Geld für Parteien Von Spendern und Tricksern

Nach den Zahlungen von Hotelbetreibern an die Regierungsparteien fordern Politiker und Experten Beschränkungen für Firmenspenden. Doch der Lobbyeinfluss würde auch dadurch kaum geringer.

Am Mittwoch erwischte es auch die CDU. Sie musste bestätigen, dass nicht nur FDP und CSU, sondern auch sie eine großzügige Spende von einem Hotelunternehmen bekommen hat. Auch wenn alles legal war und die Gaben ordnungsgemäß dem Bundestagspräsidenten gemeldet wurden, sind die Stäbe der Regierungsparteien seit Tagen damit befasst, den durch die Millionenzuwendungen aus der Übernachtungsbranche angerichteten Imageschaden zu begrenzen. Die FDP erhielt insgesamt 1,1 Million Euro von einem Miteigentümer der Mövenpick-Gruppe, die CSU 820.000 Euro aus gleicher Quelle, die CDU bekam 100.000 Euro von dem Zypern residierende Unternehmen Schoeller Holdings Ltd, das vier Hotels in Deutschland betreibt. Gemeinsam senkten sie zu Jahresbeginn die Mehrwertsteuer für Übernachtungen, die Opposition wirft ihnen nun hämisch "Klientelpolitik" vor.

Einen Zusammenhang zwischen den Spenden und der Steuersubvention streiten die Regierungsparteien selbstredend ab. Doch Oppositionspolitiker und Experten verlangen nun einmal mehr Änderungen am Parteiengesetz, um einer möglichen unzulässigen Einflussnahme von Unternehmen auf politische Entscheidungen mittels finanzieller Zuwendungen einen Riegel vorzuschieben. So fordert der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim wie die Linkspartei ein Verbot von Unternehmensspenden nach dem Vorbild von Frankreich und den USA, damit sich auch keiner hinter "unbekannten Firmen verstecken" könne. Notfalls müsse der Staat dann seine Zuwendungen an die Parteien eben erhöhen, sagte Linken-Fraktionschef Gregor Gysi.

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Der Linkspartei fällt die Forderung leicht – sie erhält so gut wie kein Geld von Unternehmen. Die Regierungsparteien aber bestritten schon 2007 zwischen fünf und acht Prozent ihrer Budgets aus Zuwendungen juristischer Personen, also von Firmen und Verbänden.

Beiträge, Staatszuschüsse

Parteimitglieder in Deutschland bestritten 2007 durch ihre Beiträge zwischen 21 Prozent (Grüne) und 41 Prozent (Linkspartei) der Parteienbudgets. Ein knappes Drittel kommt vom Staat. Etwa zwölf Prozent machen die Spenden aus.
 

Spenden

Die Parteien müssen Spenden ab 5000 Euro im Rechenschaftsbericht anführen. Ab 50.000 sind sie sofort dem Bundestag anzuzeigen, der sie auf den Bundestags-Wesites veröffentlicht.

Spender

Geldgeber können ihre Zuwendungen bis maximal 3300 Euro steuerlich absetzen. 50 Prozent von 1650 Euro lassen sich von der Steuerschuld absetzen, maximal 1650 Euro zudem als Sonderausgaben deklarieren.

Der Staat bezuschusst jeden Spendeneuro mit 38 Cent, jedoch nicht mehr als 3300 Euro pro Spender.

Die Anti-Korruptionsorganisation Transparency international macht sich wie die Grünen für eine weniger radikale Lösung stark: Sie wollen Unternehmensspenden auf 50.000 Euro begrenzen. Allerdings gäbe es auch dann noch die Möglichkeit, Großspenden zu tarnen. "Die Summen würden einfach aufgesplittet", sagt Linksparteivize Klaus Ernst. Auch Politikbeobachter warnen: "Wenn man da Umgehungsmechanismen nicht blockiert, vergrößert sich das Problem", sagt Elmar Wigand, Referent beim Verein Lobby Control.

Der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer ist ebenfalls überzeugt: "Eine Obergrenze befördert nur der Verschleierung." Wenn statt des Stammunternehmens mehrere Tochterfirmen Einzelspenden überwiesen, diene das nicht der notwendigen Transparenz. Zudem müsse der Staat einspringen, wenn weniger Geld aus der Wirtschaft fließe, um die klammen Parteikassen zu füllen. "Der Staat heißt dann ja auch immer der Steuerzahler."

Seit langem gibt es das Prinzip der "politischen Landschaftspflege", nach dem große Unternehmen nicht mehr nur einzelne Parteien bedenken, sondern ihre Zahlungen auf fast alle Bundestagsparteien verteilen. Da liegt der Gedanke nahe, sämtliche Gelder in einen zentralen Fonds zu geben. Der würde dann an alle im Bundestag vertretenen Parteien verteilt – oder auch an alle, die zur Bundestagswahl antreten.

Leser-Kommentare
  1. Wir leben in einem System gegenseitiger Abhängigkeiten, daher kommen immer die Kräfte nach oben, auch und gerade finanziell, die von anderen unterstützt werden, auf welche Weise auch immer. Wer keine geeigneten Beziehungen hat, wird keine Karriere machen, und wer sich nicht an die üblichen Spielregeln hält, ist schnell weg. Das ist das Prinzip, nach dem die Reichen reicher werden.

    Ob es nun etwas nützen würde, die Parteispendenkultur zu verändern, sei dahin gestellt, es ist eher unwahrscheinlich. Aber es ist doch schön deutlich geworden, wie geeignete Leute gekauft werden. Damit haben wir als gemeine Bürger eine schöne Bestätigung unserer berechtigten Vorurteile. Alles Banane...

  2. Das Bild einer Spendendose mit der Überschrift"Trickser" ist nicht sehr förderlich für die Spendensammelarbeit von Tierschutzverbänden und Aidshilfen.

  3. wie alle Parteien Geld sparen könnten und dann auch nicht mehr so sehr auf "Spenden" angewiesen wären.
    Schafft die Plakatwerbung vor Wahlen komplett ab!!!
    Diese absolut nichtsagenden Plakaten mit saudämlichen Sprüchen und idiotisch dumm glotzenden Gesichtern sind eine Beleidigung für jeden auch nur halbwegs intelligenten Menschen.
    Und es soll mir ja keiner sagen, so ein elender und elend teuerer Schwachsinn würde unsere "Demokratie" stärken.
    Dann müsste ich ihm sagen, er sei ein frecher Lügner!

  4. Warum sollte der Steuerzahler einspringen, wenn die Spenden verboten werden würden? Dann sollen die Parteien einfach etwas sparen. Aber das wäre ja verwunderlich. Es sind Politiker und an den Haushalten der letzten Jahre sieht man ja, dass sie von Sparen keinerlei Ahnung haben.

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    daß die Parteien ohnehin Wahlgeld pro erhaltene Stimme vom Steuerzahler bekommen.Müsste man eigentlich abschaffen.

    daß die Parteien ohnehin Wahlgeld pro erhaltene Stimme vom Steuerzahler bekommen.Müsste man eigentlich abschaffen.

  5. Es ist auch pietätlos Werbung für Haiti-Spenden der Caritas in diesem Kontext einzublenden!!

  6. Warum sollten Parteispenden überhaupt erlaubt sein?

    Eine Partei außerhalb des ausgeklüngelten Entlohnungssystems zu übervorteilen ist undemokratisch. Einer Partei, die aufgrund mangelnder Mitgliederzahlen und dem nicht-erreichen von Mandaten, keinen Erfolg hat, hat dann nur noch eines zu tun: sich in Luft auflösen.

    Das allerdings alle Parteien Geld in fortlaufend nummerierten Scheinen annehmen heißt doch nichts anderes, als das sie es durch eine richtige Politik nicht bekommen würden, denn sonst käme doch der schnöde Mammon durch die Stimmen und nicht durch die Lobbyisten...

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    Wortgewandt hat völlig recht! Aber leider gibt es keinerlei Chance auf Verwirklichung. Nicht eine Partei würde diesem Vorhaben zustimmen.
    Jede Partei-Spende über € 50,00 ist als Bar-Einnahme zu verbieten. Solche Spenden wären dann nur durch Überweisung auf spezielles Spenden-Konto der jeweiligen Partei gestattet. Diese Konten wiederum sind für jeden Bürger öffentlich einsehbar. Lässt sich eine Überweisung nicht eindeutig einem Spender oder Unternehmen zuordnen, verfällt das Geld zu Gunsten von Jugend-Projekten!
    Die Politiker können mich jetzt ruhig für bescheuert erklären! Aber: Man wird doch mal träumen dürfen!?

    Wortgewandt hat völlig recht! Aber leider gibt es keinerlei Chance auf Verwirklichung. Nicht eine Partei würde diesem Vorhaben zustimmen.
    Jede Partei-Spende über € 50,00 ist als Bar-Einnahme zu verbieten. Solche Spenden wären dann nur durch Überweisung auf spezielles Spenden-Konto der jeweiligen Partei gestattet. Diese Konten wiederum sind für jeden Bürger öffentlich einsehbar. Lässt sich eine Überweisung nicht eindeutig einem Spender oder Unternehmen zuordnen, verfällt das Geld zu Gunsten von Jugend-Projekten!
    Die Politiker können mich jetzt ruhig für bescheuert erklären! Aber: Man wird doch mal träumen dürfen!?

  7. Ich bin der Auffassung daß Parteispenden durchaus legitim sind, wenn es eine klare gesetzliche Regelung zur Transparenz gäbe. Es ist wichtig, daß insbesondere der Wähler einen einfachen informativen Zugriff über erfolgte Pateispenden hat.
    Mein Vorschlag: Errichtung einer kleinen Dienstelle, welche sämtliche Parteispenden im Internet übersichtlich und vergleichend mit Spendernamen,mit Art und Wert der Spenden veröffentlicht.Echte Demokratie funktioniert nur wenn sie transparent bleibt.Nur so kann jeder erkennen welche Interessen
    durch Parteien vertreten sind.

  8. daß die Parteien ohnehin Wahlgeld pro erhaltene Stimme vom Steuerzahler bekommen.Müsste man eigentlich abschaffen.

    Antwort auf "Steuerzahler ..."

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