Amt-Debatte Köhler nennt neuen Schwerpunkt

Von Bundespräsident Köhler war in den jüngsten Debatten um Afghanistan, Hartz IV und Euro wenig zu hören. Nun benennt er seinen neuen Schwerpunkt: die Demokratie.

In den vergangenen Tagen war Kritik laut geworden an Horst Köhler, nun versucht der Bundespräsident ein Thema zu setzen. Er will sich verstärkt für eine lebendigere Demokratie einsetzen. "Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands ist, die Erhaltung und Verbesserung der Vitalität unserer Demokratie immer wieder zum Thema zu machen und sensibel für sich ändernde Rahmenbedingungen zu sein", sagte Köhler bei der Ernennung des neuen Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle. "Ich habe mir dies als einen Schwerpunkt meiner zweiten Amtszeit vorgenommen."

Köhler war in den vergangenen Wochen vorgeworfen worden, sich zu wenig in die aktuellen Debatten etwa über die Finanzkrise oder den Umbau des Sozialstaats einzuschalten. "Immer wenn ich am Schloss Bellevue vorbeikomme, dem Amtssitz, und sehe, dass oben die Fahne weht, weiß ich, er ist in Deutschland, der Bundespräsident. Und dann frage ich mich jedes Mal: Aber wo mag er sein in Deutschland?", schimpfte die grüne Fraktionschefin Renate Künast.

Anzeige

Auch die Medien hatten das Staatsoberhaupt ins Visier genommen. "Wo ist eigentlich Super-Horst?" fragte die Bild-Zeitung, Spiegel Online schob nach: "Für das Profil eines Präsidenten ist es immer eine Gefahr, wenn sich seine Amtsführung im Wesentlichen in protokollarischen Ereignissen erschöpft."

Den scheidenden Präsidenten des höchsten deutschen Gerichts, Hans-Jürgen Papier, würdigte der Bundespräsident als leidenschaftlichen Verfassungsrichter mit hervorragenden Qualitäten. "Als Präsident haben Sie immer wieder das Thema des Zusammenhalts unserer Gesellschaft aufgegriffen." Papier habe dem Gericht "Gesicht und Stimme gegeben, beides unverwechselbar und mit Erfolg", sagte Köhler. "Sie haben das hohe Ansehen des Bundesverfassungsgerichts gemehrt." Köhler zeichnete Papier, der nach zwölf Jahren an dem Gericht aus dem Amt schied, mit dem höchsten deutschen Orden aus, dem Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Journalisten müssen, oft am Stift kauend, sofort zu einem Thema etwas aus sich herauspressen, obwohl gar nicht so viele Fakten vorliegen.

    Der Bundespräsident kann warten, bis sich der ganze Medienhype wieder gelegt hat. Er ist nicht verpflichtet, wöchentlich zu predigen wie ein Pastor.

    Im übrigen habe ich den Eindruck, dass manche Medien nur auf Schlagzeilen spekulieren, denn gleichgültig, was der Bundespräsident nun sagen wird, immer wird es "Gründe" geben, dann mit großem Vergnügen auf ihn einzudreschen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mcbb
    • 16.03.2010 um 19:47 Uhr

    @Kilian Salzer, und wo ist jetzt das Problem?

    • mcbb
    • 16.03.2010 um 19:47 Uhr

    @Kilian Salzer, und wo ist jetzt das Problem?

  2. ...sollte sich in der Tat stärker in die Debatten einschalten. Das hat er doch sonst so gern gemacht, allerdings zu Unzeiten.

    Nicht umsonst wird er schon als Bundeshorst verunglimpft, das hat er sich selbst zuzuschreiben.

  3. "Ich habe mir dies als einen Schwerpunkt meiner zweiten Amtszeit vorgenommen." - Er ist nicht neu in seinem Amt; die zweite Amtszeit läuft auch schon einige Zeit. - Und dies ist nur eine Absichtserklärung; wenigstens so, wie es geschildert wird. Ob es nun weniger Gesetze geben wird, deren Inhalte verfassungswidrig sind?

  4. 4. Toll !

    Dass sich der Bundespräsident nach 6 Jahren Amtszeit nun der Demokratie annehmen will finde ich, toll! Dass er sich dabei übernehmen wird ist nicht zu erwarten, da seine bisherige Leistungsbilanz als Bundespräsident, aber auch als Direktor des IWF, zu wünschen übrig lässt.

  5. meldet sich zu Wort?
    Jo, mai, ist denn scho wieder Weihnachten?
    Habe seine letzte Rede noch in Bearbeitung!

    • mcbb
    • 16.03.2010 um 19:37 Uhr

    Herr Köhler will sich verstärkt für eine lebendigere Demokratie einsetzen. So-so! Wie meint er das und wie will er das machen?
    Dieses Politikergeschwätz ist nicht mehr zu ertragen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Immerhin hat sich diese Null im Amt nach sechs Jahren Nachdenken überhaupt einmal entschlossen, ein Thema zu wählen. Wenn er dann aus dem Amt sein wird, wird er uns verkünden, was er zum Thema zu sagen gehabt hätte.

    Immerhin hat sich diese Null im Amt nach sechs Jahren Nachdenken überhaupt einmal entschlossen, ein Thema zu wählen. Wenn er dann aus dem Amt sein wird, wird er uns verkünden, was er zum Thema zu sagen gehabt hätte.

    • mcbb
    • 16.03.2010 um 19:47 Uhr

    @Kilian Salzer, und wo ist jetzt das Problem?

  6. Herr Köhler hat noch jedes offenkundig verfassungswidrige Gesetz, das hernach vom Verfassungsgericht kassiert wurde, unterzeichnet.

    Offenbar hat jeder Parlamentarier der Linken mehr Sinn für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung als das Staatsoberhaupt.

    Und dieser Herr Köhler glaubt nun die Autorität zu haben, sich glaubwürdig für die Stärkung der Demokratie einzusetzen?
    Ausgerechnet!

    Hat er sich überhaupt schon für seine Fehler entschuldigt, oder wenigstens davon distanziert?

    Wenn das so weitergeht auf Deutschlands Weg zur Bananenrepublik, wird demnächst wohl Schäuble Verfassungsminister -- halt, das war er ja schon...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service