Griechenland-Krise Merkel sagt Spekulanten den Kampf an

Kanzlerin Merkel hat ihrem Amtskollegen Papandreou Hilfe bei der Modernisierung Griechenlands versprochen. In Athen dagegen schlägt der Regierung offene Wut entgegen.

Kanzlerin Merkel und Griechenlands Premier George Papandreou am Freitag

Kanzlerin Merkel und Griechenlands Premier George Papandreou am Freitag

Eine deutsch-griechische Regierungskommission soll Wege aus der Krise weisen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte nach einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou in Berlin den Aufbau einer solchen Gruppe an, die bei der Modernisierung Griechenlands helfen soll.

Arbeitsfelder sind demnach die Bereiche Umwelt- und Klimaschutz, Energie, Katastrophenschutz, Forschung sowie Einwanderungs- und Asylpolitik. Das von Papandreou angekündigte Milliarden-Sparprogramm der griechischen Regierung begrüßte Merkel als außerordentlich wichtigen Schritt.

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Griechenland hat rund 300 Milliarden Euro Schulden; die Last bedroht die Stabilität des gesamten gemeinsamen Währungsgebiets mit seinen16 Ländern. Das Land hat ein hartes Sparprogramm auf den Weg gebracht, das vom Parlament bestätigt wurde.

Der Sparkatalog trieb das Volk auf die Straßen zum Protest. Die Gewerkschaften hatten zum Streik gerufen. In der griechischen Hauptstadt fuhren Busse und Bahnen nicht mehr. Auch die Fluglotsen streikten für vier Stunden, zahlreiche Inlandsflüge fielen aus. Zehntausende demonstrierten in Athen und anderen Städten.

Viele Beamte und andere Staatsbedienstete, Ärzte, auch Lehrer streikten. Auch Journalisten des Staatsradios und des Fernsehens sowie der staatlichen Nachrichtenagentur (ANA) legten die Arbeit für 24 Stunden nieder. Am Donnerstag wollen die beiden größten Gewerkschaftsverbände des staatlichen und des privaten Sektors das Land wieder "lahmlegen".

Am Rande einer Demonstrationen im Zentrum Athens gab es Ausschreitungen: Wie das Fernsehen berichtete, setzte die Polizei Schlagstöcke und Tränengas ein, um Demonstranten und linke Abgeordnete daran zu hindern, ein Transparent "Gleich was – Der Mensch hat immer Vorrang" am Parlamentsgebäude anzubringen. Dabei wurde einer der bekanntesten griechischen linken Politiker und Widerstandskämpfer Manolis Glezos leicht verletzt. Demonstranten attackierten den Chef des griechischen Gewerkschaftsbundes GSEE, Yannis Panagopoulos, mit Fäusten. Bei weiteren Zusammenstößen mit der Polizei wurden mindestens drei Menschen leicht verletzt, berichtete der griechische Rundfunk.

Mit der erfolgreichen Platzierung einer Milliarden- Staatsanleihe verschaffte sich Griechenland vorerst Luft. Für eine zehnjährige Anleihe über fünf Milliarden Euro waren am Donnerstag Angebote über rund 16 Milliarden Euro eingegangen. Allerdings müssen die Griechen dafür einen hohen Preis zahlen: Der Zinssatz beträgt 6,25 Prozent. Verglichen mit deutschen zehnjährigen Bundesanleihen ist das etwa das Doppelte.

Merkel kündigte schärfere Maßnahmen gegen Spekulanten an den Finanzmärkten an, die von der Krise in Griechenland profitieren. "Wir müssen es schaffen, den Spekulanten das Handwerk zu legen", sagte sie. Dies sei ein schwieriger Prozess. "Die Politik hat aber das Primat." Bei den Maßnahmen gehe es vor allem um sogenannte Kreditderivate. Es könne nicht sein, dass Spekulanten die Profiteure der Probleme in Griechenland seien.

Griechenland selbst erwartet kein Geld von seinen europäischen Partnern. "Griechenland trägt sich nicht mit dem Gedanken, sich in Sachen Finanzhilfe an die anderen Euro-Staaten zu wenden", sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker nach einem Treffen mit Papandreou in Luxemburg. Es bleibe aber bei dem Beschluss der Staats- und Regierungschefs, dass wenn notwendig, "geeignete Maßnahmen in koordinierter Form getroffen werden, um die Finanzstabilität im Euro-Raum sicherzustellen". Im Gespräch waren bisher Kredite.

Der Internationale Währungsfonds soll nur beratende Funktion haben, für die Entschuldung Griechenlands aber kein Geld zur Verfügung stellen.
 

 
Leser-Kommentare
  1. schade, schade kommt alles zu spät! So sieht es aus, nicht aus dem Herzen kommend und gezwungenermaßen nicht ehrlich meinend.
    So etwas mag der Wähler nicht.

  2. Es gibt ein Geldsystemproblem woraus ein Bankenproblem und Spekulationsproblen entsteht. Niemand ändert derzeit auch nur das Geringste. Die Eurozentralbank sollte wieder Geld emitieren dürfen - als Nullzinskredite an Staaten und Kommunen - das hält auch die Privatzinsen niedrig. Also die Griechen bekommen ihr Geld nicht vom Markt und betreiben dafür stetige Tilgung. Das würde eine kurze Zeit noch helfen.

    In Wirklichkeit brauchen wir die alten Währungen wieder weil wir Wechselkursscharniere brauchen. Dort sollte dann auf jedem Geldschein eine Gültigkeitsdauer stehen.

  3. Damit muss es dann aber auch gut sein.
    Oder erwartet auch noch jemand konkrete Taten?
    Da würde doch kein Banker mehr seinen Geburtstag im Bundeskanzleramt feiern.
    Undenkbar!

  4. "geeignete Maßnahmen in koordinierter Form getroffen werden, um die Finanzstabilität im Euro-Raum sicherzustellen"

    Also in Kurzform: "Blubb!"

    Dass die griechischen Regierungen M**t gebaut haben, ist klar. Ebenfalls unstrittig ist hoffentlich, dass nur durch geschönte Bilanzen mögliche Wohltaten auf ein tatsächlich finazierbares Maß zusammengestrichen werden müssen.

    Auf der anderen Seite hat man Griechenland gewähren lassen, solange es den eigenen Interessen nutzte. Oder behauptet jemand, dass es in Brüssel nebst Anhängen und den involvierten Banken niemanden gibt, der Bilanzen lesen kann und merkt, wenn jährlich Mrd. Euro herbeigeflunkert werden? Dann wären unsere Finanzmarktprofis ja noch dümmer, als es sich in der letzten Zeit darstellt =;)

    Neben dieser grundsätzlichen Kritik, ist wichtiger, dass man jetzt europaweit konstruktiv an Lösungen arbeiten muss, die eine Vorlage für die noch zu erwartende Schwierigkeiten anderer Länder sein können. Diese Schwierigkeiten werden fast unweigerlich kommen.

    Die Themenfelder "Umwelt- und Klimaschutz, Energie, Katastrophenschutz, Forschung sowie Einwanderungs- und Asylpolitik" sind Merkel-geeignet, treffen aber kaum den Kern der griechischen Probleme.

    Was die Griechen ganz offensichtlich schon lange benötigen, ist tätige, verlässliche Hilfe beim Aufbau einer Wirtschaft, die auch ohne Betrug die Kriterien für die Euro-Zone erfüllt. Dazu aber braucht es mehr als schöne Worte und da hat die EU versagt.

    Alles Gute
    Kai Hamann

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    • ADoria
    • 06.03.2010 um 0:27 Uhr

    Die Auswahl der Themengebiete für eine Zusammenarbeit liest sich wie ein Zirkelschlag um das eigentliche Problem. Wahrscheinlich steckt dahinter aber die Einsicht in die nicht vorhandenen Möglichkeiten. Man schaue sich allein die Unterschiede innerhalb Deutschlands an. Eine Tatsache ist: Westeuropa verliert Arbeitsplätze im Bereich des verarbeitenden Gewerbes an Osteuropa oder Asien. Das Kapital sucht sich den günstigsten Preis für den anderen Produktionsfaktor, die Arbeitskraft. Griechenland ist da abgeschlagen.
    Wenn Herr Juncker helfen möchte, dann kann er dafür sorgen, dass Gelder, die Griechenland entzogen wurden und wohl auch in seinem Land gebunkert werden, wieder den Weg nach Athen finden. Das luxemburger Erfolgsmodell beruht ja nicht auf Industrieproduktion.

    Per Nasenbeinbruch zu mehr Wohlstand, halte ich für einen Irrweg.

    • ADoria
    • 06.03.2010 um 0:27 Uhr

    Die Auswahl der Themengebiete für eine Zusammenarbeit liest sich wie ein Zirkelschlag um das eigentliche Problem. Wahrscheinlich steckt dahinter aber die Einsicht in die nicht vorhandenen Möglichkeiten. Man schaue sich allein die Unterschiede innerhalb Deutschlands an. Eine Tatsache ist: Westeuropa verliert Arbeitsplätze im Bereich des verarbeitenden Gewerbes an Osteuropa oder Asien. Das Kapital sucht sich den günstigsten Preis für den anderen Produktionsfaktor, die Arbeitskraft. Griechenland ist da abgeschlagen.
    Wenn Herr Juncker helfen möchte, dann kann er dafür sorgen, dass Gelder, die Griechenland entzogen wurden und wohl auch in seinem Land gebunkert werden, wieder den Weg nach Athen finden. Das luxemburger Erfolgsmodell beruht ja nicht auf Industrieproduktion.

    Per Nasenbeinbruch zu mehr Wohlstand, halte ich für einen Irrweg.

  5. Das ist jetzt aber ganz bitter. Wenn Deutschland sich (vorerst) weigert, Griechenland finanziell zu stützen dann ist das eine Sache, aber jetzt mit einer Regierungskommission zu helfen, das Land ganz über die Rampe zu kippen, das ist bitter. Wozu diese unverhüllte Drohung.

    Hinter dem "Blubb" des Herrn Juncker steht allerdings mehr, als viele hoffen. Natürlich werden die übrigen EURO Staaten zahlen, Deutschland den Großteil. Erstens will man aber die Märkte beruhigen und zweitens muss Mutti erstmal die Wahl in NRW überstehen. Solange werden Nebelkerzen gezündet.

  6. Frage: Wer hat so massenhaft die neuen griechischen Anleihen gekauft?
    Stekt da die deutsche Regierung mittels KFW-Bank dahinter?

    Diese Frage wurde beim Welt-Online-Kommentarforum übrigens nicht zugelassen.
    Ein Schelm, wer Böses denkt....

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    Doch, sie haben die Frage mit Verspätung veröffentlicht.

    Sorry!

    Doch, sie haben die Frage mit Verspätung veröffentlicht.

    Sorry!

  7. Doch, sie haben die Frage mit Verspätung veröffentlicht.

    Sorry!

  8. Ich hatte hier schon vor einigen Tagen vor Unruhen in Griechenland gewarnt. Der Regierung dort gebe ich kein halbes Jahr mehr.

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    sonst wäre die Anleihe nicht so deutlich überzeichnet worden.
    Die Logik ist klar: Wenn man weiß, dass Griechenland nicht zahlungsunfähig wird, verdient man sich dumm und dämlich an dieser Anleihe, nicht nur durch die Zinsen, sondern noch mehr durch eine erwartbare fast 100%ige Wertsteigerung un naher Zukunft.
    Und woher wissen die Banken das?
    Wahrscheinlich vom Kaffeekränzchen.

    sonst wäre die Anleihe nicht so deutlich überzeichnet worden.
    Die Logik ist klar: Wenn man weiß, dass Griechenland nicht zahlungsunfähig wird, verdient man sich dumm und dämlich an dieser Anleihe, nicht nur durch die Zinsen, sondern noch mehr durch eine erwartbare fast 100%ige Wertsteigerung un naher Zukunft.
    Und woher wissen die Banken das?
    Wahrscheinlich vom Kaffeekränzchen.

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