Demoskopie Wir nüchternen, ängstlichen Deutschen
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Merkel und die "Erotik der Daten"

Da ist zunächst das Verhältnis zwischen Ost- und Westdeutschen, das Merkel überrascht hat. Schon Frau Köcher hatte darauf hingewiesen, dass das "Identitätsgefühl" nach wie vor ziemlich unterschiedlich sei: Westdeutsche sehen sich eher als "Deutsche" (69 Prozent) denn als "Westdeutsche" (25). Andersherum ist es im Osten (53 Prozent sehen sich in erster Linie als Ostdeutsche). Merkel zieht noch eine andere Statistik heran, die sie amüsiert, aber gleichzeitig auch befremdet. Auffällig sei die "heterogene Wahrnehmung" des jeweils anderen, sagt sie. Dass nur ein Prozent der Ostdeutschen die Wessis für "hilfsbereit" halten, trotz der Aufbauhilfe nach der Wende, sei "bekümmernd" (Abbildung 3).

Angenähert haben sich Ost und West hingegen in einem anderen Punkt, der Merkel ebenfalls nicht so recht gefällt. Bis zum Jahr 2000 hielt sich im Westen das Empfinden, ob es in Deutschland "gerecht" zugehe oder nicht, ziemlich genau die Waage. Inzwischen halten auch 73 Prozent der Westdeutschen die Verhältnisse für "nicht gerecht" (Abbildung 5). Ähnlich sehen es schon seit Längerem die Ostdeutschen. "Atemberaubend" sei diese Annäherung im kollektiven Ungerechtigkeitsempfinden, klagt Merkel.

Apropos Gerechtigkeit, da war doch was? Streitet nicht die Regierung seit geraumer Zeit darüber, ob der deutsche Sozialstaat überdimensioniert ist und ungerecht gegenüber den kleinen und mittleren Einkommen? Merkel nutzt die Gelegenheit, sich dazu noch erneut zu beziehen, diesmal gestützt auf das empirische Datenmaterial. Indirekt stellt sie sich dabei einmal mehr gegen ihren Vizekanzler Guido Westerwelle.

Sie verweist auf eine Stelle in der Untersuchung, in der verschiedene Definitionen von "sozialer Gerechtigkeit" und deren gesellschaftliche Akzeptanz abgefragt werden. 64 Prozent der Befragten halten es mit Westerwelle. Ihnen ist wichtig, dass derjenige, der "mehr leistet", auch mehr verdient. Noch etwas mehr allerdings würden eine andere Aussage unterschreiben, die nicht unbedingt nach dem FDP-Chef klingt: 67 Prozent sagen, dass der Staat für eine Grundsicherung zu sorgen hat. Den Menschen sei "beides wichtig", sagt Merkel triumphierend: Sowohl die Leistungsgerechtigkeit als auch das staatlich-soziale Auffangnetz (Abbildung 4).

Allerdings will Merkel nun nicht den Eindruck erwecken, dass sie ihre politischen Entscheidungen von "der Demoskopie" abhängig macht. Die Geschichte habe gezeigt, dass die meisten wichtigen Entscheidungen zunächst "gegen die Mehrheit" durchgeboxt werden mussten, etwa die Ost-Erweiterung oder die Einführung des Euros. So halte sie es selbst auch, sagt Merkel: Weder die Rente mit 67, noch der Einsatz in Afghanistan, noch die Rettung der Banken seien als Einzelentscheidungen mehrheitsfähig. Würde sie danach gehen, müsste sie einen allgemeinen Mindestlohn einführen und die Atomkraftwerke sofort abschalten. Aber daran denkt sie natürlich nicht.

 
Leser-Kommentare
  1. ...sind noch immer die Journalisten!

    • lepkeb
    • 03.03.2010 um 19:56 Uhr

    als man es es sich gedacht hat, wenn dies wirklich ein ihrer Aussagen ist. "Die Geschichte habe gezeigt, dass die meisten wichtigen Entscheidungen zunächst "gegen die Mehrheit" durchgeboxt werden mussten, etwa die Ost-Erweiterung oder die Einführung des Euros. "
    Beides Entscheidungen die den Deutschen jetzt auf die Füße fallen, aber vielleicht hat sie das im Palast der Republik aka Bundeskanzleramt noch nicht mitbekommen.

    "Atemberaubend" sei diese Annäherung im kollektiven Ungerechtigkeitsempfinden, klagt Merkel.
    Ja Frau Merkel da kommen Geister hoch die Sie und ihres Gleichen gerufen haben, und das wird sich nach NRW erst so richtig manifestieren, wahrscheinlich auch in sozialen Unruhen.
    Aber es hat auch sein gutes als Kanzlerin des Niedergangs Deutschlands einzugehen. Zum Glück haben sie keine Kinder die das ausbaden müssen.

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    • ADoria
    • 03.03.2010 um 20:21 Uhr

    Die Armada gegen England zu schicken, war eine wichtige Entscheidung. Wellington bei Waterloo anzugreifen, war eine wichtige Entscheidung. Das Atomkraftwerk in der 'Ukraine über den Zeitpunkt einer notwendigen Abschaltung hinaus zu betreiben, war eine wichtige Entscheidung. Adenauers soziale Beglückungsorgien, waren wichtige Entscheidungen. Einen Bruder Tunichtgut zum Vizekanzler zu machen, war eine wichtige Entscheidung. Bärtige Sandalenträger mit Kalaschnikows im Krieg gegen die Sowjets zu unterstützen, war eine wichtige Entscheidung. Die Titanic auf nördlichster Route durch den Atlantik zu schicken, war eine wichtige Entscheidung.
    Ich höre jetzt einmal auf.

    • ADoria
    • 03.03.2010 um 20:21 Uhr

    Die Armada gegen England zu schicken, war eine wichtige Entscheidung. Wellington bei Waterloo anzugreifen, war eine wichtige Entscheidung. Das Atomkraftwerk in der 'Ukraine über den Zeitpunkt einer notwendigen Abschaltung hinaus zu betreiben, war eine wichtige Entscheidung. Adenauers soziale Beglückungsorgien, waren wichtige Entscheidungen. Einen Bruder Tunichtgut zum Vizekanzler zu machen, war eine wichtige Entscheidung. Bärtige Sandalenträger mit Kalaschnikows im Krieg gegen die Sowjets zu unterstützen, war eine wichtige Entscheidung. Die Titanic auf nördlichster Route durch den Atlantik zu schicken, war eine wichtige Entscheidung.
    Ich höre jetzt einmal auf.

    • ADoria
    • 03.03.2010 um 20:21 Uhr

    Die Armada gegen England zu schicken, war eine wichtige Entscheidung. Wellington bei Waterloo anzugreifen, war eine wichtige Entscheidung. Das Atomkraftwerk in der 'Ukraine über den Zeitpunkt einer notwendigen Abschaltung hinaus zu betreiben, war eine wichtige Entscheidung. Adenauers soziale Beglückungsorgien, waren wichtige Entscheidungen. Einen Bruder Tunichtgut zum Vizekanzler zu machen, war eine wichtige Entscheidung. Bärtige Sandalenträger mit Kalaschnikows im Krieg gegen die Sowjets zu unterstützen, war eine wichtige Entscheidung. Die Titanic auf nördlichster Route durch den Atlantik zu schicken, war eine wichtige Entscheidung.
    Ich höre jetzt einmal auf.

    • ilouis
    • 03.03.2010 um 20:38 Uhr

    sie schaut aber auch nicht sehr beglückt aus. und, richtig, kinder hat sie auch nicht, dies ausbaden müssen.

  2. Wegen einem Bienenstich oder 6 Maultaschen gekündigt werden zu können, du dann nach einem jahr durch das Harz 4 Netz fällst und dann deine Rentenersparnisse aufbrauchen musst, oder alternativ für 4€ die Stunde deine Familie durchbringen musst, sind nicht unbedingt Bedingungen um positiv in die Zukunft zu schauen.
    Wenn man dann auch noch sieht wie selbst hochqualifizierte Arbeitsplätze eifrig ins Ausland verlagert werden, dann möchte ich auch gerne Banker sein, oder ein Herr Middelhoff, mal richtig Sch.... bauen und mit einem goldenen Handschlag in den Vorruhestand gehen.
    Tja, wie das nur sein kann, dass so viele Deutsche ein komisches Gefühl bei der sozialen Gerechtigkeit haben?
    Angela, Deutschland kann es besser!

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    "sie hätten wohl mit einer 8/9-Mehrheit eine Grundgesetzveränderung beschlossen, um die Einführung einer solchen geistig-moralischen Zerstörugsmachinerie für die Zukunft zu verbieten und für eine evtl. Abschaffung dieses Grundgesetzartikels eine 8/9 Mehrheit vorgeschrieben."
    Um die in der Studie belegten, sozialen Verwerfungen zu Gunsten der Reichen und zu Lasten der Armen in aller Ruhe gestalten zu koennen, war das Privatfersehen zwingend erforderlich. Brot und Spiele- das war das Rezept im alten Rom, funktioniert aber auch heute noch. Das Prekariatsfernsehen war also mitnichten eine Entscheidung ohne Kenntnis der Auswirkugen auf die geistige Entwicklung der Zielgruppe, sondern ein bewuster Schachzug.

    "sie hätten wohl mit einer 8/9-Mehrheit eine Grundgesetzveränderung beschlossen, um die Einführung einer solchen geistig-moralischen Zerstörugsmachinerie für die Zukunft zu verbieten und für eine evtl. Abschaffung dieses Grundgesetzartikels eine 8/9 Mehrheit vorgeschrieben."
    Um die in der Studie belegten, sozialen Verwerfungen zu Gunsten der Reichen und zu Lasten der Armen in aller Ruhe gestalten zu koennen, war das Privatfersehen zwingend erforderlich. Brot und Spiele- das war das Rezept im alten Rom, funktioniert aber auch heute noch. Das Prekariatsfernsehen war also mitnichten eine Entscheidung ohne Kenntnis der Auswirkugen auf die geistige Entwicklung der Zielgruppe, sondern ein bewuster Schachzug.

  3. lag, liegt und wird wohl auch für immer darin liegen, dass einer über das Vermögen der antizipierenden Prognose hinsichtlich sozio-ökonomischer Folgen und Konsequenzen von gegenwärtigen Entscheidungen und Entscheidungsunterlassungen verfügt.

    Wären unsere politischen Repräsentanten 1982 in der Lage gewesen, sich die Folgen und Auswirkungen der Einführung des Privatfernsehens auf die geistige Entwicklung der Eltern und der Kinder unseres Landes vor ihr inneres Auge zu führen, sie hätten wohl mit einer 8/9-Mehrheit eine Grundgesetzveränderung beschlossen, um die Einführung einer solchen geistig-moralischen Zerstörugsmachinerie für die Zukunft zu verbieten und für eine evtl. Abschaffung dieses Grundgesetzartikels eine 8/9 Mehrheit vorgeschrieben.

    Heute stehen wir vor den Trümmern der einstigen demokratische, zivilisierten und kultivierten 2. Deutschen Republik.

    Wer die Augen und die Ohren aufmacht, der wird im Augenblick der Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber gar nicht mehr zu weinen aufhören können.

    Selbst in seinen kritischsten Gedichten vermochte Heinrich Heine nicht die Empörung und Entrüstung zu formulieren, die einer der heute in der geistig-moralische Nähe von Heine, Arndt, Schiller oder Hecker steht, formulieren müsste angesichts der Verheerungen und Verwüstungen, welche wir durch die geistig-moralische Wende des Jahres 1982 und die Agenda 2010 in Deutschland erfahren haben.

    Dies ist das Erbe von Kohl, welches Frau Merkel so hochhält.

  4. "... müsste sie einen allgemeinen Mindestlohn einführen und die Atomkraftwerke sofort abschalten. Aber daran denkt sie natürlich nicht." Die Atomlobby wird schon heiß gesponsort haben (und Frau Merkel nimmt die strahlenden Reste und bunkert sie in der eigenen Garage). Aber daß nun offensichtlich auch die Armen dieser Gesellschaft so viel Sponsoring angeboten haben, daß sie aus Gerechtigkeitsgründen keinen Mindestlohn, sondern die Grundsicherung durchsetzen wird, gibt mir richtig wieder Zuversicht!!

  5. kallewestrich - Die Einheit hat den kleinen Mann viel Geld gekostet und brachte das Ergebnis, dass wir mit Millionen von Arbeitslosen zu kämpfen hatten, die nach Zerfall ihres Systems annahmen, im Westen gibts die große Staatsknete oder Arbeit. Da drauf hat die Volksvertretung einen Euro gesattelt, der sinnvoll war, aber die Begleiterscheinung hatte, dass alles nur noch die Hälfte wert war, doppelt so teuer wurde, keiner mehr wusste, wie er den Spuk bezahlen sollte. Und jetzt haben wir 20-30 Mio, die ganz wenig verdienen bzw-. null Vermögen haben. Arbeit, Rente extrem unsicher, nur beim Staat und in der Politik nicht, Verarmung vor der Tür. So geht's nicht!

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