Vor der NRW-Wahl Koalition hält an Steuer-Terminplan fest

Angst vor drohendem Machtverlust: Laut einem Bericht wollen Union und FDP bereits vor der NRW-Wahl ein Steuerreformkonzept präsentieren. Das Dementi folgte umgehend.

Suchen nach Wegen in der Steuerpolitik: Guido Westerwelle (links) mit Angela Merkel und Horst Seehofer (Archivbild)

Suchen nach Wegen in der Steuerpolitik: Guido Westerwelle (links) mit Angela Merkel und Horst Seehofer (Archivbild)

Angesichts derzeit schlechter Umfragewerte planen Union und FDP einem Zeitungsbericht zufolge noch vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen einen Strategiewechsel bei der Steuerpolitik. Wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Koalitionskreise berichtet, ist im Gespräch, noch im April ein gemeinsames und abgespecktes Konzept zur Steuerreform zu präsentieren.

Um wieder in die Offensive zu gelangen, sei es nötig, wichtige Projekte nicht auf die Zeit nach den Wahlen im Mai zu verschieben, hieß es demnach in Koalitionskreisen. Die gemeinsame Steuerreform wäre allerdings "deutlich abgespeckt". So könnte das Volumen der steuerlichen Entlastungen von ursprünglich geplanten knapp 20 Milliarden Euro deutlich auf fünf bis zehn Milliarden Euro reduziert werden. Im Gespräch sei etwa ein veränderter Steuertarif im unteren Bereich.

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Die Grundzüge des Konzepts, so hieß es, wollten bei einem weiteren Sechs-Augen-Gespräch die Parteichefs Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Guido Westerwelle (FDP) am Sonntag besprechen. Ob sie auch schon Beschlüsse fassen und verkünden werden, sei noch offen.

Im Mittelpunkt der Steuerreform, die zum 1. Januar 2011 in Kraft treten solle, stehe die Bekämpfung der sogenannten kalten Progression – ein Effekt, durch den die Steuer Einkommenssteigerungen wieder auffrisst. Zudem könnte der Steuertarif im unteren Bereich etwas abgeflacht werden, was ebenfalls vor allem Gering- und Durchschnittsverdienern zugute käme, heißt es in dem Bericht.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm dementierte allerdings umgehend und sagte, der Bericht sei nicht zutreffend. "Das Thema Steuern wird bei dem Gespräch der Parteivorsitzenden am Sonntag nicht auf der Tagesordnung stehen." Regierungsvertreter hatten zudem stets betont, sie müssten für die Steuerreform erst die Steuerschätzung am 6. Mai abwarten, um konkrete Daten zu haben. Die Wahl in Nordrhein-Westfalen ist am 9. Mai.

Wochen vor der Wahl liegt die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf in Umfragen hinter SPD, Grünen und Linkspartei. Sollte sich der Trend bestätigen, verlören Union und FDP nicht nur die Regierungsmehrheit im bevölkerungsreichsten Bundesland, sondern auch ihr knappes Stimmenübergewicht im Bundesrat. Das würde steuerpolitische Entscheidungen erschweren.

Merkel, Seehofer und Westerwelle seien sich daher einig, dass sie in den kommenden Wochen eigene Themen setzen müssten, um den Negativtrend zu brechen, hieß es in dem Bericht. Neben einer Reihe kleinerer Punkte eigneten sich dafür allein Steuersenkungen, weil Beschlüsse in der Gesundheitspolitik, zum Atomausstieg oder zur Neuordnung der Hartz-IV-Regeln entweder unpopulär oder koalitionsintern noch strittig seien.

Die Koalition ringt mit sich, inwieweit weitere Steuersenkungen angesichts der angespannten Haushaltlage mit der Neuverschuldung von 82 Milliarden Euro für 2010 machbar sind. Die FDP hatte erst jüngst eine Abkehr von ihren zuvor verkündeten Entlastungszielen angedeutet.

Das Wochenende könnte aber noch weitere Neuigkeiten bringen: Parallel zur Ankündigung einer Steuerreform werde die Koalition möglicherweise auch die Einführung einer Bankenabgabe bekannt geben, mit deren Hilfe ein Teil der Kosten der Wirtschafts- und Finanzkrise bei den Kreditinstituten wieder eingetrieben werden könnte.

 
Leser-Kommentare
  1. Vor der NRW Wahl alles Strittige beiseite schieben. Ordentlich mehr Netto propagieren! Nach der Wahl feststellen, dass das Alles nicht geht. Den Lobbyisten lauschen und weiter wurschteln.

  2. Offenbar sieht man seine Felle davon schwimmen. Und jetzt wird kraeftig dagegen gerudert, um des Volkes Zorn zu besaenftigen und doch noch die Regierung Ruettgers zu retten. Alles Ablenkungsmanoever und nicht zeitgemaesse Aktionen.
    Die Staatsverschuldung muss das erste Ziel sein, die es zu bekaempfen gilt und da passen Steuersenkungen, egal ob nun 10 oder 20 Mrd, Euro, nicht ins Bild. Das muss die Moevenpick-Partei endlich begreifen.

  3. ...wirklich so doof oder hält man uns nur für doof, dass wir auf so fadenscheinig angelegte Hauruck-Aktionen in Vorwahlkampfzeiten hereinfallen?
    Und wer sagt mir nach der Wahl ob und wie eine solche Steuersenkung die Wahl beeinflusst hat?

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    Naja, GW hat den Negativtrend der FDP mit seinen kontroversen Äußerungen zu Hartz4 abgefangen. Das war offensichtlich purer Populismus. Also ja ... einige Wähler lassen sich blenden. Anders ist m. E. auch nicht zu erklären, dass eine Klientelpartei, wie die FDP auf 14.6% kommen kann.

    Solange der deutsche Michel eine Banane in der Hand halten kann und einmal im Jahr nach Malle fahren darf, kann man ihm alles erzählen.
    Ausnahmen bestätigen die Regel, reichen aber nicht aus.

    Naja, GW hat den Negativtrend der FDP mit seinen kontroversen Äußerungen zu Hartz4 abgefangen. Das war offensichtlich purer Populismus. Also ja ... einige Wähler lassen sich blenden. Anders ist m. E. auch nicht zu erklären, dass eine Klientelpartei, wie die FDP auf 14.6% kommen kann.

    Solange der deutsche Michel eine Banane in der Hand halten kann und einmal im Jahr nach Malle fahren darf, kann man ihm alles erzählen.
    Ausnahmen bestätigen die Regel, reichen aber nicht aus.

  4. Moin,
    eine Steuerstrukturreform (was nicht gleichbedeutend ist mit weniger Einnahmen) wäre dringend geboten, nur so kann man tatsächlich von gerechteren Steuern sprechen, die uns immer wieder vorgebetet werden. Eine Steuerstrukturreform macht man aber nicht mal eben so zwischen Tür und Angel. Aber genau das passiert jetzt, zwischen Tür und Angel, weil die Umfragewerte gerade so schlecht sind, man will ja keine Wahl verlieren. Hier stehen also kurzfristige parteipolitische Gesichtspunkte im Vordergrund, wo es eigentlich um das Wohl des Landes geht. Angesichts der Rekordneuverschuldung übrigens ein Hohn. Und welche Stellschraube sucht man sich nun aus? Richtig, die kalte Progression. Da sollten wird aber einmal gespannt sein, wie da niedrige Einkommen profititeren sollen? Doch wohl nur dann, wenn die niedrigen Einkommen erheblich steigen. Man wird den Eindruck nicht los, hier wird wieder einmal ein Märchen aufgetischt.
    Beste Grüße
    Grabert

  5. Die haben weder das eigentliche Problem bislang intellektuell ausreichend umrissen; den eigentlichen politischen Handlungsbedarf für sich erkannt; noch begriffen, dass es "Fünf vor Zwölf" ist für dieses Land!

    Alles was jetzt noch von der Regierung Merkel zu erwarten ist, läßt sich mit "nichts" treffend umschreiben!

    Diese schwarz/gelbe (Alb)Traumkoalition muss endlich beendet werden.

  6. aufkommensneutrale Steuerstrukturreform.

    Damit würde deutlich, wer mehr belastet wird und wer weniger.
    Eine versteckte Umverteilung von Unten nach Oben wäre kaum möglich. unter diesen Voraussetzungen müßte man einigen Lobb

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    Die Steuerstrukturreform muss vor der Steuerentlastung stehen.
    ICh bin mal gespannt, was da letztendlich wirklich beschlossen wird, aber ich befuerchte, dass die FDP die Strukturreform nicht durchsetzen werden kann und dass man sich auf eine kleine Absenkung des Eingangssteuersatzes beschraenkt um zu sagen, "wie sozial man doch ist".
    Nuetzen wird das kaum jemandem und gewaehlt worden ist die oalition fuer solch kleiner Spruenge auch nicht.

    Die Steuerstrukturreform muss vor der Steuerentlastung stehen.
    ICh bin mal gespannt, was da letztendlich wirklich beschlossen wird, aber ich befuerchte, dass die FDP die Strukturreform nicht durchsetzen werden kann und dass man sich auf eine kleine Absenkung des Eingangssteuersatzes beschraenkt um zu sagen, "wie sozial man doch ist".
    Nuetzen wird das kaum jemandem und gewaehlt worden ist die oalition fuer solch kleiner Spruenge auch nicht.

    • Eiseob
    • 18.03.2010 um 8:20 Uhr

    Akitv zu werden ist ja für eine Bundesregierung zu nächst einmal nicht schlecht. Doch wenn die Richtung sowas von daneben geht muss man sich schon ernsthafte Sorgen machen. Es ist ja nicht so das wir im Geld schwimmen würden und uns deswegen das ein oder andere Steuergeschenk leisten könnten. Selbst wenn wir nicht gerade 80 Milliarden Schulde für den Bundeshaushalt beschließen würden, wäre das Geld besser in Bildung angelegt. Diese Regierung ist lächerlich...

  7. Es sollte volltständig heißen.

    Unter diesen Voraussetzungen müßte man einigen Lobbyisten von den Kopf stoßen. Völlig unmöglich!.

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