Schwarz-gelbe Koalition Kanzlerin will weniger Debatten und mehr Lösungen

Angela Merkel versucht, den Koalitionskrach um die Gesundheits- und Sozialpolitik zu beenden. Ihre Regierungspartner CSU und FDP erinnert sie an den Koalitionsvertrag.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte CSU und FDP im ARD-Interview auf, sich an den schwarz-gelben Koalitionsvertrag zu halten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte CSU und FDP im ARD-Interview auf, sich an den schwarz-gelben Koalitionsvertrag zu halten

Nach langem Streit um Steuern, Gesundheitsfinanzierung oder den Sozialstaat ist die Kanzlerin um Ruhe bemüht: Schwarz-Gelb solle weniger diskutieren und stattdessen mehr regieren, sagte sie in einem Interview der ARD. Es gebe "zu viel auch unnötige Diskussionen, die eigentlich nicht notwendig wären". Bei einigen Themen gebe es derzeit mehr öffentlichen Schlagabtausch als Lösungen, "und ich werde dafür sorgen, dass wir zu den Lösungen kommen". Regierungen seien nicht dafür da, Probleme lediglich zu benennen.

Am Wochenende hatte CSU-Chef Horst Seehofer sein Veto gegen eine Gesundheitsprämie angekündigt. "Eine Umstellung der bestehenden, am Lohn orientierten und sozial gerechten Arbeitnehmerbeiträge auf eine Pauschale wird es mit mir nicht geben", sagte er der Rheinischen Post. Die von der Koalition eingesetzte Kommission zur Gesundheitsreform dürfe sich nur mit den Zusatzausgaben in der Krankenversicherung beschäftigen, die aufgrund der Alterung der Bevölkerung und des medizinischen Fortschritts zu erwarten seien. Die Arzneikosten könnten mit einer Ausweitung der Festpreise für Medikamente gedrückt werden.

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Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) sagte der Bild am Sonntag, die Arbeit der Kommission unter Vorsitz von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sei "so gut wie erledigt, bevor sie angefangen hat". Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums müsste zur Finanzierung der von der FDP geforderten Kopfpauschale der Spitzensteuersatz auf 73 Prozent steigen, argumentierte Söder. "Damit ist klar, dass die FDP als Steuersenkungspartei ihr Vorhaben zu den Akten legen muss."

Merkel widersprach, sie halte die aus Ministern gebildete Kommission für "absolut notwendig". Die Regierung habe sich für einen klaren Weg entschieden. Rösler müsse die Ausgaben etwa im Pharmabereich reduzieren, "und das tut er". An den Koalitionsvertrag seien alle Parteien gebunden, die in der Regierung seien.

Auch aus der CSU kommt Kritik an Söder. Stefan Müller, der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, sagte Bild.de: "Wir müssen uns über das schlechte Erscheinungsbild der Koalition nicht wundern, wenn es immer wieder Angriffe aus den eigenen Reihen gibt." Söder solle sich "konstruktiv aus München an der Gesundheitsdiskussion beteiligen."

Den Koalitionspartner FDP verteidigte Merkel grundsätzlich als regierungswillig und regierungsfähig. Der Austausch unterschiedlicher Positionen gehöre zu einem Bündnis dazu.

Nach Einschätzung von CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe scheint sich die FDP in der Rolle des Antreibers der Koalition zu gefallen. Dabei müsse diese Rolle gar nicht besetzt werden, sagte er dem Tagesspiegel. Streit in der Koalition schade am Ende allen. "Wer glaubt, auf Kosten des anderen nachhaltig punkten zu können, irrt." An die Adresse der CSU gerichtet sagte Gröhe, bei den Reformen von Steuer und Gesundheitswesen halte er "Vorfestlegungen und krachende Begleitmusik" für unnötig.

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, verwies erneut auf die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag. In der ARD sagte er: "Die CDU hat auf ihrem Leipziger Parteitag ein Prämiensystem beschlossen. Ein Ausgleichssystem über die Steuer. Deshalb sage ich schon: Was wir in der Koalitionsvereinbarung festgelegt haben, ist die Grundlage." In Söders Richtung ergänzte Kauder: "Und bevor die Kommission noch nicht einmal richtig getagt hat, kann man nicht jetzt schon sagen, das machen wir auf gar keinen Fall. Deswegen rate ich jetzt einmal dringend, die Kommission arbeiten zu lassen."

FDP-Chef Guido Westerwelle weitete seine Kritik in der von ihm ausgelösten Debatte über Sozialleistungen aus. Es gebe auch in der Wirtschaft einen Missbrauch des Sozialstaates, sagte er dem Tagesspiegel. So gebe es "Unternehmen, die mit ihren Beschäftigten Kleinstverträge machen, um einem ordentlichen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zu entgehen und sich darauf verlassen, dass sich der Sozialstaat um ihre Mitarbeiter kümmert".
 

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 01.03.2010 um 9:31 Uhr

    " Die Arzneikosten könnten mit einer Ausweitung der Festpreise für Medikamente gedrückt werden."
    Sie wurde erfolgreich über Jahrzehnte in der DDR praktiziert.

    • CM
    • 01.03.2010 um 9:38 Uhr

    Liebe Frau Merkel,

    meine Empfehlung ist einfach: probieren wir es mal mit Neuwahlen. Mit der zerstrittenen Gurkentruppe, die Sie wagen ein Kabinett zu nennen ist kein Staat zu machen. Es hat einfach nicht geklappt. Geben Sie Herrn Westerwelle und der CSU die Schuld (die geben sie ja schließlich auch Ihnen).

    Ja, ich weiß, Sie wollen das nicht hören, aber fühlen Sie nicht auch, daß es Zeit wird für ein Ende der Koalition unter Wahrung eines letzten Rests von Würde?

    Tun Sie Ihrem Land einen letzten Gefallen...

  1. "Kanzlerin will weniger Debatten und mehr Lösungen"

    Weiterlesen überflüssig, denn es scheint sich hier um die neueste Variante des Satzes "Wir müssen gemeinsam eine Lösung finden" handeln.

    Was der bei Frau Merkel bedeutet, wissen wir alle: Untätigkeit bis zur Unsichtbarkeit.

    Falls nicht etwas unerwartetes passiert, wird uns das Grusical "Der Clown und die Unsichtbare" wohl noch bis 2013 verfolgen.

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    • xtc
    • 01.03.2010 um 10:43 Uhr

    ... ist es.
    "Watt zählt is aufm Platz". Und, was ist da? Nix!

    • xtc
    • 01.03.2010 um 10:43 Uhr

    ... ist es.
    "Watt zählt is aufm Platz". Und, was ist da? Nix!

    • Jokus
    • 01.03.2010 um 9:57 Uhr

    Es ist sicherlich leicht, in dieser vor allem von einem Herrn Westerwelle angeheizten Diskussion, Frau Merkel schwächeln zu sehen. In der Tat: Gegenüber den ebenso oberflächlichen wie rein verbalen Husaren-Ritten eines Ritter Guido scheint diese Kanzlerin nur ein mildes eher leises Säuseln von sich zu geben.

    Doch wer noch Ohren hat zu hören, müsste begreifen wie sie diesem Herrn Lautprecher - sanft jedoch fest - das bietet, was er verdient, eine intellektuelle Ohrfeige nach der anderen

    • dumbi
    • 01.03.2010 um 10:09 Uhr

    Vielleicht sollte sich die CSU mal darueber Gedanken machen, dass sie den Koalitionsvertrag mitunterschrieben hat,
    dass ihre leicht uebertrieben gesagt sozialistischen Forderungen dort nichts zu suchen haben.
    Denn, wer Festpreise fuer Arzeneimittel fordert, der gefaehrdet Arbeitsplaetze in Deutschland,
    wer eine Begrenzung von Gehaeltern von Krankenkassenvorstaenden fordert (wie Markus Soeder, CSU), der ignoriert die wirklichen Probleme und verhindert die dringend notwendige Weiterentwiklung des deutschen gesundheitssystems; das ist Populismus am falschen Ort: Die CSU hat sich zur Berufsopposition in der Regierung gemacht - auf Kosten der Buerger.

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    Ich fühle mich auch richtig bedroht von den ganzen sozialistischen Staaten um uns herum. Vielleicht sollten Sie mal begreifen, dass die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung und deren Bezahlung Vorrang hat vor Profiten. Es gibt einen Unterschied zwischen einem Unternehmen mit ordentlichen Gewinnen und einem Unternehmen, dass jedes Jahr aufs neue Rekordergebnisse einfährt.

    Welche Arbeitsplätze sollen denn verlorengehen? Die der tausenden Pillendreher? Ach kommen Sie, diese Industrie ist hier, weil wir jahrzehntelanges Know-How haben. Warum sollte das bei einer Preis-Obergrenze wie in anderen Ländern verloren gehen. Es werden weiterhin Geschäfte gemacht. Nur eben nicht mehr ganz so fette. Überlegen Sie lieber mal wie viele Arbeitsplätze verloren gehen durch fehlenden Binnenkonsum, verursacht durch hohe Kosten für Medikamente.

    Ich fühle mich auch richtig bedroht von den ganzen sozialistischen Staaten um uns herum. Vielleicht sollten Sie mal begreifen, dass die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung und deren Bezahlung Vorrang hat vor Profiten. Es gibt einen Unterschied zwischen einem Unternehmen mit ordentlichen Gewinnen und einem Unternehmen, dass jedes Jahr aufs neue Rekordergebnisse einfährt.

    Welche Arbeitsplätze sollen denn verlorengehen? Die der tausenden Pillendreher? Ach kommen Sie, diese Industrie ist hier, weil wir jahrzehntelanges Know-How haben. Warum sollte das bei einer Preis-Obergrenze wie in anderen Ländern verloren gehen. Es werden weiterhin Geschäfte gemacht. Nur eben nicht mehr ganz so fette. Überlegen Sie lieber mal wie viele Arbeitsplätze verloren gehen durch fehlenden Binnenkonsum, verursacht durch hohe Kosten für Medikamente.

  2. Ich fühle mich auch richtig bedroht von den ganzen sozialistischen Staaten um uns herum. Vielleicht sollten Sie mal begreifen, dass die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung und deren Bezahlung Vorrang hat vor Profiten. Es gibt einen Unterschied zwischen einem Unternehmen mit ordentlichen Gewinnen und einem Unternehmen, dass jedes Jahr aufs neue Rekordergebnisse einfährt.

    Welche Arbeitsplätze sollen denn verlorengehen? Die der tausenden Pillendreher? Ach kommen Sie, diese Industrie ist hier, weil wir jahrzehntelanges Know-How haben. Warum sollte das bei einer Preis-Obergrenze wie in anderen Ländern verloren gehen. Es werden weiterhin Geschäfte gemacht. Nur eben nicht mehr ganz so fette. Überlegen Sie lieber mal wie viele Arbeitsplätze verloren gehen durch fehlenden Binnenkonsum, verursacht durch hohe Kosten für Medikamente.

  3. Frau Merkel war ganz euphorisch in dem Glauben, daß sie mit einem kleinen Mehrheitsbeschaffer eine CDU/CSU Politik weiterführen könne.
    Daß dies nicht möglich ist, liegt in der Natur der Sache.
    Die FDP vertritt eine Klientel, die jedem Interesse einer notwendigen Sozialgesetzgebung entgegenwirkt.
    Ein Koalitionsfriede kann nur erreicht werden, wenn die CDU, wie bislang, dem kleinen Agressor immer wieder nachgibt.
    Effektiv und mit Erfolg regieren, ist so logischerweise gar nicht möglich. Wann wird Frau Merkel das begreifen ?

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    Könnten Sie mal erläutern, was das konkret bedeutet?
    Nehmen wir das Beispiel Gesundheit: Auf dem Leipziger Parteitag der CDU 2003 wurde die Kopfpauschale beschlossen. Seehofer wollte dies in der CSU nicht mittragen und mußte in der Folge seine meisten Ämter abgeben und durfte sich nicht mehr zur Gesundheitspolitik äußern. Dann kam die Große Koalition und Seehofer wurde Landwirtschaftminister. Die große Koalitions schaffte mit dem Gesundheitsfonds eine Übergangslösung für die Zeit nach der großen Koalition. Jetzt gibt es einen schwarz gelben Koalitionsvertrag den die Beteiligten unterschiedlich interpretieren.
    Sagen Sie uns doch mal: Wie ist die CDU/CSU Gesundheitspolitik?

    Könnten Sie mal erläutern, was das konkret bedeutet?
    Nehmen wir das Beispiel Gesundheit: Auf dem Leipziger Parteitag der CDU 2003 wurde die Kopfpauschale beschlossen. Seehofer wollte dies in der CSU nicht mittragen und mußte in der Folge seine meisten Ämter abgeben und durfte sich nicht mehr zur Gesundheitspolitik äußern. Dann kam die Große Koalition und Seehofer wurde Landwirtschaftminister. Die große Koalitions schaffte mit dem Gesundheitsfonds eine Übergangslösung für die Zeit nach der großen Koalition. Jetzt gibt es einen schwarz gelben Koalitionsvertrag den die Beteiligten unterschiedlich interpretieren.
    Sagen Sie uns doch mal: Wie ist die CDU/CSU Gesundheitspolitik?

  4. wenn ich die wasserstandsmeldungen von frau merkel hoere wird mir immer ganz schummrig vor augen. ich habe bei ihr das gefuehl das sie ihre position nicht kennt und alles was in den letzten jahren und nun in der regierungspolitik ohne sie ablaeuft.sie spricht ueber die regierung als ob sie nicht dazugehoert. es wird wohl zeit ihr klarzumachen das die kanzlerin verantwortlich fuer die politik deutschlands ist. sie erscheint mir wie frau thatcher im endstadium. abgehoben von allem irdischen !!!!!

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