Bundeshaushalt Der Schuldenrekord ist beschlossene Sache

Der Bund muss 2010 weniger neue Schulden machen als geplant. Die Neuverschuldung erreicht dennoch einen Rekord. Der Finanzminister schweigt weiter über seine Sparpläne.

Ab dem nächsten Jahr will er aber kräftig sparen: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)

Ab dem nächsten Jahr will er aber kräftig sparen: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)

Bis spät in die Nacht haben die Haushälter um den Etat 2010 gerungen. Nun steht fest: Die Bundesregierung wird in diesem Jahr bis zu 80,2 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen. In der so genannten Bereinigungssitzung beschlossen die Parlamentarier im Haushaltsausschuss die einzelnen Etats für das kommende Jahr. Die Fraktionen berieten am Freitag über den Plan, Mitte März soll der Bundestag abstimmen.

Die Neuverschuldung fällt damit in diesem Jahr so hoch aus wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Sie liegt etwa doppelt so hoch wie 1996. Damals musste der CSU-Finanzminister Theo Waigel rund 40 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen. Insgesamt steigt die deutsche Verschuldung auf 1700 Milliarden Euro – etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung eines Jahres.

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Etat 2010: Überblick

Die Regierung will im kommenden Jahr 325,4 Milliarden Euro ausgeben, 7,3 Prozent mehr als 2009. Den Ausgaben müssen Einnahmen in gleicher Höhe gegenüberstehen. Der Bund nimmt 80,2 Milliarden Euro neuen Kredit auf.

Die Ausgabenquote (das Verhältnis der Ausgaben des Bundes zum Bruttoinlandprodukts BIP) steigt auf 13,3 Prozent von 12,9 Prozent 2009.

Die Kreditfinanzierungsquote (Anteil der Nettokreditaufnahme an den Gesamtausgaben) steigt auf 26,4 Prozent von 16,2 Prozent.

Die Maastricht-Defizitquote (Verhältnis der Neuverschuldung des Gesamtstaates zum BIP) steigt auf knapp sechs von 3,2 Prozent.

Der gesamtstaatliche Schuldenstand steigt auf 78 Prozent von 73 Prozent des BIP.

Ausgabenposten

Arbeit und Soziales: 146,8 Milliarden Euro; plus 14,8 Prozent im Vergleich zu 2009

Zinsen: 40,4 Milliarden Euro; minus 7,9 Prozent

Verteidigung: 31,1 Milliarden Euro; minus 0,1 Prozent

Verkehr/Bau: 26,4 Milliarden Euro; minus 1,2 Prozent

Gesundheit: 16,2 Milliarden Euro; plus 39, Prozent

Bildung/Forschung: 10,9 Milliarden Euro; plus 6,9 Prozent

Finanzministerium: 4,88 Milliarden Euro; plus 0,4 Prozent

Wirtschaftsministerium: 6,28 Milliarden Euro; plus 2 Prozent

Verbraucher/Agrar: 5,86 Prozent; plus 10,8 Prozent

Umweltministerium: 1,58 Milliarden Euro; plus 7,3 Prozent

Entwicklungshilfe: 5,88 Milliarden Euro; plus 1,2 Prozent

Familie: 6,6 Milliarden Euro; plus 2,7 Prozent

Auswärtiges Amt: 3,19 Milliarden Euro; plus 5,3 Prozent

Innenministerium: 5,59 Milliarden Euro; minus 5,5 Prozent

Justizministerium: 0,49 Milliarden Euro; minus 1,1 Prozent

Ausgaben für Investitionen: 28,7 Milliarden Euro; minus 12,5 Prozent

Einnahmen

Steuereinnahmen: 211,9 Milliarden Euro; minus 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Sonstige Einnahmen wie Privatisierungserlöse, Dividendeneinnahmen und Bundesbankgewinn: 27,7 Milliarden Euro; minus 8,2 Prozent

Nettokreditaufnahme: 85,8 Milliarden Euro; plus 74,7 Prozent

Allerdings fällt die Neuverschuldung etwas moderater aus als ursprünglich geplant. Der frühere SPD-Finanzminister Peer Steinbrück hatte für das Jahr 2010 noch mit einer Neuverschuldung von 85,8 Milliarden Euro kalkuliert.

Das geringe Defizit ist vor allem optimistischeren Annahmen geschuldet. Zuletzt hatte die Regierung ihre Wachstumsprognose von 1,2 auf 1,4 Prozent im Jahresdurchschnitt erhöht. Auch rechnet sie mit weniger Arbeitslosen – statt 4,1 sind es nur noch 3,7 Millionen. Dadurch fallen geringere Zuschüsse an die Bundesagentur für Arbeit an. Weil das Zinsniveau historisch niedrig ist, fallen auch die Zinslasten geringer aus als angenommen. Rund 500 Millionen Euro wurden bei Verwaltung und Personal eingespart. Unter anderem sollen 2600 Stellen wegfallen.

Die Opposition kritisierte den Beschluss heftig. Die geringere Verschuldung sei ohne wirkliche Sparanstrengungen erreicht worden. Die Regierung habe lediglich den Entwurf an aktuelle Wachstumsprognosen angepasst. "2010 ist ein verschenktes Jahr, da die Regierung keinen einzigen Sparvorschlag gemacht hat", sagte der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider. Dass die Regierung keine Sparpläne auf den Tisch gelegt habe, gleiche einem "finanzpolitischen Himmelfahrtskommando".

Der Haushaltsexperte der Grünen, Alexander Bonde, rechnete zudem vor, dass das eigentliche Defizit weit größer ist. Rechne man die Verschuldung- und Investitionsfonds sowie die Bankenrettung hinzu, komme man auf eine Neuverschuldung von rund 120 Milliarden Euro. Bonde warf Finanzminister Schäuble Versagen vor.

Auf die Vorlage einer neuen Finanzplanung bis 2013/14 hat die Koalition bisher verzichtet. Sie soll mit dem Etatentwurf für 2011 bis zur Sommerpause kommen. Spätestens dann muss Schäuble erklären, wie er die Schuldenbremse einhalten, das Maastricht-Defizit senken, weitere Milliarden-Steuersenkungen finanzieren und die angestrebte Einführung einer Kopfpauschale in der Gesetzlichen Krankenversicherung finanzieren will. Allein um die Schuldenbremse zu erfüllen, muss der Bund jährlich zehn Milliarden Euro sparen.

Finanzminister Schäuble hat für das kommende Jahr einen radikalen Sparkurs angekündigt, bislang aber über Details geschwiegen. Diese will die Regierung nach der nächsten Steuerschätzung im Mai verkünden. An diesem Freitag gehen die Etatwünsche der einzelnen Ministerien für das kommende Jahr im Finanzministerium ein. Bis Ende Juni muss die Regierung den Haushalt für das kommende Jahr 2011 aufstellen.

 
Leser-Kommentare
    • Chali
    • 05.03.2010 um 9:10 Uhr

    Würde man auf HartzIV verzichten, käme man rund und netto mit der Hälfte der Verschuldung aus!

    So einen Sozialstaat können wir uns freilich nicht mehr leisten, dass mun man doch einsehen!
    Wie viele Banken könnte man retten, wie viele schöne Panzer könnte man kaufen, in wie vielen Ländern die Bundeswehr stationieren, wenn es diese [...DamenHerren ... ]nicht gäbe!

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    • BerndL
    • 05.03.2010 um 13:36 Uhr

    könnte vielleicht noch ein paar mehr FDP-Kameraden in den Minsterien unterbringen.

    • BerndL
    • 05.03.2010 um 13:36 Uhr

    könnte vielleicht noch ein paar mehr FDP-Kameraden in den Minsterien unterbringen.

  1. ist bestimmt interessant durch welche Steuern und durch welche ganz genauen Ausgaben diese enormen Summen dieser enormen Volkswirtschaft zustandekommen. wow

    Gibts da noch genauere Zahlen?

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    • joG
    • 05.03.2010 um 12:41 Uhr

    ....als sie hätten sein dürfen, wenn man sich paritätisch an den Kosten der Finanzkrise beteiligte. Das tut man aber nicht und hofft über den Export an den Defiziten der Anderen Trittbrett fahrend (so wie jeder guter Schmarotzer) aus der Rezession zu kommen.

    • joG
    • 05.03.2010 um 12:41 Uhr

    ....als sie hätten sein dürfen, wenn man sich paritätisch an den Kosten der Finanzkrise beteiligte. Das tut man aber nicht und hofft über den Export an den Defiziten der Anderen Trittbrett fahrend (so wie jeder guter Schmarotzer) aus der Rezession zu kommen.

    • xtc
    • 05.03.2010 um 10:25 Uhr

    ... vor vielen hundert Tagen, da streifte ein Ritter mit Namen Guido der Sparsame durch die Täler und Auen Germaniens. Und er wurde nicht müde, ein Pamphlet,welches "FDP-Sparbuch" geheissen wurde, in jede sich bietende Kamera zu halten und laut tönend zu proklamieren ...
    Na! Also sowas! Reissen Sie sich zusammen! Sie wollen doch jetzt wohl nich einschlafen, oder?

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    "Mit ihrem ersten Haushalt verdoppelt die schwarz-gelbe Koalition die bisherige Negativmarke aus dem Jahr 1996 – zumal die jetzt beschlossene Neuverschuldung am Ende doch noch höher ausfallen könnte, wenn Belastungen aus dem Konjunkturpaket und dem Bankenrettungsfonds zu Buche schlagen." - Ritter Guido, der Gelbe, auf den Spuren Robin Hoods und Störtebekers, wird nicht müde werden dürfen und seiner Rosinante die Sporen geben müssen, jetzt durch sämtliche Banken zu streifen, in alle Ecken und Truhen zu sehen und mitzunehmen, was er vorfindet, um den Adler im Wappen nicht zur Möwe verkommen zu lassen. -

    "Mit ihrem ersten Haushalt verdoppelt die schwarz-gelbe Koalition die bisherige Negativmarke aus dem Jahr 1996 – zumal die jetzt beschlossene Neuverschuldung am Ende doch noch höher ausfallen könnte, wenn Belastungen aus dem Konjunkturpaket und dem Bankenrettungsfonds zu Buche schlagen." - Ritter Guido, der Gelbe, auf den Spuren Robin Hoods und Störtebekers, wird nicht müde werden dürfen und seiner Rosinante die Sporen geben müssen, jetzt durch sämtliche Banken zu streifen, in alle Ecken und Truhen zu sehen und mitzunehmen, was er vorfindet, um den Adler im Wappen nicht zur Möwe verkommen zu lassen. -

  2. Nun wird der Rekordhalter bei der Neuverschuldung, Theo Waigel, nochmals getoppt. Diesmal von Schäuble - beide gehören einer schwarzgelben Regierung an.

    Man kann es nur wieder sagen: Schwarzgelb konnte noch nie mit Geld umgehen.
    Mit Wehmut kann man da nur an Steinbrück zurückdenken der 2007 u. 2008 eine Neuverschuldungsquote von ca 0 % erreicht hat. Dies rechne ich übrigens ausdrücklich Steinbrück zu, nicht der SPD.

  3. In der grossen Finanz- und Wirtschaftskrise war das Wort "sparen" tabu. Im Gegenteil, es galt, durch Unterstützung der Banken, durch Konjunkturprogramme usw. das träge Rad der Wirtschaft in Schwung zu halten. Dafür haben sich der Staat und damit die Steuerzahler hoch verschuldet, d.h. den nachkommenden Generationen eine ungeheure Schuldenlast aufgebürdet. Und wie soll die Schuldenlast bewältigt werden, wenn man bis heute das Wort "Sparen" noch ausgesprochen werden durfte? Die Politik traut sich nicht, die von den Banken verursachten Kosten von diesen zurück zu fordern, obwohl diese wieder hohe Gewinne an ihre Kapitalgeber und ihr Management ausschütten. Die FDP will immer noch mit aller Gewalt Steuererleichterung für ihre Klientel.
    Diese Regierung hat es versäumt, das gesamte Volk zu gemeinsamen Anstrengungen aufzurufen, um die Krise zu überwinden und statt dessen Wohltaten und Belohnungen verteilt. Nachhaltiges Wirtschaften zu fördern - Fehlanzeige!
    Angesichts dieser Politik ist es nur konsequent, das Augenmerk auf die Transferleistungen unseres Sozialstaates zu lenken. Leistung muss halt sich _wieder_ lohnen, natürlich für die hohen Einkommen!

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    • Chali
    • 05.03.2010 um 11:22 Uhr

    Und Sparen fängt bei den Kleinen an, nicht wahr!

    Denen macht das ja auch nichts aus, was man ja schon daran sehen kann, dass sie sich nicht wehren!

    • Chali
    • 05.03.2010 um 11:22 Uhr

    Und Sparen fängt bei den Kleinen an, nicht wahr!

    Denen macht das ja auch nichts aus, was man ja schon daran sehen kann, dass sie sich nicht wehren!

    • Chali
    • 05.03.2010 um 11:22 Uhr

    Und Sparen fängt bei den Kleinen an, nicht wahr!

    Denen macht das ja auch nichts aus, was man ja schon daran sehen kann, dass sie sich nicht wehren!

  4. "Mit ihrem ersten Haushalt verdoppelt die schwarz-gelbe Koalition die bisherige Negativmarke aus dem Jahr 1996 – zumal die jetzt beschlossene Neuverschuldung am Ende doch noch höher ausfallen könnte, wenn Belastungen aus dem Konjunkturpaket und dem Bankenrettungsfonds zu Buche schlagen." - Ritter Guido, der Gelbe, auf den Spuren Robin Hoods und Störtebekers, wird nicht müde werden dürfen und seiner Rosinante die Sporen geben müssen, jetzt durch sämtliche Banken zu streifen, in alle Ecken und Truhen zu sehen und mitzunehmen, was er vorfindet, um den Adler im Wappen nicht zur Möwe verkommen zu lassen. -

    Antwort auf "Es war einmal"
  5. Schulden machen wie unter Kohl und nächstes Jahr,wer weiss
    ob Schwarzgelb noch an der Macht ist und der Euro stark?
    Die Hälfte wurde verschwiegen mit den Banken,die Deutsche
    Bank schon heruntergestuft,da kann noch viel kommen,auch
    ein Nachtragshaushalt und sollte noch eine Blase platzen
    irgendwo auf der Welt ist sowieso Schluss,denn die ganze
    Weltwirtschaft ist nur auf Pump aufgebaut,die kleinen
    Leute bringt man um ihre Ersparnisse,aber vielleicht ja
    gewollt von der Politik!

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