Frage: Herr Gabriel, muss ein guter SPD-Chef davon träumen, eines Tages Bundeskanzler zu werden?

Sigmar Gabriel: Nein. Ein guter SPD-Chef muss ruhig schlafen und tags hellwach sein.

Frage: Sie standen noch nie vor dem Kanzleramt mit dem Gedanken: "Ich will hier rein"?

Gabriel: (lacht) Ich war ja schon oft drin.

Frage: Aber nicht als Kanzler.

Gabriel: Es wäre doch idiotisch, wenn man sich kurz nach einer dramatisch verlorenen Bundestagswahl solche Fragen stellen würde.

Frage: Trauen Sie sich das Amt zu?

Gabriel: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber am Ende kommt es in jedem Amt – auch im Kanzleramt – darauf an, ein gutes Team zu haben. Egal wie gut man selbst ist: Solche Aufgaben sollte sich niemand als Alleingang zutrauen.

Frage: Wie viele Jahre ist die SPD vom Wiedereinzug ins Kanzleramt entfernt?

Gabriel: Vier Jahre minus 103 Tage. Dann ist nämlich Bundestagswahl. Darum geht es jetzt aber gar nicht.

Es geht darum, Vertrauen in sozialdemokratische Politik zurückzugewinnen
Sigmar Gabriel, SPD-Parteivorsitzender

 Frage: Sondern?

Gabriel: Es geht darum, Vertrauen in sozialdemokratische Politik zurückzugewinnen. Wir müssen die Zukunftsfragen beantworten. Die Politik der Rechtskoalition von Union und FDP macht Deutschland zu einer unfairen Gesellschaft: mit Steuersenkungen für Leute, die es nicht nötig haben, und höheren Abgaben für Arbeitnehmer. Mit Herdprämien für wenige und zu geringen Bildungsinvestitionen für alle anderen. Mit mehr Armutsjobs und ohne Mindestlöhne. Mit mehr Atomenergie und weniger Jobs bei den erneuerbaren Energien. Die SPD will wieder streiten für eine faire Gesellschaft. Eine, in der jeder Einzelne etwas aus seinem Leben machen kann, wir aber alle gemeinsam auch Verantwortung füreinander übernehmen.