Streitfall Steinbach Steinbach verzichtet auf Beiratssitz
Der Streit zwischen Vertriebenen und Regierung ist beigelegt: Verbandspräsidentin Steinbach ließ sich auf einen Kompromiss ein. FDP-Chef Westerwelle begrüßte die Einigung.
Der monatelange Streit um die Besetzung eines Sitzes im Beirat der Vertriebenenstiftung, die das Zentrum gegen Vertreibungen trägt, ist beigelegt. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, verzichtet auf ihren Sitz. Im Gegenzug werden die bisherigen Regelungen verändert.
Die Zahl der Sitze für den BdV im Beirat erhöhen sich von drei auf sechs. Der BdV ist damit im Stiftungsrat künftig die größte Fraktion. Aber auch der Bundestag stellt mit vier Abgeordneten künftig zwei Mitglieder mehr als bisher, die evangelische und die katholische Kirche sowie der Zentralrat der Juden erhalten jeweils einen Sitz mehr. Insgesamt wird der Stiftungsrat auf 21 Mitglieder vergrößert. Zugleich soll der Bundestag die Beiratsmitglieder bestätigen und nicht wie bisher die Bundesregierung. Die Verbände schlagen ihre Entsandten in Zukunft vor, der Bundestag muss darüber im Paket entscheiden. Damit kamen die Fraktionen Steinbachs zentraler Forderung entgegen, das bisherige Veto-Recht des Kabinetts bei der Benennung der Mitglieder des Stiftungsrates zu kippen.
Ein weiteres Zugeständnis: Das geplante Zentrum gegen Vertreibungen soll mehr Ausstellungsfläche bekommen. Sie soll sich von 2200 auf 3000 Quadratmeter vergrößern. Außerdem wird ein in Bayreuth ansässiges Archiv mit Dokumenten zur Vertreibung digitalisiert, damit es überall problemlos genutzt werden kann. Wie bisher bleibt die Stiftung aber in der Obhut des Deutschen Historischen Museums.
Gemeinsam legten die Verhandlungsführer Wert auf die Feststellung, einen völlig neuen Kompromiss erzielt zu haben. FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger zeigte sich erfreut, dass Steinbach durch ihren Verzicht den Weg dafür frei gemacht habe. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich ergänzte, die christlich-liberale Koalition habe sich nun aus den Zwängen der Großen Koalition befreit. Der Hintergrund: Die bisherige Veto-Regelung hatte im Wesentlichen die SPD durchgesetzt. Unions-Fraktionschef Volker Kauder betonte, alle Beteiligten hätten Steinbach ihren Respekt dafür erwiesen, dass sie durch ihre persönliche Entscheidung einen Kompromiss ermöglicht habe.
Der Bund der Vertriebenen hatte zuletzt gedroht, auf Steinbach im Beirat der Stiftung zu beharren, wenn die Bundesregierung nicht auf einen Kompromissvorschlag des Verbandes eingehe: Unter anderem hatte Steinbach einen Verzicht auf das Vetorecht der Bundesregierung verlangt, dies aber später abgeschwächt.
Steinbach ließ den Kompromiss nach dem Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden zunächst vom Präsidium des Bundes der Vertriebenen bestätigen. Dort wurde er einstimmig angenommen. Steinbach lobte die Einigung anschließend als "Zugewinn für die Stiftung", der allen Beteiligten nutzen werde. Entschieden wandte sie sich gegen den Vorwurf, sie habe die schwarz-gelbe Koalition erpressen wollen. "Dieses Wort passt überhaupt nicht", sagte Steinbach. Wahr sei vielmehr, dass man in den vergangenen Wochen eine "unglaubliche Debatte" erlebt habe, wie eine Opferorganisation sie in Deutschland noch nie erlebt habe. Das sei zutiefst verletzend gewesen. Steinbach war unter anderem immer wieder vorgeworfen worden, es gehe ihr nicht um die Sache, sondern nur um ihre Person.
Steinbach zeigte sich überzeugt, dass die Übertragung des Vetorechts an den Bundestag die Stiftung insgesamt aufwerte. Dies sei im Übrigen ein Vorschlag vom Bund der Vertriebenen gewesen. Durch dieses Verfahren werde das Selbstbestimmungsrecht der beteiligten Verbände besser geschützt. Sie rechne damit, dass die Personalvorschläge des Bundes der Vertriebenen künftig akzeptiert würden. "Auch wir, also meine Partei, hat im Bundestag bereits Personen in bestimmte Positionen gewählt, die wir nie vorgeschlagen hätten", sagte Steinbach. Im Übrigen sei es gut, dass die Entscheidung nicht mehr im Kabinett getroffen werde, weil es dort eher Druck aus dem Ausland geben könne oder einzelne Mitglieder zumindest glauben könnten, unter solchem Druck zu stehen.
Sie selbst werde sich in Zukunft allerdings definitiv nicht mehr für das Gremium aufstellen lassen, sagte Steinbach. "Das ist eine Frage der Ehre." Ihr Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel halte sie weiterhin für gut. Man habe ein schwieriges Problem lösen müssen, dies sei aber nicht die Schuld der Union gewesen. Allerdings räumte Steinbach ein, dass die normalen Mitglieder ihres Verbandes von dem Ergebnis enttäuscht sein könnten. "Die Basis muss jetzt überzeugt werden", sagte sie.
Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) begrüßte den Kompromiss. Er hatte Steinbachs Berufung in den Beirat der Stiftung immer abgelehnt, weil er Rückschläge im Versöhnungsprozess mit Polen befürchtete. Nun lobte er, dass die Wahl der Stiftungsrat-Mitglieder durch den Bundestag gewährleiste, dass "außenpolitische Belange" beachtet und Transparenz geschaffen werde.
- Datum 11.02.2010 - 18:03 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
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Ich hatte in der Vergangenheit mehrmals deutlich Partei für das Projekt ergriffen und kann nur hoffen, daß es nun zügig verwirklicht wird.
Nun ist der Kuhhandel beendet - zum Glück mit der Gesichtswahrung der Politik im Großen und Ganzen.
Dass die Bestätigung der Beiratsmitglieder nun durch den Bundestag und nicht die Regierung stattfindet, finde ich zudem eine angenehme Veränderung, da die Besetzung nun nicht mehr allzusehr der Fraktionslaune ausgeliefert ist.
Wie die Erhöhung der Stiftungsbeiratsgesandtschaft von 3 auf 6 zu bewerten ist, wird von den Beiratsmitgliedern abhängen...
Warum kann eine BdV-Vorsitzende von der Regierung Entgegenkommen verlangen, weil sie auf einen Sitz verzichtet, den sie nach aktuellem Recht nicht bekommen kann.
Mir kommt das so vor, als wenn ich von meinem Vorgesetzten mehr Geld verlange. Mein Vorgesetzter teilt mir mit, dass dies nicht möglich sei. Ich mache ihm deshalb den Vergleichsvorschlag, dass ich meinen Wunsch auf Gehaltserhöhung zurückziehe, wenn ich im Gegenzug in der Hierarchie um eine Stelle befördert werde.
Jeder Vorgesetzte würde mich für diesen Handel als verrückt erklären.
Natürlich hätte sie nach dem Gesetz den Sitz bekommen können. Im Gesetz steht doch nicht, dass der Außenminister einer ausländischen Kampagne nachgeben muß?
Natürlich hätte sie nach dem Gesetz den Sitz bekommen können. Im Gesetz steht doch nicht, dass der Außenminister einer ausländischen Kampagne nachgeben muß?
Ich persönlich empfindes es als entsetzlich, wie sich diese egomanische Person durchsetzen konnte. Aber man durfte ja auf keinen Fall die CSU enttäuschen, die hätten ja sonst geklagt.
mimimi.
Ein Trauerspiel was sich in der Politk abspielt, aber bitte. Bis zur nächsten Wahl haben wir dann wieder alles vergessen, wählen Angie & Erika erneut und drehen dann wieder den Kopf weg, bis sich die "Politiker" auf einen "Kompromiss" geinigt haben - egal, was der Bürger davon hält. Ah nein - nicht egal, wir waren ja so blöd und haben die ja gewählt. Verdammt.
ob es bei der NRW WAHL zu einem Desaster kommen wird aber ich glaube es, MERKEL zur Zeit eine "Einschlafhilfe" konnte offensichtlich mit den wenigen Profis der SPD einigermassen
ueber die Legislaturrunden kommen. jETZT mit der FDP ist das
EIN EINZIGER WITZ, Praktikant ROESLER wird scheitern und die HERREN NIEBELE BRUEDERLE haben keinen Kommentar verdient , NRW = Halali !
fuer diese linkisch-linke Krummenrepublik mehr. Da es aber bereits so viele sind, kommt,s auf einen mehr auch nicht drauf an.
Kann mir gut vorstellen, dass Westerwelle einen im Sinne Polens von der SPD, Gruenen, CDU gemeinschaftlich im Sinne Polens gedeckten Tisch vorfand, an dem er nichts mehr aendern konnte.
Wann endlich begreifen Deutschlands Vertriebene mitsamt ihrer Nachfahren und Freunde, dass die CDU/CSU noch nie wirkliche Vertreterin ihrer Interessen war und nur falsch auf Zeit spielte? Genauso uebrigens wie sie es auch schon bezueglich Deutschlands Ostgebiete tat!
[...] Bitte verzichten Sie gegenüber anderen Usern auf beleidigende Kommentare und bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/sh
[...] Bitte verzichten Sie gegenüber anderen Usern auf beleidigende Kommentare und bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/sh
Da gibt es also ein politisches Problem mit der Frau Steinbach. Aber anstatt es gestalterisch zu lösen wird einfach in die (leere) Kasse gegriffen und ein paar Wohltaten spendiert.
Problem vom Tisch. Oder?
Wann macht Frau Merkel eigentlich wieder Politik?
...denn schon mal Politik gemacht?
Ist mir garnicht aufgefallen...
...denn schon mal Politik gemacht?
Ist mir garnicht aufgefallen...
Und ich dachte immer, der Bundestag sei dazu berufen Gesetze zu beschließen (bzw. zu lesen und zu ändern). Schon die alte Regelung mit Beteiligung des ganzen Kabinetts wg. Personalien für eine Stiftung, schien mir reichlich übertrieben.
Nun. Es IST ein Politikum, keine Frage. Aber reicht da nicht auch der Kultusminister oder besser noch ein Staatssekretär für aus ?
Dann gäbe es vielleicht auch nicht so viel Wirbel um die ganze Angelegenheit.
Bildungs- und teilweise Sozialpolitik wird von irgendwelchen Amtszuträgern oder Kommunen gemacht, aber hier muß ja gleich das ganze Parlament ran.
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