Enquete-Kommission Bundestag will nicht mehr ahnungslos sein

Vielleicht gebiert die neue Enquete-Kommission tatsächlich eine einheitliche Netzstrategie. Vielleicht aber ist es nur ein weiterer Raufplatz für die Fraktionen.

Stecker rein - der Bundestag will nicht mehr "unterkomplex" beim Thema Internet debattieren und mehr darüber erfahren

Stecker rein - der Bundestag will nicht mehr "unterkomplex" beim Thema Internet debattieren und mehr darüber erfahren

Die im Januar beschlossene Internet-Enquete-Kommission des Bundestags ist fertig, der entsprechende Einsetzungsantrag verhandelt, im Parlament eingereicht und von diesem einstimmig angenommen. Es gibt sie nun, die Kommission, die bis 2012 "losgelöst vom Tagesgeschäft" untersuchen will, wie die Rolle des Staates in der digitalen Gesellschaft aussehen soll.

Was das bedeutet? Wohl eher Grundlagenarbeit, wenn man den Verlautbarungen der Mitglieder zuhört. Konstantin von Notz, der für die Grünen in dem Gremium sitzt, sagte dazu, dass die Politik sich bislang "sehr unterkomplex" mit den gesellschaftlichen Veränderungen durch das Internet beschäftigt habe und dass man dem nun "entgegenwirken" wolle. Und Olaf Scholz, Mitglied der SPD, sagte: Es sei ein Teil des Programms, dass der Bundestag vorhabe, "sich auskennen zu wollen".

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Der Fachanwalt für IT-Recht, Thomas Stadler, fragt angesichts dessen in seinem Blog ironisch: "Handelt es sich am Ende gar um ein Schulungsprogramm für Abgeordnete?"

Das mag für eine Kommission, die laut Notz angetreten ist, zum Thema Internetberatung der Politik "den ganz großen Wurf" zu landen, wenig sein. Für einen Bundestag, dem von Bloggern gern vorgeworfen wird, er sei gegenüber dem Netz ignorant und habe keine Ahnung, ist das viel.

Viel interessanter ist daher die Frage, was die Kommission mit den Politikern bewirken wird. Zwingt sie doch die einzelnen Fraktionen – bis auf die der Linken, die durfte auf Drängen der Union nicht mitmachen – zum ersten Mal, sich zu einer gemeinsamen Position zum Thema Internet durchzuringen. Wie schwer das werden könnte, macht schon der Einsetzungsantrag klar. Spiegeln sich darin doch bereits die Kämpfe wider, die in den kommenden zwei Jahren in dieser Kommission geführt werden werden.

Zu erkennen beispielsweise daran, was aus dem ursprünglichen Text auf dem Weg zum nun eingebrachten Einsetzungsantrag gestrichen wurde. So wurde aus dem Satz, dem Staat komme die Aufgabe zu, die "Funktionsfähigkeit und Integrität (des Internets) als öffentliches Gut zu gewährleisten", die Formulierung: "Die Bürger bauen darauf, dass der Rechtsstaat durch Rahmenbedingungen die Vertraulichkeit und Integrität (...) sicherstellt." Das eine ist eine klare Handlungsanweisung an die Regierung, das andere lediglich eine formulierte Hoffnung der Bürger.

Gestrichen wurde auch der Versuch, Wege zu suchen, mit großen Unternehmen wie beispielsweise Google umzugehen. Ursprünglich hieß es, Aufgabe der Kommission sei es zu untersuchen, wie ein funktionsfähiger Wettbewerb "zur Vermeidung marktbeherrschender Stellungen einzelner Unternehmen" gesichert werden könne. Nun soll nur noch beobachtet werden, welche "Auswirkung" die "Entwicklung großer globaler Internet-Konzerne" hat.

Leser-Kommentare
    • Setro
    • 04.03.2010 um 19:05 Uhr

    Mal ehrlich, hat hier irgendwer wirklich die Hoffnung, dieses Gremium bewegt etwas?

    Allein schon die Stellung zum Abmahnwahn und zur Netzneutralität zeigt doch, dass die Kommission die wesentlichen Interessenpunkte der Community nicht mal ansatzweise gerafft hat.

    Ganz abgesehen von dem Geschwafel der "rechtsfreien Räume". Wer so etwas äußert, gebiert sich als Depp. Im Internet gelten die selben Gesetze wie offline.

    Schade übrigens, dass der Autor nicht das Bullshitbingowort unserer Politiker auch aus dieser Runde wiedergibt, "Leitplanken". Man will das Internet in die gewünschte Form bringen, von wegen Freiheit. Am Ende geht es nur um Regulierung, sprich um Eingriffe ins Internet, ähnlich wie in Anhörungen zu Gesetzgebungsverfahren wird auch hier auf äußeren Sachverstand gepfiffen werden. Schließlich sitzen hier die selben Leute drin. Wir sprechen uns in 2 Jahren wieder.

  1. Man kann nur hoffen das die „Merkelsche Reformen“ wie es die Zeit so grottenschlecht nennt, ausbleiben.

    Letztendlich ist ja die Grundproblematik bekannt: Will man einen unbegrenzten Informationsaustausch oder will man ihn nicht.

    In der Politik geht es aber besonders um wirtschaftliche Überlegungen – z. B. wie kann man mit dem Internet Geld/Arbeit machen.

    Viele dieser Überlegungen (Erhalt des jetzigen Urheberrechts, Netzsperren, VDS) stehen dem unbegrenzten Informationsaustausch bzw. viele der jetzigen Errungenschaften des Internets entgegen.

    Eigentlich will Politik eine Verknappung in diesem Bereich erreichen um damit wieder das Ziel Arbeit/Geld zu erreichen.

    Daher wird es nun ein langwieriger Ritter über das schüren von Privatsphären-Ängsten und Sicherheit hin zum gewünschten Ergebnis: Arbeit und Geld durch die Verknappung von Freiheiten.

    Man kann nur hoffen, dass dies halbwegs gerecht endet. Ich bezweifle dies.

  2. Der Artikel lässt vermuten, dass die LINKE nicht in der Enquete-Kommission vertreten sein wird. Als Fraktion im Bundestag kann ihr diese Mitarbeit aber gar nicht verwehrt werden. So werden die Linken-Abgeordneten Herbert Behrens und Halina Wawzyniak in der Kommission mitarbeiten. Als Sachverständige hat die LINKE Constanze Kurz (Sprecherin des Chaos Computer Club) und Annette Mühlberg (Referentin für Neue Medien bei ver.di) gewinnen können. Damit ist die LINKE auch die erste Fraktion, die ihre Sachverständigen benannt hat. Von den anderen Fraktionen wurden noch keine Vorschläge für die Beteiligung externer Sachverständiger gemacht.

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    • Setro
    • 05.03.2010 um 9:56 Uhr

    Falscher Eindruck hin oder her, wem ist/wird durch die Teilnahme der Linken geholfen?

    Constanze als Sachverständige ist durchaus zu begrüßen, dennoch muss ich auf den Jahresrückblick vom 24c3 verweisen, auf dem auch Constanze resümiert, "Sachverstand in die Politik einzubringen bringt gleich mal gar nichts". Ausgangspunkt für dieses ernüchternde Fazit waren die Anhörungen zur VDS. Zwar waren sich die vier auf dem Podium einig, dass es am ehesten bei den Linken möglich wäre sich einzubringen, überzeugt war aber niemand.

    Schauen wir uns doch mal die Vertreter der Linken an, da wäre Halina Wawzyniak.

    > http://www.abgeordnetenwa...

    Zum Datenschutz sagt sie gar nichts, von freier Software hätte sie keine Ahnung. Ist zwar ehrlich, aber in der Sache nicht dienlich. Aber als stellv. Fraktionschefin muss sie wohl in die Kommission.

    Haben wir noch Herbert Behrens.

    > http://www.heise.de/newst...

    Sich um die Sorgen über Abmahnungen unterhalten, *wau*, darauf wartet die digitale Welt. Klare Ansage über das Abschaffen dieses Unsinns? Fehlanzeige! Dafür will er sich über die Ausgestaltung digitaler Arbeit unterhalten. Sorry, schon ist er wieder auf dem Kaffeekranzniveau.

    Dann haben wir noch ein Verdi-Vertreterin.

    Ehrlich, angesichts der Leute hätte ich den Ball lieber flach gehalten und mich über eine Nichteilnahme gefreut.
    Mitgefangen -> Mitgehangen

    • Setro
    • 05.03.2010 um 9:56 Uhr

    Falscher Eindruck hin oder her, wem ist/wird durch die Teilnahme der Linken geholfen?

    Constanze als Sachverständige ist durchaus zu begrüßen, dennoch muss ich auf den Jahresrückblick vom 24c3 verweisen, auf dem auch Constanze resümiert, "Sachverstand in die Politik einzubringen bringt gleich mal gar nichts". Ausgangspunkt für dieses ernüchternde Fazit waren die Anhörungen zur VDS. Zwar waren sich die vier auf dem Podium einig, dass es am ehesten bei den Linken möglich wäre sich einzubringen, überzeugt war aber niemand.

    Schauen wir uns doch mal die Vertreter der Linken an, da wäre Halina Wawzyniak.

    > http://www.abgeordnetenwa...

    Zum Datenschutz sagt sie gar nichts, von freier Software hätte sie keine Ahnung. Ist zwar ehrlich, aber in der Sache nicht dienlich. Aber als stellv. Fraktionschefin muss sie wohl in die Kommission.

    Haben wir noch Herbert Behrens.

    > http://www.heise.de/newst...

    Sich um die Sorgen über Abmahnungen unterhalten, *wau*, darauf wartet die digitale Welt. Klare Ansage über das Abschaffen dieses Unsinns? Fehlanzeige! Dafür will er sich über die Ausgestaltung digitaler Arbeit unterhalten. Sorry, schon ist er wieder auf dem Kaffeekranzniveau.

    Dann haben wir noch ein Verdi-Vertreterin.

    Ehrlich, angesichts der Leute hätte ich den Ball lieber flach gehalten und mich über eine Nichteilnahme gefreut.
    Mitgefangen -> Mitgehangen

  3. wenn man nicht weiß was man da tut. Wenn die Justizministerin ein Gesetz zur Sperrung von Internetseiten mittels Stoppschild mitträgt und dabei die tatsächlich gestellte Frage "Wissen Sie was ein Browser ist?" mit "im Moment nicht" beantworten muss.
    Insofern ist jeglicher Versuch, die derzeitigen und mittelfristig eben auch die zukünftigen Entscheidungsträger ein wenig näher ans das fremde Wesen Internet heranzuführen löblich und notwendig.

    Wir sind gespannt, was z. B. ACTA in alle folgenden Regierungen an vermeintlichem Wissen einbringt, denn der oft zugekaufte Sachverstand hat - wie bei den Gesetzesentwürfen ja auch - das größte Tor für effektive Lobbyarbeit geöffnet und wird dem Anschein nach auch noch lange Gesetzgebers Weg sein, um in neuen Sachverhalten Interessen umzusetzen. Fragt sich eben nur wessen, denn Menschen mit dem Hang zur Anonymität werden derzeit ja per se zu Kriminellen gemacht und eine meist ahnungslose Schicht an potenziellen Phishingopfern oder (noch) Internetverweigerern nickt auch brav mit, wenn z. B. Herr Schäuble den Kanon "wer nichts zu verbergen hat" anstimmen wollte ...
    Es bedarf also eines lobby- und überwachungsbestrebenfreien Blickes, um wirklich Pro Nutzer und nicht Contra Bürger übers Internet zu entscheiden.
    Wer hätte denn auch Lust, sich dem Urheberrecht vollumfänglich zu opfern und im Sinne der Terrorabwehr alles preiszugeben was ihn ausmacht? Sie? Ich? Nein, nur die, die naiv annehmen, damit wirklich etwas Gutes zu tun bzw. zu schützen

    • Setro
    • 05.03.2010 um 9:56 Uhr

    Falscher Eindruck hin oder her, wem ist/wird durch die Teilnahme der Linken geholfen?

    Constanze als Sachverständige ist durchaus zu begrüßen, dennoch muss ich auf den Jahresrückblick vom 24c3 verweisen, auf dem auch Constanze resümiert, "Sachverstand in die Politik einzubringen bringt gleich mal gar nichts". Ausgangspunkt für dieses ernüchternde Fazit waren die Anhörungen zur VDS. Zwar waren sich die vier auf dem Podium einig, dass es am ehesten bei den Linken möglich wäre sich einzubringen, überzeugt war aber niemand.

    Schauen wir uns doch mal die Vertreter der Linken an, da wäre Halina Wawzyniak.

    > http://www.abgeordnetenwa...

    Zum Datenschutz sagt sie gar nichts, von freier Software hätte sie keine Ahnung. Ist zwar ehrlich, aber in der Sache nicht dienlich. Aber als stellv. Fraktionschefin muss sie wohl in die Kommission.

    Haben wir noch Herbert Behrens.

    > http://www.heise.de/newst...

    Sich um die Sorgen über Abmahnungen unterhalten, *wau*, darauf wartet die digitale Welt. Klare Ansage über das Abschaffen dieses Unsinns? Fehlanzeige! Dafür will er sich über die Ausgestaltung digitaler Arbeit unterhalten. Sorry, schon ist er wieder auf dem Kaffeekranzniveau.

    Dann haben wir noch ein Verdi-Vertreterin.

    Ehrlich, angesichts der Leute hätte ich den Ball lieber flach gehalten und mich über eine Nichteilnahme gefreut.
    Mitgefangen -> Mitgehangen

  4. Es gibt eben auch unerfüllbare Wünsche.

  5. Würde mich aber sehr wundern, Politiker, die Ahnung haben?
    Kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
    In früheren Regierungen (vor Kohl) gab es ja den einen oder anderen Politiker, der Ahnung vom Geschäft hatte. Einer der letzten fähigen Politiker ist heute 91 Jahre alt, besitzt aber immer noch mehr Fachwissen und Kenntnisse als die gesamte Politikertruppe von Regierung und Opposition zusammen.
    Noch nie haben deutsche Politiker ein so jämmerliches Bild von Unfähigkeit, Dilettantismus, plumper Machtgier und fehlender Führungskompetenz abgegeben, wie in der heutigen Zeit.

  6. Ich glaube es kommt jetzt darauf an, die Politiker beim Wort zu nehmen. Soweit ich weiß haben alle angekündigt, die "Community" einbinden zu wollen. Daran soll man sie später messen. Jetzt als User den Kopf in den Sand zu stecken, weil man ja schon vorher weiß, dass die alle keine Ahnung haben, halte ich für zu einfach. Man sollte jetzt eher die Chance ergreifen und externen Sachverstand massiv einbringen.
    Dafür sind Menschen wie Constanze Kurz genau die richtigen. Sie wurde schließlich nicht umsonst um Unterstützung gefragt.

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