Krisentreffen der Liberalen FDP will sich von Union emanzipieren

Die FDP bricht das Stillhalteabkommen mit der Kanzlerin: Die Partei will früher als vereinbart ihre Steuerpläne vorlegen – und so den Reformdruck auf die Union erhöhen.

Die FDP will das Reformtempo der schwarz-gelben Koalition erhöhen und dabei besonders den Steuersenkungskurs beschleunigen. Dies vereinbarten die Spitzen von Partei und Fraktion während einer vierstündigen Sondersitzung am Sonntagabend in Berlin. Demnach soll pünktlich zum Bundesparteitag der Liberalen ende April und damit noch vor der Steuerschätzung im Mai ein Konzept für weitere Steuersenkungen präsentiert werden.

Mit einem verschärften Kurs der Eigenständigkeit versprechen sich die Liberalen, vor allem in Nordrhein-Westfalen die Stimmung zu ihren Gunsten zu wenden. Im Mai wird in dem Bundesland ein neuer Landtag gewählt. Sie liegt dort in Umfragen bei sechs Prozent und strebt zehn Prozent plus X an. Zudem will die FDP so der Dauerkritik seitens der Union an zentralen Vereinbarungen des Koalitionsvertrags entgegentreten.

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"Wir haben eine große Geschlossenheit hergestellt und sind gemeinsam der Auffassung, dass wir die Richtung beibehalten wollen, aber das Tempo der Reformen erhöhen müssen", sagte Generalsekretär Christian Lindner. Zu allen relevanten Themen sollten die Vorhaben jetzt konkretisiert werden. "Wir werden mehr auf unsere Positionen achten und eine Stufe härter schalten", sagte Gesundheitsminister Philipp Rösler. "Jetzt geht's los", betonte er.

Die FDP will vor allem die weiteren Schritte bei einer Steuerstrukturreform einschließlich der damit verbundenen Sparmaßnahmen konkretisieren. Die Liberalen gehen damit auf Distanz zu dem Stillhalteabkommen in der Steuerfrage, das die drei Parteichefs der Koalition vor drei Wochen mühsam gefunden hatten. Damals hatten Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Guido Westerwelle vereinbart, dass konkrete Zahlen über Steuerentlastungen und Sparmaßnahmen zur Gegenfinanzierung erst nach der Steuerschätzung Anfang Mai genannt werden sollen.

Bereits zu Beginn der Sitzung hatte der FDP-Chef deutlich gemacht, dass seine Partei ungeachtet des Gegenwindes an ihrem Entlastungskurs festhalten werde. "Wir werden unsere Politik für eine Stärkung der Familien und eine Entlastung des Mittelstandes fortsetzen", unterstrich der Vizekanzler. Dies sei für die FDP ein zentrales Anliegen.

Diese Forderung verpuffte allerdings. Baden-Württembergs scheidender Ministerpräsident Günther Oettinger lehnt die Pläne der FDP ab. "Da tut man doch gut daran, das im Juni zu entscheiden", sagte der CDU-Politiker. Zunächst müsse es aussagekräftigere Grundlage für die Entwicklung der Steuern und der Arbeitslosenzahlen geben. "Das April-Datum – wenn jemand Steuersenkungen versprechen will – ist erkennbar nur Wahlkampf."

Den Vorstoß der Liberalen konterte auch CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt mit einer Warnung vor zu viel Tempo: "Wir halten gemeinsam mit der FDP am Ziel von Steuerentlastungen fest. Umfang und Schritte müssen sich an den Möglichkeiten orientieren." Auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ging auf Distanz zur FDP. Der CDU-Vize stellte die geplante Steuerreform mit Verweis auf eventuelle zusätzliche Lasten für die Kommunen infrage.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) widersprach ebenfalls dem FDP-Vorstoß. "Welchen Spielraum wir haben, das werden wir gemeinsam
im Juni entscheiden", sagte er. Schäuble nahm seinen Parteikollegen Rüttgers in Schutz und verwies auf den Koalitionsvertrag. "Wir wollen – im Rahmen dessen, was möglich ist – Steuersenkungen, aber die Lage der Kommunen ist genauso wichtig."

Die Pläne für eine umfassende Steuerreform werden also auch in Zukunft für Streit innerhalb der schwarz-gelben Koalition sorgen. Dabei machen der FDP vor allem die Dauerquerelen mit der CSU zu schaffen. Am Wochenende hatte Westerwelle deshalb den Christsozialen mit Konsequenzen gedroht, falls sie ihre Kritik an den Liberalen nicht mäßigt. "Ich habe eine Engelsgeduld. Aber ich kann auch anders."

Verärgerung herrscht bei den Liberalen auch wegen der Dauerkritik aus der Koalition an Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) und der Absetzbewegung von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) von einer deutlich längeren Nutzung der Atomkraft. Westerwelle bezeichnete diese Haltung als "absolut schweren Fehler".

Generalsekretär Lindner hielt der Union eine unklare Position in Energiefragen vor. Damit bezog er sich auf die Forderung Röttgens nach einem schnelleren Ausstieg aus der Atomenergie als geplant. "Es macht keinen Sinn, unsere sicheren Kernkraftwerke jetzt schneller abzuschalten als bisher vereinbart", sagte Lindner. Die FDP stehe für eine Allianz aus erneuerbaren Energien und der auslaufenden Kernenergie. Längere Laufzeiten müssten genutzt werden, um eine Energiewende bezahlbar zu machen.

 
Leser-Kommentare
  1. Genau, die will die FDP entlasten. Und 3*3=Donnerstag und die Pizza ist ne Kugel.

    Wenn die FDP jemanden entlasten will, dann sind das die Besserverdienenden und nur die. Paradebeispeil Kopfpauschale. Da kann ein Viertklässler ausrechnen, dass die besser Verdienenden damit prozentual weitaus besser fahren, als die Kleinverdiener.

    Und die Umwelt ist der FDP auch egal: So lange sie genügend Schmiergelder von den großen Energiekonzernen erhält bleibt es bei der Nutzung der ach so billigen Kernenergie. Die Entsorgung zahlen ja wieder die kleinen Steuerzahler, die keine Konten in der Schweiz haben.

    Man kann nur hoffen, dass diese korrupte Klientelpartei so viel wie möglich von dem, was sie in dieser Legislaturperiode vor hat, auch durchsetzen kann, dass den Wählern so richtig die Augen aufgehen und sie bei der nächsten Wahl diese Partei wieder da verschwinden lassen, wo sie hingehört: In die Bedeutungslosigkeit!

  2. Die FDP will also einen Absichtswahlkmampf führen, unabhängig von der Durchsetzbarkeit Ihre Forderungen formulieren.
    Dann ist es natürlich leicht zu sagen: Mehr Netto vom Brutto.
    Aber immerhin, das ist zumindest fairer, als erst nach der Wahl etwas zu sagen.
    Jetzt beginnt also das zerfleischen von CDU und FDP.
    Dumm nur, dass auch Negativwerbung Werbung ist. Die Medien werden sich darauf stürzen. Die Opposition wird von den Medien aus den Augen verloren. Der Plan der FDP könnte deshalb funktionieren. Schrecklich!

  3. die WählerInnen hatten eine Engelsgeduld. Aber sie können auch anders: Am 9. Mai werden sich Umfrageergebnisse konkretisieren.

    MfG
    Braingain

  4. Fuer die FDP ist noch nichts verloren.
    Der Start war zwar sehr bescheiden, aber der Wunsch nach einfacheren und gerechteren Steuern sowie nach einer Reduzierung der Staatsschulden ist in der Bevoelkerung noch weit verbreitet.
    Diese Punkte hat die FDP (zumindest theoretisch) noch alle im Programm.
    Die Partei muss jetzt beginnen, endlich ein FInanzierungskonzept fuer die Steuersenkungen auszuarbeiten. Sie muss sagen, wo sie sparen will. Die Waehler erwarten das.

    Dennoch wird es meiner Meinung nach keinen Kurswechsel in der Bundespolitik geben, da die Union im Prinzip mit dem bestehenden System zufrieden ist und keinen reformbedarf zu erkennen scheint.
    Dieses Handeln wird der FDp zugeschrieben, deshalb verliert sie.

    Westerwelle muss jetzt aggressiver handeln und Merkel unter groesseren Druck setzen. Das Wichtigste aber ist, dass er endlich Finanzierungskonzepte fuer seine Plaene vorlegt.

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    • th
    • 08.02.2010 um 10:32 Uhr

    Westerwelle war bisher schon aggressiv genug - und deshalb hat die FDP wegen ihrer Dreistigkeit eins auf den Deckel gekriegt. Weil der Eindruck entstanden ist, in der Koalition wedele der Schwanz mit dem Hund. Wenn Westerwelle jetzt den Mund _noch_ weiter aufreisst, dann kann er damit rechnen, dass die FDP _noch_ mehr Stimmen verliert.
    Er hat offenbar immer noch nicht verstanden, dass die FDP keineswegs mit absoluter Mehrheit alleine regiert, sondern dass es da noch zwei Koalitionspartner und eine Kanzlerin gibt ...

    Aber der Mann wird nie lernen, wie ein Staatsmann aufzutreten.

    • th
    • 08.02.2010 um 10:32 Uhr

    Westerwelle war bisher schon aggressiv genug - und deshalb hat die FDP wegen ihrer Dreistigkeit eins auf den Deckel gekriegt. Weil der Eindruck entstanden ist, in der Koalition wedele der Schwanz mit dem Hund. Wenn Westerwelle jetzt den Mund _noch_ weiter aufreisst, dann kann er damit rechnen, dass die FDP _noch_ mehr Stimmen verliert.
    Er hat offenbar immer noch nicht verstanden, dass die FDP keineswegs mit absoluter Mehrheit alleine regiert, sondern dass es da noch zwei Koalitionspartner und eine Kanzlerin gibt ...

    Aber der Mann wird nie lernen, wie ein Staatsmann aufzutreten.

  5. Eine interessant Wendung, nicht wahr?

    Es scheint, und diesen quirlingen Eindruck erweckt Westerwelle bei mir, als wäre Westerwelle ein sehr schlechter Koalitionspartner, beziehungsweise unfähig sich politisch zu fügen.

    Wahrscheinlich übt Merkel einen sehr großen Druck auf ihn aus, und sie ist, nach alter Manier, vielleicht sogar bereit die FDP oder Westerwelle für die eigenen Zwecke zu opfern, weil auch sie sich zur Zeit vieles vorwerfen lassen muss. Westerwelle, in seiner barschen, flirrigen Art aber denkt gar nicht daran dieses Spiel mitzumachen. Merkel wird ihn eines Tages als Grund für diese Probleme ausmachen.

    Westerwelle und Merkel, die ich auf einer Konferenz mal erlebt habe, erscheinen mir grundverschieden: Merkel ist Eisenhower, während Westerwelle ein unsicherer, vorwärtsgerichteter, leicht schmieriger Guttenberg zu sein scheint. Ich wollte den Vergleich zu Patton ziehen, doch ich meine, dass Westerwelle für einen Patton nicht über genug Rückhalt im Volk verfügt, obwohl Westerwelle danach strebt.

    • gauss
    • 08.02.2010 um 8:26 Uhr

    Es ist doch im Koalitionsvortrag beschlossen worden, dass es eine Steuerreform gibt. Die FDP fällt nicht um, sie hält Wort! Man braucht nur unsinnige Dinge zurückfahren und schon ist genug Geld vorhanden, für Investitionen, trotz Steuerreform. Letztendlich wird auch mehr Geld hereinkommen, wenn die Menschen wieder über ihren Wohlstand alleine entscheiden können.
    Die FDP macht Politik für den Mittelstand, Politik dafür, das sich Familien wieder eigenständig ernähren können, das sie die Möglichkeiten haben sich im Wohlstand zu entfalten.
    Dies ist der richtige Weg. Deutschland braucht eine grundlegende Reformen, die Steuerreform kann dabei nur ein Teil sein.

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    "Man braucht nur unsinnige Dinge zurückfahren und schon ist genug Geld vorhanden"

    Da bin ich aber mal auf Vorschläge gespannt. Was dem einem unsinnig ist nämlich für den anderen Lebensinhalt und nach den ständigen, mehr oder weniger fruchtlosen, Kürzungen des vergangenen Jahrzehnts dürfte nicht mehr so viel zu holen sein.

    "Letztendlich wird auch mehr Geld hereinkommen, wenn die Menschen wieder über ihren Wohlstand alleine entscheiden können."

    Es gibt scheinbar immer noch Leute, die nicht kapieren wie der Hase läuft.

    1) die einen haben Wohlstand zur Genüge (und schaffen ihn in die Schweiz und auf Caiman)

    2)ein großer Teil der Leute hat so gut wie kein Vermögen und auch kaum Einkommen, viele sind sogar heftig verschuldet

    Das lässt sich statistisch nachweisen:
    http://www.boeckler.de/32...
    und durch die "Reformen" der vergangenen Jahrzehnte hat es sich immer mehr verschlimmert. Der Kapitalismus ist ein ständiger Konzentrationsprozess, dem man mit strikter Umverteilung gegenwirken, ja stabilisieren muss. Aber warum
    sollte sich die FDP durch Fakten verwirren lassen. Sie hält sich selbst für "wirtschaftskompetent", dabei reicht es nicht zu wissen wo das Steuerrad ist, man muss auch den Eisberg sehen...

    "Die FDP macht Politik für den Mittelstand, Politik dafür, das sich Familien wieder eigenständig ernähren können, das sie die Möglichkeiten haben sich im Wohlstand zu entfalten."

    Und jetzt schau bitte nochmal zur real existierenden FDP und vergiss mal die Phrasen.

    • profus
    • 08.02.2010 um 11:06 Uhr

    Und Sie sitzen dann im Rat für "Unsinnige Steuerverschwendung"
    Ist so ähnlich, wie nach einer Länderspielniderlage der Deuschen Fußballnationalmannschaft, dann haben wir auch ca. 40 Millionen Bundestrainer die Alles besser wissen!!!!!

    "Man braucht nur unsinnige Dinge zurückfahren und schon ist genug Geld vorhanden"

    Da bin ich aber mal auf Vorschläge gespannt. Was dem einem unsinnig ist nämlich für den anderen Lebensinhalt und nach den ständigen, mehr oder weniger fruchtlosen, Kürzungen des vergangenen Jahrzehnts dürfte nicht mehr so viel zu holen sein.

    "Letztendlich wird auch mehr Geld hereinkommen, wenn die Menschen wieder über ihren Wohlstand alleine entscheiden können."

    Es gibt scheinbar immer noch Leute, die nicht kapieren wie der Hase läuft.

    1) die einen haben Wohlstand zur Genüge (und schaffen ihn in die Schweiz und auf Caiman)

    2)ein großer Teil der Leute hat so gut wie kein Vermögen und auch kaum Einkommen, viele sind sogar heftig verschuldet

    Das lässt sich statistisch nachweisen:
    http://www.boeckler.de/32...
    und durch die "Reformen" der vergangenen Jahrzehnte hat es sich immer mehr verschlimmert. Der Kapitalismus ist ein ständiger Konzentrationsprozess, dem man mit strikter Umverteilung gegenwirken, ja stabilisieren muss. Aber warum
    sollte sich die FDP durch Fakten verwirren lassen. Sie hält sich selbst für "wirtschaftskompetent", dabei reicht es nicht zu wissen wo das Steuerrad ist, man muss auch den Eisberg sehen...

    "Die FDP macht Politik für den Mittelstand, Politik dafür, das sich Familien wieder eigenständig ernähren können, das sie die Möglichkeiten haben sich im Wohlstand zu entfalten."

    Und jetzt schau bitte nochmal zur real existierenden FDP und vergiss mal die Phrasen.

    • profus
    • 08.02.2010 um 11:06 Uhr

    Und Sie sitzen dann im Rat für "Unsinnige Steuerverschwendung"
    Ist so ähnlich, wie nach einer Länderspielniderlage der Deuschen Fußballnationalmannschaft, dann haben wir auch ca. 40 Millionen Bundestrainer die Alles besser wissen!!!!!

    • M.M.
    • 08.02.2010 um 8:37 Uhr
    7. Soso

    Die FDP will sich also von der CDU emanziperen. Ich habe eher den Eindruck, dass es umgekehrt laufen müsste.....und: mal sehen, ob es nach der NRW-Wahl noch was zu emanzipieren gibt.

    KEINE POLITIK FÜR LOBBIES !!!!!

  6. "Das ist der Grund, warum wir unser Steuersystem spürbar vereinfachen wollen. Den Einkommenssteuertarif wollen wir zu einem Stufentarif umbauen. Einfach, niedrig únd gerecht, das muss die Maßgabe sein, meine Damen und Herren."

    Warum fordert die Presse nicht eine Einlösung oder Erklärung von ihrer "Lichtgestalt"? Nein, jetzt wird die FDP niedergeschrieben - die Grünen als Koalitionspartner hochgeschrieben und dies immer zu Gunsten dieser unsäglichen Frau.

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    warum wird Frau Merkel das wohl gesagt haben? - ... um der FDP, die sich das Steuerthema ja auf die Fahnen geschrieben hat, Honig um den Mund zu schmieren. Nun läuft dieser Zug, und daß Frau Merkel in voller Fahrt auf einen anderen laufenden Zug überspringen kann, hat sie doch schon des öfteren bewiesen. Nur ist ein Zug mit ihr nie an die Wand gefahren - immer nur die Züge der anderen. - Schauen wir -

    warum wird Frau Merkel das wohl gesagt haben? - ... um der FDP, die sich das Steuerthema ja auf die Fahnen geschrieben hat, Honig um den Mund zu schmieren. Nun läuft dieser Zug, und daß Frau Merkel in voller Fahrt auf einen anderen laufenden Zug überspringen kann, hat sie doch schon des öfteren bewiesen. Nur ist ein Zug mit ihr nie an die Wand gefahren - immer nur die Züge der anderen. - Schauen wir -

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