Entwicklungshilfeministerium Sein Korpsgeist macht Niebel zu schaffen

Verärgerung im eigenen Haus: Dirk Niebel hat völlig fachfremde Parteifreunde in Spitzenpositionen seines Ministeriums gebracht. Und der Minister will noch weiter gehen.

Vergibt Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) Stellen in seinem Ministerium nach Parteizugehörigkeit? Die Opposition sieht dies als erwiesen an

Vergibt Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) Stellen in seinem Ministerium nach Parteizugehörigkeit? Die Opposition sieht dies als erwiesen an

Dirk Niebel steht der Bundeswehr sehr nahe, daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Seine "psychischen und physischen Grenzen" habe er in den acht Jahren als Berufssoldat kennengelernt, bekannte der frühere FDP-Generalsekretär, nachdem er das Ressort übernommen hatte. Nun allerdings bringt ihm seine Nähe zur Bundeswehr und der ausgeprägte Korpsgeist, den er bei den Fallschirmjägern gelernt hat, nicht nur Ärger mit der Opposition, sondern auch mit dem eigenen Ministerium ein.

Denn der frühere Zugführer Niebel will Oberst Friedel Eggelmeyer, einen ehemaligen Kommandeur des Panzerbataillons 33, zum Abteilungsleiter ernennen. Das niedersächsische Bataillon war vor wenigen Jahren in die Kritik geraten, weil es als Verbandsabzeichen eine Palme verwendet, die dem Wappen eines Panzerregiments des Afrikakorps der Wehrmacht entlehnt ist. Eggelmeyer soll Chef der Abteilung 03 werden, die unter anderem für Afghanistan, Nordafrika, Nahost und Sicherheitspolitik zuständig sein soll, wenn die Neuordnung des Hauses demnächst abgeschlossen ist.

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Die Opposition und viele Entwicklungshilfeorganisationen kritisieren die Entscheidung Niebels, besonders in Afghanistan auf eine enge Verzahnung von Bundeswehr und Aufbauhilfe zu setzen. Der Minister hält die strenge Trennung von Militär und ziviler Hilfe für Unsinn, mit der Vorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) verhindern wollte, dass die Helfer als Kriegspartei eingeordnet werden und Gegenwehr provozieren.

Empört ist die Opposition, weil Niebel bereits eine Reihe von FDP-Parteifreunden in Spitzenpositionen brachte, die sich bis dahin um Entwicklungspolitik nicht gekümmert hatten. Schließlich forderte die FDP vor Niebels Ernennung jahrelang, das Entwicklungsministerium (BMZ) abzuschaffen. Als parlamentarische Staatssekretärin wählte Niebel die nordrhein-westfälische Energieexpertin Gudrun Kopp, zum beamteten Staatssekretär machte er den langjährigen FDP-Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz. Vom Stuttgarter Wirtschaftsministerium holte er als Abteilungsleiter Werner Bruns, der von 1994 bis 1996 Mitglied der FDP-Grundsatzkommission war.

Die FDP-lastige Beförderungspraxis ging auch dem Personalrat des Ministeriums entschieden zu weit. "Wir halten bei nunmehr zehn externen Besetzungen in wenigen Wochen die Grenze für erreicht", soll das Gremium an die Chefetage geschrieben haben. Die "institutionellen Kenntnisse und fachlichen Erfahrungen" der Mitarbeiter im Haus dürften nicht "ungenutzt" bleiben.

Erheblich schärfer noch fällt die Kritik der Opposition aus. Das Ressort degeneriere "mehr und mehr zur Versorgungsanstalt für altgediente FDP-Funkionäre", kritisierte SPD-Fraktionschef Gernot Erler. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast klagte, für engagierte Beamte sei es ein "Schlag ins Gesicht", wenn Stellen "über Panzerbataillonsfreundeskreise" vergeben würden statt nach Fachkenntnis. Entwicklungsexpertin Heike Hänsel von der Linksfraktion warf Niebel eine "strukturelle Militarisierung der Entwicklungshilfe" vor. Sogar die Vorsitzende des Entwicklungsausschusses, Dagmar Wöhrl (CSU), mahnte öffentlich, ein Parteibuch dürfe "weder Grund noch Hindernis für eine Einstellung" sein.

Niebel selbst ging am Freitag in die Offensive und verteidigte seine Personalpolitik. Er habe Posten mit kompetenten Mitarbeitern besetzt und dabei nicht aufs Parteibuch geachtet, versicherte er im Deutschlandfunk. Auch Mitglieder der SPD und CDU seien befördert worden. Der Minister stellte sich insbesondere vor Eggelmeyer, der zuvor zwölf Jahre lang sicherheits- und außenpolitischer Referent der FDP-Fraktion war. Der Oberst habe Erfahrungen im Auswärtigen Amt, im Verteidigungsministerium und auf internationaler Ebene gesammelt, sagte Niebel. Die Entscheidung garantiere, dass das BMZ "auf gleicher Augenhöhe" mit anderen Ministerien seine Arbeit leisten könne.

Der Minister führte zu seiner Verteidigung auch an, die Ausschuss-Vorsitzende Wöhrl habe von ihm verlangt, statt eines SPD-Mitglieds ein CSU-Mitglied zu seinem Büroleiter zu machen. Die CSU-Politikerin dementierte dies am Freitag. Sie habe die Aussage Niebels "mit Verwunderung zur Kenntnis genommen" und ihn schriftlich aufgefordert, die Aussage richtig zu stellen, sagte sie dem Tagesspiegel.

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.02.2010

 
Leser-Kommentare
  1. 1. schade

    schade auch, dass es in den usa so wahnsinnig viel obdachlose gibt. etliche von ihnen waren bestimmt mal sozialhilfeempfänger

    • Harzer
    • 20.02.2010 um 18:00 Uhr

    und neue Afrika Spezialist Niebletto-Vorbeck wird den [...] Afrikanern schon zeigen, wie Entwicklung geht. Nur schön strammstehen sollten sie vorher.

    [Gekürzt, bitte bleiben Sie auch bei Zynismus im Rahmen des guten Geschmacks. Danke. /Die Redaktion pt.]

    • ddkddk
    • 20.02.2010 um 18:11 Uhr

    Da diese als Versorgungsanstalten offenbar nicht mehr geeignet sind, ist es nur folgerichtig, dieses Ministerium nicht nur nicht abzuschaffen sondern, konsequent zur Förderung der Parteimitglieder und Seilschaften auszubauen.

    Es ist natürlich auch billiger als bei den Landesbanken. Selbst der Unfähigste kann hier nicht Milliarden, sondern allenfalls Millionen versaubeuteln.

  2. ham Ihre Jungs der neuen Leitungsebene jedient!

    Dann kann zumindest keiner sagen, Sie würden "anstrengungslosen Wohlstand" verteilen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • keox
    • 23.02.2010 um 19:07 Uhr

    einen Brückenkopf bilden für die Militarisierung der deutschen Politik.

    • keox
    • 23.02.2010 um 19:07 Uhr

    einen Brückenkopf bilden für die Militarisierung der deutschen Politik.

    • zYcx
    • 20.02.2010 um 22:32 Uhr

    Ein Politiker, der ein Ministerium leitet, das er vor einigen Wochen noch abschaffen wollte und von "Entwicklung" nichts versteht, außer im FDP-Reflex statt Steuersenkung, zwanghafte Integration in den Weltmarkt zu schreien, hat auf diesem Posten nichts zu suchen. Von den FDP-Gestalten, die in der Regierung sitzen, schießt er den Vogel einfach ab und das bei der starken Konkurrenz Brüderle, Westerwelle und Rößler. Respekt!

  3. kann bitte mal jemand den Entwicklungshilfeminister abschaffen. Ich glaube, der ist überflüssig...

    • isualK
    • 21.02.2010 um 1:51 Uhr

    Vor allem für die Anhänger und Förderer der Klientelpartei FDP. Aber muss man das der FDP nicht nachsehen? Eine Partei, die von einem Riesen Spendenaufkommen finanziert ist, aber seit 11 Jahren nicht mehr an der Macht war und aus diesem Grund nichts mehr für ihre Unterstützer tun konnte, muss doch jetzt ganz schnell ganz viel nachholen.

    Was der Vorsitzende dieser Partei in seiner Oppositionszeit bis kurz vor der Wahl als "Arroganz der Macht" gegeiselt hat, das wird jetzt von ihm und seinen Schranzen par excellance betrieben.

    Um im Bild zu bleiben, man muss für die Anhänger einiges tun, damit sie einem weiterhin die Stange halten. Drum wird's für die jetzt wohlig warm.

    • rabin
    • 21.02.2010 um 7:27 Uhr

    Berlusconismus jenseits der Alpen. Allgemeiwohl wird privatisiert. Was gut ist für mich,für uns,ist gut für den Staat.

    Wenns oben nicht stimmt, setzt sich das natürlich ins Glied fort. Was soll ein Staatssekretär schon anderes sagen, der selbst ein Versorgungsfall ist.Seit Ewigkeiten Parteifunktionär.Endlich Staats-Sekretär. Ihm wird nichts anderes einfallen können.Die Partei hat immer Recht.Alles ist in Ordnung. Das ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen.

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