Kaum hat Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) seine Pläne für eine Gesundheitsreform vorgestellt, da hagelt es Kritik. Erwartungsgemäß lehnte die FDP das Konzept ab, auch die CDU ging auf Distanz. Sollte Söder darauf gebaut haben, dass ihm wenigstens seine Parteikollegen in Berlin zur Seite stehen, hat er sich getäuscht. Denn dem bayrischen Minister schlägt auch aus der CSU-Landesgruppe heftige Kritik entgegen.

Während einer Sitzung in Berlin beklagten Teilnehmer, Söder habe die Landesgruppe mit seinem Gesundheitskonzept überrascht. Sein Vorgehen sei "nicht hilfreich", weil sich die schwarz-gelbe Koalition gerade erst auf die Regierungskommission geeinigt habe, die die Einzelheiten für eine Gesundheitsreform erarbeiten solle. Ein CSU-Regierungsmitglied habe bemängelt, Informationen blieben zwischen München und Berlin immer auf der Strecke.

Der CSU-Abgeordnete und Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, wurde noch deutlicher: "Ich habe die Schnauze voll." Er warf Söder einen Alleingang vor. Zöller kündigte an, Söder werde voraussichtlich in der Sitzungswoche vom 19. bis 23. April zur Landesgruppe eingeladen. "Das Kasperletheater muss ein Ende haben", sagte er.

Die CSU in München verwahrte sich gegen die Kritik und wollte ihre Initiative als Beitrag zur Beilegung des Streits um die Gesundheitspolitik verstanden wissen. Das habe "nix mit Störfeuer zu tun", sagte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef, Horst Seehofer.

Bereits Anfang März hatten sich Differenzen zwischen Berlin und München gezeigt. Der CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich hatte damals Söder und auch Seehofer in ungewohnt scharfer Form für Äußerungen zur Gesundheitspolitik kritisiert. Seehofer reagierte verärgert, Söder warf im Gegenzug Friedrich Inkompetenz in der Gesundheitspolitik vor. Nach einer Rüge für Friedrich erklärte Seehofer den Streit für beendet.