Rüstungspolitik Bundeswehr bestellt mangelhafte Hubschrauber

Experten kritisieren den NH-90 als für den militärischen Einsatz ungeeignet. Die Bundeswehr hat aber 122 Helikopter des Typs für insgesamt 4,6 Milliarden Euro bestellt.

Verderben zu viele Köche den Brei? Der NH 90 ist eine deutsch-französisch-italienisch-niederländische Gemeinschaftsproduktion

Verderben zu viele Köche den Brei? Der NH 90 ist eine deutsch-französisch-italienisch-niederländische Gemeinschaftsproduktion

Der neue NH-90 gilt als modernste Maschine ihrer Art und soll als europäischer Nato-Helikopter in vielen Ländern das Rückgrat der Hubschrauberflotte bilden. Auch die Bundeswehr hat ihn geordert – 122 Stück. Die Kosten belaufen sich auf 4,6 Milliarden Euro. Nach Bild-Informationen stellten Experten des Heeres nun jedoch fest, dass das Fluggerät für den militärischen Einsatz bestenfalls stark eingeschränkt einsetzbar ist. Das Urteil laute daher: "Wann immer möglich, sind alternative Luftfahrzeuge zu nutzen." Die Mängelliste soll dem Blatt zufolge lang sein.

Aufgrund der äußert geringen Bodenfreiheit des NH-90 sei es für Soldaten nur möglich ein- und auszusteigen, wenn der Pilot auf festem Untergrund landet. Hindernisse, die höher als 16 Zentimeter sind, machen die Aktion bereits unmöglich, was den Einsatz als Transporthubschrauber – eine seiner Hauptaufgaben – in vielen Fällen fraglich mache.

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Eine schwach konstruierte Heckrampe verhindert demnach das Ein- oder Aussteigen von Soldaten mit Ausrüstung. Dies ist vor allem deswegen problematisch, weil der Innenraum generell extrem knapp bemessen ist. Tatsächlich soll eine Infanteriegruppe mit Gepäck nur dann für 24 Stunden hineinpassen, wenn Waffen wie Sturmgewehre oder Panzerfäuste ohne Sicherung auf den Boden gelegt werden. Da Sicherungsmöglichkeiten nicht gegeben seien, könnten schwere Waffen oder Raketen grundsätzlich nicht mitgeführt werden. Ein Transport von Soldaten und Lasten-Paletten gleichzeitig sei generell unmöglich.

Das an Bord montierte Maschinengewehr soll auch als "unzweckmäßig" kritisiert worden sein, da der Platz im Inneren des Helikopters dafür nicht ausreicht und die Waffe eine Sicherung des Hubschraubers bei Landungen in Kampfzonen erfordert.

Experten sollen selbst den Boden im Innenraum des Helikopters als untauglich für Transporte von militärischem Personal befunden haben, da er aufgrund seiner Druckempfindlichkeit bereits von "schmutzigen Kampfstiefeln" beschädigt würde.

Auch die Sitze gelten demnach als unsicher und zu schwach konstruiert und können kein Gewicht über 110 Kilogramm tragen. Alleine die Ausrüstung eines Soldaten beläuft sich auf rund 25 Kilogramm.  

Zuletzt erhielt der NH-90 grundsätzlich keine Erlaubnis für "spezielle Einsatzverfahren", die in der Bundeswehr Praxis sind. Dies beinhaltet beispielsweise bestimmte Abseilmanöver, da die vorhandene Winde den Anforderungen nicht entspricht, sowie das Absetzen von Fallschirmspringern, deren Fallschirme automatisch auslösen.

Unterstützt wird der NH-90 von dem ebenfalls neuen Hubschrauber Tiger, und auch hier wurden gravierende Mängel beanstandet. So soll der Tiger nicht zum Einsatzgebiet Afghanistan passen, da er über ein Triebwerk verfügt, das nicht für die Höhenunterschiede und das Klima in der Region geeignet ist.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Der Journalismus wird immer "effektiver". Auf Nachrichtensendern sind bei aktuellen Ereignissen inzwischen Bilder von Google-Earth zu sehen, welche mit vorgelesenen Twitter-Texten unterlegt sind. Twittern kann ich auch.
    Und die ZEIT beruft sich auf Informationen, die der BILD-Zeitung vorliegen. BILD lesen könnte ich ebenfalls, wenn mir das Geld dafür nicht zu schade wäre und ich ein Wort davon glauben würde.
    Diese Art von Berichterstattung hinterlässt immerhin einen gesunden Zweifel, der zur Eigenrecherche anregt. Besser als nichts.

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    dieser linkisch-linken Krummenrepublik noch nicht aufgegangen zu sein, dass die führende Rolle bei der Volksverdummung von BILD längst auf den sich überaus seriös gebenden Öffentlichen Rundfunk übergegangen ist- abzüglich natürlich der Bekleidung!

    dieser linkisch-linken Krummenrepublik noch nicht aufgegangen zu sein, dass die führende Rolle bei der Volksverdummung von BILD längst auf den sich überaus seriös gebenden Öffentlichen Rundfunk übergegangen ist- abzüglich natürlich der Bekleidung!

  2. Muss wohl allerhand Schmieri-Schmieri für das Wisch-Waschi Ding geflossen sein, mit viel Chauvinismus aus Frankreich nur sehr notdürftig verdeckt...

  3. Offiziere gehen bei voller Pension mit 48 oder 50 in Pension und mustern dann in der Rüstungsindustrie an. Beim Beschaffungsamt herrscht eine perfekt gewirkte Interessengemeinschaft von falsch verstandenem Korpsgeist und Profitinteresse. Die Schlampereien beim Kölner U-Bahn-Bau sind da eine Politesse. Das Beschaffungsamt liegt nicht umsonst nicht weit von Köln entfernt. In der Gegend ist Klüngel und Korruption das Grundgesetz.
    Wie oft habe ich es erlebt, daß die Rüstungsfirmen Murks ausliefern und dann die Fehler unter dem Rubrum "Kampfwertsteigerung" auch noch vom Steuerzahler bezahlt wurden!
    Die Bundeswehr ist so gesehen eine echte Friedensarmee. Richtig krachen läßt sie es nur, wenn's Bohnen und Linsen aus der Gulaschkanone gegeben hat.

  4. dieser linkisch-linken Krummenrepublik noch nicht aufgegangen zu sein, dass die führende Rolle bei der Volksverdummung von BILD längst auf den sich überaus seriös gebenden Öffentlichen Rundfunk übergegangen ist- abzüglich natürlich der Bekleidung!

    Antwort auf "BILD als Quelle?"
    • colca
    • 23.02.2010 um 10:02 Uhr

    Unsere Politikerkaste versucht seit Jahren, die ehemals defensiv aufgestellte Bundeswehr zu einer Interventionsarmee umzuwandeln, um ihrer neuen Funktion als weltweiter Hilfstruppensteller für die Angelsachsen gerecht zu werden.
    Dieser Ansatz stößt auf viele Widerstände.
    Bei der Linkspartei und Teilen der Sozialdemokraten und Grünen, die immer noch ein Problem mit deutschen Angriffskriegen haben.
    Bei der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung, die im Gegensatz zur Politik nicht vergessen haben, dass das Militär in den letzten 100 Jahren immer nur Unglück über Deutschland gebracht hat.
    Neu ist aber der Widerstand aus der Rüstungsindustrie. Dabei ist der Ansatz genial und wirksam. Einfach der Truppe untaugliches Material liefern, schon ist Sense mit dem Militärtourismus in aller Welt.
    Bravo und weiter so!

  5. Die Mängel sind zum einen seit langem bekannt, zum anderen zeigt dies mal wieder ein Grundproblem der Rüstungsbeschaffungen, bei denen es zu oft um "industriepolitische Aspekte" geht, statt um gute Ausrüstung.

    Man baut nette Ausrüstung, die auf Paraden und Monkey- Shows (Manöver für die geladenen politischen Gäste) nett aussieht, aber für den Krieg absolut ungeeignet ist.

    Wenn dann ein Kommandeur aufgrund der miesen Qualität zu überhöhten Preisen aufmuckt, lässt der Vertreter von EADS o.ä. durchblicken, dass er hervorragende politische Kontakte habe, man die Vorwürfe gar nicht verstehen könne, der Kritiker offenbar keine Ahnung habe und man es als seine Bürgerpflicht ansehe, die entsprechenden Personen im BMVg über die Inkompetenz des entsprechenden Kommandeurs beim nächsten Golfturnier des Rotary- Clubs in Kenntnis zu setzen.

    Solange es nicht in den Krieg ging, funktionierte diese Masche. Da war den Kommandeuren die eigene Karriere wichtiger als gute Ausrüstung.

    Wo nun aber die miserable Ausrüstung eigene Soldaten tötet, ändert sich die Denkweise im Offizierskorps.

    Wie so oft liegt die Ursache im Zusammenspiel aus leicht manipulierbaren Politikern, skrupellosen Lobbyisten und staatlichen Bediensteten, die Angst um ihre Karriere haben.

    Ich hoffe, es finden noch mehr Mängelberichte bei Beschaffungsvorhaben den Weg in die Öffentlichkeit. Denn was die Industrie der Bundeswehr liefert, ist unterste Schublade und leider oft lebensgefährlich.

  6. Natürlich könnte man statt des Tigers und des NH-90 Apaches und Blackhawks in den USA kaufen. Erstens wären die deutlich billiger und zweitens sind bei denen alle Kinderkrankheiten beseitigt, da sie schon einige Jahre im Einsatz sind. Dann allerdings würden die Milliarden nicht der heimischen, sondern der amerikanischen Wirtschaft zugute kommen, wir bekämen Modelle die nicht up-to-date sind und den europäischen Unternehmen würde ein wichtiger Technologieschub entgehen. Alles kann man nicht haben.

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