeug-Attentat von Detroit gefragt wie nie. Die US-Sicherheitsbehörde TSA bestellte gleich nach Weihnachten 300 zusätzliche Körperscanner – allerdings bei einer US-Firma zum Stückpreis von rund 150.000 Dollar. Derzeit wird der Einsatz dieser Scanner in vielen EU-Ländern geprüft.

1970 verkaufte Heimann die Mehrheit an den Siemens-Konzern und zog sich aus dem Tagesgeschäft zurück. Die Heimann GmbH entwickelte sich weiter zum Zulieferer der Industrie, Medizin- und Sicherheitstechnik. Schon Mitte der 70er Jahre war die Wiesbadener Firma groß im Geschäft zum Bau und Vertrieb von Röntgenanlagen für die Kontrolle von Reisegepäck.Heimann starb 1981, sein Unternehmen lebte weiter: 1993 ging ein Teil davon an den Rüstungskonzern Rheinmetall und 2002, ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September, übernahm das britische Sicherheitsunternehmen Smiths Group die Firma. Bis heute hat Smiths Heimann nach eigenen Angaben mehr als 40.000 Röntgenprüfsysteme in über 150 Länder geliefert, mit deren Hilfe Postsendungen, Gepäck, Waren, Container und Lastwagen überprüft werden.

Das Unternehmen entwickelt auch den Körperscanner Eqo, bei dem sich ein Fluggast vor einer zwei Meter hohen Stellwand um die eigene Achse drehen muss. Eine Ampel zeigt Rot oder Grün. Nur bei Rot spuckt die Maschine ein Foto aus. Und darauf sieht ein Sicherheitsbeamter eine vollständig bekleidete Person mit einem roten Rahmen an der Stelle, an der sich ein verdächtiger Gegenstand verbergen könnte.

Damit erfüllt die Maschine, die nach Herstellerangaben ab diesem Sommer serienreif sein soll, ein entscheidendes Kriterium der Politik: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte dieser Tage gesagt, dass die Körperscanner "die Persönlichkeitsrechte wahren müssen", bevor die Bundespolizei sie an Flughäfen einsetzt. Nicht ohne Grund sind diese Geräte im vergangenen Jahr unter dem Namen Nacktscanner bekannt geworden. Von diesem Sommer an könnte Smiths Heimann das Gerät, das die Intimsphäre der Kunden wahren soll, im größeren Stil liefern, teilte das Unternehmen mit.

Weltweit könnte der Bedarf bei rund 50 000 Geräten liegen, wenn die Technik an allen größeren Flughäfen der Welt eingesetzt würde, schätzen Experten. Zudem könnte es einen Bedarf an Grenzübergängen, Gefängnissen und Bahnanlagen geben. Der Aktienkurs der britischen Heimann-Mutter Smiths stieg in London am Montag um 5,4 Prozent auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Das größte Geschäft machen derzeit aber die beiden US-Wettbewerber L3 Communications und OSI Systems, deren Geräte schon für den wichtigen US-Markt zertifiziert sind. Sobald auch die Europäer sich für den Nacktscanner entscheiden, könnte auch Heimann aus Wiesbaden zum Zug kommen.