Truppenaufstockung in Afghanistan Westerwelle blockiert Guttenbergs Pläne

Die regierungsinternen Gespräche über eine Verstärkung der Bundeswehr stecken fest. Ein möglicher Ausweg ist eine bessere Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte.

Lehnt nach Angaben aus Regierungskreisen eine Aufstockung der deutschen Truppen am Hindukusch ab: Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP)

Lehnt nach Angaben aus Regierungskreisen eine Aufstockung der deutschen Truppen am Hindukusch ab: Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP)

Zweieinhalb Wochen vor der internationalen Afghanistan-Konferenz sind die regierungsinternen Gespräche über eine eventuelle Truppenaufstockung für Afghanistan zu einem Stillstand gekommen. Unter Berufung auf einen Regierungsvertreter berichtet die Leipziger Volkszeitung, dass derzeit alle Vorschläge zur Aufstockung und Erweiterung der Mandatsaufgaben am Widerstand von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) scheiterten. Dieser habe es bereits bei zwei Gesprächsrunden des Afghanistan-Entscheidungskreises bei der Bundeskanzlerin abgelehnt, einer Verstärkung der deutschen Kampfeinheiten in Afghanistan zuzustimmen.

Zugleich werde nach einem Ausweg aus dieser Gesprächsblockade gesucht, hieß es. Militärexperten der Bundeswehr erarbeiten derzeit ein neues Ausbildungskonzept für afghanische Sicherheitskräfte. Danach wird geprüft, wie Ausbildungsfähigkeiten der Bundeswehr mit Kampffähigkeiten der Sicherheitskräfte in Afghanistan in Verbindung zu bringen seien. Als denkbar gilt ein bisher von der Bundeswehr nicht praktiziertes Prinzip, wonach die Ausbildung im konkreten Einsatz außerhalb der Kasernengelände erfolgen könne. Dies soll auch die Grundlage der weiteren Feldjäger-Arbeit in Afghanistan sein.

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Die derzeitige Mandatsobergrenze liegt bei 4500 Soldaten. Bislang sind 4300 Bundeswehrsoldaten am Hindukusch im Einsatz. Zudem hat Deutschland mit rund 100 Ausbildern die Führung bei der Polizistenausbildung. Am 28. Januar findet eine internationale Afghanistankonferenz in London statt. Die USA drängen ihre Verbündeten und damit auch Deutschland, dabei weitere Soldaten zuzusagen. 

Verteidigungsminister Guttenberg hatte gesagt, er werde in London mit konkreten Zahlen zur Aufstockung der deutschen Truppen aufwarten, aber gegebenenfalls auch US-Erwartungen enttäuschen: "Die immer mal wieder genannte Zahl von 2500 zusätzlichen Soldaten ist nicht realistisch." Die Financial Times Deutschland berichtete, Deutschland wolle auf der Afghanistankonferenz den internationalen Partnern vorschlagen, mehr afghanische Sicherheitskräfte zu qualifizieren als bisher geplant. Auf diese Weise wolle man den USA entgegenkommen, die von der Bundesregierung die Entsendung weiterer Soldaten erwarten, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise weiter.

 
Leser-Kommentare
  1. ...die Ausbeute der FDP war bisher schlecht genug, aber wenigstens versuchen sie nicht nochmal 2.5 Mrd € für 2500 Soldaten zu verschwenden.

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    das letzte Wort ist noch (lange) nicht gesprochen. Ob man dem Drängen der Amerikaner tatsächlich standhalten kann ist alles andere als sicher.

    ps: Das Foto zum Artikel find ich recht amüsant. Herr Westerwelle gibt sich alle Mühe überaus freundlich aufzutreten, den afghanischen Polizisten sieht man, dass sie nicht sonderlich erbaut sind über diese Pflichtveranstaltung "Händeschütteln mit den Investoren/Besatzern/Invasoren/Friedensstiftern/Demokratielieferanten/Brunnen- und Schulenerbauern"

    das letzte Wort ist noch (lange) nicht gesprochen. Ob man dem Drängen der Amerikaner tatsächlich standhalten kann ist alles andere als sicher.

    ps: Das Foto zum Artikel find ich recht amüsant. Herr Westerwelle gibt sich alle Mühe überaus freundlich aufzutreten, den afghanischen Polizisten sieht man, dass sie nicht sonderlich erbaut sind über diese Pflichtveranstaltung "Händeschütteln mit den Investoren/Besatzern/Invasoren/Friedensstiftern/Demokratielieferanten/Brunnen- und Schulenerbauern"

  2. das letzte Wort ist noch (lange) nicht gesprochen. Ob man dem Drängen der Amerikaner tatsächlich standhalten kann ist alles andere als sicher.

    ps: Das Foto zum Artikel find ich recht amüsant. Herr Westerwelle gibt sich alle Mühe überaus freundlich aufzutreten, den afghanischen Polizisten sieht man, dass sie nicht sonderlich erbaut sind über diese Pflichtveranstaltung "Händeschütteln mit den Investoren/Besatzern/Invasoren/Friedensstiftern/Demokratielieferanten/Brunnen- und Schulenerbauern"

    Antwort auf "Wenigstens etwas..."
  3. Ausbilder in einem regionalen Konflikt gemeint, und zwar außerhalb der Kasernen... also sozusagen im Einsatz...(?). Und nur Polizeiausbilder zu schicken reicht unseren Verbündeten nicht? http://viereggtext.blogsp...

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    • joG
    • 12.01.2010 um 10:38 Uhr

    ...mit den Polizei Ausbildern nach der afghanischen Erfahrung mit der deutschen hierhinsichtlichen Vertragstreue nocheinmal glauben?

    • joG
    • 12.01.2010 um 10:38 Uhr

    ...mit den Polizei Ausbildern nach der afghanischen Erfahrung mit der deutschen hierhinsichtlichen Vertragstreue nocheinmal glauben?

    • joG
    • 12.01.2010 um 10:36 Uhr

    ...im Jemen den grössten Entwicklungsbeitrag der EU mit Euro 80 Millionen zu wissen (Saudi Arabien 2 Milliarden, Liga ca Euro 600 Millionen) für nichtmilitärische Vorbeugung, während wir seit Jahren beobachten, dass der dortige Staat zerfällt und Terroriaten sich einnisten. Nach dieser Demonstration des Deutschen Weges der Friedenssicherung sich auch noch auf die Billige aus der Verantwortung in Afghanistan ziehen zu wollen, ist schäbig und wird, wenn die anderen Nationen sich das über der Zunge zergehen lassen eine Behandlung erfordern, wie sie jedem uneinsichtigen Stauerhinterzieher zur Aufrechterhaltung der Ordnung auch im Inneren angediehen werden muss.

    Ich kann mir kaum vorstellen, dass es bei den Unmutsbekundungen aus Holland, Kanada oder Australien bleibt.

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    • majong
    • 20.01.2010 um 16:39 Uhr

    spätestens seit jemen habe ich ernsthafte zweifel an der 'terrorgefahr', denn die 'al quahida' taucht doch mit unglaublicher regelmässigkeit dort auf, wo man (usa) sie braucht (nach der 'qui boni' logik). zwischen somalia und jemen gibt es eine meerenge, die unsere freunde sehr interessiert, und nachdem somalia - unter uno mandat - nicht erobert werden konnte, ist jetzt der jemen dran.

    dieses muster ist bei allen auslandseinsätzen sichtbar, es geht nur ums öl; alles andere sind micky maus geschichten - nett, unterhaltsam, phantasievoll, aber mit marginalen bezug zur realität.

    ich hoffe, herr westerwelle bleibt standhaft - die bundeswehr hat im ausland sowieso nichts zu suchen, sie sollte eine reine verteidigunsarmee bleiben. der gedanke, deutsche können andere zwangsbeglücken, ist eine tellermine unterm stuhl(bein).

    • majong
    • 20.01.2010 um 16:39 Uhr

    spätestens seit jemen habe ich ernsthafte zweifel an der 'terrorgefahr', denn die 'al quahida' taucht doch mit unglaublicher regelmässigkeit dort auf, wo man (usa) sie braucht (nach der 'qui boni' logik). zwischen somalia und jemen gibt es eine meerenge, die unsere freunde sehr interessiert, und nachdem somalia - unter uno mandat - nicht erobert werden konnte, ist jetzt der jemen dran.

    dieses muster ist bei allen auslandseinsätzen sichtbar, es geht nur ums öl; alles andere sind micky maus geschichten - nett, unterhaltsam, phantasievoll, aber mit marginalen bezug zur realität.

    ich hoffe, herr westerwelle bleibt standhaft - die bundeswehr hat im ausland sowieso nichts zu suchen, sie sollte eine reine verteidigunsarmee bleiben. der gedanke, deutsche können andere zwangsbeglücken, ist eine tellermine unterm stuhl(bein).

    • joG
    • 12.01.2010 um 10:38 Uhr

    ...mit den Polizei Ausbildern nach der afghanischen Erfahrung mit der deutschen hierhinsichtlichen Vertragstreue nocheinmal glauben?

  4. ...kommt in mir ein peinliches Gefühl auf. Ich traue jedem einzelnen der dort abgebildeten afghanischen Polizisten mehr Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit zu als diesem deutschen Windhund. Da ekelts mich richtig. Ich möchte mich bei den afghanischen Polizisten dafür entschuldigen.

    • Fokko
    • 12.01.2010 um 11:02 Uhr

    Eines muss man sich bei der ganzen Sachen klar machen: Wir haben von dem Afhanistan-Krieg wirtschaftlich nichts und auch das moralische Mäntelchen, Terorrregimes zu beseitigen bzw. zu verhindern deckt schon lange nichts mehr zu. Wie Afghanistan und der Irak zeigen, geht es nach solchen versuchen im betreffenden Land regelmäßig schlimmer zu als vorher.

    Fokko vom Fantasy-Blog/Selbstversorger-Blog
    -------------------------------------------
    http://fokko.wordpress.com/
    http://selbstversorger-bl...

  5. 8. ja...

    ...möchte man rufen. die verweigerung klingt jetzt mal toll und vernünftig, ein aufrechter recke der guido. allerdings wird das sicher wieder einmal nur ein publicity-stunt gewesen sein. sicher sind entweder die boten mit den persönlichen nachrichten an herrn westerwelle schon unterwegs. irgendwer wird schon von verdecktem dreck an seinem stecken wissen, oder das in afghanistan gesparte geld wird z.b. demnächst im jemen verpulvert. ich kanns kaum abwarten wies ausgeht.

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