Steuerdiskussion Die Quadratur des Kreises
Schwarz-Gelb streitet über die geplanten weiteren Steuersenkungen. Die CDU möchte sie verschieben, selbst in der FDP bröckelt der Widerstand. Wie wäre die Entlastung überhaupt zu finanzieren?
„Virtuell“ sei der Steuerstreit zwischen den Koalitionsparteien, hat Jürgen Rüttgers unlängst gerügt, und damit hat der Nordrhein-Westfale sogar recht. Denn FDP- und Unionspolitiker reden seit Wochen mit großer Verve aneinander vorbei. FDP-Politiker dringen auf Stufentarif und 24 Milliarden Euro Entlastung ab 2011 und berufen sich dabei auf den Koalitionsvertrag. CDU-Politiker, neuerdings auch die CSU, betonen den Finanzierungsvorbehalt und das Wörtchen „möglichst“ vor der Jahreszahl 2011 – auch sie zitieren den Koalitionsvertrag.
Formal recht haben beide. Aber das genau ist der Punkt, an dem der Streit vom Virtuellen ins hoch Politische umschlägt. Der Koalitionsvertrag spiegelt ja nur wider, was der Streit jetzt offen zutage bringt: Union und FDP sind über Sinn und Segen umfangreicher Steuersenkungen völlig uneins. Was für die einen, die FDP, zentrales Wahlkampfversprechen und Identitätsmerkmal war, spielte zumal bei Angela Merkels CDU nur unter „ferner liefen“ eine Nebenrolle. Und selbst die kam nur zustande, weil die CSU massiv darauf drängte, ein Steuerversprechen für spätestens 2011 ins gemeinsame Wahlprogramm zu schreiben. Die Christsozialen wollen davon derzeit nichts mehr wissen. Auch in München hat neuerdings die Vermutung Anhänger, dass die Mehrheit der Bürger in der tiefsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten von der Regierung nicht Steuergeschenke erwartet, sondern mehr als je zuvor solide Haushaltsführung wünscht.
Der Streit, mit anderen Worten, dreht sich weniger um Zahlen als ums Image. Da kommen Glaubenssätze rasch ins Spiel. Die FDP verbreitet seit Jahrzehnten die feste Überzeugung, dass nichts die Wirtschaft so sehr in Schwung bringe wie Steuergeld, das der Staat den Steuerzahlern lässt. Die Union sieht das nüchterner: Steuersenkungen gelten als wünschenswert, um Leistungsträgern Anerkennung zu signalisieren – aber ökonomische Wunderwirkung würde ihnen auch einer wie Finanzminister Wolfgang Schäuble nie zubilligen, der einst der Union mit dem „Petersberger Tarif“ das Vorläufermodell zu Friedrich Merz’ Bierdeckelplan lieferte.
Diese politische Imagepflege macht die Lösung des Streits so kompliziert. Natürlich könnte Guido Westerwelle nicht mehr vor seine Wähler treten, wenn er beim Krisengipfel am kommenden Sonntag mal eben auf Stufentarif und zweistellige Entlastungen verzichtet. Natürlich könnte Angela Merkel auch gleich das Bündnis aufkündigen, wenn sie den FDP-Chef ausgerechnet wegen dieser Frage in die Knie zu zwingen versuchte. Gesucht wird eine Sprachregelung, die alle Seiten ihr Gesicht wahren lässt – eine Steuersenkung mit sparsamem Antlitz gewissermaßen. Danach erst sind Kompromisse in der Sache möglich: Verschieben etwa, aufteilen oder unter Konjunkturvorbehalt stellen.
Welche Steuersenkungen sind im Koalitionsvertrag vereinbart?
Alle drei Regierungspartner haben im Wahlkampf Steuersenkungen versprochen. Am zurückhaltendsten war dabei die CDU. Die FDP hat ihren Wählern insgesamt 35 Milliarden Euro Steuersenkungen versprochen – und zwar nicht einfach durch Absenkung der Tarife, sondern durch den kompletten Umbau des Steuersystems. Die Liberalen wollten – und wollen es noch – den im Prinzip progressiv linearen Steuertarif-Verlauf in einen Stufentarif umbauen.
Der im Koalitionsvertrag festgehaltene Kompromiss sieht nun eine Entlastung von insgesamt 24 Milliarden Euro vor. Wobei nicht konkret festgelegt ist, wann innerhalb der Legislaturperiode bis 2013 mit der Entlastung begonnen werden muss, und in welchen Schritten die Entlastung zu erfolgen hat. „Es geht um die volle Jahreswirkung“, hatte unlängst der stellvertretende FDP-Vorsitzende und nordrhein-westfälische Regierungsvize Andreas Pinkwart gesagt. Und er meinte damit: Wenn die Legislatur zu Ende geht, dann muss unter dem Strich eine Entlastung von 24 Milliarden Euro herauskommen, damit die FDP den Koalitionsvertrag als erfüllt ansieht. Nicht einmal die Einführung des Stufentarifs, mit dem die Liberalen das Steuersystem „einfacher, niedriger und gerechter“ machen wollen, ist zwingend terminiert. „Möglichst“ 2011 solle der neue Tarif in Kraft treten, steht im Koalitionsvertrag.
- Datum 13.01.2010 - 10:06 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wie die ZEIT bereits im November festgestellt hat, ist angesichts einer nachhaltigen Deflationsgefahr niemand interessiert Schuldenabbau zu betreiben, obwohl die aus den Staatsschulden resultierenden Risiken erheblich sind (siehe letzte Bemerkung von Norbert Walter im Amt der Deutschen Bank im Dezember).
Fragt sich doch nun, von welchem Schuldenabbau der Verfasser des Beitrags denn eigentlich spricht.
Die FDP will sich nicht an der "Konsolidierung" des Staatshaushalts mit Steuermitteln beteiligen, die sich aus der "Schuldenbremse" ergibt, soviel lässt sich prima facie sagen. Resultierende Steuermehreinnahmen aus einer Steuerreduzierung zu unterstellen, erscheint aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit aber unseriös.
Ein erstes Ressort scheint bereits für Einsparungen von Staatsausgaben gefunden zu sein, wenn man hört, dass das Nesthäkchen der Regierung bereits um ihre renomiertesten Mitarbeiter gebracht wurde und nun ganz alleine auf sich gestellt zu sein scheint. Nur vor Mai darf das natürlich nicht publik werden.
Der Eiertanz geht also weiter.
Ich bin dieser Diskussionen in allen finanzpolitischen Fragen schon so überdrüssig. Am Ende sind es immer nur Kürzungen und Einsparungen, die gemacht werden müssen. Systembedingt wird immer weniger Geld zur Verfügung stehen, es ist nur eine Frage der Verteilung, nicht der Finanzierung. Und in unserem System profitieren nur die obersten 10%. Wo ist das sozial? Wo ist das demokratisch, frei?
Diese Politiker, bis auf wenige Ausnahmen interessieren sich einen feuchten Dreck für das Wohl des Volkes. Es geht am Ende nur um Machterhalt. Noch einmal: wo ist das Demokratie? Warum lässt sich jeder Bürger entmündigen? Warum wehrt sich niemand? Der Mensch ist schon so weit fortgeschritten, dass er die Geldordnung in heutiger Form nicht mehr braucht. Denn Geld ist mittlerweile der einzig limitierende Faktor geworden, wenn es um irgendetwas geht. Sei es Welthunger, Forschung, umweltfreundliche Technologien, etc. Kann er es nicht einfach abschaffen oder zumindest überdenken? Warum setzt sich niemand damit auseinander, warum redet jeder nur um den heißen Brei? Das führt zu nichts außer Armut und Ungerechtigkeit.
Was in der öffentlichen Diskussion meiner Meinung nach völlig falsch dargestellt wird, ist, dass der Stufentarif alleine schon massiven Einnahmeverlusten des Staates führt. So wie es auch in diesem Artikel geschrieben wird "Je weniger Stufen es gibt, umso teurer wird die Reform für den Staatshaushalt". Das hängt jedoch von den Steuersätzen der Stufen ab und welche Einkommen in welche Stufe fallen. Rein theoretisch kann man das Steuersystem aufkommensneutral auf einen Stufentarif umstellen, wenn man der Meinung ist, dass die Vereinfachung des Systems und die Schließung von Steuerschlupflöchern Sinn macht. Ob man dann auch Entlastungen für die Bürger möchte, ist eine völlig andere Diskussion.
"Je weniger Stufen es gibt, umso teurer wird die Reform für den Staatshaushalt."
Der Steuerbetrag eines stufenweise steigenden Steuersatzes kann genau gleich dem eines gegebenen linear steigenden sein, wenn man Stufensätze und Sockel entsprechend wählt.
Das ist eine sehr einfache Gleichung. Warum man laufend schreibt, die sei nicht so, ist rätselhaft.
... den Stufentarif nicht isoliert zu betrachten. Schließlich soll der Stufentarif die Besteuerung nicht nur "einfacher" sondern auch "niedriger" gestalten. Und "niedriger" beteutet? Na, Sie ahnen es sicher, weniger Steuereinnahmen.
"...den Stufentarif nicht isoliert zu betrachten. Schließlich soll der Stufentarif die Besteuerung nicht nur "einfacher" sondern auch "niedriger" gestalten."
Das sind zwei Schritte, die man trennen muss, wenn man die Wirkungen verstehen will. Schritt 1 ist die Steuersatzstruktur. Schritt 2 ist die Festlegung der Steuersätze. Beide Schritte haben ihre eigenen Folgen.
"...den Stufentarif nicht isoliert zu betrachten. Schließlich soll der Stufentarif die Besteuerung nicht nur "einfacher" sondern auch "niedriger" gestalten."
Das sind zwei Schritte, die man trennen muss, wenn man die Wirkungen verstehen will. Schritt 1 ist die Steuersatzstruktur. Schritt 2 ist die Festlegung der Steuersätze. Beide Schritte haben ihre eigenen Folgen.
"...den Stufentarif nicht isoliert zu betrachten. Schließlich soll der Stufentarif die Besteuerung nicht nur "einfacher" sondern auch "niedriger" gestalten."
Das sind zwei Schritte, die man trennen muss, wenn man die Wirkungen verstehen will. Schritt 1 ist die Steuersatzstruktur. Schritt 2 ist die Festlegung der Steuersätze. Beide Schritte haben ihre eigenen Folgen.
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