Afghanistan-Mandat Frieden schaffen unter WaffenSeite 2/2

Zumal die Taskforce 47 zu einem Zeitpunkt entstand, als Deutschland sich noch mit Spezialkräften an der OEF beteiligte und gemeinsam mit Amerikanern Osama bin Laden und Mullah Omar suchte. Bestehen zwischen dem Vorgehen der deutschen Taskforce und den Kommandos der Partner tatsächlich Unterschiede, fragt ein Verteidigungspolitiker. Hinter vorgehaltener Hand hört man aus dem Umfeld des Verteidigungsausschusses, dass die Regierung die Aufgaben der OEF still und heimlich der Isaf übertragen haben könnte. Gegenüber dem Parlament und der Öffentlichkeit sei gleichzeitig der Eindruck erweckt worden, dass das KSK keine Aufgaben mehr in Afghanistan habe. In Wahrheit habe die Taskforce 47 die alten Aufgaben der OEF fortgesetzt. Noch sind das unbestätigte Behauptungen.

Im Gegensatz zum OEF-Mandat, in dem als Auftrag der Soldaten stand, "Führungs- und Ausbildungseinrichtungen von Terroristen auszuschalten, Terroristen zu bekämpfen, gefangen zu nehmen und vor Gericht zu stellen sowie Dritte dauerhaft von der Unterstützung terroristischer Aktivitäten abzuhalten", fehlen im Isaf-Mandat derart klare Worte. 

Im jetzt beschlossenen Mandat zur Fortsetzung des Einsatzes werden Spezialkräfte und die Jagd auf Aufständische nicht erwähnt. Unter Punkt 6 "Einzusetzende Kräfte" nennt die Regierung lediglich grob definierte militärische Fähigkeiten. Einige der dort aufgeführten Aufgaben der Bundeswehr, beispielsweise die "Stabilisierung, Sicherung, Schutz und ggf. Evakuierung" sowie die "Aufklärung und Überwachung" können vom KSK als auch von Kampfschwimmern der Marine durchgeführt werden.

Was in dem neuen Mandatstext außerdem gemieden wird, ist der Begriff "bewaffneter Konflikt" – obwohl Außenminister Guido Westerwelle die Situation in Afghanistan so in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag vor wenigen Tagen einstufte. Zwar erwähnt die Regierung, dass die Resolution 1890 des Weltsicherheitsrats "alle erforderlichen Maßnahmen einschließlich der Anwendung militärischer Gewalt" gestattet, doch in der anschließenden Einsatzbegründung geht es ausschließlich um Entwicklung und Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte.

Mit beiden Themen beschäftigte sich die Taskforce 47 in Kundus nicht. Was die Truppe dort in der Nacht zum 4. September, als die Bomben fielen und vorher unternommen hat, will der Untersuchungsausschuss herausfinden. Dessen Arbeit läuft jedoch nicht reibungslos. Oppositionsvertreter werfen den Regierungsparteien Rechtsbruch und Vertuschung vor. Omid Nouripour, Obmann der Grünen, kritisierte, dass Unions-Abgeordnete seine Fragen an einen Zeugen vom Taskforce 47 mehrfach unterbrachen, weil sie angeblich dem Untersuchungsauftrag widersprächen. Außerdem seien einige Berichte der Nato mangelhaft ins Deutsche übersetzt worden. "Zum Vertuschen gehört auch, dass uns immer noch Unterlagen fehlen", sagt Nouripour. So seien bisher kaum Akten aus dem Verteidigungsministerium bei den Abgeordneten angekommen. Andere Abgeordnete der Opposition bestätigten Lücken in Berichten, diese beträfen auch die Taskforce 47. Die Koalition habe wohl kein Interesse an der Aufklärung, sagte ein Mitglied des Verteidigungsausschusses. Vielleicht auch deswegen, weil die Spezialeinheit seit Monaten außerhalb des Isaf-Mandats operierte.

 
Leser-Kommentare
  1. Warum schweigen Sie zur geheimdienstlichen Unterstützung (USA,Saudi-Arabien,Pakistan) terroristischer/ islamistischer Gruppen,übernehmen G. W. Bushs "War on Terror"-Rhetorik, ignorieren die fatalen Machtbündnisse der
    Regierung Karzai mit Kriegsverbrechern und Drogenbaronen und vermeiden es, die geostrategische
    Bedeutung Afghanistans (Transitland im ressourcenreichen Zentralsasien) zu benennen ?

    This war on terrorism is bogus
    (Michael Meacher ( UK environment minister from May 1997 to June 2003 )
    The 9/11 attacks gave the US an ideal pretext to use force to secure its global domination:
    http://www.guardian.co.uk...

    America had 12 warnings of aircraft attack:
    http://www.independent.co...

    Some staff members and commissioners of the Sept. 11 panel concluded that the Pentagon's initial story of how it reacted to the 2001 terrorist attacks may have been part of a deliberate effort to mislead the commission and the public rather than a reflection of the fog of events on that day, according to sources involved in the debate.:
    http://www.washingtonpost...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 27.02.2010 um 9:38 Uhr

    ...da eine merkwürdige Einstellung zu haben. Da stellt jemand fest, Ihr Staat hat dem Gewaltmonopol ein bedenklich unpräzises also gefährliches Mandat gegeben und Sie meckern darüber, dass früher die Bösen Zugange Gewesen wären. Über Märchenbetrachtung den Blick fürs Wichtige zu verlieren ist traurig.

    • joG
    • 27.02.2010 um 9:38 Uhr

    ...da eine merkwürdige Einstellung zu haben. Da stellt jemand fest, Ihr Staat hat dem Gewaltmonopol ein bedenklich unpräzises also gefährliches Mandat gegeben und Sie meckern darüber, dass früher die Bösen Zugange Gewesen wären. Über Märchenbetrachtung den Blick fürs Wichtige zu verlieren ist traurig.

    • Atan
    • 26.02.2010 um 20:25 Uhr

    eigene, geheime Superspezidingstruppe die mit den anderen noch cooleren Spezidingsern nachts über irgendwelche Äcker schleicht, um mal ein paar Verdächtige (Ziegenhirten? Hochzeitspaare? Bärtige Bergbauern mit Gewehr?) hinterrücks abzumurksen.
    Aber über die anderen Spezis wird immerhin in ein paar Jahren ein Hollywoodfilm gedreht werden, wie sie verhindert, dass eine perfide als Schafherde getarnte Atombombe nach Washington getrieben wird.

    Über unsere wird man immer nur wissen, dass man über sie nix wissen darf.

  2. oder kriegsähnliche Zustände meinetwegen. Da sind sich alle einig. Das da naturgemäß Dinge vorgehen, die nicht als Pressebericht an die Nachrichtenagenturen geschickt werden, dürfte auch klar sein. Also, warum die Aufregung? Ist doch sowieso nur geheuchelt. Oder meinen Sie, irgendeinen deutschen Politiker egal welcher Partei interessiert wirklich, ob ein Talibananführer mehr oder weniger von einer Spezialeinheit über den Haufen geschossen wird? Das ganze Getöse dient nur zur "Schärfung des persönlichen politischen Profils", sonst nichts. Lassen Sie sich nicht veräppeln.

  3. Dieser deutsche Traum wird sich auch am Hindukusch nicht erfüllen.
    Wir sehen es doch heute schon:
    Entgegen allen uns Deutschen bekannten Kriegserfahrungen werden durch unsere Waffen und unsere Soldaten Zivilisten getötet und verstümmelt.
    Damit konnte doch niemand rechnen.
    Entsprechend unseren Erfahrungen wird sich am Ende des Krieges wieder niemand finden, der dafür die Verantwortung übernimmt.
    Oder hat schon jemand aus der rot-grünen Regierung oder unserer derzeitigen Regierung etwas anderes signalisiert?

  4. Alle die diesen Krieg befürworten bitte in die erste Reihe !
    Wer verdient am Tod anderer Menschen? Das muss aufhören und Deutschland hat wohl genug Schaden angerichtet in den letzten Jahrhunderten. Kein Deutscher maschiert in ein anderes Land sollte die Devise sein ! Verteidigung des Vaterlandes ist etwas anderes. FDP voran und immer an "Steiner das Eiserne Kreutz " denken. Ich würde als erstes die Kriegstreiber aufs Korn nehmen. Ach übrigens habe ich die "Goldene Schützenschnur" erworben, wo es mode war genau diese ,am Krieg verdienenden das Licht aus zu blasen.

    • honett
    • 26.02.2010 um 20:46 Uhr
  5. Da die deutschen Einheiten eh nichts machen dürfen und können mit ihren par Mann und die Lage eher verschlechtern, sollten sie abgezogen werden. Diese Alibiaufstockung kauft D. doch niemand ab. Die Debatte um die Ausbildung der Polizei, welche D. auch jahrelamg versäumt hat, ist auch ein Witz.

  6. Herr Friederichs, ist das nicht unter ihrem journalistischen Anspruch, sich hier zum Sprachrohr von populistischen Profilierungsversuchen der Opposition zu machen?

    Fragen Sie die Herren von SPD und Grünen doch mal, in was für Einsätze sie unsere Soldaten von 2002 bis 2005 geschickt haben und warum sie heute ach so andere Maßstäbe ansetzen?

    Peinlich, Sie waren schon mal besser!

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