Lange haben sie mehr über- als miteinander geredet. In den allgemeinen Koalitionszank hat sich am Wochenende auch noch Bundespräsident Horst Köhler mit einem kritischen Interview eingemischt. Heute Abend, 19.30 Uhr, soll es im Amtssitz des Präsidenten zur Aussprache kommen. ZEIT ONLINE weiß jetzt schon, wie das ablaufen könnte.

19.30 Uhr: Die FDP-Minister sitzen bereits. Dirk Niebel (mit Mütze) neben Westerwelle, der in der Mitte der Tafel Platz nimmt. Philipp Rösler kichert vergnügt mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, bis die Flügeltür aufgeht – und die CSUler eintreten. Seehofer und Söder marschieren breitbeinig. Karl Theodor zu Guttenberg kommt ein paar Augenblicke später. Andere CSU-Minister sind nicht eingeladen. Dafür kommt die CDU in voller Mannstärke, angeführt von der Kanzlerin. Angela Merkel tippt noch im Laufen SMS und schnappt sich den Stuhl gegenüber von Westerwelle. Zu ihrer linken: Norbert Röttgen, zur rechten: Wolfgang Schäuble. Kristina Köhler und Roland Pofalla gähnen. Der Kleine Parteitag war lang gestern. Als letzter betritt der Hausherr den Essenssaal. Westerwelle springt auf.

Westerwelle: Sehr verehrter Herr Bundespräsident, vielen herzlichen Dank für die Einladung.

Köhler (nickt und schweigt)

Westerwelle: Allerdings, sehr verehrter Herr Bundespräsident, wollte ich gern gleich zu Beginn ihr Interview im Focus ansprechen. Sehr interessant, wenn auch nicht unbedingt in allen Aussagen freundlich.

Köhler (schweigt)

Westerwelle: Verstehen Sie mich nicht falsch, sehr verehrter Herr Bundespräsident. Aber ich wollte höflich daran erinnern, dass ja wir es waren, die Frau Bundeskanzlerin und ich, die Sie in meiner Wohnung zum Herrn Bundespräsidenten gekürt haben. Und eigentlich haben wir doch ähnliche Ziele. Sie sind auch ein Mann der Wirtschaft.

Köhler (schweigt)

Seehofer: Also, i bin kein Mann der Wirtschaft.

Söder: I auch net.

Merkel (rollt mit den Augen); Schäuble (schüttelt verächtlich den Kopf); Söder und Rösler (drohen sich gegenseitig mit der Faust)

Das Essen kommt. Die Gespräche plätschern vor sich hin. Die Christdemokraten beraten, was sie Helmut Kohl zum 80. Geburtstag schenken. Die Liberalen tauschen die neusten Konz-Tipps aus. Köhler schaut lächelnd aus dem Fenster. Westerwelle beobachtet ihn – und wendet wieder das Wort an ihn.

Westerwelle: Um noch einmal auf die Reformen zu kommen, die Sie im Focus angemahnt haben, sehr verehrter Herr Bundespräsident...

Seehofer: Der Gwido wieder...

Westerwelle: Würden Sie mich bitte nicht unterbrechen, Herr Parteivorsitzender. Also, lieber Herr Bundespräsident, wie haben Sie das gemeint: Einerseits kritisieren sie unser Wachstumsbeschleunigungsgesetz, andererseits fordern sie mehr Entlastungen für den Mittelstand?

Köhler (lächelt unsicher)

Westerwelle: Weil, nun ja, wir dachten, dass das Wachstumsbeschleunigungsgesetz den Mittelstand bereits entlastet. Oder Angela? Stimmt doch?

Merkel (reagiert nicht, erst als Pofalla sie anstuppst, lässt sie vom Handy ab): 'tschuldigt. Ich chatte gerade mit dem Barroso. Mal wieder typisch, Portugal hat kein Geld, aber der feine Herr spielt sich als Griechenlands Retter auf.

Schäuble: Wobei er nicht ganz unrecht hat ....

Merkel: Wer wählt in 47 Tagen, die Rheinländer oder die Griechen?

Westerwelle (stolz): Wir!