Diskussion über Afghanistan

Sachverstand bringt Guttenberg in Erklärungsnot

Gysi kontra Guttenberg: Auf einem Podium zu Afghanistan zeigte sich: Nicht die beiden Top-Politiker waren am kundigsten. Der Minister bekam zu spüren: Die neue Regierungslinie ist erklärungsbedürftig.

Unruhige Zeiten liegen vor dem Verteidigungsminister

Unruhige Zeiten liegen vor dem Verteidigungsminister

"Ich gebe ja Herrn zu Guttenberg in einer Frage recht", sagte Gregor Gysi mit von großer Qual verzerrtem Gesichtsausdruck. "Uiiiih!", antwortete ihm der Angesprochene überrascht. "Was?", fragte Gysi verwundert. "Uiiiiih", wiederholte Verteidigungsminister Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg ganz und gar nicht standesgemäß. Da musste sogar der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag mit dem Publikum mitlachen und konterte: "Ja, auch wenn Sie das schockiert."

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So harmonisch verlief die Diskussion "Deutschland im Krieg? – Die Bundeswehr im Auslandseinsatz" mit Gysi, Guttenberg und Tom Koenigs, früher UN-Sonderbeauftragter für Afghanistan und heute Abgeordneter der Grünen im Bundestag, selten. Dennoch blieb die Gesprächsrunde erstaunlich sachlich. Nach heftigen und zum Teil polemischen Debatten im Bundestag über eine Mandatsverlängerung im Dezember und harte Attacken der Opposition vor der Afghanistan-Konferenz, tauschten die Politiker dieses Mal Argumente aus. Die Teilnehmer des 66. Forum Pariser Platz in Berlin, von Phoenix und Deutschlandradio Kultur organisiert und aufgezeichnet, entdeckten sogar Gemeinsamkeiten. "Ich unterstütze den Einsatz weiter, sagte Koenigs. "Auch wenn die Regierung es mir schwer macht." Und Gysi stellte fest: "Wir alle mögen die Taliban nicht."

Doch wie die Aufständischen bekämpft und wie Sicherheit in Afghanistan am effektivsten hergestellt werden kann, dazu gab es in der Runde fünf Meinungen. Mit den Politikern diskutierten am Dienstagnachmittag außerdem der deutsche Nato-General Karl-Hinz Lather und der Journalist Stefan Kornelius von der Süddeutschen Zeitung.

Die Aufmerksamkeit im Eugen-Gutmann-Haus galt zunächst fast ausschließlich dem Verteidigungsminister. Eine der vier Phoenix-Kameras war ständig auf ihn gerichtet, seine Haare glänzten im Scheinwerferlicht, ältere Männer im teuren Anzug schauten ihn auch ganz genau an, wenn andere aus der Runde sprachen und Damen im Kostüm lächelten ihn aufmunternd zu.

Der Minister hat unruhige Tage und Wochen vor sich. Das neue Bundeswehr-Mandat für Afghanistan muss durch den Bundestag gebracht werden, Schwarz-Gelb buhlt noch immer um die Unterstützung der SPD und der Grünen. Zudem hat nun der Kundus-Untersuchungsausschuss mit der Zeugenbefragung begonnen. Mitte März wird dann Guttenberg  sich dann dem Gremium stellen müssen. Tom Koenigs, der nicht nur Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses, sondern auch Mitglied im Untersuchungsausschuss ist, bewies Sachverstand brachte die Probleme des Afghanistaneinsatzes immer wieder auf den Punkt: Die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte funktioniere noch immer nicht. Deutschland solle nach der Mandatsänderung mit 200 Feldjägern im Norden Polizisten ausbilden. "Die Amerikaner kommen mit 2500 Ausbildern. Ich glaube, die Quantität macht da auch etwas aus", sagte Koenigs.  "Wir sind unvorbereitet mit der Bundeswehr für diese Einsätze, mit der Polizei und mit der Politik."

Das Publikum in der opulenten Vertretung der Dresdner Bank in direkter Nachbarschaft zum Brandenburger Tor spendete dem ruhigen und sachlichem Koenigs den meisten Beifall. Er hinterfragte Guttenberg weniger heftig als Gysi, der Afghanistan vor allem aus den Berichten anderer kennt, aber Koenigs leise Argumente sind schwer zu widerlegen. Er brachte neben Kornelius und Lather den größten Sachverstand in die Debatte ein.

Der Verteidigungsminister saß sehr tief im Stuhl, stützte sein Kinn in die linke Hand und hörte zu. Er bekam zu spüren, dass die neue Regierungslinie für Afghanistan erklärungsbedürftig ist. Guttenberg und Westerwelle hatten bis kurz vor Beginn der Afghanistankonferenz Ende Januar über das Konzept gerungen. Der Verteidigungsminister wollte die Zahl der deutschen Soldaten am Hindukusch drastisch erhöhen. Sein Ministerium sprach hinter den Kulissen von mehr als 2000 weiteren Soldaten. Westerwelle setze hingegen auf stärkere Entwicklungshilfe und Ausbildung der Sicherheitskräfte.

 

 
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Leser-Kommentare

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    • 10.02.2010 um 12:55 Uhr
    • Zack34

    Es erstaunt immer wieder, was für eine Presse Herr Guttenberg hat. Es wird sogar in den sog. seriösen Medien allen ernstes behauptet, er sei nur so z.B. "Dutzfreund von Timothy Geitner" und hätte "ausgezeichnete aussenpolitische Kontakte sogar im Weissen Haus" (sic!), usw. ...
    Dies etwa nur weil (?):
    http://de.wikipedia.org/w...

    Seine konkreten Aktivitäten (also nicht allein die Mitgliedschaften in - teils möchtegern - Think Tanks, wo auch Rudolf Scharping und Michael Glos unterwegs seien) fielen zwar bisher nicht so sehr auf, aber die Legenden halten sich hartnäckig...

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    Atlantikbrücke   erich kartmann

    Tja, die Atlantlikbrücke trägt halt.

    Meine Einschätzung: Erstmal stimme ich zu, dass Guttenberg auffällig gutmütige Presse bekommt. In der Zeit scheint mir der Grund dafür folgender zu sein(Anders weiß ich es mir nicht zu erklären): Die Zeit prahl ja immer damit, dass Sie Autoren beschäftigt, die für die Unterstützung der verschiedenen politischen Spektren bekannt sind. So will Die Zeit ja Objektivität bewahren. Das ganze geht aber nach hinten los: Die Linkspartei hat nicht einen Autor in der Zeit, der auch nur annährend neutral, geschweigedenn positiv über sie Berichtet. Sie hat aber andere eher links zu vermutenden Autoren. Da aber Linke von natur aus kritischer sind als konservative (sagt ja schon der Name), bekommenw ir nen haufen kritischer Artikel über Grüne und SPD, und vernichtende über die Linkspartei. Jene Autoren schreiben natürlich auch kritisch über Konservative und Liberale, aber eben in maßen. Dafür gibt es aber ne reihe konservative liberale Autoren, die eben völlig unkritisch für ihre überzeugungen Werben. Und das meine ich nicht populistisch. Ich kann gerne einen Artikel zeigen, der pure Werbung für Merkel und CDU ist. Und hier sieht man ja auch wieder wie Guttenberg behandelt wird, und Gysi bekommt dafür den Satz "mit von großer Qual verzerrtem Gesichtsausdruck"...

    Die Strategie der Zeit geht nicht auf. Finden sie lieber mal ein paar neutrale AUtoren anstatt diese Meinungsmacherei hier. Langsam ist es nicht mehr witzig.

  1. ... der Artikel? Schlauer bin ich auch nicht, aber schön dass ich jetzt Guttenbergs Pläne kennen.

    Und nein, so leid mir die Menschen in Afg. tun, das ist für mich am anderen Ende der Welt, ein Ort wo unsere Soldaten nichts zu suchen haben. Die dort ohnehin nur das unvermeidliche aufschieben. Es ist sicherlich nicht unmöglich Afg. zu befrieden und ihm Wohlstand zu bringen, aber dazu müssten nicht nur die grundlegenden Strategien (Zusammenarbeit mit Lokalmafiosi) überdacht werden, sondern auch die militärischen und finanziellen Mittel extrem aufgestockt. Ich meine wirklich wir haben andere Probleme und es gibt Länder wo die Menschen für Hilfe dankbarer sind.

    Erst kürzlich kam eine Reportage beim ZDF, in der die Behauptung aufgestellt wurde, die Taliban kontrollierten längst wieder die meisten Dörfer, nur in die Städte trauen sie sich nicht, vor allem, weil sie angeblich zivile Opfer verhindern wollen.

    Wahnsinn! Wenn dem so ist, warum gibt man das dann nicht zu? Mit viel "Auge zudrücken", könnte ich mir ja eine Schutzzone vorstellen, in der die vernünftigeren Menschen vor den Mittelalter-Koranisten flüchten können. Sozusagen ein zivilisierter Brückenkopf. Aber dann muss man das auch so benennen und planen...

  2. Tja, die Atlantlikbrücke trägt halt.

  3. Aus diesem Artikel geht leider nichts hervor, was die Aussage bezüglich des Sachverstandes stützen würde, die Guttenberg in Bedrängnis bringen. In sofern ist der Artikel grottenschlecht.

    Die angedeutete Gysiposition kann ich ohnehin nicht ernst nehmen, denn die Frage, was wir da sollen ist abgesehen davon, dass die Bevölkerung das häufig nicht versteht, völlig unsinnig. Denn eine seriöse Ausstiegsoption besitzen wir nicht.
    Denn diese Frage hätte Gerhard Schröder, die SPD und die Grünen beantworten müssen, jetzt haben wir keine Ausstiegsoption mehr, jedenfalls nicht, wenn wir seriös handeln wollen.
    Wir können nur hoffen, das ein Strategiewechsel diese Option ermöglicht. Guttenberg kann also nur das Beste aus einer gegebenen Situation machen.
    Auch darüber lässt sich streiten, aber Angesichts einer unvorbereiteten und unzureichend ausgerüsteten Armee bleiben auch hier nur Kompromisse, die manchmal auch faule sein müssen.

    H.

  4. Unterüberschrift: "Gysi kontra Guttenberg"

    Im Artikel fehlt hingegen jedwede Argumentationskette von Seiten Gysi. Und dass er in einer Frage mit Guttenberg übereinstimmt (welche eigentlich, dass sie beide die Taliban nicht mögen?) taugt nicht wirklich für ein "kontra".
    Zumindest finde ich es doch objektiv, dass Zeit-online unserem Möchtegernkanzler attestiert, dass er zwar glänzend gegeelte Haare hat und die Augen der betuchten Damenwelt auf sich zieht, aber ansonsten keinen Sachverstand hat.

    MfG
    AoM

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    Ich finde Gysis Frage im Artikel: Wann soll der Abzug beginnen?, völlig ausreichend, weil die Selbstverpflichtung der Bundesregierugn zum Abzug der vehement verteteten Linie der LINKEn nach einem Abzug entspricht.
    Im übrigen hatte die alte Sowjetunion auch schon eine Regierung eingestzt, die auch mit afghanischen Stämmen und Organsiatione zusammengearbeitet hat, darunter sogar wohl oft sehr einflussreiche Sufigruppen. Da der Ost-West Gegensatz weithgehend aufgelöst ist, müsste/sollte/dürfte
    da doch aufgesetzt werden können. Das kommt nirgendwo vor.
    Wenn ich mir das bunte Bild der aktuellen/ehemaligen Freund/Feind Konstellationen "vor Ort" so vorstelle, die englische Kolonoialgeschichte Afghanistans auch noch im Hinterkopf, bekommen die "Notwendigkeitsargumente" extrem tragikkomische Züge - ohne auch nur die leiseste Symphatie für irgendwelche Terroraktivitäten. Es geht da um Menschenleben. Die Berichte über die Verhandlungen mit afhanischer Beteiligung machen den Eindruck, dass nur noch Grossmeister der Gerissenheit Aussenseiterchancen haben.

    • 10.02.2010 um 19:52 Uhr
    • farn
    6. Link

    Am besten selber sehen:
    http://www.phoenix.de/six...

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    PS:   farn

    Warum auch immer der Link nicht funktioniert...www.phoenix.de
    Auf der Hauptseite stehts...

    • 10.02.2010 um 19:54 Uhr
    • farn
    7. PS:

    Warum auch immer der Link nicht funktioniert...www.phoenix.de
    Auf der Hauptseite stehts...

    Antwort auf "Link"
  5. Ich finde Gysis Frage im Artikel: Wann soll der Abzug beginnen?, völlig ausreichend, weil die Selbstverpflichtung der Bundesregierugn zum Abzug der vehement verteteten Linie der LINKEn nach einem Abzug entspricht.
    Im übrigen hatte die alte Sowjetunion auch schon eine Regierung eingestzt, die auch mit afghanischen Stämmen und Organsiatione zusammengearbeitet hat, darunter sogar wohl oft sehr einflussreiche Sufigruppen. Da der Ost-West Gegensatz weithgehend aufgelöst ist, müsste/sollte/dürfte
    da doch aufgesetzt werden können. Das kommt nirgendwo vor.
    Wenn ich mir das bunte Bild der aktuellen/ehemaligen Freund/Feind Konstellationen "vor Ort" so vorstelle, die englische Kolonoialgeschichte Afghanistans auch noch im Hinterkopf, bekommen die "Notwendigkeitsargumente" extrem tragikkomische Züge - ohne auch nur die leiseste Symphatie für irgendwelche Terroraktivitäten. Es geht da um Menschenleben. Die Berichte über die Verhandlungen mit afhanischer Beteiligung machen den Eindruck, dass nur noch Grossmeister der Gerissenheit Aussenseiterchancen haben.

    Antwort auf "Wo ist Gysi?"
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