Linkspartei "Alles nichts!"
Der künftige Linke-Chef Klaus Ernst über seine Kritiker in der Partei, die Gegner in der SPD und die Feinde in der Wirtschaft
Die ZEIT: Herr Ernst, was ist das Gute am innerparteilichen Widerstand gegen Ihre Kandidatur als Chef der Linken?
Klaus Ernst: Wir sind keine bayerische Trachtentruppe, sondern eine Partei. Da werden Vorschläge, auch Personalvorschläge, breit diskutiert und nicht bedingungslos akzeptiert. Das ist gut so. Besser als die Friedhofsruhe in der SPD.
ZEIT: Wie nehmen Ihre Parteikollegen Sie wahr?
Ernst: Die meisten positiv.
ZEIT: Woher wissen Sie das?
Ernst: Weil ich sehr viele Kontakte in die Partei habe. Ich habe aber kein Problem damit, dass manche einen anderen Vorsitzender wollen. Die einen meinen, der müsse viel linker sein. Anderen bin ich dagegen viel zu links; die sagen, ich müsse eher pragmatischer sein. Das ist normal.
ZEIT: Was sind Sie: links oder pragmatisch?
Ernst: Links, und zwar links von der SPD. Mein Ziel war und ist es, die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern. Das war so in dem Betrieb, in dem ich Lehrling und Jugendvertreter war, das ist es bis heute.
ZEIT: Warum wollen Sie Parteivorsitzender werden?
Ernst: Wir versuchen, eine gesamtdeutsche Linke zu bilden. Ich glaube, dass ich Menschen begeistern und mitnehmen kann.
ZEIT: Wie wollen Sie die Gesamtpartei begeistern, wenn Sie nicht einmal den eigenen Landesverband in Bayern begeistern und mitnehmen können? Dort hat einer der Vorsitzenden gerade verkündet, er halte Sie für ungeeignet für das Spitzenamt.
Ernst: Der Landesverband ist gespalten. Einige sind jetzt nicht ganz einverstanden damit, wohin die Reise der Linken geht. Damit kann ich leben.
ZEIT: Stört es Sie, dass der Linke Klaus Ernst in der eigenen Partei hier und da als Rechter gilt?
Ernst: Wissen Sie, meine Kritiker von links waren schon immer gut darin, anderen zu sagen, was die so denken sollen. Die Massen haben sie damit freilich nie erreicht. Nun haben wir sie in der Partei. Einerseits ist das auch gut so, ich möchte eine starke, plurale Linke. Andererseits sollten diese Leute schon mal darüber nachdenken, warum sie vorher relativ bedeutungslos waren.
ZEIT: Hat Sie die Massivität des Widerstands gegen Ihre Person überrascht?
Ernst: Nein.
ZEIT: Aber man schlägt eine Führungskonstruktion doch nicht deshalb vor, um danach drei, vier Monate darüber zu diskutieren, ob sie funktioniert.
Ernst: Wir haben unterschiedlichste Gruppierungen in die Linke integriert. Dass bisher nicht alle ihre alten Feindbilder ablegen konnten, ist doch klar. Da müssen wir nun durch; das wird uns auch gelingen. Nur glauben manche, besonders bekannt zu werden, wenn sie über andere öffentlich herziehen. Das sollten sie bleiben lassen.
ZEIT: Ihre Kritiker sollten die Klappe halten?
Ernst: Wir alle müssen lernen, Personaldebatten nicht über die Medien zu führen. Pluralität heißt nicht, die Presse gezielt mit Informationen zu versorgen. Pluralität heißt, unterschiedliche Meinungen zu haben, aber dennoch zu einem gemeinsamen Handeln zu kommen.
ZEIT: Sie sind richtig angefressen, oder?
Ernst: Überhaupt nicht. Sie haben mich noch nicht erlebt, wenn ich angefressen bin. Ich weiß doch inzwischen, wie dieser Laden tickt. In einer Gewerkschaft ist der Umgang untereinander meist etwas kulturvoller. Aber ich habe gelernt, wie man mit den Verhältnissen in einer Partei zu leben hat.
- Datum 03.02.2010 - 18:19 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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könnte so ein Gespräch doch auch mit einem Politiker jenseits der Linkspartei geführt werden. Politikern gehört auf den Zahn gefühlt,es ist die "Pflicht" der Medien ihre Motive herauszustellen und kritisch zu hinterfragen.
Hier mal ein Beispiel für ein anbiederndes,stichwortgebendes Äquivalent:
http://www.zeit.de/2009/4...
Einige Fragen in diesem Interview finde ich seltsam aber ein Politiker kann sich ja in dem Fall wehren.
Mal ein paar kurze Ausschnitte:
"ZEIT: Was sind Sie: links oder pragmatisch?" was ist denn das für eine willkürliche Einteilung? Hätte man nicht bei dem guten alten Fundamentalist und Realist bleiben können ;-)
"ZEIT: Ihre Kritiker sollten die Klappe halten?" Was ist denn das für eine Unterstellung.
"ZEIT: Sie sind richtig angefressen, oder?" auch ganz starke Frage.
"ZEIT: Wirklich? Die CDU rückt nach links, die SPD ebenfalls. Wo bleibt da Raum für die Linke?" was ist denn das? Da gefällt mir die Antwort von Ernst echt gut.
Ich möchte hier nicht pauschal das Interview verurteilen, oder als Mist bezeichnen. Wie ich anfangs schrieb haben sich Politiker, Volksvertreter, kritischen Fragen zu stellen. Dies ist in meinen Augen auch eine wichtige Aufgabe der "4. Gewalt". Das sollte aber mit allen Politikern gemacht werden und bitte nicht mit solchen seltsamen Fragen.
PS
ganz bemerkenswert finde ich im übrigen die Stelle mit der Führungsdiskussion. Da passt die Überschrift des Interviews "Alles nichts!" recht gut zu der Haltung der Zeit.
Der hier als "Linker" apostrophierte Klaus Ernst zeigt zu viel Wahrnehmungshorizont, um ihn so schnell einer Gruppierung zurechnen zu können, die sich eher durch Bekenntnisse als durch Einsichten definiert. Für diejenigen, die "links" eine Einladung für pauschalisierende Klischees ist, wird eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den wirklich interessanten Positionen und Strategien zur Nebensache.
In den Linken haben viele sehr unterschiedliche Positionen ihre Heimat gesucht und die Art der Auseinandersetzung vor allem wird entscheiden, wie weit dieses Spektrum zum tragen kommt um das die anderen Parteien die "Linke" nur beneiden können.
Am Ende entscheidet den Wert einer Politik ihr Nutzen für die breite Mehrheit im Land. Das lässt sich aus den oft zu auffälligen Etiketten nicht ablesen.
"Am Ende entscheidet den Wert einer Politik ihr Nutzen für die breite Mehrheit im Land. Das lässt sich aus den oft zu auffälligen Etiketten nicht ablesen."
... das repräsentative "Demokratie" aber genau darauf und fast ausschliesslich auf solchen Etiketten basiert. Parteien sind letztlich ja nichts weiter als Etikettenvereine.
"Am Ende entscheidet den Wert einer Politik ihr Nutzen für die breite Mehrheit im Land. Das lässt sich aus den oft zu auffälligen Etiketten nicht ablesen."
... das repräsentative "Demokratie" aber genau darauf und fast ausschliesslich auf solchen Etiketten basiert. Parteien sind letztlich ja nichts weiter als Etikettenvereine.
Würde ich es mal erleben, dass man die Merkel fragt, ob sie "angefressen" ist, würde ich mich freuen. Anderenfalls bleibt dieses Interview mal wieder höchst unverschämt.
Herr Ernst ist und war ein Oportunist, er ist auch die Geburt eine Laune.
Wäre die AGENDA 2010, die zwar nicht ein optimum war,aber für diese Land wie sich erwiesen hat gut, dann würde heute niemand vom seiner Existenz Notiz nehmen.
Es mag keinen Sinn so einen Mann zu Vorsitzenden einer Partei machen zu wollen weil dafür etwas nötig ist was er nicht hat.
Nämlich Integrationsfähikeiten, etwas was narcisen nicht haben.
Salvatore
Die Agenda 2010 war gut? In welchem Paraleluniversum leben Sie? "Dank" einer immer rechter werden SPD ist eine Linke notwendig und natürlich. Der Ernst ist bestimmt keine schlechte Spitzenkraft, auch wenn ich bisher nicht allzuviel von ihm mitbekommen habe.
Zum Artikel: Ich fand den Aritkel irgednwann sehr langweilig, die Fragen haben knappe Antowrten provoziert und waren zum teil unter der Gürtellinie/Unnötig.
Ich hoffe doch sehr, dass sich Klaus Ernst niemals solche "Integrationsfähikeiten" aneignen wird. Wir brauchen eine Alternative zur CDU/CSU/SPD/FPD/Grüne-Einheitspartei!
Die Agenda 2010 war gut? In welchem Paraleluniversum leben Sie? "Dank" einer immer rechter werden SPD ist eine Linke notwendig und natürlich. Der Ernst ist bestimmt keine schlechte Spitzenkraft, auch wenn ich bisher nicht allzuviel von ihm mitbekommen habe.
Zum Artikel: Ich fand den Aritkel irgednwann sehr langweilig, die Fragen haben knappe Antowrten provoziert und waren zum teil unter der Gürtellinie/Unnötig.
Ich hoffe doch sehr, dass sich Klaus Ernst niemals solche "Integrationsfähikeiten" aneignen wird. Wir brauchen eine Alternative zur CDU/CSU/SPD/FPD/Grüne-Einheitspartei!
Ich habe mich während des Lesens jenes Interviews mit Herrn Ernst gefragt, ob solch flapsige Gesprächsführung angemessen sei und empfinde die Bemerkungen von "Glawen" als richtig. Wieso werden Linke immer irgendwie als Spinner denunziert? Viel schlimmer und wesentlich gefährlicher für den Normalbürger sind da doch Personen aus dem blau-gelben Teil des Parteienspektrums. Wie wäre es, wenn man sich die mal so "unehrerbietig" vornähme? Vielleicht mal das "Brüderlein fein"? Oder das "Rößlein" (das der Bauer bekanntlich im Märzen einspannt - wenn jemand meine Anspielungen verstehen sollte?)? Von "Mr. Westerwave" ganz zu schweigen oder, auch so etwas Exotisches, wie Mdme. "Piepser". Hier liegt doch insgesamt sehr viel mehr Potenzial zum politischen Bloßstellen als bei den Linken. denen sollte man doch erst mal die Möglichkeit zur innerparteilichen Formierung geben, ehe man sie ev. für gefährlich erklärt. Dies vorab getan (wie eigentlich hier) wertet die eigentlich auf.
Mit herzlichen Diskussionsgrüßen für ein schönes Wochenende
ElderMan
Die Agenda 2010 war gut? In welchem Paraleluniversum leben Sie? "Dank" einer immer rechter werden SPD ist eine Linke notwendig und natürlich. Der Ernst ist bestimmt keine schlechte Spitzenkraft, auch wenn ich bisher nicht allzuviel von ihm mitbekommen habe.
Zum Artikel: Ich fand den Aritkel irgednwann sehr langweilig, die Fragen haben knappe Antowrten provoziert und waren zum teil unter der Gürtellinie/Unnötig.
Bei Merkel geht die ZEIT schon auf Knien rein. Dann liegt man halt auch schnell auf den Brustwarzen.
Wenn man Herrn Ernst interviewt, geht am auf MTV-Niveau runter. Das ist peinlich, liebe ZEIT.
wie man mit Politikern der Linken umgeht. Warum ist man nicht gegenüber anderen Politikern nicht auch so kritisch? Kann es ggf. daran liegen, dass viele Journalisten eigene Interessen haben und daher eine Partei, die wirklich eine Alternative bietet, klein schreiben wollen? Ich zumindest werde als SPD-Mitglied (32 Jahre in der SPD) das erste Mal eine andere Partei bei der Landtagswahl wählen. Und sie können raten welche es sein wird!!!! Und dazu meinen Beitrag leisten, das die Linke reinkommt!
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