Treffen im Kanzleramt Schwarz-Gelb feilscht um Afghanistan-Strategie
Soll Deutschland mehr Soldaten an den Hindukusch schicken? Wie viele? Wie lange sollen sie bleiben? Die Koalition streitet, Merkel buhlt um Unterstützung der Opposition.
© Ronny Hartmann/Getty Images

Vorbereitet auf Afghanistan? Verteidigungsminister Guttenberg beim Truppenbesuch
500 zusätzliche Soldaten will die Bundesregierung angeblich nach Afghanistan entsenden. Zudem soll die Entwicklungshilfe verdoppelt und die Zahl der Polizeiausbilder erhöht werden. Offiziell wollte die schwarz-gelbe Regierung dieses Konzept aber nicht bestätigen.
Am Montagabend hatten sich Kanzlerin Angela Merkel, Außenminister Guido Westerwelle, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und die Ressortchefs für Inneres, Thomas de Maizière, und Entwicklung, Dirk Niebel, im Kanzleramt getroffen, um über die künftige Afghanistan-Strategie und eine mögliche Truppenaufstockung zu beraten.
Bis Mittwoch müssen Union und FDP sich geeinigt haben, denn dann steht Merkels Regierungserklärung zu Afghanistan im Bundestag an. Staatssekretäre der zuständigen Ministerien verhandeln seit Tagen über einen Kompromiss. Für weiteren Zeitdruck sorgt der Besuch des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai am selben Tag in Berlin. Und am Donnerstagmorgen schließlich beginnt die internationale Afghanistan-Konferenz in London, auf der Außenminister Westerwelle - in Abwesenheit der Kanzlerin - den deutschen Kurs begründen muss.
Die ganze Woche über bleibt Afghanistan also das beherrschende Thema im politischen Berlin. Das gilt auch für die Opposition. Denn Merkel will auch sie einbinden. Dazu will sie die Spitzen von SPD, Grünen und der Linkspartei für Dienstagmorgen ins Kanzleramt einladen, um sie über ihr geplantes "Gesamtpaket" zu informieren. Nach Merkels Angaben geht es dabei um den zivilen Wiederaufbau, die Ausbildung von Polizisten und Soldaten und "notwendige militärische Aktivitäten".
Doch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warnte die Regierung: Nur wenn die Koalition die Anzahl der Soldaten "zeitlich befristet" und diese in einer "überschaubaren Größenordnung" nötig sei, werde die SPD auf einen Antrag von Schwarz-Gelb im Bundestag antworten.
Um sich parteiintern abzustimmen, hatte sich der SPD-Vorstand am Montag getroffen. Als prominenter Ratgeber war Alt-Bundeskanzler und ZEIT-Herausgeber Helmut Schmidt geladen. "Helmut Schmidt rät dringend davon ab, weitere Kampftruppen nach Afghanistan zu schicken", sagte Gabriel. Der Parteivorsitzende fühlte sich bestätigt, da er und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier dies in einem Positionspapier ablehnten.
"Von vornherein war unsere Präsenz, unsere Anwesenheit nicht auf Dauer ausgerichtet", begründete Steinmeier die Haltung der SPD-Spitze. Das Mandat solle auf 4500 Mann begrenzt werden und ein Teil der Soldaten innerhalb Afghanistans verlegt werden. So könne man mehr Kapazitäten für die Ausbildung der Armee und der Polizei gewinnen. "Die Aufstockung des Kontingents mit neuen Kampftruppen halte ich nicht für machbar", sagte Steinmeier.
Bereits am Freitag hatten SPD-Mitglieder im Willy-Brandt-Haus über die richtige Strategie für Afghanistan diskutiert. Sie fordern einen Abzug in den kommenden fünf Jahren. Gabriel sagte: "Wir schlagen den Zeitkorridor 2013 bis 2015 vor. Es muss allen beteiligten Akteuren klar sein, dass unser Engagement ein zeitlich befristetes ist." Solange die SPD noch Regierungsverantwortung besaß, hatte die Parteiführung indes stets abgelehnt, ein konkretes Abzugsdatum zu nennen.
Die Sozialdemokraten verweisen auf Barack Obama. Der US-Präsident hatte den Beginn des Afghanistanabzugs auf Mitte 2011 terminiert. Wenn die amerikanischen Streitkräfte 2011 mit dem Abzug beginnen, dürfe die Bundeswehr nicht bleiben, sagte der SPD-Chef. Gabriel und Steinmeier haben den gemeinsamen Kurs in einem Positionspapier festgehalten.
Nach der Konferenz und der Diskussion mit Verteidigungspolitikern wie Rainer Arnold und Hans-Peter Bartels passte die Parteispitze den Entwurf an. Die Autoren betonen nun, dass ihr Abzugsszenario sich stark an den afghanischen Wünschen ausrichte. Die Regierung Karsai will in den kommenden Jahren ständig mehr Verantwortung für die Sicherheit übernehmen. "Bis 2015 sollen keine internationalen Kampftruppen mehr an Kämpfen teilnehmen", sagte Gabriel. Die afghanische Armee und Polizei seien dann selber für die Sicherheit im Land verantwortlich.
Die Regierung bemüht sich dennoch weiterhin um die SPD. "Ich sehe in vielen Bereichen Übereinstimmungen. Es ist der wichtigste Aspekt, dass wir uns im Bundestag nicht auseinanderdividieren und den Soldaten Unterstützung geben können", sagte Verteidigungsminister zu Guttenberg der ARD.
Doch noch ist keine gemeinsame Linie zwischen CDU, CSU und FDP in der Afghanistan-Politik sichtbar. In den vergangenen Wochen sollen Westerwelle und Guttenberg in internen Regierungsrunden heftig über die Aufstockungsvorgaben aus dem Verteidigungsministerium gestritten haben. Parlamentarier der FDP sagten ZEIT ONLINE, Guttenberg dürfe keine weiteren Alleingänge wagen. Dies belaste die Koalition.
Ob 500 zusätzliche Soldaten der Kompromiss ist, mit dem die drei Parteien leben können, blieb bisher unbeantwortet. Westerwelle sagte, er habe nie eine Truppenaufstockung generell abgelehnt, bei der Afghanistan-Konferenz solle es zunächst aber einmal um den zivilen Wiederaufbau gehen. Zudem schlug der FDP-Chef vor, moderaten Taliban mit einem Aussteigerprogramm den Weg aus dem Extremismus zu weisen.
Sicherheitsexperten sind sich einig, dass weitere 500 Soldaten nicht ausreichen, um die Bevölkerung im Norden Afghanistans effektiver zu schützen. Ein deutscher General forderte jüngst, das Mandat von 4500 auf 6000 Mann zu erhöhen.
Guttenberg bekräftigte, dass die Bundeswehr in der Fläche mehr Präsenz zeigen müsse. Aus seinem Ministerium wurde in den vergangenen Tagen die Zahl von 1500 zusätzlichen Soldaten kolportiert. Ein Sprecher dementierte, dass dies eine offizielle Zahl sei.
Bei der Amtseinführung des neuen Generalinspekteurs der Bundeswehr hatte der Minister gesagt, dass die Beratungen über die Höhe der Aufstockung noch nicht abgeschlossen seien. Bis Donnerstag will zu Guttenberg endgültige Zahlen nennen. Spätestens dann muss die SPD entscheiden, ob sie die Pläne mitträgt oder erstmals gegen das Isaf-Mandat stimmt. Denn ohne die Zustimmung des Bundestags kann die Regierung das Mandat nicht ändern.
- Datum 09.02.2010 - 12:48 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 16
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Es ist fast nichts erreicht, die Kämpfe flammen immer wieder auf, die Ausbildung hat wohl noch nicht genug Polizistensoldaten hervorgebracht, Anschläge sind an der Tagesordnung. Die Amerikaner wissen, wie lange es dauern kann, ein Land zu befrieden, und selbst nach vielen Jahren ist noch keine Ruhe. Dienstag ist Präsentationstag, London die Bewährungsprobe. http://kallewestrich.blog...
...Luftbrücke einrichteten, wusste man nicht, wie lange man würde die Garnisonen würde aufrecht erhalten müssen und wie groß die Risiken und Widerstand der Bevölkerung sein würde. Man begegnete dem Mauerbau mit eindeutiger Härte bis hin zu der Gefahr eines Atomkriegs, Bombenanschlägen und Attentaten, die es notwendig machten höheren Chargen zu verbieten ohne Polizeieskorte joggen zu gehen, lokalen Regierungen, die den damaligen Feind unterstützten indem sie den Handel ausbauten und vieles mehr. Leider hat die hiesige Bevölkerung die Schwierigkeiten und das Durchhaltevermögen nie begriffen, die 50 Jahre Kalter Krieg erforderten und bezeugen.
Ob Deutschland zu solcher Verlässlichkeit fähig ist muss sich zeigen. So wie man es aber anpackt, stehen die Chance schlecht.
...Luftbrücke einrichteten, wusste man nicht, wie lange man würde die Garnisonen würde aufrecht erhalten müssen und wie groß die Risiken und Widerstand der Bevölkerung sein würde. Man begegnete dem Mauerbau mit eindeutiger Härte bis hin zu der Gefahr eines Atomkriegs, Bombenanschlägen und Attentaten, die es notwendig machten höheren Chargen zu verbieten ohne Polizeieskorte joggen zu gehen, lokalen Regierungen, die den damaligen Feind unterstützten indem sie den Handel ausbauten und vieles mehr. Leider hat die hiesige Bevölkerung die Schwierigkeiten und das Durchhaltevermögen nie begriffen, die 50 Jahre Kalter Krieg erforderten und bezeugen.
Ob Deutschland zu solcher Verlässlichkeit fähig ist muss sich zeigen. So wie man es aber anpackt, stehen die Chance schlecht.
wenn das tatsächlich helfen sollte. Das wäre doch relativ einfach und auch noch preiswert.
Aber was sollen die lumpigen 500 machen, was bisher nicht gelungen ist?
Vielleicht sollte man es tatsächlich ausprobieren:
Je mehr Luft man in einen Luftballon bläst, desto schneller knallt er und schafft klare Verhältnisse.
...dass es hier im Lande nur darum geht, sich möglichst billig aus der Verantwortung zu stehlen. Das wissen unsere Nachbarn, unsere Alliierten, die Terroristen und die War Lords anderer Staaten so wie Russland und China. Das schätzen Die schon richtig ein. Deutschland ist nunmal ein unzuverläßiger Partner.
Nun ist dabei wichtig, gerade so viel Geld und Ausbilder zu stellen, dass der Ärger der Nachbarn und Alliierten nicht zu ;aßreglungen und Sanktionen führt. Das ist eine echte Aufgabe für Westerwelle. Immerhin läßt man die alte Ausrede deutscher Geschichte und neuere wie schlechte Vorbereitung und fehlende Truppen oder Polizistenausbilder nicht mehr gelten und lacht, wenn man hört, dass Deutschland seine Gesetze nicht in Ordnung bringen kann nach all der Zeit.
Kann er diesen Weg erfolgreich halten, so muss er als Held des Free Riding gelten. Ob er die versteckten Kosten solcher frechen Treuelosugkeit verhindern kann, bleibt abzuwarten. Ich glaube es aber nicht.
...dass es hier im Lande nur darum geht, sich möglichst billig aus der Verantwortung zu stehlen. Das wissen unsere Nachbarn, unsere Alliierten, die Terroristen und die War Lords anderer Staaten so wie Russland und China. Das schätzen Die schon richtig ein. Deutschland ist nunmal ein unzuverläßiger Partner.
Nun ist dabei wichtig, gerade so viel Geld und Ausbilder zu stellen, dass der Ärger der Nachbarn und Alliierten nicht zu ;aßreglungen und Sanktionen führt. Das ist eine echte Aufgabe für Westerwelle. Immerhin läßt man die alte Ausrede deutscher Geschichte und neuere wie schlechte Vorbereitung und fehlende Truppen oder Polizistenausbilder nicht mehr gelten und lacht, wenn man hört, dass Deutschland seine Gesetze nicht in Ordnung bringen kann nach all der Zeit.
Kann er diesen Weg erfolgreich halten, so muss er als Held des Free Riding gelten. Ob er die versteckten Kosten solcher frechen Treuelosugkeit verhindern kann, bleibt abzuwarten. Ich glaube es aber nicht.
Politische Opposition wie die sozialdemokratische einzubinden legt für jeden offen, was die Bundesministerin für Forschung und Bildung, Dr. Schavan, bald vor 3 1/2 Jahren öffentlich im Stadthaus Ulm Stil adaptierend als "Kräfte bündeln" beschrieb. Findet sich demgegenüber heute Abend erneut eine illustre Runde im Kanzleramt zu Berlin ein, kann jene deshalb keine neuen Erkenntnisse in dieser Frage zutage fördern, weil die Teilnehmer nicht befugt sind, wissenschaftlich tätig zu sein. Der so genannte Druck dieser Woche bleibt somit allein vermeintlich existent.
ich hab das hier grade in einem anderen beitrag gefunden, und obwohl us-bezogen find ichs doch extrem sehenswert.
ein harvard professor ist unter anderem 6000 meilen durch afghanistan gelaufen und berät nun politiker. seine sicht scheint mir realisitisch. 3 teile auf youtube.
http://www.youtube.com/wa...
... sich von der irrigen Annahme befreien, dass der jetzigen Regierung der verschrobene Rot-Grüne Kompromiss des Afghanistan-Einsatzes besonders am Herzen läge.
Der war zum Scheitern verurteilt, ist aber nun einmalso wie er ist zu unserer internationalen vertraglichen Verpflichtung geworden.
Während der Grossen Koalition durfte an dem Thema mit Rücksicht auf die SPD nicht gerührt werden, Schwarz-Gelb muss jetzt sehen, wie aus dem Schlamassel herauszukommen ist.
Das kann man natürlich "feilschen" nennen, tatsächlich ist es aber eine diffizile politische Aufgabe, die nicht ohne Schaden zu nehmen lösbar sein wird.
Jede Regierung haftet auch für die Sünden ihrer Vorgänger, als Schröder-Nachfolge ist das besonders hart - uns ging z.B. vorletzten Winter beinahe das Gas aus, weil Putin mit Schröder Knebelverträge abschliessen konnte. Kurzsichtige innenpolitische Kuhhändel und persönliche Bereicherung untauglicher Politiker können Jahrzehte nachwirken.
Ich finde es immernoch einen Skandal, dass der Kreig nur wegen VÖlkerrechtliche Implikationen nicht Krieg genannt wird, während Deutsche Soldaten auf Feinde und Zivilisten schießen. Das ist unehrlich und die rede von "Kreigsähnlichen zuständen" ist euphemismus. Guttenberg ist wirklich so wie er aussieht: Aalglatt und Falsch.
sollte sie zuerst ihr Versprechen aus der Regierungserklärung vom 8.9.2009 erfüllen, dass sie die Vorgänge um die Tanklaster in Kunduz lückenlos aufklärt.
Bis heute hat sie sich nicht mehr zu den Vorgängen geäußert, bittet aber um Zustimmung für mehr Soldaten.
Die Reihenfolge müsste dringend anders sein oder wollen wir in Zukunft wieder auf diese Art und Weise Zivilisten töten?
Frau Merkel, wo bleibt die versprochene, lückenlose Aufklärung?
....meinenSie denn? Es sind doch alle beantwortet, die beantwortet werden dürfen. Man kann nicht zum zentralen Punkt vordringen, da man feststellen müsste, dass die Parlamentsarmee kaine war. Die Regierung hatte den Einsatzbefehl von "Friedenserhaltend" zu "Feinde Zerstöung" geändert und damit die Natur des Engagements. Die Truppe war mit Aktivitäten betraut, die das Parlament nicht wollte. Sie war also ein Regierungsheer geworden.
Das darf man nicht sagen, weil ein solcher GG Bruch das GG völlig untergräbt und wird es nicht, weil die Medien nicht nachharken können oder wollen.
....meinenSie denn? Es sind doch alle beantwortet, die beantwortet werden dürfen. Man kann nicht zum zentralen Punkt vordringen, da man feststellen müsste, dass die Parlamentsarmee kaine war. Die Regierung hatte den Einsatzbefehl von "Friedenserhaltend" zu "Feinde Zerstöung" geändert und damit die Natur des Engagements. Die Truppe war mit Aktivitäten betraut, die das Parlament nicht wollte. Sie war also ein Regierungsheer geworden.
Das darf man nicht sagen, weil ein solcher GG Bruch das GG völlig untergräbt und wird es nicht, weil die Medien nicht nachharken können oder wollen.
...Luftbrücke einrichteten, wusste man nicht, wie lange man würde die Garnisonen würde aufrecht erhalten müssen und wie groß die Risiken und Widerstand der Bevölkerung sein würde. Man begegnete dem Mauerbau mit eindeutiger Härte bis hin zu der Gefahr eines Atomkriegs, Bombenanschlägen und Attentaten, die es notwendig machten höheren Chargen zu verbieten ohne Polizeieskorte joggen zu gehen, lokalen Regierungen, die den damaligen Feind unterstützten indem sie den Handel ausbauten und vieles mehr. Leider hat die hiesige Bevölkerung die Schwierigkeiten und das Durchhaltevermögen nie begriffen, die 50 Jahre Kalter Krieg erforderten und bezeugen.
Ob Deutschland zu solcher Verlässlichkeit fähig ist muss sich zeigen. So wie man es aber anpackt, stehen die Chance schlecht.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren