Illegale Bankdaten Streit über Ankauf immer neuer Steuerdaten
Drei Bundesländer haben Angebote mit zwielichtigen Steuerdaten erhalten. Die Kanzlerin scheint einem Kauf nicht abgeneigt. Doch das Justizministerium stellt sich quer.
© Julian Stratenschulte dpa/lnw

Die generelle Bereitschaft der Bundesregierung illegal erworbene Bankdaten käuflich zu erwerben, scheint neue zwielichtige Gestalten anzuziehen. Nun wurden zwei weiteren Bundesländern fragwürdige Angebote gemacht
Nachdem weitere Daten über potenzielle Steuersünder aufgetaucht sind, gibt es Streit über den Ankauf des Materials. Baden-Württembergs stellvertretender Ministerpräsident Ulrich Goll (FDP) lehnte es ab, eine den Behörden seines Bundeslands angebotene CD zu erwerben, sollten die Daten darauf illegal erlangt sein. Es dürfe keinen Deal mit Ganoven geben, sagte der Justizminister in Interviews. Im Focus drohte er gar mit einem Veto der FDP gegen das Geschäft im Landeskabinett. Landesfinanzminister Willi Stächele (CDU) hingegen hatte dafür plädiert, die Daten nach Klärung der rechtlichen Fragen zu kaufen. Über die finanziellen Forderungen des Informanten werde noch verhandelt.
Laut Focus will die Wuppertaler Steuerfahndung eine CD mit bis zu 1500 Namen deutscher Kunden einer Schweizer Bank an diesem Wochenende in Empfang nehmen. Der Anbieter habe eine Übergabe in Frankreich verlangt, um nicht in Deutschland verhaftet zu werden. Das Bundes- wie auch das nordrhein-westfälische Finanzministerium wollten sich zu Details des Datenkaufs erneut nicht äußern.
Wie der Spiegel berichtete, sind inzwischen auch den Behörden in München ähnliche Daten angeboten worden. Die Steuerbehörden seien dort den Kunden einer kleinen schweizerischen Bank und eines Geldinstituts in Luxemburg auf der Spur. Ein Sprecher des bayerischen Finanzministeriums wollte sich zu dem Fall nicht äußern.
Die Baden-Württemberg angebotenen Daten betreffen Stächele zufolge rund 2000 deutsche Steuersünder. Mit dem Bund werde die Frage eines Ankaufs geregelt. Sein Kabinettskollege Goll sagte der Bild am Sonntag, für illegal erlangte Daten dürfe kein Steuergeld fließen. Seine Partei warnte er, sich aus Angst vor einem falschen Image auf Deals über Steuersünder-Dateien einzulassen.
Auch Golls Parteifreundin Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger warnte vor dem Kauf illegaler Steuer-Dateien. Die Pflicht des Staates zur Verfolgung von Straftaten beziehe sich nicht allein auf die Verfolgung der Steuerhinterziehung, sondern ebenso auf die Ahndung des Datendiebstahls. "Der Handel mit gestohlenen Daten darf durch den Ankauf des Staates nicht angeheizt werden", warnte die FDP-Politikerin in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung laut Vorabbericht. Der Staat dürfe sich nicht in die Abhängigkeit zwielichtiger Datenlieferanten begeben. Ähnlich äußerte sich der FDP-Rechtsexperte Christian Ahrendt.
Dagegen steht das Wort der Kanzlerin. Angela Merkel hatte am Montag gesagt: Sie sei dafür, dass Steuerhinterziehung geahndet werde. "Zu diesem Zweck sollte alles versucht werden, um an diese Daten heranzukommen."
Aus Kreisen des deutschen Finanzministeriums hieß es, auch alle anderen europäischen Länder könnten kostenlos auf die erworbenen Daten zugreifen. Dazu gebe es eine Vereinbarung in Europa. Auf diese Weise solle verhindert werden, dass es zu Mehrfachverkäufen solcher Informationen komme.
Das baden-württembergische Finanzministerium hatte seinem Sprecher zufolge Anfang 2009 Stichproben der angebotenen Daten erhalten. Die in Medienberichten genannten Institute Credit-Suisse, UBS und Generali gaben an, nichts von einem solchen Datenklau zu wissen und sich deshalb nicht dazu äußern zu können.
- Datum 06.02.2010 - 19:05 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
- Kommentare 64
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wer sieht schon seine freunde gerne vor gericht.
Es ist eine absolute Dummheit von Bund und Ländern, diese Arbeit von behördenfremden Hackern durchführen zu lassen und dann teuer dafür zu bezahlen!
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So, wie es in einem Netzwerk z.B. in Banken einen Administrator gibt mit Vollzugriff und jede Menge Sachbearbeiter mit Teilzugriff, so könnte es auch in jedem EU-Mitgliedsland einige Admins geben mit Vollzugriff auf alle bankenbezogenen Daten und die Banksachbearbeiter als Unter-Admins usw.. BND und andere Geheimdienste machen schon immer Dinge am Rande der Legitimität, da kommt es auf einen Bereich mehr nicht mehr an!
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Die ehrlichen Bürger zwischen Mittelklasse und Armut würden sicher einiges an den Steuern sparen, die von Steuersündern hereinkommen, und die vielleicht hohen Gehaltskosten der Hacker wären dadurch wirklich berechtigt!
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Mfg
ztc
Wenn die deutschen Finanzbehörden beginnen, jede angebotene CD-Rom mit Datenmaterial anzukaufen, wird möglicherweise kriminelles Handeln in der Form gefördert, dass es für IT-Verantwortliche zunehmend interessant werden könnte, sich mit dem Kaufpreis ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen.
Andererseits wäre es töricht, auf den Ankauf zu verzichten, da dann das Risiko einer unkalkulierbaren Aufdeckung von Steuerhinterziehungs-Tatbeständen gleich Null wäre.
Den Verantwortlichen ist daher zu raten nur von Fall zu Fall bei einem entsprechenden Angebot zuzugreifen, sodass sich nicht jeder Datenbeschaffer einer Belohnung für sein Risiko sicher sein kann und dennoch permanente Unruhe im Karpfenteich herrschen würde.
Rufe Belohnung aus für Daten-CD's, mit denen Zahlungen an deutsche Regierungsmitgliedern und Bundestagsabgeordnete seitens der Industrie, des Handels oder von wem auch immer beweisbar sind, um sich private wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen - auch Korruption genannt. Bankdaten und Aktienportfolios, die zur Aufklärung derartiger Straftaten führen, nehme ich ebenfalls gerne entgegen.
Als Belohnung, die zur Festnahme, Amtsaufgabe und Inhaftierung deutscher Spitzenpolitiker führen winken Kurzurlaube in der Schweiz oder Tageskarten für Seilbahnen.
Dies ist kein Aufruf zum Diebstahl! In Betracht kommen nur Daten die sich bis zum 31.01.2010 bereits in Ihrem Besitz befanden.
Kaufen! Kaufen! Alle Daten KAUFEN !!! Kann nicht lange dauern bis dann auch mal nen wieder ein paar Leutchen unserer hochtrabenden selbstdeklarierten "Wirtschaftselite" dabei sind oder vieleicht sogar der ein oder andere Politiker die regelmäßig dem Volke Bescheidenheit predigen und selber den Staat BESCHEISSEN wo es nur geht.
[Anmerkung: Bitte achten Sie auf einen gepflegteren Sprachstil. Danke, die Redaktion/vv]
Für diese Genugtung bin ich auch gerne bereit das von meinem Steuergelden Straftäter bezahlt werden die diese Daten besorgen.
bei der FDP eingegangen oder für die Zukunft versprochen worden, wenn der Ankauf verhindert wird?
.....wer von wem und wie viele politische Spenden man bekommt in einem Staat, der seine Rechtsstaatlichkeit aufgegeben hat.
.....wer von wem und wie viele politische Spenden man bekommt in einem Staat, der seine Rechtsstaatlichkeit aufgegeben hat.
Man muss da nicht groß drum herum reden. Steuerhinterziehung ist ein Straftatbestand. Dieser muss wenn möglich geahndet werden. Hier stehen Deutschlands Interessen klar im Vordergrund. Es sollten so viel Daten wie möglich beschafft werden. Das bringt dem Staat nicht nur heutiges Geld (das er momentan bitter nötig hätte), sondern verhindert auch zukünftige Steuerflucht. Wer jetzt den großen Moralapostel spielt tut es im falschen Augenblick...
....im deutschen Interesse seine Rechtsstaatlichkeit aufzugeben für ein paar Hundert Millionen? Das ist eine ziemlich interessante Position. Noch interessanter ist die Tatsache, dass die Tragweite dem Volk nicht einmal annähernd klar zu sein scheint. Und das in einem Land, das nun wirklich sehr schlechte Erfahrung mit genau diesem Problem hatte vor ein paar Jahren.
....im deutschen Interesse seine Rechtsstaatlichkeit aufzugeben für ein paar Hundert Millionen? Das ist eine ziemlich interessante Position. Noch interessanter ist die Tatsache, dass die Tragweite dem Volk nicht einmal annähernd klar zu sein scheint. Und das in einem Land, das nun wirklich sehr schlechte Erfahrung mit genau diesem Problem hatte vor ein paar Jahren.
Unabhängig davon, ob die Regierung den Datenklau und somit Kriminelle fördert oder nun damit aufhören sollte, so hat es doch einen positiven Effekt. Die Zahl der Selbstanzeigen bezüglich der Steuerhinterziehung ist in den letzten Tagen emens gestiegen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man als Betroffener aufgrund der Diskussionen nicht mehr in Ruhe schlafen kann.
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