Demoskopie Wir nüchternen, ängstlichen Deutschen

Die Kanzlerin hat eine Allensbach-Studie vorgestellt, die zeigt: Die Deutschen schauen skeptisch in die Zukunft. Und pessimistischer als vor zehn Jahren.

Angela Merkel zu Besuch bei den Meinungsforschern vom Allensbacher Institut

Angela Merkel zu Besuch bei den Meinungsforschern vom Allensbacher Institut

2002 liegt acht Jahre zurück. Eine kleine Ewigkeit, wenn man bedenkt, was sich seither alles verändert hat: Hartz IV gab es damals noch nicht und auch nicht die Linkspartei. Die Wörter googlen und simsen standen noch nicht im Duden. Handys waren noch keine kleinen Computer. Die Grünen waren noch fester Teil des linken Lagers. Die CDU propagierte die Hausfrauen-Ehe. Man konnte in Cafés und Kneipen noch rauchen.

Nicht nur die Welt, auch die Mentalität der Deutschen hat sich seither in vielerlei Hinsicht gewandelt. Dies zeigt auf über 900 Seiten eine neue Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach. Sie trägt den Titel Die Berliner Republik. Das Spektrum ist breit gefächert (von A wie Abfall bis Z wie Zweiter Weltkrieg). Untersucht wird der Zeitraum von 2003 bis 2009, viele Daten werden mit Vorgängerstudien verglichen, die erste erschien 1955. So lassen sich auch Langzeittrends erkennen.

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Gerade im letzten Jahrzehnt gab es einige "spannende und dramatische" Brüche und Meinungsverschiebungen, wie Renate Köcher, die Institutsleiterin zusammenfasst. Das zeigt sich allein schon daran, dass die befragte Mehrheit sich zu Beginn der Nuller-Jahre eine Frau aus dem Osten als Kanzlerin noch nicht vorstellen konnte.

Ganz allgemein sind die Deutschen, ausweislich der Befragung, pragmatischer und zugleich skeptischer geworden. Jahrzehntelang waren sie bekannt als Nation, die eine starke Neigung zur weltanschaulichen, ideologischen Debatte hatte. Inzwischen empfinden es 62 Prozent der Befragten wichtiger, dass Politiker "rasche praktische Lösungen" finden, als dass sie sich in ihrer Entscheidungsfindung von "Prinzipien" leiten lassen. Anfang der neunziger Jahre, als die Erinnerung an den Eisernen Vorhang und die in seinem Schatten geführten Grundsatzdebatten noch akut war, war das Verhältnis nahezu umgekehrt (siehe Abbildung 1).

Mit ihrer jüngeren Vergangenheit sind die Deutschen zwar zufrieden. Noch nie fühlten sie sich so beliebt im Ausland wie heute (56 Prozent, 1997 waren es nur 39 Prozent). Das mag auch mit der positiv wahrgenommenen WM 2006 zusammenhängen. Der Blick in die Zukunft ist indes trüber denn je: Mehrheitlich herrscht nach der Allensbach-Untersuchung das Gefühl vor, dass die Bundesrepublik ihren Zenit überschritten hat. Offensichtlich haben die meisten Befragten die Reform- und Krisendiskussionen inzwischen verinnerlicht und sehen angesichts des überschuldeten Staatshaushalts und schrumpfender Verteilungsspielräume kaum hoffnungsvolle Perspektiven (Abbildung 2).

Angela Merkel ist anzumerken, dass sie am Vorabend in der Studie "geschmökert" hat, wie sie bei der Präsentation im Hotel Adlon erzählt. Allensbach gilt seit Jahrzehnten als Hausinstitut der CDU, die Leiterin Renate Köcher ist eine wichtige Beraterin der Kanzlerin.

Man weiß auch von Merkel, der Naturwissenschaftlerin, dass sie derlei Zahlen und Statistiken mag. Lässig verwendet sie Fachbegriffe ("Deltakurve") und verweist mit exakter Seitenangabe ("empfehle Ihnen Seite 66") auf mehrere Erhebungen, die ihr Interesse geweckt haben.

Leser-Kommentare
  1. ...sind noch immer die Journalisten!

    • lepkeb
    • 03.03.2010 um 19:56 Uhr

    als man es es sich gedacht hat, wenn dies wirklich ein ihrer Aussagen ist. "Die Geschichte habe gezeigt, dass die meisten wichtigen Entscheidungen zunächst "gegen die Mehrheit" durchgeboxt werden mussten, etwa die Ost-Erweiterung oder die Einführung des Euros. "
    Beides Entscheidungen die den Deutschen jetzt auf die Füße fallen, aber vielleicht hat sie das im Palast der Republik aka Bundeskanzleramt noch nicht mitbekommen.

    "Atemberaubend" sei diese Annäherung im kollektiven Ungerechtigkeitsempfinden, klagt Merkel.
    Ja Frau Merkel da kommen Geister hoch die Sie und ihres Gleichen gerufen haben, und das wird sich nach NRW erst so richtig manifestieren, wahrscheinlich auch in sozialen Unruhen.
    Aber es hat auch sein gutes als Kanzlerin des Niedergangs Deutschlands einzugehen. Zum Glück haben sie keine Kinder die das ausbaden müssen.

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    • ADoria
    • 03.03.2010 um 20:21 Uhr

    Die Armada gegen England zu schicken, war eine wichtige Entscheidung. Wellington bei Waterloo anzugreifen, war eine wichtige Entscheidung. Das Atomkraftwerk in der 'Ukraine über den Zeitpunkt einer notwendigen Abschaltung hinaus zu betreiben, war eine wichtige Entscheidung. Adenauers soziale Beglückungsorgien, waren wichtige Entscheidungen. Einen Bruder Tunichtgut zum Vizekanzler zu machen, war eine wichtige Entscheidung. Bärtige Sandalenträger mit Kalaschnikows im Krieg gegen die Sowjets zu unterstützen, war eine wichtige Entscheidung. Die Titanic auf nördlichster Route durch den Atlantik zu schicken, war eine wichtige Entscheidung.
    Ich höre jetzt einmal auf.

    • ADoria
    • 03.03.2010 um 20:21 Uhr

    Die Armada gegen England zu schicken, war eine wichtige Entscheidung. Wellington bei Waterloo anzugreifen, war eine wichtige Entscheidung. Das Atomkraftwerk in der 'Ukraine über den Zeitpunkt einer notwendigen Abschaltung hinaus zu betreiben, war eine wichtige Entscheidung. Adenauers soziale Beglückungsorgien, waren wichtige Entscheidungen. Einen Bruder Tunichtgut zum Vizekanzler zu machen, war eine wichtige Entscheidung. Bärtige Sandalenträger mit Kalaschnikows im Krieg gegen die Sowjets zu unterstützen, war eine wichtige Entscheidung. Die Titanic auf nördlichster Route durch den Atlantik zu schicken, war eine wichtige Entscheidung.
    Ich höre jetzt einmal auf.

    • ADoria
    • 03.03.2010 um 20:21 Uhr

    Die Armada gegen England zu schicken, war eine wichtige Entscheidung. Wellington bei Waterloo anzugreifen, war eine wichtige Entscheidung. Das Atomkraftwerk in der 'Ukraine über den Zeitpunkt einer notwendigen Abschaltung hinaus zu betreiben, war eine wichtige Entscheidung. Adenauers soziale Beglückungsorgien, waren wichtige Entscheidungen. Einen Bruder Tunichtgut zum Vizekanzler zu machen, war eine wichtige Entscheidung. Bärtige Sandalenträger mit Kalaschnikows im Krieg gegen die Sowjets zu unterstützen, war eine wichtige Entscheidung. Die Titanic auf nördlichster Route durch den Atlantik zu schicken, war eine wichtige Entscheidung.
    Ich höre jetzt einmal auf.

    • ilouis
    • 03.03.2010 um 20:38 Uhr

    sie schaut aber auch nicht sehr beglückt aus. und, richtig, kinder hat sie auch nicht, dies ausbaden müssen.

  2. Wegen einem Bienenstich oder 6 Maultaschen gekündigt werden zu können, du dann nach einem jahr durch das Harz 4 Netz fällst und dann deine Rentenersparnisse aufbrauchen musst, oder alternativ für 4€ die Stunde deine Familie durchbringen musst, sind nicht unbedingt Bedingungen um positiv in die Zukunft zu schauen.
    Wenn man dann auch noch sieht wie selbst hochqualifizierte Arbeitsplätze eifrig ins Ausland verlagert werden, dann möchte ich auch gerne Banker sein, oder ein Herr Middelhoff, mal richtig Sch.... bauen und mit einem goldenen Handschlag in den Vorruhestand gehen.
    Tja, wie das nur sein kann, dass so viele Deutsche ein komisches Gefühl bei der sozialen Gerechtigkeit haben?
    Angela, Deutschland kann es besser!

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    "sie hätten wohl mit einer 8/9-Mehrheit eine Grundgesetzveränderung beschlossen, um die Einführung einer solchen geistig-moralischen Zerstörugsmachinerie für die Zukunft zu verbieten und für eine evtl. Abschaffung dieses Grundgesetzartikels eine 8/9 Mehrheit vorgeschrieben."
    Um die in der Studie belegten, sozialen Verwerfungen zu Gunsten der Reichen und zu Lasten der Armen in aller Ruhe gestalten zu koennen, war das Privatfersehen zwingend erforderlich. Brot und Spiele- das war das Rezept im alten Rom, funktioniert aber auch heute noch. Das Prekariatsfernsehen war also mitnichten eine Entscheidung ohne Kenntnis der Auswirkugen auf die geistige Entwicklung der Zielgruppe, sondern ein bewuster Schachzug.

    "sie hätten wohl mit einer 8/9-Mehrheit eine Grundgesetzveränderung beschlossen, um die Einführung einer solchen geistig-moralischen Zerstörugsmachinerie für die Zukunft zu verbieten und für eine evtl. Abschaffung dieses Grundgesetzartikels eine 8/9 Mehrheit vorgeschrieben."
    Um die in der Studie belegten, sozialen Verwerfungen zu Gunsten der Reichen und zu Lasten der Armen in aller Ruhe gestalten zu koennen, war das Privatfersehen zwingend erforderlich. Brot und Spiele- das war das Rezept im alten Rom, funktioniert aber auch heute noch. Das Prekariatsfernsehen war also mitnichten eine Entscheidung ohne Kenntnis der Auswirkugen auf die geistige Entwicklung der Zielgruppe, sondern ein bewuster Schachzug.

  3. lag, liegt und wird wohl auch für immer darin liegen, dass einer über das Vermögen der antizipierenden Prognose hinsichtlich sozio-ökonomischer Folgen und Konsequenzen von gegenwärtigen Entscheidungen und Entscheidungsunterlassungen verfügt.

    Wären unsere politischen Repräsentanten 1982 in der Lage gewesen, sich die Folgen und Auswirkungen der Einführung des Privatfernsehens auf die geistige Entwicklung der Eltern und der Kinder unseres Landes vor ihr inneres Auge zu führen, sie hätten wohl mit einer 8/9-Mehrheit eine Grundgesetzveränderung beschlossen, um die Einführung einer solchen geistig-moralischen Zerstörugsmachinerie für die Zukunft zu verbieten und für eine evtl. Abschaffung dieses Grundgesetzartikels eine 8/9 Mehrheit vorgeschrieben.

    Heute stehen wir vor den Trümmern der einstigen demokratische, zivilisierten und kultivierten 2. Deutschen Republik.

    Wer die Augen und die Ohren aufmacht, der wird im Augenblick der Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber gar nicht mehr zu weinen aufhören können.

    Selbst in seinen kritischsten Gedichten vermochte Heinrich Heine nicht die Empörung und Entrüstung zu formulieren, die einer der heute in der geistig-moralische Nähe von Heine, Arndt, Schiller oder Hecker steht, formulieren müsste angesichts der Verheerungen und Verwüstungen, welche wir durch die geistig-moralische Wende des Jahres 1982 und die Agenda 2010 in Deutschland erfahren haben.

    Dies ist das Erbe von Kohl, welches Frau Merkel so hochhält.

  4. "... müsste sie einen allgemeinen Mindestlohn einführen und die Atomkraftwerke sofort abschalten. Aber daran denkt sie natürlich nicht." Die Atomlobby wird schon heiß gesponsort haben (und Frau Merkel nimmt die strahlenden Reste und bunkert sie in der eigenen Garage). Aber daß nun offensichtlich auch die Armen dieser Gesellschaft so viel Sponsoring angeboten haben, daß sie aus Gerechtigkeitsgründen keinen Mindestlohn, sondern die Grundsicherung durchsetzen wird, gibt mir richtig wieder Zuversicht!!

  5. kallewestrich - Die Einheit hat den kleinen Mann viel Geld gekostet und brachte das Ergebnis, dass wir mit Millionen von Arbeitslosen zu kämpfen hatten, die nach Zerfall ihres Systems annahmen, im Westen gibts die große Staatsknete oder Arbeit. Da drauf hat die Volksvertretung einen Euro gesattelt, der sinnvoll war, aber die Begleiterscheinung hatte, dass alles nur noch die Hälfte wert war, doppelt so teuer wurde, keiner mehr wusste, wie er den Spuk bezahlen sollte. Und jetzt haben wir 20-30 Mio, die ganz wenig verdienen bzw-. null Vermögen haben. Arbeit, Rente extrem unsicher, nur beim Staat und in der Politik nicht, Verarmung vor der Tür. So geht's nicht!

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