Unter vier Augen

Eine Stunde Rüttgers für 6000 Euro

Die CDU in NRW wirbt um Sponsoren. Werbemittel: ein vertrauliches Gespräch mit Ministerpräsident Rüttgers. Der Partei scheint die Offerte nun peinlich zu sein.

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sieht sich mit Vorwürfen der Käuflichkeit konfrontiert

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sieht sich mit Vorwürfen der Käuflichkeit konfrontiert

6000 Euro kostet es Unternehmer, wenn sie auf dem Landesparteitag der CDU in Nordrhein-Westfalen ein vertrauliches Gespräch mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) wünschen. Dies ergibt sich aus Werbebriefen der Partei an potenzielle Sponsoren. Die CDU in Nordrhein-Westfalen räumte die Existenz der Briefe ein und bedauerte, "wenn mit diesen Schreiben ein falscher Eindruck entstanden ist".

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Das Magazin Spiegel berichtet in seiner neuen Ausgabe von dem Angebot der Landes-CDU. Demnach wird Kunden in den Briefen angeboten, für 20.000 Euro ein sogenanntes Partnerpaket für den Parteitag kaufen zu können. Das Paket sieht neben einem mehr als 15 Quadratmeter großen Stand auch "Einzelgespräche mit dem Ministerpräsidenten und den Minister/innen" vor. Für 14.000 Euro gibt es einen kleineren Stand, ohne eine vertrauliche Unterredung.

Der Sprecher der CDU Nordrhein-Westfalen, Matthias Heidmeier, erklärte mit Blick auf den Spiegel-Bericht, die Briefe "erwecken an einigen Stellen einen falschen Eindruck". Ebenso sei "der Sprachgebrauch in einigen Punkten falsch". Generalsekretär Hendrik Wüst "bedauert, wenn mit diesen Schreiben ein falscher Eindruck entstanden ist".

Die CDU hatte laut Spiegel bereits für den Landesparteitag 2008 Unternehmern ein "Partnerpaket" angeboten, das ein Gespräch mit Rüttgers einschloss. Erst kürzlich war ihr Koalitionspartner FDP in die Schlagzeilen geraten, weil die Liberalen eine Millionenspende des Hauptaktionärs der Mövenpick-Hotelkette, August Baron von Finck, erhalten hatten.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf Rüttgers nun vor, er sei "käuflich". Die "Mövenpick-Koalitionen" in Berlin und Düsseldorf würden nicht das Gemeinwohl vertreten, sondern die Interessen derer, die zahlten. "Wer sich nicht schämt, für Privataudienzen Geld zu nehmen, hat in der Staatskanzlei nichts zu suchen und gehört abgewählt", erklärte Nahles.

Ähnlich äußerten sich der Generalsekretär der NRW-SPD und des Jusos-Landesverbandes. Die Vorsitzende der NRW-Grünen, Daniela Schneckenburger, warf dem Ministerpräsidenten vor, seinen "Amtsbonus" zu verkaufen. Die CDU habe offenbar eine zweite Quelle der Parteienfinanzierung erschlossen, erklärte Schneckenburger in Düsseldorf.

 
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Leser-Kommentare

  1. "Generalsekretär Hendrik Wüst "bedauert, wenn mit diesen Schreiben ein falscher Eindruck entstanden ist"."

    Da muss er sich keine Sorgen machen, es ist garantiert der richtige Eindruck entstanden.

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    Angenommen, der Rüttgers zieht das durch.
    Dann müsste er doch den Steuerzahlern sein Gehalt für die jeweilige Stunde zurückerstatten, oder nicht?
    Denn er arbeitet ja in dieser Stunde nicht für uns, sondern für sich selbst bzw. seine Partei.
    Was lassen sich die blöden Deutschen nicht alles gefallen!

  2. Angenommen, der Rüttgers zieht das durch.
    Dann müsste er doch den Steuerzahlern sein Gehalt für die jeweilige Stunde zurückerstatten, oder nicht?
    Denn er arbeitet ja in dieser Stunde nicht für uns, sondern für sich selbst bzw. seine Partei.
    Was lassen sich die blöden Deutschen nicht alles gefallen!

    Antwort auf "Falscher Eindruck?"
  3. ... has just left the building.

    Viva Las NRWas.

    God night, and god luck!

    • 20.02.2010 um 19:22 Uhr
    • Pangea

    Mir stellt sich hier die Frage, wer für diese Arbeit überhaupt 6000 Euro und mehr bereit zu zahlen ist

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    Libbyisten, die immer ungenierter und offenbar immer erfolgreicher versuchen, "unsere" Volksvertreter zu korrumpieren.

    Sich auch noch freiwillig anzubiedern, wie offenbar der christliche Herr Rüttgers das tut, nenne ich Politprostitution.

    Das ist wohl klar! Es sind diejenigen, die nach der Wahl darauf pochen, dass die Versprechen, für die sie ja bezahlt haben, umgesetzt werden.

    Und Recht haben Sie! In unserer Kultur ist der oberste Leitsatz:

    "Keine Leistung, ohne Gegenleistung"

    Da passt auch der Guido-Spruch: "Leistung muss sich wieder lohnen".

    vergleichbar mit nutzlosen Gefälligkeitsgutachten. Die wirklichen Absprachen - besser: Briefings- werden doch nun wirklich woanders durchgezogen.

    Das ändert natürlich nix daran, daß diese zynische Praxis dem treuherzigen Wähler - der immer noch denkt, bzw glaubt und hofft, Rüttgers et al würden 'seine' Interessen vertreten - vor den Kopf schlägt.

  4. Libbyisten, die immer ungenierter und offenbar immer erfolgreicher versuchen, "unsere" Volksvertreter zu korrumpieren.

    Sich auch noch freiwillig anzubiedern, wie offenbar der christliche Herr Rüttgers das tut, nenne ich Politprostitution.

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    Da ist sie wieder die spätrömische Dekadenz.
    Wollte ein einflussreicher Mann vom Cäsar in Privataudienz empfangen werden, brachte der sicher kein Geld mit, eher ein lukratives Gastgeschenk in Form einer besonders hübchen, möglichst jungfräulichen Sklavin, einen kampfstarken Gladiator oder auch mal einen Knaben. Je größer das Gastgeschenk, umso mehr konnte mit dem Wohlwollen des Cäsars gerechnet werden.

    Jungfrauen, Knaben oder Gladiatoren geht heute nicht mehr, zumindest nicht in der zivilisierten Welt oder das, was wir für zivilisiert halten.
    Ein Scheck, ein Koffer Bargeld, sicher auch noch heute hin und wieder ein hingebungsvolles tête-à-tête als Zugabe obendrauf sind die gängige und akzeptierte Währung.
    Preislisten hatte man früher noch nicht, aber man kannte sicher die besonderen Vorlieben des jeweiligen Maximus.

    Heute verkaufen Politiker ihr Wohlwollen, ihre Absichten und Ziele einschl. umfangreicher im Tagesgeschäft erworbenen Kentnisse an zahlungsfähige Interessenten.
    War es nicht Jesus von Nazareth, der die Geschäftemacher aus dem Tempel trieb?
    Nein meine Herren von der CDU, wir Wähler haben keinen falschen Eindruck gewonnen und und mit einem "falschen Sprachgebrauch" hängen Sie Ihrer Absicht ein fadenscheiniges und löcheriges Mäntelchen um.

    Zu dumm, dass die Öffentlichkeit nunmehr über Ihre Praktiken informiert ist.
    Dumm ist auch, dass der Wähler am Wahltag in NRW diese Praktiken honorieren wird.
    Hoffentlich !

  5. 6. So ...

    .. langsam werden wenigsten mal die Preise bekannt. Die FDP hat ca. 1,1 Mio gekostet. Ein Ministerpräsident ist da ja geradezu ein Schnäppchen -wobei noch zu klären wäre, was er als Gegenleistung zu erbringen gedenkt.

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    Das ist doch nur der Preis für das Vorgespräch. Die Gesamtrechnung kommt dann und da ist der Preis sicher höher als bei der FDP.
    Ma im ernst, was für ein eitler Gernegroß.
    Da fällt ein Spruch des polnischen Aphoristikers B. Wojnar ein:
    Zur Größe fehlten ihm ein paar Zentimeter Kopf.

    • 20.02.2010 um 20:13 Uhr
    • ddkddk

    Das ist wohl klar! Es sind diejenigen, die nach der Wahl darauf pochen, dass die Versprechen, für die sie ja bezahlt haben, umgesetzt werden.

    Und Recht haben Sie! In unserer Kultur ist der oberste Leitsatz:

    "Keine Leistung, ohne Gegenleistung"

    Da passt auch der Guido-Spruch: "Leistung muss sich wieder lohnen".

  6. Politiker zum mieten erspart die ganze Lobbyarbeit. Hier geht es aber nur um das "Sprechen". Rüttgers wäre ein guter Bundeskanzler.

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