Hotel-Debatte Merkel stoppt Rüttgers und Pinkwart

Keine Rücknahme, nur Korrekturen: Die Kanzlerin versucht ein Basta und hat angekündigt, an der Mehrwertsteuersenkung für das Hotelgewerbe festhalten zu wollen.

Die Kanzlerin hat ein Machtwort versucht. An der Steuerermäßigung für das Hotelgewerbe werde nicht gerüttelt, ließ sie mitteilen. Allenfalls zu Korrekturen sei sie bereit. "Die derzeitige Regelung bleibt unverändert", ließ Angela Merkel über Regierungssprecherin Sabine Heimbach verbreiten. Es solle aber Gespräche von Bund und Ländern geben, um den bürokratischen Aufwand in der Praxis "so gering wie möglich zu halten".

Merkels Basta bezieht sich auf die umstrittene Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 7 Prozent, die seit Januar für das Hotelgewerbe gültig ist. Die Kanzlerin zielt damit aber vor allem auf die Äußerungen von Andreas Pinkwart, FDP-Vize und stellvertretender Regierungschef von Nordrhein-Westfalen. Der Liberale hatte gefordert, die Ermäßigung rückgängig zu machen und damit gedroht, im Bundesrat eine entsprechende Initiative zu starten. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers von der CDU hatte seinem Vize den Rücken gestärkt.

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Auch der stellvertretende Unionsfraktionschef Michael Fuchs hatte gefordert, die Steuerermäßigung mittelfristig zu streichen. "Wir sollten die Ermäßigung für Hoteliers, die ich immer schon für falsch gehalten habe, im Zuge einer großen Mehrwertsteuerreform zurücknehmen", sagte der Wirtschaftspolitiker der Financial Times Deutschland. Die jetzigen Regelungen nannte er "zum Teil unsinnig und ungerecht". Allerdings sprach er sich dagegen aus, die Vergünstigung sofort auszusetzen.

Pinkwarts eigene Partei dagegen gab sich reserviert ob des Vorstoßes ihres Vize-Chefs. FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger wies die Forderung aus Düsseldorf zurück. "Wir bleiben bei unserer verlässlichen Wirtschafts- und Steuerpolitik", sagte Homburger der Rheinischen Post.

Dem schloss sich auch Ernst Burgbacher (FDP) an. "Die Bundesregierung wird den reduzierten Mehrwertsteuersatz für die Hotellerie nicht aussetzen", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Wirtschaftsministerium dem Tagesspiegel am Sonntag. "Der reduzierte Mehrwertsteuersatz ist nötig, um Wettbewerbsverzerrungen in der Hotel-Branche zu beseitigen und so Arbeitsplätze, Beschäftigung und Wachstum zu sichern." Burgbacher gilt als einer der Haupt-Initiatoren der Mehrwertsteuerermäßigung.

Leser-Kommentare
  1. Wenn es nicht im Statistischen Jahrbuch 2008 publiziert worden wäre, dass Deutschland seit dem Jahre 2007 eine Feudalsgesellschaft ist, in welcher sich die neue "Aristokratie" über den Besitz von Vermögen etabliert, ich hätte es nicht glauben wollen.

    Und doch steht da im Statistischen Jahrbuch, dass in Deutschland weniger als 15% aller Privathaushalte über mehr als 85% aller Privatvermögen verfügen. Daraus folgt, dass eben auch mehr als 85% aller Privathaushalte über weniger als 15% aller Privatvermögen verfügen.

    Im Lichte dieser amtlich publizierten Tatsache gewinnen solche Machenschaften, wie sie sich hinter so "staatstragenden" Parteispenden, die der FDP, der CDU, der SPD, der FDP und teilweise sogar der Partei Bündnis90/Die Grünen zufließen, verbergen ein ganz anderes Gewicht und rasierklingenscharfe Konturen.

    Das was wir heute als Gesellschaftzustände in der Realität haben, ist ein post-demokratischer, auf die Mechanismen der neuen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugwirtschaft gegründeter besitzfeudalistischer Ständestaat.

    Die Hamburger Intitiative "Wir wollen lernen" dokumentiert die von dieser Klientel herbeigesehnte 3-Klassen-Bildung.
    Die Debatte über die Steuerhinterzieherdaten-CD der HSBC beweist, dass wir nicht nur ein 2-Klassen-Steuersystem haben, sondern sogar ein Willkürjustizsystem, weil die Behauptung "das ist Diebesgut" unbewiesen ist. Also pure Desinformation zum Schutz von Steuerhinterziehern bedeutet.

  2. denn dieses Gesetz ist Unfug:

    1) Unternehmen, deren Mitarbeiter z.B. anlässlich einer Dienstreise / Messebesuch im Hotel den gleichen Preis wie bisher bezahlen müssen, haben nun, da nur noch 7% statt 19% Vorsteuerabzug besteht, einen ca. 12% höheren Aufwand zu tragen. Wie das mit einem Wachstumsgesetz vereinbar ist, erschließt sich nicht ohne Weiteres.

    2) Die EU wird diese Subvention einer Branche sowieso mit einer Strafzahlung für Deutschland belegen (schließlich hat nicht nur Herr Seehofer erklärt, dass mit dieser Regelung die Übernachtungen in Österreich, Belgien, Niederlanden verhindert werden sollen).

    • bob13
    • 01.02.2010 um 10:37 Uhr
    3. fdp

    was soll mann da noch sagen bzw schreiben. ich hoffe, dass die wähler in nrw bis zum wahltag das verhalten der fdp nicht so schnell vergessen.
    @1-schön geschrieben; dass mit den neuen lords unserer gesellschaft, lese ich jetzt immer öfters. an dieser stelle auch mal einen dank an die zeit, für ihre sehr gute serie: klassenkampf von oben. mein lieblinsartikel war: ab in die dienerschule von lutz wingert. im vergleich zu anderen medien, scheint die zeit die sozialen gefahren erkannt zu haben.

    • Jenss
    • 01.02.2010 um 10:40 Uhr
    4. LOL

    @Nr3 Werner Koben

    LOL!

    Selten beim lesen der Kommentare so gelacht.

    Grüsse

  3. 5. unklar

    Könnte sich mal jemand um die Begrifflichkeiten kümmern? Unter "aussetzen" verstehe ich eine vorübergehende Maßnahme, "zurücknehmen" hat etwas Abschließendes für mich. Ich verstehe Herrn Pinkwart so, dass er die Regelung aussetzen möchte, bis sich die Gemüter beruhigt haben. Keineswegs soll (seiner Meinung nach)darauf verzichtet werden.

  4. "Die derzeitige Regelung bleibt unverändert" - sie wird nur korrigiert! - naja, ob die Herren Rüttgers und Pinkwart nun kuschen? -

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