So wünscht sich die CDU einen tapferen Generalsekretär. Wenn der Chef in die Bredouille geraten ist, ist es die Aufgabe eines guten ersten Adjutanten, sich schützend vor ihn zu werfen und Schaden von ihm abzuwenden.

Hendrik Wüst, der nordrhein-westfälische CDU-Generalsekretär, ist also zurückgetreten. Nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat er die Verantwortung für einen Vorgang übernommen, der am Wochenende bekannt geworden ist und der tatsächlich skandalös ist.

Rüttgers war möglicherweise käuflich, das enthüllte der Spiegel. Für ein Extra-Honorar von 6000 Euro konnten Unternehmer auf dem Parteitag der CDU eine vertrauliche Unterredung mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten erwerben. In Ex-Politiker-Kreisen mag es eine gängige Praxis sein, sich die politische Karriere durch exklusive Termine nachwirkend versilbern lassen. Für aktive Politiker und erst recht für einen amtierenden Ministerpräsidenten verbietet es sich aber, Gespräche gegen Bares anzubieten. Zu schwer wöge der Verdacht, mehr dem Klingelbeutel als dem Wähler verpflichtet zu sein.

Dass der Vorgang geahndet worden ist, ist also richtig und notwendig. Mit dem Rücktritt ihres Generalsekretärs signalisiert die nordrhein-westfälische CDU reumütig, dass sie erkannt hat, einen gravierenden Fehler begangen zu haben. Zuletzt war Wüst schon wegen der nicht korrekten Abrechnung seiner Sozialversicherungen in die Kritik geraten. Die von Rüttgers protegierte Nachwuchshoffnung hatte sich zur Belastung für den Parteichef entwickelt. Insofern handelte er konsequent. Auch strategisch ist es das einzig Richtige: Schließlich wird in Nordrhein-Westfalen in elf Wochen gewählt. Durch den Rücktritt versucht die Partei, einer wochenlangen, zermürbenden Debatte zu entgehen.

Ob ihr das allerdings gelingen wird, ist fraglich. Nicht geklärt ist schließlich, ob Wüst lediglich ein Bauernopfer ist. Die Opposition wird zu Recht wissen wollen, inwiefern eigentlich der Parteichef selbst involviert gewesen ist – und die "Sponsoring-Affäre" im Wahlkampf genüsslich ausschlachten. Rüttgers erklärte zwar sofort, er habe von der Aktion nicht das Geringste gewusst. Allerdings war bislang nicht bekannt, dass Wüst vor Rüttgers Geheimnisse hatte oder Entscheidungen ohne Rücksprache traf. Mutterseelenallein wird er sich die bezahlten Gesprächstermine nicht ausgedacht haben.

Gleichwohl wird der Rücktritt der Opposition etwas den Wind aus den Segeln nehmen. Gerade der 34-jährige Wüst galt bei SPD, Grünen oder Linken als "konservative Hardliner". An ihm arbeiteten sich die Oppositionsparteien zuletzt viel leidenschaftlicher ab als am Ministerpräsidenten, der sich im alten SPD-Stammland NRW bekanntlich gern als letzter verbliebener Sozialpolitiker der CDU inszeniert – und weniger Angriffsfläche bietet.

Wüst dagegen lieferte sich mit der SPD-Chefin Hannelore Kraft mehrere Scharmützel, etwa als er ihr die Fälschung ihres Lebenslaufs auf ihrer Homepage vorwarf. Den Linken unterstellt er, bewusst zugespitzt, sie wollen das Schulfach "Rauschkunde" einführen, sobald sie erst einmal an der Macht seien. Und auch mit den "unbezahlbaren" und "realitätsfernen" Wahlkampfideen der Grünen ging er am politischen Aschermittwoch viel härter ins Gericht als Rüttgers, der nach der Wahl gern mit den Grünen koalieren möchte, falls es nicht mehr zur schwarz-gelben Mehrheit reicht.