Grüne gehen auf Distanz
Bei den Hartz-Gesetzen ist die SPD ebenfalls dabei, sich von den ursprünglichen Ideen Schritt für Schritt zu entfernen. In einigen Wochen soll eine Parteikommission dazu Vorschläge vorlegen. Sie werden vermutlich darauf hinauslaufen, dass diejenigen, die lange in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, länger Arbeitslosengeld bekommen sollen. Das soll die Ängste bis in die Mittelschichten hinein vermindern, bei einem Verlust des Jobs rasch auf Hartz-IV-Niveau herabzusinken. Die Reformer werden das wohl mittragen, auch wenn es gegen die ursprüngliche Absicht des "Forderns und Förderns" verstößt.
Das Problem der SPD jedoch ist: Mit solchen Schwenks kann sie vielleicht bei verlorenen Anhängern Boden gut machen und manche Wähler von der Linkspartei zurückgewinnen. Aber sie vergibt damit Glaubwürdigkeit und verprellt Unterstützer in der Mitte. Dort aber, und nicht auf der linken Seite, hat die SPD bei der Bundestagswahl im September die meisten Wähler verloren.
Rückt die SPD also nach links, kann sie womöglich die Linke kleiner halten, vielleicht schon bei der bevorstehenden Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Aber es wäre, davor warnen auch Strategen der Linkspartei wie Nochgeschäftsführer Dietmar Bartsch, allenfalls ein Nullsummenspiel. Unter dem Strich gewönne Rot-Rot nichts dazu, die SPD könnte vielmehr an CDU, FDP und Grüne weitere Wähler verlieren.
Die Linke steckt allerdings selbst in der Krise. Der Abgang ihres Vormanns Oskar Lafontaine legte die vielen Konfliktlinien in der Partei offen, zwischen West und Ost, zwischen Realpolitikern, die in Regierungsverantwortung drängen, und Radikalen, die weiter Fundamentalopposition betreiben wollen. Es zeigen sich aber auch die unterschiedlichen politischen Kulturen in der ehemaligen SED/PDS auf der einen und dem Sammelsurium an Ex-Sozialdemokraten, Gewerkschaftern und Linkssektierern, die sich in der Anti-SPD-Neugründung WASG zusammengeschlossen hatten, auf der anderen Seite.
Der Versuch von Fraktionschef Gregor Gysi, diese Konflikte mit einer neuen Kollektivführung zu überdecken, ist bislang nicht aufgegangen. Die Kritik an dem Bestreben, auf diesem Wege alle Strömungen und Gruppen einzubinden und damit ruhig zu stellen, hält in der Partei an. Vor allem die Pragmatiker im Osten, aber nicht nur dort, drängen darauf, zunächst die künftige Ausrichtung der Partei zu klären. Ist man bereit, in Koalitionen mit der SPD auch schmerzhafte Kompromisse einzugehen? Oder besteht man auf der reinen Lehre, für die bislang Lafontaine stand und die sein designierter Nachfolger Klaus Ernst offenbar fortsetzen möchte: Also "weg mit" Hartz IV, Rücknahme der Rente mit 67, sofortiger Abzug aus Afghanistan?
Solange die Linke diese Fragen nicht klärt, wird es auch keine ernsthafte Perspektive für einen rot-rot-grüne Regierungswechsel 2013 geben. Daran werden auch die neue linke Denkfabrik der einstigen hessischen SPD-Vorsitzenden Andrea Ypsilanti und andere gemeinsame Gesprächsrunden wenig ändern.
Zum Konkurrenzkampf der SPD mit der Linken kommt hinzu, dass sich die Grünen von ihrem vormaligen Koalitionspartner ein ganzes Stück entfremdet haben. Angesichts der anhaltenden Schwäche der Sozialdemokraten spielen viele in der Partei mit dem schwarz-grünen Gedanken. Eine SPD, die mit ihrer linken Konkurrenz um jeweils noch linkere Positionen ringt, wäre nicht nur für einen erheblichen Teil der inzwischen recht bürgerlichen Grünen-Wähler wenig attraktiv. Sie würde vermutlich auch nicht genügend auf die politische Waagschale bringen, um gemeinsam Schwarz-Gelb ablösen zu können.
Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai wird sich also nicht nur entscheiden, ob Union und FDP die Mehrheit dort und damit auch im Bundesrat verlieren. Es könnte auch eine Vorentscheidung fallen, ob Rot-Rot-Grün zu einer ernsthaften Option wird. Oder ob die Grünen an die CDU heranrücken. Für Merkel und die Union würde es damit auch im Bundestag leichter. Für SPD und Linke hieße das aber wohl, noch lange gemeinsam die Oppositionsbank drücken zu müssen.
- Datum 04.02.2010 - 17:45 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Dieser Kommentar ist ein weiterer Versuch, der SPD Ängste einzujagen und der Arbeit des verbliebenen Zerstörers der SPD, des Herrn Steinmeier, ein falsches Etikett anzuhängen.
Nein, die SPD kann nur überleben, wenn sie sich auf Werte wie u.a. Solidarität, Gerechtigkeit zurückbesinnt. Das ist ein langfristiges Projekt. Dazu gehört auch, sich zu überlegen, wie wir zukünftig leben wollen, grundsätzlich, unabhängig vom tagesaktuellen Geschehen. Gabriel traue ich zu, den nötigen langen Atem zu haben. Falls diese Annahme zutrifft, wäre die SPD die erste Partei, die sich erneuert hätte.
Die größte Gruppe bei der letzten Bundestagswahl war die der Nichtwähler, fast 30 % (demgegenüber CDU/CSU 34 X 70% = 23,8 % der Wahlberechtigen) .
Es gibt schon längst Gruppen, Bewegungen, die teilweise auch organisiert sind, die mit keiner der etablierten Parteien sehr viel anfangen können. Das verpennen nicht nur die Politiker, sondern auch die Journalisten.
"...Sie werden vermutlich darauf hinauslaufen, dass diejenigen, die lange in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, länger Arbeitslosengeld bekommen sollen. Das soll die Ängste bis in die Mittelschichten hinein vermindern, bei einem Verlust des Jobs rasch auf Hartz-IV-Niveau herabzusinken..."
Parteien sind Gift für eine demokratische Gesellschaft
"...Sie werden vermutlich darauf hinauslaufen, dass diejenigen, die lange in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, länger Arbeitslosengeld bekommen sollen. Das soll die Ängste bis in die Mittelschichten hinein vermindern, bei einem Verlust des Jobs rasch auf Hartz-IV-Niveau herabzusinken..."
Parteien sind Gift für eine demokratische Gesellschaft
in Farbe :-O
War zumindest mein erster Eindruck beim Betrachten des Bildes.
Mit dem Unterschied, dass es die Komiker der SPD Spitze ernst meinen und nicht nur zur Unterhaltung des Publikums beitragen wollen. Abgesehen davon, dass es schlechte Komiker sind.
MfG
AoM
Die SPD hat schon lange vor dem aktuellen Rückrudern ihre Glaubwürdigkeit verloren, auch wenn das die lieben Redakteure der Printmedien nicht wahr haben wollen bzw. mit aufgesetzter Schweißerbrillen nicht sehen konnten.
Die SPD hat unter ihrem Totemgräber Schröder ihre Klientel verraten. Wer Poltik für die Industrie und die Reichen machte - ich weiß, gleich geht die Aufheulerei wieder los - der muss sich nicht wundern, wenn diese Klientel diese Partei nicht mehr wählen.
Es wird sehr kritisch meinerseits zu beobachten sein, ob das, was jetzt wieder rückgängig gemacht werden soll, auch in der Zukunft eingehalten werden wird. Tötlich wäre ein Osterwelle-Verhalten, viel versprechen und dann nichts nzw. kaum etwas halten können.
Ich werde sehen, ob die SPD für mich noch einmal wählbar wird.
Die SPD hat seit 1998 mit Schröder versucht in der sogenannten Mitte durch neoliberale Politik, durch eine Art CDU/FDP-Lite-Politik zu fischen und glaubte damit zu Punkten. Im Januar 2005 hielt Schröder auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine Rede, in der für seine Hartz IV Reformen warb, Zitat: "....Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gib. ...." Neoliberale Politik pur.
Erst wenn sich die SPD von der Schärgen dieser Aera in Gänze verabschiedet, ich meine damit Parteiausschluss, dann und dann wird die SPD zu einer neuen Stärke finden.
Die Möchtegern-Neoliberalen in der SPD sollen sich eine neue Heimat suchen oder eine neue Partei gründen.
Die SPD muss sich von solchen Leuten trennen, danach steht links von ihr niemand mehr und die Mitte wird entscheiden Kapitalismus/Eogismus oder Solidarität.
"Wohl an denn Herz, nimm Abschied und gesunde."
Ich möchte meinem Vorposter zustimmen,wenn gleich die Bezeichnung " Schärge" etwas hart klingt.
Aber der Herr Steinmeier muss seinen Posten räumen.
Da er selbst so verstrickt in politische Entscheidungen der vergangenen Jahre ist,kann er keine agressive Oppositionsarbeit leisten,ohne wie ein Depp dazustehen.
Und wie bitteschön soll die SPD Wähler an die FDP verlieren?
Die Mövenpickpartei wird bald wieder bei ihren angestammten 5% herumdümpeln.Die sind sowas von entzaubert worden.
Die SPD muss wieder glaubhaft soziale Gerechtigkeit verkörpern,dann kommen auch die zwei Millionen Nichtwähler wieder zu ihr zurück.
Diese ominöse Mitte ist nur ein mentales Konstrukt,keine Wirklichkeit auf die man bauen sollte.
zunächst korrigiere ich meine Rechtschreibung. Es muss Scherge heißen. "Als Scherge wird im heutigen Sprachgebrauch oft ein „Henkersknecht“, Büttel, käuflicher Verräter oder generell eine Person, die einem Schurken dienstbar ist und seine Befehle ausführt, bezeichnet. Das veraltete Wort Häscher ist ein Synonym von Scherge.", aus Wikipedia.
Ich finde, damit lag ich nicht daneben.
"...Sie werden vermutlich darauf hinauslaufen, dass diejenigen, die lange in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, länger Arbeitslosengeld bekommen sollen. Das soll die Ängste bis in die Mittelschichten hinein vermindern, bei einem Verlust des Jobs rasch auf Hartz-IV-Niveau herabzusinken..."
Parteien sind Gift für eine demokratische Gesellschaft
aber wenn Sie schon so pingelig sind, so achten Sie doch einmal auf die völlig unverständliche Änderung der Anreden im ersten Satz.
Da habt Ihr Euch schwer verpfriemelt, oder sehen Sie das anders ;)
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