Käßmanns Rücktritt Der Sieg der Krokodile
Der Rücktritt von Margot Käßmann als EKD-Vorsitzender und Bischöfin ist ein Unglück für ihre Kirche. Unausweichlich war er nicht. Ein Kommentar von Patrik Schwarz
Schade? Wenn es ein Wort gibt, das nicht passt, dann das: Wer Margot Kässmanns Rücktritt "schade" nennt, hat nichts verstanden. Nichts von dieser Frau, nichts von ihren Anhängern und nichts von dem Unglück, das der Rücktritt für ihre Kirche bedeutet. Schade ist die Ausrede der Lauwarmen, und Lauheit hat Käßmann nicht verdient – im Abschied noch weniger als in ihrem Aufstieg.
"Bedauerlich", "tragisch", "unvermeidlich" – noch ehe die Bischöfin vor die Kameras trat, um ihren sofortigen Abschied zu verkünden, hörte man die Krokodile schon weinen. Die hatten sich von Anfang an an ihr gestoßen. Das war so, als die 25-jährige Vikarin 1983 nach einer Kampfabstimmung jüngstes Mitglied im Zentralausschuss des Ökumenischen Weltkirchenrats wurde. Das war nicht anders, als sie 1999 Bischöfin in Hannover wurde, und erst recht 2009, als ausgerechnet sie, die Überwältigungspredigerin, die Leidenspastorin, die Freudenpfarrerin, die Nachfolge des messerscharfen Wolfgang Huber als oberste deutsche Protestantin antrat. Wenn sich jetzt mal nicht diejenigen irren, die nun raunen, mit ihrem Abgang habe sie "Schaden von der Kirche" abgewendet.
Denn wer trägt eigentlich diese Kirche, wer engagiert sich in ihr, wer gibt ihr ein Gesicht? Es sind vor allem Mütter jenseits der 50, deren Kinder aus dem Haus sind, die mit ihren ramponierten Träumen zu ringen haben wie mit ihren Hitzewallungen und natürlich mit den Männern, weil sie die zu Hause auf dem Sofa sitzen haben oder weil da eben keiner mehr sitzt. Es sind die Frauen, die noch was schaffen wollen im Beruf oder zumindest in der Gemeinde, die keinen Deut dümmer sind als die Hauptamtlichen und keinen Moment länger Lust haben, leiser zu sein als die bezahlten Stimmen der Kirche. Es sind Frauen wie Käßmann, die ihre Hoffnungen an sie gehängt haben. Auch sie haben wohl alle schon mal einen über den Durst getrunken. Und auch sie hören jetzt die Krokodile schnappen.
Natürlich gibt es ebenso einen Triumph des Trivial-Feminismus, der Käßmann allein als Opfer männlicher Ränkespiel darstellt. Der außer Acht lässt, wie viele männliche Kollegen sie vor und hinter den Kulissen im Amt zu halten versuchten. Und der nicht ernst nehmen will, dass ihre nächtliche Trunkenheitsfahrt gemeingefährlich war.
Aber es werden eben auch echte Tränen fließen über Margot Käßmanns Abschied. Tränen des Bedauerns und der Enttäuschung.
Doch war nicht durch ihren "schweren Fehler" aller Kredit verspielt, ihre Autorität als Bischöfin und ihre Freiheit, unbefangen ihre Stimme in Fragen der Ethik und Moral zu erheben? Nein, denn nicht Moral war Kässmanns Kerngeschäft, sondern Glaubwürdigkeit. Und es ist eben auf der Kreuzung Samstagnacht um 23 Uhr gottlob niemand zu Schaden gekommen. Wenn also nicht noch ganz andere Dinge ans Tageslicht kommen, dann war der Rücktritt nicht zwingend.
Die Krokodile beeindruckt das wenig. Gerade mal fünf Monate war Käßmann im Amt. In dieser Zeit hat sie einigen Wirbel veranstaltet, sie hat sich zur Sterbehilfe geäußert, sehr kritisch auch zum Afghanistan-Krieg und zur Hartz-IV-Debatte. Ihre Äußerungen waren nicht immer treffsicher, erst recht nicht kühl kalkuliert. Und so ist es ein Leichtes, ihr nachzuweisen, dass ihre Art doch gerade sachnotwendig ins Unglück führen musste. Doch Sachnotwendigkeit ist eben nicht alles für eine Kirche, die immer mehr sein muss als eine bloße Organisation.
- Datum 24.02.2010 - 18:30 Uhr
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"Doch war nicht durch diesen "schweren Fehler" aller Kredit verspielt, ihre Autorität als Bischöfin und ihre Freiheit, unbefangen ihre Stimme in Fragen der Ethik und Moral zu erheben? Nein, denn nicht Moral war Kässmanns Kerngeschäft, sondern Glaubwürdigkeit. Und es ist eben auf der Kreuzung Samstagnacht um 23 Uhr gottlob niemand zu Schaden gekommen. Wenn also nicht noch ganz andere Dinge ans Tageslicht kommen, dann war der Rücktritt nicht zwingend."
Aber natürlich war mit der Straftat auch ein Autoritätsverlust verbunden. Dies hat Fr. Dr. Käßmann als kluge Frau auch erkannt, ganz im Gegensatz zum Autor.
Natürlich wurde auch ihre Glaubwürdigkeit durch den Vorfall erschüttert. Wer kann daran ernsthaft zweifeln?
Der Rücktritt wäre Ihrer Meinung nach also erst zwingend gewesen, wenn etwa ein Mensch zu Schaden gekommen wäre. Welch abstruse Sichtweise.
Zum Glück oblag die Entscheidung über den Verbleib im Amt Fr. Dr. Käßmann und nicht etwa dem Autor.
nochmal genau lesen und nicht nur auf die Bilder gucken. Dann fällt möglicherweise der Groschen / der Cent.
Trunkenheit am Steuer ist ein strafbares Vergehen und muss bestraft werden. Keine Frage...Nur im vorliegenden Fall will nicht der Eindruck vergehen, dass hier so mancher innerkirchlicher Reaktionär sein Mütchen kühlen will.
Nein..., dieser Rücktritt war nicht zwingend. Aber Frau Käßmann hat Format bewiesen. Eine Eigenschaft die vielen Zeitgenossen völlig abgeht. Eine Katastrophe für die evangelische Kirche und für viele ihrer Mitglieder.
In so fern ein gelungener Beitrag der Zeit. Gratulation!!
Natürlich war der Rücktritt zwingend. Würde Frau Käßmann ihren Glauben, den sie lehrt, auch leben, wäre ihr dieses Malheur nicht passiert.
Viel bedenklicher und typisch aber ist das Verhalten der Kirchenräte, die Frau Käßmann ihr Vertrauen aussprachen, ihr großzügig die Entscheidung überließen, und in Ruhe abwarteten, dass sie zurücktritt. So wäscht man sich die Hände in Unschuld.
nochmal genau lesen und nicht nur auf die Bilder gucken. Dann fällt möglicherweise der Groschen / der Cent.
Trunkenheit am Steuer ist ein strafbares Vergehen und muss bestraft werden. Keine Frage...Nur im vorliegenden Fall will nicht der Eindruck vergehen, dass hier so mancher innerkirchlicher Reaktionär sein Mütchen kühlen will.
Nein..., dieser Rücktritt war nicht zwingend. Aber Frau Käßmann hat Format bewiesen. Eine Eigenschaft die vielen Zeitgenossen völlig abgeht. Eine Katastrophe für die evangelische Kirche und für viele ihrer Mitglieder.
In so fern ein gelungener Beitrag der Zeit. Gratulation!!
Natürlich war der Rücktritt zwingend. Würde Frau Käßmann ihren Glauben, den sie lehrt, auch leben, wäre ihr dieses Malheur nicht passiert.
Viel bedenklicher und typisch aber ist das Verhalten der Kirchenräte, die Frau Käßmann ihr Vertrauen aussprachen, ihr großzügig die Entscheidung überließen, und in Ruhe abwarteten, dass sie zurücktritt. So wäscht man sich die Hände in Unschuld.
meinen respekt! ich hielt so etwas für leider ausgestorben. die frau dämpft meine kirchenverdrossenheit.
war sie doch so stark für Käßmann eingetreten, obwohl eigentlich jeder wusste, dass sie zurücktreten würde- jeder bis auf die >Zeit...
nochmal genau lesen und nicht nur auf die Bilder gucken. Dann fällt möglicherweise der Groschen / der Cent.
Trunkenheit am Steuer ist ein strafbares Vergehen und muss bestraft werden. Keine Frage...Nur im vorliegenden Fall will nicht der Eindruck vergehen, dass hier so mancher innerkirchlicher Reaktionär sein Mütchen kühlen will.
Nein..., dieser Rücktritt war nicht zwingend. Aber Frau Käßmann hat Format bewiesen. Eine Eigenschaft die vielen Zeitgenossen völlig abgeht. Eine Katastrophe für die evangelische Kirche und für viele ihrer Mitglieder.
In so fern ein gelungener Beitrag der Zeit. Gratulation!!
Woraus Sie folgern, ich hätte den Artikel nicht gelesen ist mir schleierhaft.
Ich schließe ja gar nicht aus, dass so mancher innerkirchlicher Funktionär sein Mütchen kühlen will, um mit Ihren Worten zu sprechen, jedoch handelt es sich dabei lediglich um Ihren Eindruck, der nicht der Wahrheit entsprechen muss.
Wie kommen Sie hingegen angesichts des offensichtlichen und von Fr. Dr. Käßmann selbst eingeräumten Autoritätverlusts auf den Gedanken, der Rücktritt wäre nicht zwingend gewesen. Natürlich war er das!!!
Ich gebe Ihnen recht, dass Fr. Dr. Käßmann konsequent gehandelt und damit Format bewiesen hat, allerdings blieb ihr auch gar nichts anderes übrig. Aber sie hätte dennoch ein unwürdiges Schauspiel veranstalten können, was sie aber Gott sei Dank nicht gemacht hat.
Als eine Katastrophe (= Wendung zum Niedergang) sehe ich ihren Rücktritt hingegen nicht zwangsläufig an. Natürlich sorgt ein derartiger Schritt immer für Unruhe, er bietet aber auch die Chance zum Einhalt und zur Reflexion, was sicherlich auch geschehen wird. Oder sind Sie etwa der Überzeugung, dass die EKD intellektuell derart darniederliegt, dass sie diesen Rücktritt nicht verkraften kann? Ich denke nicht.
Woraus Sie folgern, ich hätte den Artikel nicht gelesen ist mir schleierhaft.
Ich schließe ja gar nicht aus, dass so mancher innerkirchlicher Funktionär sein Mütchen kühlen will, um mit Ihren Worten zu sprechen, jedoch handelt es sich dabei lediglich um Ihren Eindruck, der nicht der Wahrheit entsprechen muss.
Wie kommen Sie hingegen angesichts des offensichtlichen und von Fr. Dr. Käßmann selbst eingeräumten Autoritätverlusts auf den Gedanken, der Rücktritt wäre nicht zwingend gewesen. Natürlich war er das!!!
Ich gebe Ihnen recht, dass Fr. Dr. Käßmann konsequent gehandelt und damit Format bewiesen hat, allerdings blieb ihr auch gar nichts anderes übrig. Aber sie hätte dennoch ein unwürdiges Schauspiel veranstalten können, was sie aber Gott sei Dank nicht gemacht hat.
Als eine Katastrophe (= Wendung zum Niedergang) sehe ich ihren Rücktritt hingegen nicht zwangsläufig an. Natürlich sorgt ein derartiger Schritt immer für Unruhe, er bietet aber auch die Chance zum Einhalt und zur Reflexion, was sicherlich auch geschehen wird. Oder sind Sie etwa der Überzeugung, dass die EKD intellektuell derart darniederliegt, dass sie diesen Rücktritt nicht verkraften kann? Ich denke nicht.
Hier die Auflösung eines angeblichen "Widerspruches" :
Käßmanns Urteil über Afghanistan sowie über soziale Gerechtigkeit war und bleibt richtig!!!
Sie wird uns zukünftig fehlen!!!
Vielen Dank liebe Margot Käßmann
Frau Käßmann hat meinen vollen Respekt. Diese Frau ist - im Gegensatz zu einigen ihrer evangelischen (Bischofs)kollegen - nicht bereit, ethische Grundsätze über Bord zu werfen, wenn ein Fehler passiert. In der Nordelbischen und der Bayrischen Landeskirche gibt es Funktionäre, die trotz Wirtschaftsprüferberichten einfach schweigen, wenn in einer "Partnerkirche" kirchliche Funktionäre mehrere hunderttausend Euro veruntreuen und schwere Menschenrechtsverletzungen bewusst in Kauf nehmen. Da ist der Pastorenrock näher als das Hemd der Armen. Die Evangelischen Kirchen täten gut daran, mit gleichem Mass zu messen.
Woraus Sie folgern, ich hätte den Artikel nicht gelesen ist mir schleierhaft.
Ich schließe ja gar nicht aus, dass so mancher innerkirchlicher Funktionär sein Mütchen kühlen will, um mit Ihren Worten zu sprechen, jedoch handelt es sich dabei lediglich um Ihren Eindruck, der nicht der Wahrheit entsprechen muss.
Wie kommen Sie hingegen angesichts des offensichtlichen und von Fr. Dr. Käßmann selbst eingeräumten Autoritätverlusts auf den Gedanken, der Rücktritt wäre nicht zwingend gewesen. Natürlich war er das!!!
Ich gebe Ihnen recht, dass Fr. Dr. Käßmann konsequent gehandelt und damit Format bewiesen hat, allerdings blieb ihr auch gar nichts anderes übrig. Aber sie hätte dennoch ein unwürdiges Schauspiel veranstalten können, was sie aber Gott sei Dank nicht gemacht hat.
Als eine Katastrophe (= Wendung zum Niedergang) sehe ich ihren Rücktritt hingegen nicht zwangsläufig an. Natürlich sorgt ein derartiger Schritt immer für Unruhe, er bietet aber auch die Chance zum Einhalt und zur Reflexion, was sicherlich auch geschehen wird. Oder sind Sie etwa der Überzeugung, dass die EKD intellektuell derart darniederliegt, dass sie diesen Rücktritt nicht verkraften kann? Ich denke nicht.
ich folgerte dies, mit Verlaub, aus den Worten ihres Kommentars.
Verzeihen Sie bitte dass ich ihre Meinung bezugnehmend auf den Zwang zum Rücktritt nicht folge.
1. In unseren Zeiten das Dogma der Unfehlbarkeit eines Bischofs / einer Bischöfin hochzuhalten, ist mit Verlaub, schon fast als infantil zu bezeichnen.
2. Der gesamte Sachverhalt erinnert schon fast an ein gezielte Kampagne. Zugegebenermaßen hat Frau Käßmann ein gehöriges Stück dazu beigetragen. Aber die ungeschützte Flanke wurde doch weidlich zu einem Blattschuss ausgenutzt.
3. In unserem Rechtssystem gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung, bis zum Beweis des Gegenteils. In so fern erinnert die gesamte öffentliche Debatte doch arg an einen modernen Hexenprozess.
Hier würde manchem Gesinnungsethiker in der Kirche die Lektüre von Kant gut zu Gesicht stehen.
Eine Katastrophe ist es sehr wohl..., Frau Käßmann stand in der evangelischen Kirche für einen Aufbruch. Nach einer langen Zeit des "Innehaltens" unter Bischof Huber. Ihre Kritik am Afghanistan Einsatz, war für mich geradezu erfrischend. Erstmals ein Kirchenoberhaupt, dass die Kanonen nicht segnete, sondern kein Blatt vor den Mund nahm. In solchen Fragen würde ich mir mehr deutliche Positionierung der Kirche wünschen. Auch wenn mir persönlich diese Positionen nicht immer gefallen würden.
ich folgerte dies, mit Verlaub, aus den Worten ihres Kommentars.
Verzeihen Sie bitte dass ich ihre Meinung bezugnehmend auf den Zwang zum Rücktritt nicht folge.
1. In unseren Zeiten das Dogma der Unfehlbarkeit eines Bischofs / einer Bischöfin hochzuhalten, ist mit Verlaub, schon fast als infantil zu bezeichnen.
2. Der gesamte Sachverhalt erinnert schon fast an ein gezielte Kampagne. Zugegebenermaßen hat Frau Käßmann ein gehöriges Stück dazu beigetragen. Aber die ungeschützte Flanke wurde doch weidlich zu einem Blattschuss ausgenutzt.
3. In unserem Rechtssystem gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung, bis zum Beweis des Gegenteils. In so fern erinnert die gesamte öffentliche Debatte doch arg an einen modernen Hexenprozess.
Hier würde manchem Gesinnungsethiker in der Kirche die Lektüre von Kant gut zu Gesicht stehen.
Eine Katastrophe ist es sehr wohl..., Frau Käßmann stand in der evangelischen Kirche für einen Aufbruch. Nach einer langen Zeit des "Innehaltens" unter Bischof Huber. Ihre Kritik am Afghanistan Einsatz, war für mich geradezu erfrischend. Erstmals ein Kirchenoberhaupt, dass die Kanonen nicht segnete, sondern kein Blatt vor den Mund nahm. In solchen Fragen würde ich mir mehr deutliche Positionierung der Kirche wünschen. Auch wenn mir persönlich diese Positionen nicht immer gefallen würden.
Die EKD sind kein Wirtschaftsunternehmen, keine Partei und kein Sportverein. Sie sind Kirche - und ihre Amtsträger werden nach anderen Spielregeln berufen und abgesetzt, als das anderswo der Fall ist. Das verkennt der Kommentator.
Die Kirche steht in Verantwortung vor den Menschen UND vor Gott, das darf man nicht vergessen. Aus diesen Gründen kann man eine "Affäre" eines Kirchenfunktionärs nicht vergleichen mit den Eskapaden eines Politikers, die er vielleicht einfach "aussitzen" kann. Hier geht es um mehr, und das hat Frau Käßmann offensichtlich erkannt.
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