Ypsilanti trifft Wagenknecht Linker als das männliche Establishment

Andrea Ypsilanti und Sahra Wagenknecht stehen in ihren Parteien links außen. In Halle diskutierten sie über moderne Politik. Einig waren sie sich nicht. Von M. Schlieben

"Frauen ganz links": Andrea Ypsilanti (SPD) und Sahra Wagenknecht (linkspartei) diskutieren in Halle

"Frauen ganz links": Andrea Ypsilanti (SPD) und Sahra Wagenknecht (linkspartei) diskutieren in Halle

Das Varieté-Theater in Halle ist gut besucht. Kaum einer der 300 rot gepolsterten Stühle ist kurz vor Beginn der Veranstaltung noch zu ergattern. Kein Wunder, das Thema hat es in sich. Die linken Oppositionsparteien in Deutschland wollen – nach Jahren der Abgrenzung – aufeinander zugehen und in diversen Gesprächszirkeln einen gemeinsamen Politikwechsel vorbereiten.

"Frauen ganz links", lautet das offizielle Motto des Abends. Die Diskutantinnen haben das Interesse zusätzlich angeheizt. Für die Linke tritt Sahra Wagenknecht an. Sie ist Vorsitzende der Kommunistischen Plattform und designierte, aber bereits umstrittene Vize-Parteichefin. Und von der SPD: Andrea Ypsilanti, die frühere hessische Landeschefin, die vor anderthalb Jahren mit dem Versuch scheiterte, das erste von der Linken tolerierte rot-grüne Regierungsbündnis im Westen zu schmieden. Am Montag war Ypsilanti nach langer Pause erstmals wieder öffentlich aufgetreten, um ihre neue Denkfabrik vorzustellen, die parteiübergreifend ein Konzept gegen den Neoliberalismus erarbeiten soll.

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Die meisten im Publikum sind jenseits der 60. Keine jung-revolutionären Polit-Aktivisten also, die "angewandte Kuba-Wissenschaft" betreiben, wie grüne Spötter Ypsilantis Annäherungspolitik genannt haben. Nein, das Publikum entspricht der Wählerschaft der Linkspartei im Osten. Es sind vor allem Rentner und Hartz-IV-Empfänger, die auf die "neuen sozialen Ideen" gespannt sind, die auf dem Plakat auf der Bühne angekündigt sind.

Dennoch ist es lebhaft. Schon beim Einzug der beiden Politikerinnen klatschen die Hallenser kräftig. Ypsilanti sieht entspannter aus als früher. "Extrem viel Sport" habe sie gemacht seit ihrem verpatzen Machtwechsel, verriet sie kürzlich. Sonst hat sie sich zurückgehalten: keine Reden im Landtag, keine öffentlichen Auftritte, keine Interviews. Das harte Jahr 2008 habe sie verarbeiten müssen, wie sie in Halle einräumt. Jetzt aber ist sie zurück. Jetzt genießt sie wieder den Applaus.

Auf dem blauen Sessel daneben nimmt Sahra Wagenknecht Platz. Die Linke zeigt weniger innerliche Regung als Ypsilanti, die auch später Vieles nonverbal durch Nicken oder Kopfwiegen kommentiert. Wagenknecht dagegen schaut, wenn sie nicht redet, starr ins Ungefähre.

Zwischen den beiden Damen sitzt Roland Claus. Regelmäßig moderiert der Ostbeauftragte der Linken Treffen, auf denen seine Partei den Dialog zu anderen gesellschaftlichen Gruppen sucht. Darum soll es auch heute gehen, sagt Claus: Um den Erfahrungsaustausch "zweier Menschen mit unterschiedlichen Biografien", nicht um das "Basteln neuer Regierungen und Koalitionen".  

Seine Fragen drehen sich dann aber doch auffallend oft um neue Parteien und Bündnisse. "Warum habt ihr eigentlich euer Institut für sozialistische Moderne gegründet?", wendet sich Claus an Ypsilanti. Fröhlich korrigiert sie ihn, den letzten Bezirks-Chef der SED in Halle: Eigentlich heißt es "solidarische Moderne".

Leser-Kommentare
  1. Es stimmt ungemein hoffnungsfroh, dass unsere beiden linken grande Damen schon mal das jeweils gleiche Perlengeschmeide um den liebreizenden Hals gelegt haben.

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    Ihr kommentar ist ausgesprochen sexistisch. Ich beobacte das häufig. Frauen in der politik werden immer auf ihr Äusseres reduziert oder in deisem Fall sogar auf diesem Umwege kritisiert.

    Ihr kommentar ist ausgesprochen sexistisch. Ich beobacte das häufig. Frauen in der politik werden immer auf ihr Äusseres reduziert oder in deisem Fall sogar auf diesem Umwege kritisiert.

  2. Die beiden Frauen sollen ihre Position offen vertreten. Der Bürger will wissen, welche Methode des Wirtschaftens angesichts knapper Recourcen besser ist.

    Derzeit reden alle von der Entschleunigung der Güterherstellungsprozesse, aber keiner bedenkt die Folgen. Soll die Produktivität von Prozessen nur dann gesteigert werden, wenn sie nicht zu Lasten des Einzelnen geht? Und wenn Ja, wie wäre dieser Prozess zu steuern? Über den Markt oder über den Plan.

    Die soziale Marktwirtschaft will Härten im Berufsleben abfedern. Derzeit gelingt ihr das aber nicht sonderlich. Die Globaliserung als Rahmenbedingung treibt uns voran mit allen Konsequenzen für Physe und Psyche.

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    Markt gegen Plan? War diese Diskussion nicht 1989 abgeschlossen? Wer Frau Wagenknechts Plan haben möchte, wir sich wohl auch auf eine neue Mauer einstellen müssen (die alte hält Frau Wagenknecht ja für ein "notwendiges Übel"; da wissen wir also woher der alt-neue Wind weht)...

    Nein das tut Wagenknecht nicht. Sie hat dies Einschätzung längst revidiert und ist im laufe der Jahre in dieser Sache anderer Meinung.

    Ihr Kommentar ist doch pure Schelte und hat keinen kontruktiven inhalt.

    Markt gegen Plan? War diese Diskussion nicht 1989 abgeschlossen? Wer Frau Wagenknechts Plan haben möchte, wir sich wohl auch auf eine neue Mauer einstellen müssen (die alte hält Frau Wagenknecht ja für ein "notwendiges Übel"; da wissen wir also woher der alt-neue Wind weht)...

    Nein das tut Wagenknecht nicht. Sie hat dies Einschätzung längst revidiert und ist im laufe der Jahre in dieser Sache anderer Meinung.

    Ihr Kommentar ist doch pure Schelte und hat keinen kontruktiven inhalt.

  3. Wer Kämpferinnen gegen Sozialrassismus & Klassenkampf von oben verklausoliert als "Säue" beleidigt stand auch 1918 applaudierend bei den rechten Mördern ..

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    machotom, aber gründlich missverstanden.

    Ich habe 20 Jahre DDR hinter mir. Mir kann keiner was vom Klassenkampf für Frieden und Sozialismus erzählen.
    Und Sie?

    • upcno
    • 04.02.2010 um 14:35 Uhr

    wer 1918 dabei stand und applaudiert hat, ist heute gut und gerne 100 jahre alt, wenn er verstanden hat wieso, ist er/sie 110, in diesem Sinne bitte ich sie, bei 110 jährigen, die einen Online-kommentar schreiben, Gnade vor Recht ergehen zu lassen...

    Was für ein Blödsinn. Damit sollte ganz siche rnicht gemeint sein, dass der Beleidigende Perlen.Kommentator selsbt dabei war, sondern dss siene einstellung Rechts-Aussen anzufinden ist. Da stimme ich überein.
    Und nur wiel sie in der DDR gelebt haben, sind sie noch lange kein guter Mensch, nicht whr?

    Was meinen ?

    machotom, aber gründlich missverstanden.

    Ich habe 20 Jahre DDR hinter mir. Mir kann keiner was vom Klassenkampf für Frieden und Sozialismus erzählen.
    Und Sie?

    • upcno
    • 04.02.2010 um 14:35 Uhr

    wer 1918 dabei stand und applaudiert hat, ist heute gut und gerne 100 jahre alt, wenn er verstanden hat wieso, ist er/sie 110, in diesem Sinne bitte ich sie, bei 110 jährigen, die einen Online-kommentar schreiben, Gnade vor Recht ergehen zu lassen...

    Was für ein Blödsinn. Damit sollte ganz siche rnicht gemeint sein, dass der Beleidigende Perlen.Kommentator selsbt dabei war, sondern dss siene einstellung Rechts-Aussen anzufinden ist. Da stimme ich überein.
    Und nur wiel sie in der DDR gelebt haben, sind sie noch lange kein guter Mensch, nicht whr?

    Was meinen ?

  4. Es sind vor allem Rentner und Hartz-IV-Empfänger, die auf die "neuen sozialen Ideen" gespannt sind, die auf dem Plakat auf der Bühne angekündigt sind.

    Das scheint mir irgendwie unglaubwürdig.

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    Redaktion

    dem Vorwurf der unglaubwürdigen Darstellung ist kein Reporter gern ausgesetzt. Als Beleg für die Sozial- und Altersstruktur des Publikums in Halle mag dienen, dass die Debatte sich fast ausschließlich um die Sozial- und Altersleistungen des Staates drehte, veranschaulicht mit vielen Beispielen aus der jeweils eigenen Lebenswelt. Wenn Sie mögen (und hinterher zu ZEIT ONLINE zurückkommen), können Sie auch lesen, was der Kollege von Spiegel.Online geschrieben hat, dem die vielen Gäste "im Seniorenalter" ebenfalls aufgefallen sind.
    http://www.spiegel.de/pol...
    Schöne Grüße, Michael Schlieben

    In der Sache evtl. sogar richtig. Die Beweisführung via. Spiegel erhöht die Glaubwürdígkeit um einige Minuspunkte: von 2 auf 0.

    Übrigens: Das Durchschnittsalter der Hessen-CDU liegt bei 64 oder 65 Jahren - kein Witz!

    Vielleicht sind die jungen Damen und Herren usa-like (Gruß an Herrn Joffe) auf Politikignoranztrip. Man das auch Parteienverdrossenheit. Die alten Nasen haben nix dazugelernt.

    Alles eine Frage des Blickwinkels.

    Redaktion

    dem Vorwurf der unglaubwürdigen Darstellung ist kein Reporter gern ausgesetzt. Als Beleg für die Sozial- und Altersstruktur des Publikums in Halle mag dienen, dass die Debatte sich fast ausschließlich um die Sozial- und Altersleistungen des Staates drehte, veranschaulicht mit vielen Beispielen aus der jeweils eigenen Lebenswelt. Wenn Sie mögen (und hinterher zu ZEIT ONLINE zurückkommen), können Sie auch lesen, was der Kollege von Spiegel.Online geschrieben hat, dem die vielen Gäste "im Seniorenalter" ebenfalls aufgefallen sind.
    http://www.spiegel.de/pol...
    Schöne Grüße, Michael Schlieben

    In der Sache evtl. sogar richtig. Die Beweisführung via. Spiegel erhöht die Glaubwürdígkeit um einige Minuspunkte: von 2 auf 0.

    Übrigens: Das Durchschnittsalter der Hessen-CDU liegt bei 64 oder 65 Jahren - kein Witz!

    Vielleicht sind die jungen Damen und Herren usa-like (Gruß an Herrn Joffe) auf Politikignoranztrip. Man das auch Parteienverdrossenheit. Die alten Nasen haben nix dazugelernt.

    Alles eine Frage des Blickwinkels.

  5. machotom, aber gründlich missverstanden.

    Ich habe 20 Jahre DDR hinter mir. Mir kann keiner was vom Klassenkampf für Frieden und Sozialismus erzählen.
    Und Sie?

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    So wären Sie uns in diesem Forum erspart geblieben. Sitzen Sie gelegentlich vor einem Spiegel beim Schreiben? Man könnte den Eindruck gewinnen.

    So wären Sie uns in diesem Forum erspart geblieben. Sitzen Sie gelegentlich vor einem Spiegel beim Schreiben? Man könnte den Eindruck gewinnen.

  6. Markt gegen Plan? War diese Diskussion nicht 1989 abgeschlossen? Wer Frau Wagenknechts Plan haben möchte, wir sich wohl auch auf eine neue Mauer einstellen müssen (die alte hält Frau Wagenknecht ja für ein "notwendiges Übel"; da wissen wir also woher der alt-neue Wind weht)...

    Antwort auf "Markt gegen Plan"
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    Das von ihnen Zitierte muss wohl aus einem spon-Artikel stammen indem der Autor eine Satire als ernsten Blogeintrag ausgibt.

    eine Alternative diskutieren. Nachdenken ist besser als Vordenken. Vordenker haben wir genug. Also: Sollen die beiden es machen. Warum immer reflexartig zuschlagen?

    Das von ihnen Zitierte muss wohl aus einem spon-Artikel stammen indem der Autor eine Satire als ernsten Blogeintrag ausgibt.

    eine Alternative diskutieren. Nachdenken ist besser als Vordenken. Vordenker haben wir genug. Also: Sollen die beiden es machen. Warum immer reflexartig zuschlagen?

  7. Autor Schlieben macht sich lustig über die Zuhörer der Veranstaltung in Halle, warum?
    Er sollte wissen, dass die Treuhand vor 20 Jahren die Volkswirtschaft der EX-DDR abgewickelt hat und rd. 50% der Beschäftigten in Vorruhezustand/Arbeitslosigkeit geschickt hatte und übrigens: heute ist der mittlere/median biolog. Deutsche: 45,5 Jahre alt!!
    Und zum Vergleich: In Griechenland/EU gehen 30% der Beschäftigen bereits mit 47 Jahren in Rente!!
    So ist das Publikum unwestlich älter gewesen als die Durchschnittsbevölkerung insbesondere wenn man die unter 18-jährigen nicht mit einbezieht!!
    Also Herr Schlieben, voll daneben!

  8. Habe 20 jahre West-BRD hinter mir.Mir braucht keiner was von blühenden Landschaften zu erzählen.

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    Gabs erst recht nicht zu Zeiten als es noch hieß: "Den Sozialismus in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf".

    Dafür jede Menge giftigen Nebels aus den Schloten von Buna und Leuna, welcher regelmäßig über Halle an der Saale ganz und gar nicht hellem Strande zog.

    Und was hat das mit der Gegenwahrt zu tun? Niente

    Gabs erst recht nicht zu Zeiten als es noch hieß: "Den Sozialismus in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf".

    Dafür jede Menge giftigen Nebels aus den Schloten von Buna und Leuna, welcher regelmäßig über Halle an der Saale ganz und gar nicht hellem Strande zog.

    Und was hat das mit der Gegenwahrt zu tun? Niente

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