Gesundheitspolitik Union meckert über Röslers Arznei-Pläne

Mit Zwangsrabatten sollen die steigenden Arzneimittelausgaben gesenkt werden. Beifall kommt von den Verbraucherschützern, die Union nennt Röslers Konzept "unausgegoren".

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Johannes Singhammer, hat die Pläne von Gesundheitsminister Philipp Rösler zu Einsparungen im Arzneisektor als unzureichend kritisiert. "Das ist ein unausgegorenes Konzept mit einer Reihe von Schwachstellen", sagte der CSU-Politiker und wies darauf hin, dass die Pläne nicht mit der Unionsfraktion abgestimmt sind. Diese werde "sehr rasch" einen eigenen Lösungsvorschlag vorlegen.

Singhammer bemängelte, zur Senkung der Arzneikosten müsse es zu einer schnellen Prüfung der Wirksamkeit eines neu auf den Markt kommenden Präparats kommen. Dazu biete das Konzept aus dem Bundesgesundheitsministerium keine Lösung. Die gesetzliche Krankenversicherung werde vor allem im nächsten Jahr ein Finanzierungsproblem haben. "Das heißt, alle Vorschläge müssen so ausgerichtet sein, dass auch schon in 2011 wirksame Einsparungen eintreten." Singhammer fügte hinzu: "Wir brauchen den Erfolg jetzt." Wenn Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen nicht zum Ziel führten, müsse es sehr rasch Konsequenzen geben.

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Um die Milliardenkosten im Gesundheitswesen einzudämmen, hatte eine Arbeitsgruppe des Gesundheitsministeriums ein Konzept erarbeitet, womit das Preismonopol für innovative Arzneimittel gekippt werden soll. Vorgesehen sind mehr verpflichtende Preisverhandlungen zwischen Kassen und Pharmaindustrie. Kommt es zwischen diesen zu keiner Einigung, sollen Höchstpreise festgelegt werden. Auch soll schneller als bisher der Nutzen eines Medikaments nachgewiesen werden. Bislang können die Firmen die Preise für neue Medikamente selbst festsetzen.

Als "grundsätzlich richtig" bezeichnete Stefan Etgeton, Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Ernährung beim Bundesverband der Verbraucherzentralen den Plan, die Arzneimittelhersteller zu Preisverhandlungen zu zwingen. Für deren Chef Gerd Billen ist auch die sogenannte Kopfpauschale eine gute Idee. "Über Deutschland wird nicht das Unglück hereinbrechen, wenn die Gesundheitsprämie eingeführt wird." In den Niederlanden sei die Versorgung nicht schlechter geworden. Bisher fehlten aber noch Zahlen, um sich für ein Modell endgültig zu entscheiden.

Der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) hat Röslers Pläne kritisiert und der Aussage widersprochen, die Preise seien zu hoch. Die größten Kosten der Kassen kämen aus anderen Bereichen des Gesundheitssystems, wie der ärztlichen Behandlung und aus den Krankenhäusern. Die Regierung müsse sich entscheiden, ob sie Wettbewerb zulasse oder auf "alte Modelle der Regulierung" setze. Der VFA gilt als Sprecher der internationalen Pharma-Konzerne in Deutschland.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) kritisierte die Pläne ebenfalls, begrüßte aber, dass für die Hersteller von Generika keine zusätzlichen Belastungen geplant seien. Der BPI vertritt die Interessen des Pharmamittelstands in Deutschland.

Das endgültige Konzept für Einsparungen im Pharmasektor soll Medienberichten zufolge bis kommenden Mittwoch fertiggestellt und dann präsentiert werden. Hintergrund ist das erwartete Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung in 2010 und 2011.

 
Leser-Kommentare
  1. Arzneimittelpreise senken könnte so einfach sein:
    1. Zulassung von Internetapotheken
    2. Zulassung von Apothekenketten
    3. Erlaubnis für Apotheker, Medikamente in jedem Großhandel in der EU einzukaufen
    4. Preise freigeben

    Um den Sparanreiz beim Patienten zu schaffen:
    Alle halbe Jahr ermitteln die Krankenkassen den mittleren Preis jeden Medikaments und bezahlen auch nur diesen abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Der mittlere Preis wird rechtzeitig allen Apotheken bekanntgegeben (Download, CD).

    Ergebnis:
    1. Patienten, die in einer Apotheke mehr als den mittleren Preis bezahlen müssen, zahlen neben der Zuzahlung noch den Mehrpreis.
    2. Patienten, die in einer Apotheke weniger als den mittleren Preis bezahlen müssen, bekommen den Minderpreis bei der Zuzahlung verrechnet.

    Alle würden sich wundern, wie schnell die Medikamentenpreise in den deutschen Apotheken sinken würden.

    Vielleicht würden einige Apotheken diesen Markt nicht überstehen. Aber beispielsweise in Hannover gibt es in einer Straße 13 Apotheken. Die Frage ist, ob das sein muss. Das zahlen wir alles in unseren Gebühren mit!

    Für die Pharmaindustrie machte es keinen Sinn mehr, Medikamente in Spanien oder Niederlande billiger zu verkaufen als in Deutschland, wenn die deutschen Apotheker auch im dortigen Großhandel einkaufen dürften.

    • kapa
    • 08.03.2010 um 17:09 Uhr
    2. schade

    Irgenwie finden doch in zwischen viele Bürger die
    Pharmaindustrie als viel zu teuer Wie sehr langsam sich heraus gefiltert hat sind die Preise für ihre Arzneien
    Ich glaube in zwischen auch das selbst die Politiker den
    grenzen auf zeigen wollen nur wieso ist dies zu schwiegig die lobby in den gesundheits debatte ein fließen zu lassen
    Dies würde ich mich mal wünschen das es eine zeitung fertig bring uns verbraucher von der ihre arznei zu informieren
    warum sie so un angreifbar ist

  2. ... die Medikamente teurer als in den europäischen Nachbarstaaten? Weil wir mehrheitlich offensichtlich ein Volk von Hypochondern sind. Deutschland 17 Arztbesuche je Person und Jahr, Schweden 3 je Person und Jahr! Viele deutsche Patienten erwarten vom Arzt keine Belehrungen über eine gesunde Lebensführung, sondern ein Rezept für ein Medikament, das jegliche Schmerzen sofort unterdrückt, mögen diese auch noch so klein sein. Viele Patienten sollten sich fragen, ob sie bei jeder Kleinigkeit unbedingt zum Arzt rennen müssen. Ein normale Erkältung dauert ohne Arzt eine Woche und mit Arzt sieben Tage.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn ich eine Erkältung mit Arztbesuch in sieben Tagen auskuriere, dann habe ich auch spätestens am 3. Tag eine Krankmeldung; denn ich möchte meine Kollegen nicht anstecken. - Kuriere ich sie ohne Arztbesuch in nur einer Woche aus, muß ich Urlaub nehmen. - Finden Sie das gut? Oder soll ich mit Erkältung meine Arbeit erledigen, auch wenn ich dann dafür sorge, die Kollegen anzustecken oder durch Unaufmerksamkeit Schäden anzurichten? - Statt Hypochondern sind wir eher ein Volk mit einer großen Zahl nicht erkannter, auf alle Fälle nicht behandelter Traumata aus unserer jüngsten Geschichte. -

    Wenn ich eine Erkältung mit Arztbesuch in sieben Tagen auskuriere, dann habe ich auch spätestens am 3. Tag eine Krankmeldung; denn ich möchte meine Kollegen nicht anstecken. - Kuriere ich sie ohne Arztbesuch in nur einer Woche aus, muß ich Urlaub nehmen. - Finden Sie das gut? Oder soll ich mit Erkältung meine Arbeit erledigen, auch wenn ich dann dafür sorge, die Kollegen anzustecken oder durch Unaufmerksamkeit Schäden anzurichten? - Statt Hypochondern sind wir eher ein Volk mit einer großen Zahl nicht erkannter, auf alle Fälle nicht behandelter Traumata aus unserer jüngsten Geschichte. -

  3. Wenn ich eine Erkältung mit Arztbesuch in sieben Tagen auskuriere, dann habe ich auch spätestens am 3. Tag eine Krankmeldung; denn ich möchte meine Kollegen nicht anstecken. - Kuriere ich sie ohne Arztbesuch in nur einer Woche aus, muß ich Urlaub nehmen. - Finden Sie das gut? Oder soll ich mit Erkältung meine Arbeit erledigen, auch wenn ich dann dafür sorge, die Kollegen anzustecken oder durch Unaufmerksamkeit Schäden anzurichten? - Statt Hypochondern sind wir eher ein Volk mit einer großen Zahl nicht erkannter, auf alle Fälle nicht behandelter Traumata aus unserer jüngsten Geschichte. -

  4. Philipp Rösler als harmlos und klientel verdächtiges Weichei, wird nun plötzlich zum Ritter ohne Furcht und Tadel. Den Kampf aufzunehmen gegen einen übermächtigen Pharmalobbyisten-Drachen zeugt von beherzten Mut!!!
    Da kann der Seehofer nur neidisch lamétieren, denn er ist ja selbst als Gesundheitsminister krank und kläglich gegen den Pharmadrachen gescheitert. Sein Verkohlungsmeister hat selbst mitgeholfen um einen gerechten Sieg zu verhindern.

  5. Man nehme einen Wirkstoff, verändere ihn minimal, gebe ihm einen neuen Namen, lasse ihn zu und vertreibe ihn zum zwanzigfachen des Preises für den alten Wirkstoff. Natürlich wird zu dem Zeitpunkt die Produktion des alten Wirkstoffes eingestellt.
    Geht aber noch einfacher. Man ändere einfach die Verpackungsgröße, z.B. von 20 auf 50 Einheiten. Nach Arzeneimittelrecht gilt dies als Neueinführung und gibt dem Hersteller die Möglichkeit einen neuen Preis festzulegen. Pro Einheit liegt dieser meistens deutlich höher.

    MfG
    AoM

  6. "die Medikamente teurer als in den europäischen Nachbarstaaten? Weil wir mehrheitlich offensichtlich ein Volk von Hypochondern sind"
    Die Gesamtarzneikosten erhöht dieses Verhalten gewiss, aber das ist kein Grund für die höheren Einheitskosten.
    Die sind nur möglich, weil die Politik in D mitmacht und Rösler wird das nicht ändern.

    • WHF
    • 09.03.2010 um 9:17 Uhr

    Es ist sehr bedenklich, wenn Kritik aus der CDU kommt, aber selbst kein praktikables Rezept in der Schublade liegt. Warum sind bei uns die Arzneien so horrend teuer? Die Antwort ist einfach, der Staat verdient sich eine goldene Nase. Es müsste ein Gesetz geschaffen werden, wo nach Lobbyisten, keinen direkten gesetzgeberischen Einfluss auf die Regierung und Abgeordneten haben darf. Ausscheidende Abgeordnete und Minister ist es verboten, die ersten fünf Jahre, in einen Betrieb zu wechseln, wessen Produkte sie in ihrer Politischen Tätigkeit bearbeitet haben, dies wäre ein vernünftiger Vorschlag.
    Danke

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