Religiöse Konflikte Vergeltung in Nigeria

Bei einem Überfall auf drei christliche Dörfer in Nigeria starben etwa 500 Menschen. Bereits im Januar gab es blutige Massaker. Wie bedrohlich ist die Lage?

Diesmal waren die Opfer der Massaker Christen des Berom-Volkes. Die Täter waren nach Angaben der Polizei muslimische Fulani-Hirten. 95 Männer sind nach Polizeiangaben inzwischen verhaftet worden. Nach Einschätzung der Polizei handelt es sich bei dem Massaker um eine Vergeltungstat. Im Januar waren bei Massakern in mehreren muslimischen Dörfern rund 300 Menschen ums Leben gekommen. Seither gilt in Jos und Umgebung eine Ausgangssperre. Der amtierende Präsident Goodluck Jonathan hat damals Soldaten nach Jos geschickt, die das Massaker in der Nacht zum Sonntag nach etwa drei Stunden beendet haben. So berichteten es Zeugen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch am Dienstag.

Etwa die Hälfte der 149 Millionen Nigerianer sind Christen, die andere Hälfte sind Muslime. Im Norden gilt seit dem Jahr 2000 das islamische Recht, die Scharia. Der ölreiche Süden ist überwiegend christlich. Nigeria ist ein föderaler Staat und besteht aus 36 Bundesstaaten. Der Plateau-Staat mit seiner Hauptstadt Jos liegt in Zentralnigeria an der Nahtstelle zwischen dem überwiegend muslimischen Norden und dem überwiegend christlichen Süden.

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"Um Religion geht es am wenigsten", sagt David Zounmenou, Nigeria-Experte des Institute for Security Studies (ISS) in Pretoria. Auch Klaus Paehler, Leiter des Büros der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Nigeria, hält den Konflikt, "der sich offenbar durch Vergeltungstaten selbst am Leben erhält", letztlich für einen Ressourcenkonflikt. David Zounmenou weist darauf hin, dass die christlichen Einwohner in dem Staat als "Alteingesessene" gelten, während die Hausa- und Fulani-Nomaden, beide Gruppen sind überwiegend Muslime, als "Zuwanderer" oder "Siedler" gelten, obwohl sie teilweise auch schon seit mehreren Generationen in Jos und Umgebung leben. Diesen "Siedlern" ist es nicht erlaubt, sich um politische Ämter zu bewerben oder sich an lokalen Wahlen zu beteiligen. Das dürfte bei dem Gewaltausbruch nach einer lokalen Wahl im Jahr 2008 eine Rolle gespielt haben. Damals wurden 700 Menschen beider Religionsgruppen getötet.

Matthias Basedau vom Hamburger Giga-Institut (German Institute of Global and Area Studies) weist darauf hin, dass die "Gewalteruptionen" eigentlich seit dem bisher schlimmsten Massaker von 2001 mit 1000 Toten jeweils "eine Folge vorhergehender Taten" gewesen seien. Die "politisch-ökonomische Konkurrenz" verschiedener ethnischer Gruppen sei jedoch die eigentliche Ursache für die Konflikte. Dass es den Soldaten nicht gelungen sei, nach den Massakern im Januar die Menschen nun zu schützen, sieht Basedau als Symptom für den "schwachen Staat" in Nigeria. Zudem ist in der Regierungspartei im Plateau-Staat ein Machtkampf im Gang. Die Partei hat sich gespalten.

Die Krise in Jos entwickelt sich zu einer chronischen Krise und wird in Nigeria nun als Test für den amtierenden Präsidenten Goodluck Jonathan und seine Handlungsfähigkeit gesehen. Seitdem der 2007 gewählte Präsident Umaru Yar Adua im November das Land in Richtung Saudi-Arabien verließ, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen, ist er in der Öffentlichkeit nicht mehr gesehen worden. Zwar kehrte er offenbar vor wenigen Tagen aus Dschidda zurück. Doch das Flugzeug landete mitten in der Nacht, und seither hat auch Goodluck Jonathan den Präsidenten nicht gesehen. Yar Aduas Ehefrau hat seit seiner Erkrankung niemanden mehr zu ihm gelassen.

In Nigeria spekulieren die Zeitungen seit Wochen darüber, dass der Präsident nicht mehr regierungsfähig ist. Klaus Paehler sagt: "Niemand rechnet damit, dass er zurückkommt." Matthias Basedau findet es zumindest bemerkenswert, dass in der jungen Demokratie Nigerias – die Militärherrschaft ist erst zehn Jahre her – die "Institutionen zumindest so gut funktioniert haben, dass Goodluck Jonathan die Amtsgeschäfte übernehmen konnte". Allerdings erwartet David Zounmenou vor der Präsidentenwahl 2011 einen Machtkampf.

Yar Adua war nach acht Jahren der erste Präsident aus dem Norden. Wegen des fragilen Machtgefüges zwischen christlichem Süden und muslimischem Norden steht dem Norden sozusagen eine zweite Amtszeit zu. Das würde bedeuten, dass Jonathan keine Chance hätte, als Präsidentschaftskandidat aufgestellt zu werden. Andererseits ist das seine politische Chance. Er hat schon angefangen, Fakten zu schaffen. Am Dienstag feuerte er Yar Aduas Sicherheitsberater Sarki Muktar und setzte seinen Vorgänger Aliyu Gusau wieder ein.

 
Leser-Kommentare
  1. daß wir in Deutschland nicht ähnliches erleben werden, sobald die Mehrheitsverhältnisse kippen?

    Oder müssen wir das "aushalten"?

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    • Yroc
    • 10.03.2010 um 14:29 Uhr

    In dem Konflikt geht es nicht um Religion, sie brauchen also keine Angst haben das die bösen Muslime ihnen den Kopf einschlagen.
    Der Konflikt liegt viel tiefer, nämlich im Kampf ums überleben. Viele Menschen dort haben keine Zukunft, die angestaute Aggression entlädt sich in solchen Massakern.

    • Yroc
    • 10.03.2010 um 14:29 Uhr

    In dem Konflikt geht es nicht um Religion, sie brauchen also keine Angst haben das die bösen Muslime ihnen den Kopf einschlagen.
    Der Konflikt liegt viel tiefer, nämlich im Kampf ums überleben. Viele Menschen dort haben keine Zukunft, die angestaute Aggression entlädt sich in solchen Massakern.

  2. daß Die Zeit nun wenigstens etwas Hintergrundinformation über Regierungskrise und Gewalt in Nigeria nachliefert, der erste Artikel über das Massaker in Jos war oberflächlich, irreführend und kurz.
    http://www.zeit.de/politi...
    Warum aber ist dieser Artikel nun dem Ressort Deutschland zugeordnet? In Wirklichkeit aber nur auf der Startseite zu finden?

    Darf ich auch hoffen, daß sich Andrea Böhm, Bartholomäus Grill oder jemand anderes mit Sachverstand und Landeskenntnis in Kürze dem Thema Nigeria annehmen wird?
    Nach Lektüre in anderen Medien macht es mir sehr den Eindruck, als würde das bevölkerungsreichste Land in Afrika in schwerster Krise stecken und möglicherweise einer Spaltung, einem Regierungsumsturz, Gewalt wie im Ostkongo oder Darfur entgegen steuern. Darüber wäre ich sehr gern genauer informiert, ohne das in x verschiedenen Medien tun zu müssen. Ich finde es sehr bedauerlich, daß die Berichterstattung ganz generell über Afrika in Die Zeit so enorm an Niveau verloren hat.

  3. "Vergeltung in Nigeria"

    Eine solche Überschrift enthält in sich bereits eine Verharmlosung und sogar Rechtfertigung. Dass im Artikel die Dinge auch nich so dargestellt werden, als habe es sich bei den Unruhen im Januar um einseitige "Massaker an Muslimen" gehandelt, obwohl es damals um bürgerkriegsähnliche Auseinanderstezungen ging, rundet das Bild menschenverachtender Verhöhnung der Opfer ab, die wohl "selbst schuld" waren.

  4. Es muss natürlich "noch" heißen, nicht "nich"

    • Yroc
    • 10.03.2010 um 14:29 Uhr

    In dem Konflikt geht es nicht um Religion, sie brauchen also keine Angst haben das die bösen Muslime ihnen den Kopf einschlagen.
    Der Konflikt liegt viel tiefer, nämlich im Kampf ums überleben. Viele Menschen dort haben keine Zukunft, die angestaute Aggression entlädt sich in solchen Massakern.

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    das haben die Täter offensichtlich anders gesehen. Überlebende berichten davon die Angreifer hätten hätten während des Gemetzels «Allahuakbar» geschriehen. Außerdem seien Moslems, die in dem betroffenen Gebiet gewoht haben zuvor gewarnt worden. Was stimmt nun? Die Tat war eine «Vergeltung», die Ermordeten also irgendwie ein bisschen selber Schuld? Oder ist das die Blutgrenze der islamischen Ausbreitung in Nigeria?

    das haben die Täter offensichtlich anders gesehen. Überlebende berichten davon die Angreifer hätten hätten während des Gemetzels «Allahuakbar» geschriehen. Außerdem seien Moslems, die in dem betroffenen Gebiet gewoht haben zuvor gewarnt worden. Was stimmt nun? Die Tat war eine «Vergeltung», die Ermordeten also irgendwie ein bisschen selber Schuld? Oder ist das die Blutgrenze der islamischen Ausbreitung in Nigeria?

  5. Ich schließe mich der dame.von.welt ausdrücklich an! Dieser Artikel ist sehr schlecht geschrieben, wenig aussagekräftig und lässt mehr Fragen offen als er Antworten gibt.
    Das Thema ist wahnsinnig spannend, vor allem die Beziehungen der Ethnien zueinander. Warum sollten friedliebende Fulani auf Christen losgehen; was sind die (historischen) Hintergründe? Auch ich wünsche mir einen gründlich recherchierten und aufschlussreichen Artikel zum Thema!

  6. das haben die Täter offensichtlich anders gesehen. Überlebende berichten davon die Angreifer hätten hätten während des Gemetzels «Allahuakbar» geschriehen. Außerdem seien Moslems, die in dem betroffenen Gebiet gewoht haben zuvor gewarnt worden. Was stimmt nun? Die Tat war eine «Vergeltung», die Ermordeten also irgendwie ein bisschen selber Schuld? Oder ist das die Blutgrenze der islamischen Ausbreitung in Nigeria?

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    Das Massaker in Jos ist vermutlich primär Folge des aktuellen Machtvakuums:
    http://www.spiegel.de/pol...
    Der alte Präsident, Umaru Yar’Adua, ist noch nicht verstorben, aber scheinbar zu krank zum Regieren, http://www.economist.com/...
    während der neue, Goodluck Jonathan, vorsichtig formuliert, umstritten ist.
    http://news.bbc.co.uk/2/h...
    'Vergeltung' insofern, als Anfang des Jahres ein Massaker von Christen an Muslimen verübt wurde und - vermutlich wegen der Regierungskrise - der Region keinerlei erhöhte Aufmerksamkeit zuteil wurde, kommentiert von Cameron Duodu/Guardian:
    http://www.guardian.co.uk...

    Etwas mehr Information zu den aktuellen Ereignissen liefern NYT http://www.nytimes.com/20...
    BBC http://news.bbc.co.uk/2/h... am besten informiert scheint mir Al Jazeera http://english.aljazeera.... http://english.aljazeera....
    Der gesamten deutschsprachigen Presse ist die Entwicklung in Nigeria offenbar keine große Mühe wert.

    Und nun extra für Sie noch ein Bonbon:
    http://www.missio.de/de/a...

    Das Massaker in Jos ist vermutlich primär Folge des aktuellen Machtvakuums:
    http://www.spiegel.de/pol...
    Der alte Präsident, Umaru Yar’Adua, ist noch nicht verstorben, aber scheinbar zu krank zum Regieren, http://www.economist.com/...
    während der neue, Goodluck Jonathan, vorsichtig formuliert, umstritten ist.
    http://news.bbc.co.uk/2/h...
    'Vergeltung' insofern, als Anfang des Jahres ein Massaker von Christen an Muslimen verübt wurde und - vermutlich wegen der Regierungskrise - der Region keinerlei erhöhte Aufmerksamkeit zuteil wurde, kommentiert von Cameron Duodu/Guardian:
    http://www.guardian.co.uk...

    Etwas mehr Information zu den aktuellen Ereignissen liefern NYT http://www.nytimes.com/20...
    BBC http://news.bbc.co.uk/2/h... am besten informiert scheint mir Al Jazeera http://english.aljazeera.... http://english.aljazeera....
    Der gesamten deutschsprachigen Presse ist die Entwicklung in Nigeria offenbar keine große Mühe wert.

    Und nun extra für Sie noch ein Bonbon:
    http://www.missio.de/de/a...

  7. Ist doch eigentlich wie immer Menschen mittels geschickter Hassprediger und Brandstifter werden in Richtung genozid manipuliert- Leute die gestern noch Nachbarn waren schlagen heute darauf zu. die Geschichte der Menschheit. 1. Mord an 1.5 millionen christlichen Armeniern durch Tuerken
    2. Genocid an 6 millionen juden im dritten Reich 3. sintis romamorde,4. in den 90igern srebleniza (muslims)getoetet durch serbische Christen,5. Rwanda 1. 5 millionen Tutsis der Rufmord begann vom radio aus und jetzt Darfour (durch isl. reitermilizen) alles gedultet zum Spass weniger die an Kriegen und Konflikten verdienen und uns alle zum Feind machen und immer ihre Marionetten bereit haben
    Seit dem zweiten Weltkrieg kamen mehr Menschen in Kriegen um als waehrend dessen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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