Schwarz-gelbe Koalition "Wir simsen, was das Zeug hält"

Vizekanzler Westerwelle zeigt gute Laune: Das Verhältnis zur Kanzlerin sei bestens, die Sozialstaatsdebatte wichtig. Nur die Vorwürfe zu seinen Honoraren stören das Bild.

Um gute Laune bemüht: FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle

Um gute Laune bemüht: FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle

Vizekanzler Guido Westerwelle (FDP) hat nach eigenen Angaben ein "absolut ungetrübtes" Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Wir treffen uns mindestens einmal die Woche unter vier Augen, meist auch häufiger, telefonieren, simsen, was das Zeug hält."

Grund für diese Aussage dürfte ein Interview Merkels sein, in dem sie dem Außenminister vorwarf, Selbstverständlichkeiten als Tabubruch zu inszenieren und damit Diskussionen über Hartz IV zu erschweren. Zum Tadel der Kanzlerin an seiner Wortwahl sagte er: "Ich akzeptiere jede Kritik von jedermann. Aber ich muss sie mir ja nicht zu eigen machen."

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"Ich habe keinen einzigen Hartz-IV-Bezieher kritisiert."

Vizekanzler Guido Westerwelle

Westerwelle war in der Pressekonferenz bemüht, dem Eindruck von Zerstrittenheit entgegenzutreten. In der Sozialstaatsdebatte sieht er sich durch Umfrageergebnisse bestätigt, die zeigen, dass eine Mehrheit der Deutschen ihm in der Sache Recht gibt. "Ich glaube, dass die Debatte sachdienlich war, notwendig war und die Dinge vorangebracht hat. Im Mittelpunkt der Diskussion steht endlich wieder die Mittelschicht, die alles erarbeitet, was verteilt werden soll." Er sei mit dem Verlauf der Debatte sehr zufrieden. Gleichzeitig verteidigte er sich gegen den Vorwurf der sozialen Kälte: "Ich habe keinen einzigen Hartz-IV-Bezieher kritisiert."

Westerwelle wehrte sich dagegen, wegen seiner Äußerungen zum Sozialstaat in eine "rechte Ecke" gestellt zu werden. Das sei unangemessen. Leistungsgerechtigkeit sei ein Thema der Mitte und der Liberalen. "Es ist auch ein Thema der Bundesregierung, an der die Liberalen beteiligt sind." Schleswig- Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner hatte Westerwelle mit dem 2008 gestorbenen Haider verglichen.

Der Vizekanzler stellte die Koalition in ein gutes Licht. Er glaube, dass deren Zustand "sehr gut" sei. Es habe zwar am Anfang "Rütteleien" gegeben, aber: "Die Ergebnisse stimmen. Und das ist das, was zählt für die Bürgerinnen und Bürger."

Dem widersprechen Umfrageergebnisse. Fast drei Viertel (73 Prozent) der Bundesbürger bewerten dem ZDF- Politbarometer zufolge das Klima zwischen CDU/CSU und FDP eher als schlecht. Die Schuld an der Missstimmung sehen 51 Prozent vor allem bei der FDP, ermittelte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen. Nur 36 Prozent bescheinigten der Regierung, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Probleme leiste.

Westerwelle pocht für die FDP auf dem Vorschlagsrecht für das Amt des Wehrbeauftragten. Er habe keine Zweifel, dass die getroffenen Vereinbarungen von allen Beteiligten eingehalten würden. Im Gegensatz zur CDU wollen die Liberalen den Wehrbeauftragten Reinhold Robbe von der SPD ablösen.

Es gehe "ausschließlich um die Frage, dass eine gute Persönlichkeit dieses Amt übernimmt", sagte Westerwelle. Es sei aber noch "kein Stadium der Entscheidungsfindung erreicht", in dem er sich öffentlich über einen Namen äußern wolle. Als mögliche Nachfolgerin ist die FDP-Verteidigungspolitikerin Elke Hoff im Gespräch. Robbes Amtszeit läuft im Mai ab. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), hatte Robbe zuvor für seine "ausgezeichnete Arbeit" gelobt und dafür plädiert, ihn in diesem Amt zu belassen.

Die breite parlamentarische Zustimmung zur neuen Afghanistan-Strategie der Regierung bezeichnete Westerwelle als "Sieg der Verantwortung und der Vernunft". Damit werde "ein neues Kapitel in der Afghanistan-Politik aufgeschlagen". Das Konzept treffe auch bei den Verbündeten und bei den Afghanen auf große Zustimmung.

Der Bundestag hatte zuvor mit großer Mehrheit dem neuen Afghanistan-Mandat für die Bundeswehr zugestimmt, das eine vorübergehende Aufstockung des deutschen Kontingents für die internationale Schutztruppe von 4500 auf bis zu 5350 Soldaten vorsieht. Ab Anfang 2011 soll die Verantwortung für die Sicherheit Schritt für Schritt an afghanische Kräfte übergeben werden. Ein Datum für das Ende des Einsatzes nannte Westerwelle weiterhin nicht. Es gehe zunächst darum, eine Abzugsperspektive zu erarbeiten.

Westerwelle verteidigte sich gegen Kritik an seinen Rede-Honoraren. "Ich habe mich in vollem Umfang an Recht und Gesetz gehalten", sagte der FDP-Vorsitzende. Die Regeln des Bundestages seien "hundertprozentig korrekt" eingehalten worden. Vor seinem Wechsel in die Bundesregierung seien alle freiberuflichen Tätigkeiten dem Bundestagspräsidenten gemeldet und dann auch "zeitnah" veröffentlicht worden.

Für die Wahlperiode 2005-2009 hatte Westerwelle insgesamt 36 bezahlte Vorträge angezeigt. Aus den Angaben ergeben sich Einnahmen von mindestens 252.000 Euro. Der Vizekanzler wollte sich nicht zur Gesamtsumme äußern. Auch zur Verwendung des Geldes sagte er nichts. Er sehe "keinen weiteren Erklärungsbedarf".

Zu den bezahlten Auftritten Westerwelles gehörte auch ein Vortrag bei der LGT Bank Schweiz, einer Tochter der Liechtensteiner LGT Group. Diese war wegen Schwarzgeldkonten deutscher Steuerhinterzieher die Kritik geraten.
 

 
Leser-Kommentare
    • sudek
    • 26.02.2010 um 15:40 Uhr

    und was sagt uns das Ganze nun Neues??? Ich vermisse die Recherche zu den Redetexten von Westerwelle. Was hat er dort in der Schweiz gesagt? Es muss doch ein paar Menschen geben, die das mitgeschnitten haben. Es muss doch auch möglich sein, die wirklichen Honorare zu erhalten! Wozu denn sonst Journalist(Inn)en??

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    Herr Westerwelle verfügt über ein Repertoire von ca. zehn Kernsätzen. Diese wird er dem Publikum mit genehmem Kommentaren angereichert haben.

    Herr Westerwelle verfügt über ein Repertoire von ca. zehn Kernsätzen. Diese wird er dem Publikum mit genehmem Kommentaren angereichert haben.

    • CM
    • 26.02.2010 um 15:50 Uhr

    Manche Leute haben sogar Unrecht, wenn sie ausnahmsweise mal Recht haben.

    Selbst wenn Westerwelle mal etwas sagt, dem hier und da jemand zustimmt obwohl es von Westerwelle kommt, sprechen die Umfrageergebnisse eine klare Sprache: die Deutchen haben genug von einem möglicherweise käuflichen Vorsitzenden einer möglicherweise käuflichen Partei, die Wasser predigt, Wein säuft und sich den von uns Wassertrinkern bezahlen lassen will.

    Die Wähler haben deswegen auch genug von Westerwelles Tiraden, weil es einfach zu offensichtlich ist, daß er verzweifelt einen äußeren Feind und andere Themen sucht als die, die ihm von den Fakten diktiert werden. Er will eben nur von Käuflichkeit, Lobbyismus und Wahlbetrug ablenken. Genausogut könnte er über das Wetter oder das TV-Programm schimpfen, nur damit die Leute an was anderes denken als an die Verfehlungen der FDP und ihres Vortragsreisenden.

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    ...dass Sie zu den Leuten gehören, die diese Koalition sowieso nicht gewählt haben? Ich glaube Sie und andere machen sich etwas vor, wenn Sie glauben, dass durch das zugegeben unglückliche Agieren der Koalition, dem Wähler nun "die Augen geöffnet" wurden und er fortan reumütig für eine linke Alternative stimmen wird. Diese Alternative exisitiert für die meisten nämlich nicht.

    Klasse Beitrag CM! Füge ergänzend hinzu, dass Westerwelle, wie viele unserer Volksvertreter auch es immer wieder schaffen, die Rechtmäßigkeit ihrer Nebeneinkünfte so zu interpretieren, dass sie in ihre eigene Wunschrichtung passen. Vor allem meinen sie unangreifbar zu sein, wenn sie vor der Annahme eines politischen Amtes noch einmal richtig zulangen. Danach bestünde ja der Verdacht der politischen Einflussnahme. Ein Schelm ist, wer hier den Gestank einer Korruption verspürt.

    ...dass Sie zu den Leuten gehören, die diese Koalition sowieso nicht gewählt haben? Ich glaube Sie und andere machen sich etwas vor, wenn Sie glauben, dass durch das zugegeben unglückliche Agieren der Koalition, dem Wähler nun "die Augen geöffnet" wurden und er fortan reumütig für eine linke Alternative stimmen wird. Diese Alternative exisitiert für die meisten nämlich nicht.

    Klasse Beitrag CM! Füge ergänzend hinzu, dass Westerwelle, wie viele unserer Volksvertreter auch es immer wieder schaffen, die Rechtmäßigkeit ihrer Nebeneinkünfte so zu interpretieren, dass sie in ihre eigene Wunschrichtung passen. Vor allem meinen sie unangreifbar zu sein, wenn sie vor der Annahme eines politischen Amtes noch einmal richtig zulangen. Danach bestünde ja der Verdacht der politischen Einflussnahme. Ein Schelm ist, wer hier den Gestank einer Korruption verspürt.

  1. ...dass Sie zu den Leuten gehören, die diese Koalition sowieso nicht gewählt haben? Ich glaube Sie und andere machen sich etwas vor, wenn Sie glauben, dass durch das zugegeben unglückliche Agieren der Koalition, dem Wähler nun "die Augen geöffnet" wurden und er fortan reumütig für eine linke Alternative stimmen wird. Diese Alternative exisitiert für die meisten nämlich nicht.

    Antwort auf "Recht im Unrecht"
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    • CM
    • 26.02.2010 um 16:48 Uhr

    Nicht die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben - Ökos, Linke und all das andere Gesumsel - haben "eine andere Republik" geschaffen, sondern die Lobbykraten an der Spitze der "Volksparteien". Nicht die Revoluzzer, sondern diejenigen, die uns Demokratie vorgetäuscht haben, haben Schritt für Schritt den Souverän entmachtet.

    So langsam scheinen einige Leute aufzuwachen. Daß eine deutliche Wählerwanderung ausgerchnet von der FDP zu den Grünen in den letzten Wochen stattgefunden hat sagt einiges über Ernüchterung und den Mangel an Alternativen aus. Manche Leute wollen eben einfach keine vortragsreisenden Lobbyvertreter und geschmierten, geflickten Klientelpolitiker mehr sehen.

    • CM
    • 26.02.2010 um 16:48 Uhr

    Nicht die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben - Ökos, Linke und all das andere Gesumsel - haben "eine andere Republik" geschaffen, sondern die Lobbykraten an der Spitze der "Volksparteien". Nicht die Revoluzzer, sondern diejenigen, die uns Demokratie vorgetäuscht haben, haben Schritt für Schritt den Souverän entmachtet.

    So langsam scheinen einige Leute aufzuwachen. Daß eine deutliche Wählerwanderung ausgerchnet von der FDP zu den Grünen in den letzten Wochen stattgefunden hat sagt einiges über Ernüchterung und den Mangel an Alternativen aus. Manche Leute wollen eben einfach keine vortragsreisenden Lobbyvertreter und geschmierten, geflickten Klientelpolitiker mehr sehen.

  2. ...ich kann mich noch gut an den Widerspruch um nicht zu sagen, Hohn, erinnern, den ich in diesem Forum erntete als ich einige Wochen vor der Bundestagswahl einen deutlichen Sieg von CDU/FDP prophezeit habe. Doch das Problem war damals eben schon das selbe wie heute: Programmatisch war und ist die SPD völlig falsch ausgerichtet, um eine Mehrheit für eine Regierung unter ihrer Führung zusammenzubringen, zumal diese Mehrheit dann jeweils nur mit Partnern erreicht wird, die sie überhaupt nicht mag(Linke, FDP!). Das ist leider so und wird sich so bald nicht ändern.

  3. wodurch legitimiert sich dieser mensch eigentlich? faselt am wahlabend irgendwas von einem erhaltenen wählerauftrag. mit viel heißer luft 14,6% bei einer wahlbeteiligung von 72,2% und gibt hier den großen reformer. geht´s noch?

  4. "Für die Wahlperiode 2005-2009 hatte Westerwelle insgesamt 36 bezahlte Vorträge angezeigt. Aus den Angaben ergeben sich Einnahmen von mindestens 252.000 Euro."

    Jetzt mal Nase zuhalten, etwas bräsig gucken und dann sagen:

    'Das steht mir zu!'

    ;-)

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    So ist das und so denkt GW eben. Und genau so versteht er aus sein "geplappere". Hauptsache für sich selbst lohnt es sich. Sehrwahrscheinlch glaubt er sogar noch, "unterbezahlt" zu sein. Es ist mir sch...egal wieviel GW für seine "Vorträge" kassiert, nur sollte er nicht ständig mit Demagogie operieren. Nichts ist überflüssiger als GW.

    So ist das und so denkt GW eben. Und genau so versteht er aus sein "geplappere". Hauptsache für sich selbst lohnt es sich. Sehrwahrscheinlch glaubt er sogar noch, "unterbezahlt" zu sein. Es ist mir sch...egal wieviel GW für seine "Vorträge" kassiert, nur sollte er nicht ständig mit Demagogie operieren. Nichts ist überflüssiger als GW.

    • xtc
    • 26.02.2010 um 16:45 Uhr

    "Die Ergebnisse stimmen. Und das ist das, was zählt für die Bürgerinnen und Bürger."
    Kann mir mal jemand erklären, wovon der Typ spricht?

    • CM
    • 26.02.2010 um 16:48 Uhr

    Nicht die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben - Ökos, Linke und all das andere Gesumsel - haben "eine andere Republik" geschaffen, sondern die Lobbykraten an der Spitze der "Volksparteien". Nicht die Revoluzzer, sondern diejenigen, die uns Demokratie vorgetäuscht haben, haben Schritt für Schritt den Souverän entmachtet.

    So langsam scheinen einige Leute aufzuwachen. Daß eine deutliche Wählerwanderung ausgerchnet von der FDP zu den Grünen in den letzten Wochen stattgefunden hat sagt einiges über Ernüchterung und den Mangel an Alternativen aus. Manche Leute wollen eben einfach keine vortragsreisenden Lobbyvertreter und geschmierten, geflickten Klientelpolitiker mehr sehen.

    Antwort auf "Kann es sein..."

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