Stasi-Vorwürfe Lötzsch nimmt ihren Ehemann in Schutz

Der Ehemann der designierten Linken-Chefin Gesine Lötzsch war Stasi-IM. Doch weder sie selbst noch die Parteioberen zweifeln an ihrer Vorstandskandidatur.

Die Birthler-Behörde hat keine Hinweise auf eine frühere Stasi-Mitarbeit der Ost-Berliner Linken-Bundestagsabgeordneten Gesine Lötzsch, die von Mai an eine der beiden Vorsitzenden ihrer Partei werden soll. Zwei Monate vor dem Parteitag in Rostock, auf dem Lötzsch zusammen mit dem bayerischen Gewerkschafter Klaus Ernst für die Spitze kandidiert, skandalisierte die Welt dennoch ein Stasi-Problem der Politikerin. Sie zitierte aus Akten, nach denen sich Lötzschs Ehemann Ronald 1962 unter dem Decknamen IM Heinz zur konspirativen Zusammenarbeit mit dem DDR-Geheimdienst verpflichtet habe. Nach Angaben der Zeitung endete die Stasi-Tätigkeit des heute 78-Jährigen Mitte der achtziger Jahre.

Die Stasi-Unterlagenbehörde bestätigte am Dienstag die Existenz einer IM-Akte. Demnach hatte sich Ronald Lötzsch in einer handschriftlichen Erklärung vom 29. März 1962 verpflichtet, durch die Mitarbeit beim MfS einen Beitrag zum Aufbau des Sozialismus zu leisten. Er verpflichtete sich, über die Stasi-Zusammenarbeit "mit keiner Person auch nur andeutungsweise" zu sprechen. Geheiratet haben die beiden erst 1987 – da war die Zusammenarbeit ihres Mannes mit der DDR-Staatssicherheit beendet. Der Leipziger Schriftsteller Erich Loest, der 1957 gemeinsam mit Ronald Lötzsch verhaftet worden war, zeigte sich nach Angaben der Welt geschockt. Er sagte dem Blatt: "Der auch? Davon wusste ich nichts. Das ist ja ekelhaft."

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"Der auch? Davon wusste ich nichts. Das ist ja ekelhaft."

Der Leipziger Schriftsteller Erich Loest

Gesine Lötzsch hatte bereits am Montagabend mit einer Erklärung auf die Veröffentlichung reagiert. Darin erinnerte sie daran, dass ihr Mann 1957 wegen angeblicher Beihilfe zum Staatsverrat zur Haft im Stasi-Gefängnis Bautzen II verurteilt wurde und dort drei Jahre inhaftiert war. Akten über ihren Ehemann würden weder ihm noch ihr selbst vorliegen. Kritik an ihrem Mann übte die stellvertretende Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion nicht: "Ich habe nichts, was ich bisher über meinen Ehemann gesagt habe, zurückzunehmen. Jedem Versuch, das Schicksal meines Mannes für durchsichtige Kampagnen zu missbrauchen, werde ich entgegentreten." Erst vor einiger Zeit hatte Lötzsch in einem Interview mit der Super-Illu ihren Mann als "eine große Stütze im Leben" bezeichnet.

Die 48-jährige Lötzsch will keine Fragen zum Sachverhalt beantworten – auch nicht die, ob und gegebenenfalls seit wann sie von der jetzigen Veröffentlichung wusste, dass ihr Mann sich 1962 für die Stasi verpflichtet und jahrelang mit dem DDR-Geheimdienst kooperiert hatte. Dem Tagesspiegel sagte sie: "Ich bin Politikerin. Mein Mann ist Privatmann. Deshalb sage ich nichts dazu." Berichten, wonach ihr Mann ein Opfer des SED-Regimes gewesen sei, hatte sie in der Vergangenheit nicht widersprochen.

Politiker der Linken reagierten empört auf die Veröffentlichung. In der Partei ist die Rede von einer "üblen und aberwitzigen Kampagne". Der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan Korte aus Sachen-Anhalt sagte dem Tagesspiegel: "Es gibt nun wirklich keine Sippenhaft. Was hat das mit Gesine Lötzsch zu tun?" Lötzsch designierter Ko-Chef Ernst rief in der Leipziger Volkszeitung zur Besonnenheit auf: Frau Lötzsch und nicht ihr Mann wolle eine Spitzenposition in der Politik übernehmen, sagte er. Er kritisierte, dass die Stasi-Verstrickung ihres Mannes jetzt zum öffentlichen Thema gemacht werde. "Ich halte es eher für einen etwas merkwürdigen Vorgang, dass man jetzt in der Vergangenheit und im Umfeld von der Politikerin kramt, ob es da nicht noch einen gibt, der irgendwann – was weiß ich, ich überziehe jetzt – einen Schäferhund hat, der einen Mauerflüchtling gebissen hat."

In dem Blog Lafontaines Linke, der sich mit der Linkspartei befasst, zitierte der Journalist Tom Strohschneider aus einer Rede, die der sächsische Stasi-Landesbeauftragte Michael Beleites 2008 zur Rolle der Stasi-IM gehalten hatte. Demnach habe sich das MfS meist solche Menschen ausgesucht, "die eine gewisse Distanz zum politischen System erkennen ließen". Oft seien diese "mehr oder weniger stark genötigt, oft auch richtiggehend erpresst und getäuscht worden, um einer Zusammenarbeit mit der Stasi zuzustimmen". Zu untersuchen, ob das auch auf den Fall Lötzsch zutreffe, wäre "mal eine interessante Perspektive" gewesen, so Strohschneider. Eine solche Geschichte aber sei "nur mit der Fähigkeit zur differenzierten Betrachtung zu erzählen".
 

 
Leser-Kommentare
    • sudek
    • 16.03.2010 um 20:22 Uhr
    1. ja und

    Kiesinger war Nazi und Globke usw.usw.

    Aber was hat das mit Frau Lötzsch zu tun? Nichts!!!

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    Die CDU CSU war nach dem 2. Weltkrieg ein Sammelbecken übelster nationalsozialistischer
    Gestalten. Wie viele NS Ärzte und Juristen mit verbrecherischer Nazivergangenheit waren wohl Mitglied der CDU / CSU? Wenn man an einen vollkommen bigotten Kernnazi wie den Filbinger denkt, Marinerichter mit Bluturteilen noch nach der Kapitulation und dann CDU Ministerpräsident. Dem hätte ich nicht meine Hand gegeben, da ich mich ansonsten besudelt gefühlt hätte.

    Wenn man die Linke ständig mittels der IM – Verdächtigungen als direkte Nachfolgerin der SED diskreditieren will, dann kann man auch die CDU mit Hinweis auf ihre ehemals zahlreiche Nazimitgliedschaft als direkte Nachfolgepartei der NSDAP diskreditieren.

    • Harzer
    • 17.03.2010 um 12:03 Uhr

    fallen mir da auch noch ein.
    Wehner und Ernst Reuter waren ehemalige Kommunisten.
    Vielleicht sollte man gerechterweise auch alle Politiker einmal auflisten, deren Ehepartner, Eltern, Geschwister, Onkel oder Tanten alte Nazis oder alte Kummunisten waren ?!

    Die CDU CSU war nach dem 2. Weltkrieg ein Sammelbecken übelster nationalsozialistischer
    Gestalten. Wie viele NS Ärzte und Juristen mit verbrecherischer Nazivergangenheit waren wohl Mitglied der CDU / CSU? Wenn man an einen vollkommen bigotten Kernnazi wie den Filbinger denkt, Marinerichter mit Bluturteilen noch nach der Kapitulation und dann CDU Ministerpräsident. Dem hätte ich nicht meine Hand gegeben, da ich mich ansonsten besudelt gefühlt hätte.

    Wenn man die Linke ständig mittels der IM – Verdächtigungen als direkte Nachfolgerin der SED diskreditieren will, dann kann man auch die CDU mit Hinweis auf ihre ehemals zahlreiche Nazimitgliedschaft als direkte Nachfolgepartei der NSDAP diskreditieren.

    • Harzer
    • 17.03.2010 um 12:03 Uhr

    fallen mir da auch noch ein.
    Wehner und Ernst Reuter waren ehemalige Kommunisten.
    Vielleicht sollte man gerechterweise auch alle Politiker einmal auflisten, deren Ehepartner, Eltern, Geschwister, Onkel oder Tanten alte Nazis oder alte Kummunisten waren ?!

  1. Sind Sie für die Einführung der Sippenhaft, seit Anbeginn der Menschheit oder wie soll ich diesen Artikel verstehen?

    Es ist langsam ermüdend. Vor jeder, wie auch immer Wahl, wird ein stocksteifes Stasikarnickel aus dem Hut gezerrt.

    • Umrath
    • 16.03.2010 um 23:02 Uhr

    Nach inzwischen mehr als 30 Jahren werden immer noch derart angestaubt Dinger herausgekramt, unglaublich.

    Wenn man sich dann mal überlegt, dass ein Herr Kiesinger, ein strammes NSDAP-Mitglied, gerade mal 13 Jahre nach Ende der Naziherrschaft Ministerpräsident werden konnte und weitere 8 Jahre später sogar Kanzler, dann wirkt das ganze nur noch absurd.

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    "Nach inzwischen mehr als 30 Jahren werden immer noch derart angestaubt Dinger herausgekramt, unglaublich."

    Mit diesem Argument könnte es sich auch die kath. Kirche ersparen, sich mit den meisten Missbrauchsfällen in ihren Einrichtungen auseinanderzusetzen.

    Und ... Hartmut von Hentig oder Gesine Lötzsch, wenn es privat wird, scheinen übliche Beurteilungskriterien schwierig zu werden

    Insgesamt scheinen mir aber Positionen wie die von Sarah Wagenknecht für die politische und moralische Beurteilung der Linken wesentlicher, als ein solcher Fall.

    "Nach inzwischen mehr als 30 Jahren werden immer noch derart angestaubt Dinger herausgekramt, unglaublich."

    Mit diesem Argument könnte es sich auch die kath. Kirche ersparen, sich mit den meisten Missbrauchsfällen in ihren Einrichtungen auseinanderzusetzen.

    Und ... Hartmut von Hentig oder Gesine Lötzsch, wenn es privat wird, scheinen übliche Beurteilungskriterien schwierig zu werden

    Insgesamt scheinen mir aber Positionen wie die von Sarah Wagenknecht für die politische und moralische Beurteilung der Linken wesentlicher, als ein solcher Fall.

  2. Das war ja wieder mal typisch, Anti-Linkspartei-Bashing..
    Die Zeit sieht sich eben in der Verantwortung, die Grünen und die CDU bundesweit schmackhaft zu machen..
    Genau wegen dieser Artikel hab ich bereits mein Abo abbestellt und rate jedem, es gleich zu tun.

  3. 1. Gleicht der eine IM nicht dem anderen IM. Das sit als würde ich alle Katholiken für Pädphile halten, oder alle FDP-Politiker für ignorante...nagut, bei den FDP Politikern darf man gerne pauschalisieren. Aber dennoch ist es fatal ie bloße Akte als Grund für anfeindungen und Denunzination zu nehmen. Der eine IM hat vielleicht Tote verschuldet, hat Familien auseinander gebracht. Der andere hat vermutlich nichts schlimmeres verübt als heute Facebook und Google es völlig legal tun. Ich finde es daher skandalös mit welcher unreflektiertheit diese IM-Sache immer wieder aufgerollt, wird und das nach den vielen Jahren. Während schwere Straftaten schon längst verjährt wären, ist das böse Kürzel IM immernoch Mittel, dem polit. Gegner zu schaden. Es muss immer die INdividuelle Biographie eines Menschen angesheen werden, und wenn wir ehrlich sind, müssten wir dann so manchen Politiker abschießen, angefangen bei Schäuble.

    2. Geht es hier um ihren Mann. nicht um Sie. Sind wir jetzt neuerding in der BILD zeitung? Müssen wir Lügen, Intrigen, Klatsch und Tratsch verbreiten? Müssen wir die Verwandte und Freunde einer Person heranziehen um ihr zu schaden? Wollen wir wirklich derartiges tun? Und wenn ihr mann verurteilter Mörder wäre, sollte das in einer Demokratie keine rolle spielen. Sie hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Das zählt!

  4. daß solch eine IM-Tätigkkeit mit diesem Hintergrund auf freiwilliger Basis stattgefunden hat. Hier kann sich jeder Leser mal selbst befragen ob er nach Jahren eingekerkert im berüchtigsten Zuchthaus eines Staats gerne von sich aus für diesen Staat den freiwilligen Zuträger spielen würde. - Oder ob die Basis eher so aussehen würde: "Unterschreib' mal hier und berichte uns regelmässig. Falls nicht biste ganz schnell wieder daheim in Bautzen."

    Auch von der andern Seite betrachtet ist das "Vertrauen" in die Infomationen eines Mannes, den man zuvor Jahre malträtiert hat wohl nur zu rechtfertigen, wenn man mit Druck eine "vertrauensvolle" Zusammenarbeit erzwingen kann.

  5. Eine Politikerin fuer die Vergangenheit ihres Ehemannes verantwortlich machen zu wollen, ist schon ein starkes Stueck. Die Politik verkommt immer mehr zur Seifenoper, und die Gartenbauplaene und Roeckchen einer Miss Obama oder aber die IM-Akte des Gatten werden dann ebenso newsworthy wie Obamas Politik oder die Ansichten der Politikerin, die zur Wahl steht.

    Das hat fuer die IM Geschichte einen ueblen Beigeschmack: je nach Blatt wird skandalisiert oder banalisiert, zu einer aufrichtigen, ehrlichen und ernstgemeinten Auseinandersetzung mit einem keineswegs verjaehrtem Thema kommt es dabei nicht. Die brauchen wir aber. Dringend.

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    Das Thema ist längst verjährt. Wie kann Kindesmissbrauch shcon verjährt sein und das nicht? Absolution für Geistliche und Bashing für Linke? Was ist das für eine Gesellschaft?

    Das Thema ist längst verjährt. Wie kann Kindesmissbrauch shcon verjährt sein und das nicht? Absolution für Geistliche und Bashing für Linke? Was ist das für eine Gesellschaft?

  6. Es ist schon erstaunlich dass 20 jahre nach mauerfall, todesopfern an der mauer, politischen gefangenen im stasiknast in der ddr , unterdreuckung andersdenkender und systemgegner durch stasi diese kloake ueberall wieder drin haengt ja fast macht hat und irgendwie mitregiert und sich wie immer kaum erinnern kann. der film "die Grenze"- moeglich dank fehlender aufarbeitung des ddr unrechts eine gefaehrliche manipulation in richtung stasimachtuebernahme deren verharmlosung und Deutschlandzerfall - da werden bewusst Ideen gegeben und in richtung angst und Terror manipuliert. BKA und verfassungschutz muss ermittlen und alles was grundgesetzfeindlich ist egal von welchem Rand- verboten werden (stasi damals schuetzte terroristen). Entstasifizierung und entnazifizierung JETZT

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    Sie wissen schon, dass der Mann von Lötzsch selbst politischer Gefangener war? Aber was sage ich ihnen schon, sie wissen aj eh alles besser. Wozu nachdenken, steht doch alles in der Bild-Zeitung

    Was soll die Überschrift zu ihrem Kommentar bedeuten? Bezeichnen Sie Frau Loetzsch als 'Stasimaus' und wenn ja - auf welcher Grundlage und mit welchem Ziel?

    Sie wissen schon, dass der Mann von Lötzsch selbst politischer Gefangener war? Aber was sage ich ihnen schon, sie wissen aj eh alles besser. Wozu nachdenken, steht doch alles in der Bild-Zeitung

    Was soll die Überschrift zu ihrem Kommentar bedeuten? Bezeichnen Sie Frau Loetzsch als 'Stasimaus' und wenn ja - auf welcher Grundlage und mit welchem Ziel?

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