Vor großen Fußstapfen scheint Hellmut Königshaus wenig Angst zu haben. Ruhig und wenig aufgeregt spricht er über die Wahl am Donnerstagmorgen im Bundestag, die ihm sein bisher wichtigstes politisches Amt einbringen soll. Der FDP-Politiker aus Berlin folgt dem Sozialdemokraten Reinhold Robbe als Wehrbeauftragter. Die Wahl ist geheim, gilt aber als Selbstläufer: Robbe verzichtet auf eine Gegenkandidatur und Union und FDP verfügen über eine solide Mehrheit.

Die Frage ist nur, wie viele Stimmen Königshaus bekommen wird. Robbe ist populär – in den Medien und sogar beim politischen Gegner. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz von der CDU, forderte vor Kurzem, Robbe eine weitere Amtszeit zu bescheren. Auch der Bundeswehrverband sprach sich für einen Verbleib Robbes im Amt aus. Doch das Amt haben sich die Liberalen in den Koalitionsverhandlungen gesichert. Und darauf zugunsten der SPD zu verzichten, kommt für Guido Westerwelle und seine Partei nicht infrage.

"Vertrag ist Vertrag. Und irgendwann sollte sich auch die Union dazu durchringen, Koalitionsvereinbarungen einzuhalten", sagte Königshaus schon vor Wochen am Rande des Kundus-Untersuchungsausschusses, in dem er Obmann seiner Partei ist. Damals war die Kandidatensuche seiner Partei noch nicht abgeschlossen. Königshaus sei nicht erste Wahl gewesen, schrieben mehrere Zeitungen. Die FDP dementierte dies prompt und ein wenig zu laut.

Es gab aber auch nicht nur Kritik für den Neuen. Ein prominenter Fürsprecher sprang für Königshaus in die Bresche: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der sagt, dass er Königshaus als kompetenten Kollegen kennen gelernt habe. Doch das künftige Verhältnis zwischen Minister und Wehrbeauftragten könnte spannend werden. Guttenberg und Königshaus stehen für zwei völlig unterschiedliche Politikertypen. Während Guttenberg gern den Strahlemann gibt und schnell – manche sagen zu schnell – nach vorn prescht, ist Königshaus eher ein bedächtiger Vertreter. Politik ist für ihn vor allem harte Arbeit, das Ringen um Sachfragen.

Im Bundestag sitzt Königshaus seit dem 20. August 2004. Er folgte als Nachrücker dem verstorbenen Ex-Wirtschaftsminister Günter Rexrodt. Erneut waren die Fußstapfen groß. Doch Königshaus arbeitete sich fleißig in die Themen ein. Er widmete sich der Entwicklungs- und der Außenpolitik und vertrat stets die Parteilinie. So forderte er kurz vor der Wahl als entwicklungspolitischer Sprecher der Liberalen die Abschaffung des Bundesministeriums für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), das nun sein Parteifreund Dirk Niebel leitet.

Schnell machte er sich in der FDP-Fraktion einen Namen als genauer, verlässlicher und kompetenter Politiker, der sich in unterschiedliche Themen einarbeiten kann. Er vertrat seine Partei in den Untersuchungsausschüssen zur BND- und der Visa-Affäre. Reden vor dem Plenum zu halten oder schlagfertig in Talkshows zu diskutieren, das zählt nicht zu seinen Stärken. Königshaus überzeugt als Kenner kniffliger juristischer Fragen. Über die Auslegung von Gesetzestexten kann er leidenschaftlich streiten – das merkten die Vertreter von SPD, Grünen und Linkspartei im Kundus-Untersuchungsausschuss. "Wenn die Opposition nach Karlsruhe gehen will, wünsche ich ihr viel Glück", sagte er nach einem Verfahrensstreit im Ausschuss. Journalisten bringt sein striktes Verweisen auf die Gesetze und sein Leitsatz: "Wir wollen keine politischen Scharmützel" auf den Pressekonferenzen zum Teil zur Verzweiflung. Doch Königshaus drängt nicht auf die Titelblätter oder in die tagesschau.