FDP-Chef in der Kritik Westerwelles abenteuerliche Reisen
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Ist Westerwelles Reisepolitik nicht gängige Praxis?

Was sagen die Fachpolitiker? Ist Westerwelles Reisepolitik nicht gängige Praxis?

Egal, in welche Partei man hineinhorcht, kein Außenpolitiker bestreitet, dass es immer schon Fälle gegeben hat, in denen Außenminister von Persönlichkeiten begleitet worden sind, die ihnen politisch oder persönlich nahe standen. Westerwelles Vorgänger Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte zum Beispiel oft den damaligen BASF-Vorstand Eggert Voscherau dabei. Kritik an Westerwelle gibt es aber dennoch parteiübergreifend.

Gernot Erler war Staatsminister im Auswärtigen Amt zur Steinmeier-Zeit. ZEIT ONLINE sagt er, dass das Ministerium tunlichst darauf achten müsse, dass im Gesamteindruck kein "böser Schein" entstehe. Wenn die Delegation aus mehreren Spendern, Geschäftspartnern der Familie und Parteifreunden bestehe, "dann schadet das dem Amt", sagt Erler. Die besuchten Länder wünschen sich, dass im Zuge des Ministerbesuchs positiv über sie berichtet werde, stattdessen lesen sie nun nur Berichte über dessen Entourage. Hier hätte man "mehr Sensibilität" von Westerwelle erwarten müssen, sagt der SPD-Politiker Hans-Peter Bartels.

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Vor allem kritisieren die Oppositionspolitiker, wie Westerwelle nun auf die Vorwürfe reagiert: nämlich uneinsichtig und mit Gegenvorwürfen. Normalerweise müsste er alles daran setzen, die Anschuldigungen zu entkräften, sagt Omid Nouripour von den Grünen. Aber das habe sich schon bei Partys gezeigt, die Westerwelle in der Villa Borsig in Berlin mit Stars und Sternchen gefeiert habe: Wenn möglich vermeide Westerwelle Trennschärfe und Transparenz. Er vergesse, dass die Villa und die Regierungsjets nicht ihm persönlich, sondern eben der Republik gehörten. Nach den Partys sträubte er sich, die Gästeliste zu veröffentlichen. Nun, auf der Lateinamerika-Reise sagte Westerwelle, er werde nichts ändern. Das Ganze sei eine Kampagne.

Hinzu kommt, die "Homosexualitäts-Keule", wie ein Oppositionspolitiker es nennt. Vertraute Westerwelles bezeichneten die Kritik an ihm zuletzt als latent schwulenfeindlich. Das sei ein "absurdes Totschlagargument", sagt Erler.

Den Außenpolitikern der Regierungsparteien ist die neuerliche Westerwelle-Debatte spürbar unangenehm. "Wen Westerwelle mitnimmt, da stecke ich nicht drin", sagt Peter Beyer, Außenpolitiker der CDU. Westerwelle werde von den Unionsfachpolitikern durchaus geschätzt. Der Außenminister hat auf deren Tagung zuletzt einen kompetenten und freundlichen Eindruck hinterlassen. Beyer rät, dass sich nun "alle völlig auf Sachlichkeit konzentrieren, vom Ressortchef bis zum Mitarbeiter".

Die CSU wollte sich am Freitag zu dem Thema nicht äußern. Für ihren innerkoalitionären Lieblingsfeind eine Lanze brechen? Offenbar nicht. Aus der FDP kommen widersprüchliche Kommentare: Offiziell heißt es, die Kritik am Parteichef schweiße die FDP erst recht zusammen. Ob aber die fragenden Stimmen nicht doch noch lauter werden, zeigt sich am Sonntag. Da ist FDP-Parteitag in Siegen, Westerwelles erster Termin in Deutschland nach seinem Lateinamerika-Trip.

Ist Westerwelles Ruf nun vollends ruiniert?

Das behauptet zumindest die Opposition. Erler spricht von einem "schwer reparablen Schaden". Hans-Peter Bartels sagt, der letzte Staatsrepräsentant unter dem die Deutschen so gelitten hätten, sei Alt-Präsident Heinrich Lübke gewesen. Bisher gewannen Außenminister immer in Umfragen bei den Popularitätswerten stark hinzu. Westerwelle hingegen verliert. Mehr als die Hälfte der Befragten fühlen sich nicht gut vertreten.

Was kann Westerwelle tun, um sein ramponiertes Ansehen wiederherzustellen? Michael Spreng, der als Wahlkampf-Berater des damaligen Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber manche Krisensituation bewältigen musste, rät Westerwelle, sich nun bloß nicht in kleinteilige Schlammschlachten zu begeben. Genau das aber scheint Westerwelles Strategie zu sein. So ließ das Auswärtige Amt ausrichten, der Unternehmer Marohn habe auch schon den rheinland-pfälzischen SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck auf Reisen begleitet – was dieser umgehend dementierte. Spreng sagt: Vom Chefdiplomat der Deutschen erwarte man mehr Fingerspitzengefühl. Westerwelle müsse ordentlich und seriös seine Arbeit machen, ruhiger werden – und im Übrigen hoffen, dass bald eine andere Sau durchs Dorf getrieben werde.

 
Leser-Kommentare
  1. . . eben mehr Format für einen solchen Posten. Anzug allein reicht nicht.

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    • joG
    • 13.03.2010 um 10:49 Uhr

    ....dass es eine Frage der Qualität des Außenministers ist, die die Berichterstattung hier leitet. Vielmehr sehen wir eine Fortsetzung der innenpolitischen Kampagne gegen ihn, die ganz anderen Interessen folgt. Dazu ist es notwendig den Charakter des Ministers in der Öffentlichkeit zu beschädigen und so ist die jetzige Darstellung nur logisch konsequent.

    Diesem Satz muß man nichts Bedeutendes mehr hinzufügen.

    Orpheus

    • joG
    • 13.03.2010 um 10:49 Uhr

    ....dass es eine Frage der Qualität des Außenministers ist, die die Berichterstattung hier leitet. Vielmehr sehen wir eine Fortsetzung der innenpolitischen Kampagne gegen ihn, die ganz anderen Interessen folgt. Dazu ist es notwendig den Charakter des Ministers in der Öffentlichkeit zu beschädigen und so ist die jetzige Darstellung nur logisch konsequent.

    Diesem Satz muß man nichts Bedeutendes mehr hinzufügen.

    Orpheus

  2. Normalerweise ist der Aussenminister unter den beliebtesten Politikern, weil er mit den harten Themen (Arbeitslosigkeit, sozialer Abstieg, Krankheit, Altervorsorge) nichts bis wenig zu tun hat. Die Tagesschau berichtet immer mit schönen Bildern, welche wichtigen Leute er trifft und die sagen immer schön artig, wie sehr sie Deutschland mögen.

    In diesem Amt schlecht beurteilt zu werden, ist ein echte Negativleistung.

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    ...wenn der Außenminister bislang deswegen gute Beliebtheitswerte hatte, weil er mit den "harten Themen" nichts zu tun hatte, dann kann man Westerwelles schlechte Beliebtheitswerte doch nicht zwangsläufig als Negativleistung deuten. Man könnte auch sagen, dass wir endlich einen Politiker haben, der nicht nur die Sonnenseiten des Außenamtes genießt, sich aber als Parteivorsitzender (der ein Außenminister in der Vergangenheit ja nun auch zumeist gewesen ist) mit den Niederungen der Innenpolitik gar nicht mehr abgibt, sondern sich auch in der Innenpolitik positioniert und zwangsläufig damit angreifbar macht. Joschka Fischer wurde seinerzeit vorgeworfen, dass er sich aus der Innenpolitik völlig herausgehalten und nur noch sein Ego durch schöne außenministertypische Umfragewerte gepflegt hatte.

    ...wenn der Außenminister bislang deswegen gute Beliebtheitswerte hatte, weil er mit den "harten Themen" nichts zu tun hatte, dann kann man Westerwelles schlechte Beliebtheitswerte doch nicht zwangsläufig als Negativleistung deuten. Man könnte auch sagen, dass wir endlich einen Politiker haben, der nicht nur die Sonnenseiten des Außenamtes genießt, sich aber als Parteivorsitzender (der ein Außenminister in der Vergangenheit ja nun auch zumeist gewesen ist) mit den Niederungen der Innenpolitik gar nicht mehr abgibt, sondern sich auch in der Innenpolitik positioniert und zwangsläufig damit angreifbar macht. Joschka Fischer wurde seinerzeit vorgeworfen, dass er sich aus der Innenpolitik völlig herausgehalten und nur noch sein Ego durch schöne außenministertypische Umfragewerte gepflegt hatte.

  3. Dieser korrupte und asoziale deutsche Mövenpick-Außenminister ist für Deutschland zutiefst beschämend.
    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf persoenliche Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/ew]

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    Dieser korrupte und asoziale deutsche Mövenpick-Außenminister ist für Deutschland zutiefst beschämend.
    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf persoenliche Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/ew]

    Recht hat er aber. Wie der Kerl ein ganzes Land im Ausland repräsentieren will, ist mir schleierhaft. Und sozial ist er sicher nicht. Das mit der Korruption ist Auslegungssache, zugegeben. Aber der Anschein liegt sehr nahe.

    Dieser korrupte und asoziale deutsche Mövenpick-Außenminister ist für Deutschland zutiefst beschämend.
    [Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf persoenliche Beleidigungen. Danke. Die Redaktion/ew]

    Recht hat er aber. Wie der Kerl ein ganzes Land im Ausland repräsentieren will, ist mir schleierhaft. Und sozial ist er sicher nicht. Das mit der Korruption ist Auslegungssache, zugegeben. Aber der Anschein liegt sehr nahe.

  4. Um die Interessen von Deutschland geht es doch sowieso nicht - es geht um die Staatsräson - und wer die wohl bestimmt?

  5. Es mag etwas kleinlich sein, Westerwelle nun jede auf nur denkbare wirtschaftliche Verstrickung von Teilnehmern seiner Delegation anzurechnen. Das Desaster scheint mir ein anderes zu sein: was qualifiziert denn den Steve Urkel der deutschen Politik eigentlich als Außenminister? Auf dem Terrain hat er keine Erfahrung, von der Thematik hat er offensichtlich und auch nach eigenem Bekunden wenig Ahnung und seine Ausstrahlung ist das krasse Gegenteil eines 'elder statesman'. Will sich die politische Klasse damit volksnah zeigen und demonstrieren, dass sie endlich auf dem Niveau der Shows des Privatfernsehens angekommen ist? Mir wäre ein Außenminister lieber, dessen Format sich deutlicher von dem einer Briefmarke unterscheidet.

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    • joG
    • 13.03.2010 um 15:00 Uhr

    ....für seine Gegner ist, dass er in weiten Teilen recht hat. So kann man ihn zwar wegmobben, wie Sie es vorschlagen, aber man kann damit die Situation nicht verbessern.

    • joG
    • 13.03.2010 um 15:00 Uhr

    ....für seine Gegner ist, dass er in weiten Teilen recht hat. So kann man ihn zwar wegmobben, wie Sie es vorschlagen, aber man kann damit die Situation nicht verbessern.

  6. Das war gemein, Hans-Peter Bartels! Den Vergleich mit Guido Westerwelle hat der arme Heinrich Lübke nun wirklich nicht verdient!

  7. Guter Artikel zum Thema Lobbyismus/Verfilzung von Politik und Wirtschaft von Kim Otto:
    http://www.blaetter.de/ar...

  8. ...wenn der Außenminister bislang deswegen gute Beliebtheitswerte hatte, weil er mit den "harten Themen" nichts zu tun hatte, dann kann man Westerwelles schlechte Beliebtheitswerte doch nicht zwangsläufig als Negativleistung deuten. Man könnte auch sagen, dass wir endlich einen Politiker haben, der nicht nur die Sonnenseiten des Außenamtes genießt, sich aber als Parteivorsitzender (der ein Außenminister in der Vergangenheit ja nun auch zumeist gewesen ist) mit den Niederungen der Innenpolitik gar nicht mehr abgibt, sondern sich auch in der Innenpolitik positioniert und zwangsläufig damit angreifbar macht. Joschka Fischer wurde seinerzeit vorgeworfen, dass er sich aus der Innenpolitik völlig herausgehalten und nur noch sein Ego durch schöne außenministertypische Umfragewerte gepflegt hatte.

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    • cvnde
    • 13.03.2010 um 11:15 Uhr

    Das stimmt so nicht, Fischer hat das alles nur leiser durchgesetzt.
    Vermutlich weil Fischer, anders als Ww kein Ego-Problem hatte.

    Bitte unter dem Stichwort googeln und nach Erwerb des Wissens- und Informationsstocks neu kommentieren.

    • cvnde
    • 13.03.2010 um 11:15 Uhr

    Das stimmt so nicht, Fischer hat das alles nur leiser durchgesetzt.
    Vermutlich weil Fischer, anders als Ww kein Ego-Problem hatte.

    Bitte unter dem Stichwort googeln und nach Erwerb des Wissens- und Informationsstocks neu kommentieren.

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