Der Bundestag hat den FDP-Politiker Hellmut Königshaus zum neuen Wehrbeauftragten gewählt. Der 59-jährige Jurist erhielt am Donnerstag 64,8 Prozent der abgegebenen Stimmen und löst damit im Mai den SPD-Politiker Reinhold Robbe ab. Der Posten des Wehrbeauftragten war den Liberalen in den Koalitionsverhandlungen im vergangenen Jahr von der Union zugestanden worden. Robbe hatte auf eine Gegenkandidatur verzichtet, obwohl er auch in der CDU Fürsprecher hatte.

Königshaus forderte kurz vor seiner Wahl eine rasche Beseitigung der schweren Mängel im Sanitätsdienst der Bundeswehr. Die Probleme müssten "unverzüglich angegangen werden", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Robbe hatte in seinem letzten Jahresbericht beklagt, dass rund 600 Ärzte fehlten.

Ausdrücklich hob Königshaus die Verantwortung des Bundestags für die Bundeswehr hervor. "Ich glaube es gibt auf der ganzen Welt kein Land, in dem die Streitkräfte so sehr nach den Vorgaben des Parlaments arbeiten." Im ZDF-Morgenmagazin forderte der FDP-Politiker mehr Interesse für die Streitkräfte. "Die Soldaten müssen das Gefühl haben, dass ihre Opfer und Belastungen Anerkennung finden."

Die erste Wahl für das Amt des Wehrbeauftragten war Hellmut Königshaus nicht. Als Favoritin für den Posten galt lange Zeit seine FDP-Fraktionskollegin Elke Hoff. Erst als die absagte, kam der 59-jährige Jurist ins Gespräch.

Die Ausgangslage für Königshaus ist nicht ganz einfach. In der Bundeswehr ist er weitgehend unbekannt, und dem Verteidigungsausschuss gehört er erst seit vier Monaten an. Allerdings kann der FDP-Politiker im Gegensatz zum scheidenden Wehrbeauftragten Reinhold Robbe (SPD) auf eigene Erfahrungen als Soldat verweisen. Bei der Bundeswehr war er zwischen 1970 und 1972 als Wehrdienstleistender und Zeitsoldat. Er war Personaloffizier bei der Luftwaffe und hat den Dienstgrad eines Oberleutnants der Reserve.

Sicherheitspolitische Erfahrungen sammelte Königshaus in der letzten Legislaturperiode als Mitglied der Nato-Parlamentarierversammlung und Leiter der Fraktionsarbeitsgruppe zu Afghanistan. Ein eingefleischter Verteidigungspolitiker ist er dennoch nicht. Einen Namen machte der Berliner sich vor allem als Mitglied dreier Untersuchungsausschüsse: Er saß im Visa-Ausschuss, im BND-Ausschuss und ist jetzt Chefaufklärer der Liberalen bei der Untersuchung des Bombardements bei Kundus in Afghanistan.

Der Wehrbeauftragte gilt als Anwalt der Soldaten und Hilfsorgan des Parlaments bei der Kontrolle der Streitkräfte. Er kann etwa bei Hinweisen auf Verletzung der Grundrechte von Soldaten oder Fehlverhalten von Führungskräften tätig werden. Jeder Soldat kann sich mit Beschwerden oder Informationen an den Wehrbeauftragten wenden. Einmal im Jahr fasst der Wehrbeauftragte seine Tätigkeit in einem Bericht zusammen.