Berufswechsel Dr. rer. nat. Kanzlerin
Bis zu ihrem 35. Lebensjahr war Angela Merkel eine wenig motivierte Physikerin. Heute ist sie die mächtigste Politikerin der Welt. Michael Schlieben beschreibt eine einmalige Karriere.
Muss man immer den Beruf ausüben, den man einmal erlernt hat? Keineswegs. ZEIT ONLINE stellt Menschen vor, die in einer zweiten Karriere eine neue Berufung gefunden haben. Im vierten Teil der Serie wirft ZEIT ONLINE-Redakteur Michael Schlieben einen Blick auf die Karriere der Bundeskanzlerin. Wer Menschen kennt, die ungewöhnliche Berufsverläufe hinter sich haben, kann sich mit Vorschlägen in der Redaktion melden.
Angela Merkel wurde Politikerin auf dem zweiten Bildungsweg. Bis zu ihrem 35. Lebensjahr hatte sie mit ihrem heutigen Berufsfeld nicht das Geringste zu tun. Ihr erster Schritt in die Politik liegt gerade einmal 20 Jahre zurück. Am 23. Januar 1990 wurde sie Berliner Landespressesprecherin des Demokratischen Aufbruchs, einer Partei, die sich aus der DDR-Bürgerbewegung während der Wende gebildet hatte und sich später der CDU anschloss. Erst wenige Wochen vorher, im Dezember 1989, hatte die Wissenschaftlerin in der Geschäftsstelle der Oppositionsgruppe angeklopft. Sie war allein und schaute ein wenig schüchtern. Sie erkundigte sich, "ob ich helfen kann". Sie konnte und blieb. 15 Jahre später war sie Kanzlerin.
Einen so steilen, unkonventionellen Aufstieg gab es in der deutschen Politik noch nie. Normalerweise beginnen politische Karrieren in der Bundesrepublik sehr früh. Merkels Vorgänger im Kanzleramt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder, waren schon als Studenten politische Vollprofis. Die meisten Ministerpräsidenten in Merkels Partei sind es seit ihren Teenager-Tagen. Noch bevor sie andere Berufserfahrung sammelten, gründeten sie Ortsverbände der Jungen Union oder standen der politischen Jugendorganisation vor. Merkel hingegen hatte mit 35 noch keine große Rede gehalten, kein Positionspapier erarbeitet, kein Interview gegeben, keinen Kontrahenten ausgestochen, keinen Kontakt zu Journalisten geknüpft. Sie hatte einen anderen Beruf gehabt: Naturwissenschaftlerin.
So jonglierte die heutige Kanzlerin mit n-dimensionalen Matrizen und löste unendliche Integrale. Ihre Aufmerksamkeit galt nicht der großen Politik, sondern einem Molekülschnipsel, dem Methylradikal CH3. Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden – so lautet der Titel ihrer Doktorarbeit, die sie im Januar 1986 einreichte.
Zwölf Jahre lang arbeitete Merkel als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer trostlosen Baracke in Ost-Berlin. Genauer: im Zentralinstitut für Physikalische Chemie der DDR-Akademie der Wissenschaften in Berlin-Adlershof, umgeben von den Stacheldrahtzäunen der Stasi. Ihre Biografin Evelyn Roll bezeichnet diese Phase als Merkels "Hamsterzeit". Hier habe sie überwintert, mit der Hoffnung, dass das System, das sie ablehnte, eines Tages kollabieren würde. Merkel selbst sagt, sie habe sich für die Physik entschieden, weil der sozialistische Staat auf die Naturgesetze am wenigsten Einfluss nehmen konnte. "Zwei mal zwei musste auch unter Honecker vier bleiben", sagte die Kanzlerin einmal.
Was sie damals schon gewohnt war: eine Ausnahmefrau zu sein. Sie war die einzige Frau in ihrer Abteilung. Ihr berufliches Umfeld wurde auch dort von Männern dominiert – wie später in der CDU und der Politik insgesamt. Bei den Mitarbeitern im Institut war Merkel beliebt. Als "Kulturbeauftragte" und Mitglied des FDJ-Sekretariats ihres Instituts organisierte sie Ausflüge und Theaterkarten.
Einer ihrer Forscherkollegen beschrieb sie einmal als "das Vorbild einer illusionslosen Jungwissenschaftlerin", die seit etlichen Jahren "vor sich hin" promoviere. Richtig leidenschaftlich sei sie eigentlich nur gewesen, wenn sie von neuen Fahrradtouren durch Brandenburg schwärmte.
Tatsächlich war Merkel keine Physikerin aus Leidenschaft. Eigentlich wäre sie gern Lehrerin geworden. Sie las gerne, Sprachen zu lernen, fiel ihr leicht. Als Schülerin gewann sie einmal die Russisch-Olympiade. Aber als Tochter eines protestantischen Pfarrers war ihr in der DDR der Weg in den Schuldienst verbaut. Fleißig wie sie ist, schloss sie ihr Examen zwar dennoch später mit "sehr gut" ab. Sie publizierte sogar in englischsprachigen Fachzeitschriften. Aber ihr akademischer Eifer blieb gebremst. Ihre damaligen Forscherkollegen sagten später, sie hätten bei Merkel nie das Potential zu einer Führungskraft feststellen können. Große Karrieresprünge im Institut waren für sie nicht möglich. Sie war eine "kleine Wissenschaftlerin ohne wirkliche Perspektive", wie ihr Biograf Gerd Langguth schreibt.
- Datum 12.02.2010 - 13:13 Uhr
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Schon mal jemanden gesehen der mit Mitte 30 von der Juristerei/Politoligie/Geschichte wechselt und nochmal Ingenieur oder Mathematiker wird?
Nein,?
Komisch nicht... kann das doch nicht etwa an den Einstiegshürden und den fachlichen Anforderungen (die hier naemlich objektiv messbar sind) liegen?
Ein Schelm wer....
Ich habe auch ein paar Menschen getroffen, die es versucht haben. Allerdings erfordert eine naturwissenschaftliche Ausbildung eine hohe geistige Flexibilität, gilt es doch zu lernen, sich in formale Konstrukte einzuarbeiten und sie mindestens anzuwenden.
Mit anderen Worten: Unmöglich ist es nicht.
Ich bin zwar noch nicht dreißig, habe aber vor meinem Jurastudium eine sehr profunde universitäre mathematische Ausbildung genossen und kann das auch nur jedem empfehlen. Ausbildung? Ja, Ausbildung, denn mehr als eine akademische Hilfswissenschaft ist Mathematik ja nicht, wenn wir ehrlich sind, ebenso wie der Ingenieur zu früheren Zeiten nicht mehr als eine gehobene Form der Ausbildung war, die gerade nicht an der Universität, sondern eben an der Hochschule stattfand.
Ich halte generell nichts davon, hier verschiedene Fächer gegeneinander in Stellung zu bringen, zumal Sie wenn dann auch bittesehr die schulischen Qualifikationen als Anforderungen in Betracht ziehen wollen. Die sehen nun einmal für Ingenieure, Juristen und Mediziner ganz anders aus, weshalb es bei den letzteren auch soetwas wie NCs und obligatorische Aufnahmeverfahren gibt, bei ersterem nicht.
Ich habe auch ein paar Menschen getroffen, die es versucht haben. Allerdings erfordert eine naturwissenschaftliche Ausbildung eine hohe geistige Flexibilität, gilt es doch zu lernen, sich in formale Konstrukte einzuarbeiten und sie mindestens anzuwenden.
Mit anderen Worten: Unmöglich ist es nicht.
Ich bin zwar noch nicht dreißig, habe aber vor meinem Jurastudium eine sehr profunde universitäre mathematische Ausbildung genossen und kann das auch nur jedem empfehlen. Ausbildung? Ja, Ausbildung, denn mehr als eine akademische Hilfswissenschaft ist Mathematik ja nicht, wenn wir ehrlich sind, ebenso wie der Ingenieur zu früheren Zeiten nicht mehr als eine gehobene Form der Ausbildung war, die gerade nicht an der Universität, sondern eben an der Hochschule stattfand.
Ich halte generell nichts davon, hier verschiedene Fächer gegeneinander in Stellung zu bringen, zumal Sie wenn dann auch bittesehr die schulischen Qualifikationen als Anforderungen in Betracht ziehen wollen. Die sehen nun einmal für Ingenieure, Juristen und Mediziner ganz anders aus, weshalb es bei den letzteren auch soetwas wie NCs und obligatorische Aufnahmeverfahren gibt, bei ersterem nicht.
Könnt ihr mal aufhörn für diese Frau zuw erben? Mächtiste Politikerin der WElt? Was hat sie denn bisher so mächtiges getan? Sie sit doch nix weiter als eine AMrionette. Sie ist nur ein Aushängeschild um gemäßigte Rechte/Pseudofeministen ins Boot zu hohlen. Bleibt mir weg mit ihr.
und das soll jetzt kein Vergleich auf allen Ebenen sein.
Es gab schon mal einen sehr steilen und unkonventionellen Aufstieg. Der Mann wollte eigentlich Künstler werden und mit 30 war er politisch noch nicht aktiv.
Der war aber Oesterreicher, die zaehlen nicht!
Der war aber Oesterreicher, die zaehlen nicht!
zu unmotivierten Kanzlerin - was für ein Karriersprung !! Herzlichen Glückwunsch, die wird's noch weit bringen !!
Zitat: "Ihr erster Schritt in die Politik liegt gerade einmal 20 Jahre zurück."
Ihre Tätigkeit als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda, die Merkel selbst später verharmlosend (und "ein wenig schüchtern") als "Kultursekretärin" schön redete, war also eine unpolitische? Erstaunlich!
Wie all zu oft werden die wichtigen Sachen "ignoriert". Auch von dieser Zeitung.
Ein Artikel ohne Sachkenntnis, der alle Klischees wirklich bedient. Was soll der Quatsch von der "kleinen Wissenschaftlerin ohne Perspektive" ? Sie war Wissenschaftlerin an einem Akdamieinstitut der DDR- das waren die besten Forschungeinrichtungen in der DDR mit sehr guten Arbeitsbedingungen und hohen Standards. Was wollte sie nach ihrer Promotion mehr?
Sie hat im Unterschied zu anderen Politikern eben eine solide hochwertige Ausbildung und wissenschaftlich
g e a r b e i t e t.
Wieder der Schmarren mit der FDJ-Sekretärin hier im Forum. Mehr als 95% der Studenten waren in der FDJ und haben in den FDJ-Gruppen mitgearbeitet. Sie hat das gemacht,was 15 Millionen in der DDR auch getan haben: Sie hat dort "normal gelebt" und sich ein bißchen eingebracht (mancher mehr, mancher weniger). Was soll daran schlecht sein?
Wie all zu oft werden die wichtigen Sachen "ignoriert". Auch von dieser Zeitung.
Ein Artikel ohne Sachkenntnis, der alle Klischees wirklich bedient. Was soll der Quatsch von der "kleinen Wissenschaftlerin ohne Perspektive" ? Sie war Wissenschaftlerin an einem Akdamieinstitut der DDR- das waren die besten Forschungeinrichtungen in der DDR mit sehr guten Arbeitsbedingungen und hohen Standards. Was wollte sie nach ihrer Promotion mehr?
Sie hat im Unterschied zu anderen Politikern eben eine solide hochwertige Ausbildung und wissenschaftlich
g e a r b e i t e t.
Wieder der Schmarren mit der FDJ-Sekretärin hier im Forum. Mehr als 95% der Studenten waren in der FDJ und haben in den FDJ-Gruppen mitgearbeitet. Sie hat das gemacht,was 15 Millionen in der DDR auch getan haben: Sie hat dort "normal gelebt" und sich ein bißchen eingebracht (mancher mehr, mancher weniger). Was soll daran schlecht sein?
Hat der Kommentator etwa etwas genommen?
Frau Steinbach hat Frau Merkel gerade gezeigt wie wenig mächtig Mutti ist.
Ich glaube Frau Steinbach wäre die bessere Kanzlerin.
Jawohl!
Helau!
Da stimme ich ihnen 100%tig zu.
Da stimme ich ihnen 100%tig zu.
Spätestens nach der hanebüchenen Aussage, Merkel sei die mächtigste Politikerin der Welt, wusste ich, dass es sich hier um Propaganda handeln wird.
Liegt das vielleicht an der sinkenden Zustimmung für die jetzige Regierung, dass ein Anhänger nun billige Werbung für eine rückgrat- und ideenlose Politikerin machen muss?
Unglaublich.
Diese Dame war gerade erst einige Wochen im Amt, da wurden schon die gleichen "Lobeshymnen" verbreitet. Keiner kannte ihre Vergangenheit, schon garnicht ihr politisches Sein in dieser Zeit.
Daher konnten derartige Artikel nur GEKAUFTE Propaganda-Kampagnen sein, die natürlich vom Steuerzahler über die Parteienzuschüsse bezahlt wurden.
Aber was soll es, der Deutsche an sich ist schon ein miserabeler Demokrat, weshalb er dieser "Dame" (?) eine 2.Chance diesmal mit den Gelben vermittelt hat - mit Hilfe derartiger dummer Artikel.
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