Niedriglöhne Merkel sagt Dumpinglöhnen den Kampf an

Die Bundeskanzlerin sieht den Dienstleistungsbereich auf dem Weg "zur Sittenwidrigkeit". Deutliche Kritik richtet sich vor allem gegen die Drogeriekette Schlecker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will gegen den Missbrauch von Leiharbeit vorgehen. Sie werde nicht tatenlos zusehen, wenn der ganze Dienstleistungsbereich ein Niedriglohnsektor "an der Grenze zur Sittenwidrigkeit" werde, sagte Merkel am Samstag bei einem Parteitag der nordrheinwestfälischen CDU in Münster. "Das ist nicht, was wir unter sozialer Marktwirtschaft verstehen." Das gelte etwa für Unternehmen wie die Drogeriekette Schlecker, "die die Möglichkeiten der Leiharbeit derart missbrauchen, dass sie einfach die Leute entlassen, in andere Unternehmen umgruppieren und sie mit der Hälfte des Gehalts wieder einstellen", kritisierte Merkel auf der Wahlkampfveranstaltung.

Während die Regierung Missbrauch bei der Leiharbeit stärker ahnden und Schlupflöcher schließen will, verteidigte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zugleich, dass es mehr befristete Verträge gibt. Dank dieser Flexibilität gebe es trotz der schärfsten Rezession der Nachkriegszeit eine Arbeitslosenzahl von 3,6 Millionen Menschen, sagte von der Leyen dem Spiegel. Vor fünf Jahren habe die Zahl noch bei über fünf Millionen gelegen.

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Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, warnte vor einer Zunahme befristeter Arbeitsverhältnisse. "Wenn dies zum Standard wird, ist das für die Entwicklung unserer Gesellschaft verheerend", sagte Weise der Neuen Osnabrücker Zeitung. Jeder zweite Berufseinsteiger wird laut Statistischem Bundesamt nur noch befristet eingestellt.

Grund für den vielfachen Verzicht der Arbeitgeber auf unbefristete Verträge sei die schlechte Wirtschaftslage, sagte Weise. Auf Dauer sei das keine gute Entwicklung, wenn es immer mehr Kurzzeit-Jobs gebe. Die Menschen wollten und sollten ihr Leben planen, und die Firmen sollten interessiert sein, qualifizierte Kräfte zu halten. Trotz der Krise betonte Weise, dass 2010 die Vier-Millionen-Grenze bei den Arbeitslosen nicht überschritten werde.

Beim Thema Leiharbeit stellte von der Leyen den Zeitarbeitsfirmen ein Ultimatum: "Wenn die Branche nicht schnell die Kraft aufbringt, das eigenständig und schnell zu regeln, werden wir einen Riegel vorschieben", sagte sie dem "Spiegel". Zugleich schloss sie einen Mindestlohn für die Zeitarbeitsbranche nicht mehr kategorisch aus.

Insbesondere solle künftig unterbunden werden, dass Firmen wie im Fall Schlecker Stammbelegschaften entlassen können, um sie dann als Leiharbeiter wieder einzusetzen. Die Tarifparteien müssten bald eine Lösung finden, sonst werde der Gesetzgeber aktiv. "Ich rechne da nicht in Monaten, sondern eher in Wochen", sagte von der Leyen. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte, eine Arbeitsgruppe, an der auch Gewerkschafter beteiligt sind, lote derzeit Lösungsmöglichkeiten aus. Schlecker sei kein Einzelfall.

 
Leser-Kommentare
  1. Frau Merkel, als Bundeskanzlerin geben Sie die Richtlinien der Regierung vor. Es reicht nicht, die Missstände zu benennen, Sie sind dazu angehalten diesen auch entgegenzuwirken.

    Ich warte auf erste konkrete Vorschläge!

    Solange die nicht ins Parlament eingebracht sind, bleibt bei mir leider nur ein Wort aus dem Artikel im Gedächtnis: "Wahlkampfveranstaltung"

    • Jenss
    • 21.03.2010 um 12:47 Uhr

    Frau Merkel verwechselt ihr Amt. Sie ist nicht der Bundespräsident, sie ist die Kanzlerin. Sie hat die Mittel dies zu ändern.

    Dies ist der plumpe Versuch die Verärgerung in der Bevölkerung über die Niedriglöhne aufzugreifen und Mitgefühl zu heucheln, nur um Stimmen zu fischen.

    Das Mittel dagegen heißt Mindestlohn, den will sie aber nicht. Unternehmer zu ermahnen ist einfach albern. Die stehen nämlich im Wettbewerb, Frau Merkel.

  2. Gibts da Zusammenhänge?

  3. Die haben ein relativ simples, unbürokratisches und wirkungsvolles Prinzip um Zeitarbeit nur da zu tolerieren, wo es wirklich nötig und sinnvoll ist:

    Der Leiharbeitnehmer bekommt den selben ortsüblichen Lohn wie ein Festangestellter plus 10% Zeitarbeitnehmer-Zuschlag.

    So wird die Zeitarbeit für den Betrieb nur dann verlockend, wenn er wirklich auf biegen und brechen Leute braucht.

    Welche Firma würde Leute Entlassen, nur um sie später für mehr Geld wieder Ausleihen zu müssen?

    Aber ich vermute mal, dass diese Diskussion nach der Übergabe einiger ziemlich privater Koffer mit der Begründung endet, dass man da leider nichts machen kann. "Der Markt solle das alleine Regeln". Hat ja bisher auch so SUUUPER funktioniert.

  4. Was für ein verlogener Aktionismus.
    Die Politik der letzten Jahre hat gezielt auf eben jene Zustände zugearbeitet, die sie jetzt bemängelt. Als Handlanger der Wirtschaft tut die Politik seit 20 Jahren ALLES, um Löhne zu drücken und Arbeitnehmer zu entrechten.
    Und nun will Merkel dagegen vorgehen? Das fragt man sich doch - WARUM?
    So schwer ist das nicht zu verstehen. Merkel will die schlimmsten Auswirkung dieser Sklaverei mildern, damit sie auf breiter Basis weiter ausgebaut werden kann und damit die Leute ruhig bleiben. Die Sittenwidrigkeit soll etwas abgemildert werden, damit sie flächendeckend durchgesetzt werden kann.
    Seit jeher war es die Taktik von Schwarz-Gelb, ein bisschen Tünche aufzutragen, bevor jemand auf die Idee kommt, wirklich etwas ändern zu wollen. Merkel bleibt, was sie immer war - ein Handlanger der Wirtschaft und so ist auch ihr Handeln zu bewerten: die schwärzesten Schafe werden an den Pranger gestellt, damit der Rest der schwarzen Herde weiter alles abgrasen kann.

  5. Es sind nur Lippenbekenntnisse zur NRW-Wahl und Merkel
    wider spricht damit von der Leyen,die für befristete
    Arbeitsverhältnisse ist,damit derer,die so einen Vertrag
    haben,das Leben planlos verläuft!Man kann das schnell,
    wenn man wollte,aber es besteht kein Interesse und auch
    gewollt,weil richtige Konzepte haben Konservative am
    wenigsten,denn sie halten immer am Alten fest,neue Wege
    gehen ist nicht ihre Sache!Für was Merkel steht,weiss
    sie selber nicht und so wird man sie auch mal später
    in Erinnerung behalten.

  6. Jetzt wird jede Fahne aufgezogen um NRW zu halten ?
    Doch dafür ist es zu spät - da nutzt auch keine Speichelleckerei Frau Merkel - wir sollen verkauft werden - und zwar für Doof - nee lass ma Mädel - hier nich.........

  7. erst bei der Kopfpauschale, die plötzlich wieder eine Familienversicherung ist, jetzt will sie gegen Leiharbeit vorgehen.
    Wenn die SPD etwas in ihren Aussagen ändert, was ist da immer für ein Geschrei in den Medien.
    Bei Merkel wird dann immer relativ neutral berichtet. Mit dieser Medienlandschaft kann man wirklich wunderbar Kanzler spielen.

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