Wahlkampf "Die Schnittmengen mit den Grünen sind klein"

Hendrik Wüst, Generalsekretär der nordrhein-westfälischen CDU, sieht die Chancen für Schwarz-Grün nach der Landtagswahl skeptisch. Im Interview distanziert er sich zudem von Westerwelle.

ZEIT ONLINE: Seit Tagen diskutiert die Republik über Hartz IV und den von FDP-Chef Guido Westerwelle in dem Zusammenhang verwendeten Begriff der "spätrömischen Dekadenz". Nur die CDU in NRW redet nicht darüber. Warum?

Hendrik Wüst: Unser Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat sich davon klar distanziert. Es geht nicht um Brot und Spiele, sondern darum, etwas für die Kinder in den Hartz-IV-Familien zu tun. Und es gebietet der Respekt vor dem Bundesverfassungsgericht, dass sich die Politiker ernsthaft damit auseinandersetzen.

ZEIT ONLINE: Direkt gefragt: Muss man den Sozialstaat vor Faulenzern schützen, wie es Westerwelle fordert?

Wüst: Ich habe nicht den Eindruck, dass die überwiegende Zahl von Hartz-IV-Empfängern Faulenzer sind. Die wollen arbeiten. Deshalb ist diese ganze Debatte ein Stückweit neben der Realität.

ZEIT ONLINE: Noch eine Westerwelle-These: Darf man in Deutschland nicht mehr sagen, was man denkt? Gibt es eine übertriebene politische Korrektheit?

Wüst:
Herr Westerwelle ist so lange in der Politik. Er weiß genau, welche Reaktionen er mit seinen Äußerungen auslöst. Er darf eine ganze Menge sagen. Er muss aber auch das Echo ertragen können.

ZEIT ONLINE: Sie haben fünf Jahre in Düsseldorf mit der FDP regiert. Was kann Schwarz-Gelb in Berlin von NRW lernen?

Wüst: Wir haben bewiesen, dass Nordrhein-Westfalen nicht gottgegeben rot ist. Wir liegen seit der letzten Landtagswahl in allen Umfragen vor der SPD. Man kann an uns sehen, dass der Abgesang auf die Volksparteien ein bisschen verfrüht gewesen ist. Wir bekommen Arbeitgeber und -nehmer noch zusammen, weil wir eine ausgewogene Politik machen. Und wir sind erfolgreich: Wir haben 8000 zusätzliche neue Lehrerstellen geschaffen. An vielen anderen Themen kann man das genauso sehen.

ZEIT ONLINE: Die Opposition wirft ihnen vor, eine verfehlte Strukturpolitik zu betreiben. Den Kommunen gehe es schlecht, die Arbeitslosigkeit sei hoch, die Industrie veraltet.

Wüst:
Die SPD hat viele Jahrzehnte in NRW die Chancen verpasst, Neues zu definieren. Da sind wir jetzt gefordert. Wir haben es geschafft, 24 neue Forschungseinrichtungen zu schaffen. Politik kann also durchaus etwas bewirken. Für die Kommunen sind die Sozialdemokraten die ganz falschen Anwälte. Die hatten über Jahrzehnte gerade in den Städten die Verantwortung, wo es heute am schlechtesten aussieht. Nie zuvor haben die Kommunen in NRW so viel Geld bekommen wie in den letzten Jahren.

ZEIT ONLINE: Wie wird die CDU den Wahlkampf führen? So wie Angela Merkel, also nicht polarisieren, SPD-Wähler locken und auf die Grünen schielen?

Wüst: Wir werden einen nordrhein-westfälischen Wahlkampf führen.

ZEIT ONLINE: Sie selber langen kräftig zu und vergleichen die Spitzenkandidatin der SPD, Hannelore Kraft, mit Andrea Ypsilanti, die in Hessen bekanntlich mit der Linkspartei zusammengehen wollte.

Wüst: Wir setzen im Wahlkampf auf drei Themen: Auf Jürgen Rüttgers, der großes Vertrauen bei den Menschen genießt. Zweitens: auf eine starke Bilanz und eine Politik der neuen Sicherheit und Solidarität für die Zukunft. Und drittens werden wir uns mit Rot-Rot auseinandersetzen, weil das die Einheit der Gesellschaft gefährdet. So lange Frau Kraft weiter herumeiert wie Frau Ypsilanti, wird sie sich unsere Kritik gefallen lassen müssen. Da wird ein riesiger Wahlbetrug vorbereitet!

ZEIT ONLINE: Haben sie schon das Wahlkampfprogramm der Grünen durchgeackert? Vielleicht müssen sie ja mit denen nach der Wahl koalieren.

Wüst:
An vielen Stellen stehen da Luftbuchungen, etwa bei der Energiepolitik. Rasch völlig auf alternative Energien zu setzen, das funktioniert in einem Industrieland nicht. Auch das, was die Grünen zur Einheitsschule sagen, ist nicht mit uns zu machen. Die inhaltlichen Schnittmengen sind ziemlich klein.

ZEIT ONLINE: Aber ausschließen wollen Sie eine Koalition auch nicht, wenn es für Schwarz-Gelb – wie es im Moment in den Umfragen aussieht – nicht reicht.

Wüst:
Wir wollen die schwarz-gelbe Koalition unter der Führung von Jürgen Rüttgers auch nach dem 9. Mai fortsetzen. Das ist unser Ziel.

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Das Gespräch führte Michael Schlieben
 

 
Leser-Kommentare
  1. findet keinen anderen Partner, als die brandschatzenden und marodierenden Landsknechte von der FDP, deren Credo in der fundamentalistischen Verteidigung der leistungsfrei gestellten Welt der Steueroptimierer, Steuervermeider und Steuer- und Abgabenbetrüger und deren Hilftruppen in den Reihen der ständisch-feudalsystemisch privilegierten Rechtsanwälte, Steuer- und Anlagenberater, Unternehmens- und Betriebsberater (gemeinhin Freie Beruf genannt und hinsichtlich ihrer realen Steuerbefreiungssituation schon totalitär privilegiert) besteht.

    Allein der Bestand des verfassungswidrigen Gesetzesvehikels der Strafbefreiung bei Selbstanzeige von Steuer-/Finanzbetrügern und der real-praktizierte Umgang seitens der Steuerverwaltung, Justiz und der Parlamentarier beweist, dass Deutschland ein Unrechtsstaat a la DDR-Modell ist. Die Logik die nämlich hinter diesem ganzen System steckt, ist die Logik der Hilde Benjamin, des Roland Freisler und des Hamburger Anwalts Scheuerl. Das absolute Primat der jeweiligen Herrschaftskaste und die Proklamation der Übergesetzlichkeit für diese "Elite".

    Schrecklicher kann man Nazismus - egal ob hitlerischer oder stalinistischer Lesart - nicht proklamieren.

    Frage: Versteht der Wähler in NRW und Hamburg und anderwo, wie er desinformiert, manipuliert und - nach der Wahl - düpiert wird?

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    • alkyl
    • 19.02.2010 um 9:59 Uhr

    daß so ein Kommentar hier fast eine ganze Stunde unbeantwortet herumsteht? Sind Sie sicher, daß Sie hier die Zeitung lesen, die Sie lesen wollten? Radikale Kraftmeier wie Sie machen den Diskurs, der ja tatsächlich dringend nötig ist, wahrhaftig nicht einfacher! Sinnloses Beleidigen bringt niemanden voran.

    • alkyl
    • 19.02.2010 um 9:59 Uhr

    daß so ein Kommentar hier fast eine ganze Stunde unbeantwortet herumsteht? Sind Sie sicher, daß Sie hier die Zeitung lesen, die Sie lesen wollten? Radikale Kraftmeier wie Sie machen den Diskurs, der ja tatsächlich dringend nötig ist, wahrhaftig nicht einfacher! Sinnloses Beleidigen bringt niemanden voran.

    • alkyl
    • 19.02.2010 um 9:59 Uhr

    daß so ein Kommentar hier fast eine ganze Stunde unbeantwortet herumsteht? Sind Sie sicher, daß Sie hier die Zeitung lesen, die Sie lesen wollten? Radikale Kraftmeier wie Sie machen den Diskurs, der ja tatsächlich dringend nötig ist, wahrhaftig nicht einfacher! Sinnloses Beleidigen bringt niemanden voran.

  2. Unredliches Geschwätz!

    Frau Kraft sagt sie will mit den Grünen regieren. Mit der Linken gebe es zu wenig Schnittmengen.

    Herr Wüst sagt er will mit der FDP regieren. Mit den Grünen gebe es zu wenig Schnittmengen.

    Aber die Wähler werden dann ein Ergebnis produzieren mit dem
    die Realpolitik dann umgehen wird.

    Herr Wüstilanti eiert, läßt die SPD beschatten, trickst mit seinem Gehalt rum, findet die rechtspopulistischen und Fremdenfeindlichen Äußerungen von Herrn Rüttgers o.k.,

    kurz: ein echter Rechter vom Rüttgersclub der Scheinheiligen.

    Wer solche Leute nicht mag, kann ja was anderes wählen gehen.

  3. 4. NRW

    Der Fall Wüst ging hier in NRW schon mehrere Male durch die Presse. Dem Herren waren drastische Unregelmäßigkeiten im finanziellen Bereich nachgewiesen worden. Rufe nach seinem Rücktritt wurden laut. Wüst saß das aus.
    Man ist diesen Typus von Politikern, dem es nie ums Gemeinwohl, sondern nur um die eigene Karriere geht, bis zum Überdruss leid.

  4. unterschwellig schnüffeln die Grünen zur Macht. Alles Gerede Schnittmengen und so ist vorgeschoben.
    Die Grünen tun ja gar so als hätten sie mit Hartz4 nichts zu tun. Sind sie wieder im Geschäft sind alle Mundfilter weg.
    Siehe auch Saarland!

  5. Also wenn man die Grünen wählt, wählt man ja mit ziemlicher Sicherheit Schwarz/Gelb. Allerdings sagten die Grünen, sie wollen sich nicht von den Linken tolerieren lassen. Bedeutet das, dass sie eine Regierungsbeteiligung der Linken mit Rot/Rot/Grün ok fänden? Also was wählt man wenn man linke Politik möchte in NRW? Diese Machtspielchen sind ja sowas von...

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    • H-Yo
    • 21.02.2010 um 13:30 Uhr

    CDU und FDP liefern Chaos ab, Rüttgers glänzt mit populistischen Sprüchen und Bestechlichkeit und entblödet sich nicht einmal, sich aus Angst vor dem Machtverlust jetzt den Grünen in den Arm zu werfen. Nimmt ihm dieses Schauspiel eigentlich irgendjemand ab?

    Muss man jetzt, weil man die Linke ablehnt, Rüttgers unterstützen? Nein, muss man nicht. Wenn es in NRW für eine rot-grüne Mehrheit reicht, dann bleiben dem Land sowohl Rüttgers, als auch die Linke an der Regierung erspart.

    Dank Merkel, Westerwelle, Röttgen, Rösler, Koch, Rüttgers, Öttinger (...) glaubt hoffentlich niemand mehr, man müsste sich als SPD-Wähler schämen.

    • H-Yo
    • 21.02.2010 um 13:30 Uhr

    CDU und FDP liefern Chaos ab, Rüttgers glänzt mit populistischen Sprüchen und Bestechlichkeit und entblödet sich nicht einmal, sich aus Angst vor dem Machtverlust jetzt den Grünen in den Arm zu werfen. Nimmt ihm dieses Schauspiel eigentlich irgendjemand ab?

    Muss man jetzt, weil man die Linke ablehnt, Rüttgers unterstützen? Nein, muss man nicht. Wenn es in NRW für eine rot-grüne Mehrheit reicht, dann bleiben dem Land sowohl Rüttgers, als auch die Linke an der Regierung erspart.

    Dank Merkel, Westerwelle, Röttgen, Rösler, Koch, Rüttgers, Öttinger (...) glaubt hoffentlich niemand mehr, man müsste sich als SPD-Wähler schämen.

    • H-Yo
    • 21.02.2010 um 13:30 Uhr

    CDU und FDP liefern Chaos ab, Rüttgers glänzt mit populistischen Sprüchen und Bestechlichkeit und entblödet sich nicht einmal, sich aus Angst vor dem Machtverlust jetzt den Grünen in den Arm zu werfen. Nimmt ihm dieses Schauspiel eigentlich irgendjemand ab?

    Muss man jetzt, weil man die Linke ablehnt, Rüttgers unterstützen? Nein, muss man nicht. Wenn es in NRW für eine rot-grüne Mehrheit reicht, dann bleiben dem Land sowohl Rüttgers, als auch die Linke an der Regierung erspart.

    Dank Merkel, Westerwelle, Röttgen, Rösler, Koch, Rüttgers, Öttinger (...) glaubt hoffentlich niemand mehr, man müsste sich als SPD-Wähler schämen.

  6. bitte macht es doch Euren Mitmenschen in den anderen Bundeslaendern etwas leichter und beendet zumindest die Regierungsbeteiligung der FDP...
    Ihr selbst habt am meisten davon! ^^

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