Westerwelle in Südamerika Eine Reise wird zum ReinfallSeite 2/2

Aber Retourkutschen können nicht davon ablenken: Westerwelle hat durch die Einladungspolitik ein Eigentor geschossen. Als Vorsitzender einer Partei, die seit Wochen bereits gegen den Ruch des Klientelismus ankämpft, hätte er besonders auf politische Hygiene achten müssen. Hat er die Debatte über "gemietete Ministerpräsidenten" nicht mitbekommen, die den Verdacht nährt, Spenden und Sponsoring öffneten hierzulande die Ohren der gewählten Vertreter, die doch dem Wohl des deutschen Volkes im Ganzen verpflichtet sind? Gerade wenn man, wie er nicht müde wird zu betonen, die Interessen der deutschen Exportwirtschaft im Ausland "nicht mit spitzen Fingern" anfassen, sondern offensiv vertreten will, muss jeder Ruch der Günstlingswirtschaft vermieden werden. Ob namhafte Wirtschaftsführer sich künftig gerne auf Westerwelles Reisen sehen lassen werden? Sie brauchen einen im In- und Ausland glaubwürdigen Türöffner.

In Sao Paulo ist der Frust auch in der Wirtschaftsdelegation mit den Händen zu greifen: Man wollte die Chancen des riesigen Wachstumsmarktes ausloten und die erstklassige Position der deutschen Unternehmen hier auch dem heimischen Publikum nahebringen, das immer nur nach Asien schaut, wenn es um viel versprechende emerging markets geht. Dieses wichtige Ziel droht nun völlig außer Acht zu geraten. Stattdessen steht nun die Mitreise bei einem deutschen Außenminister per se unter Verdacht. Ein ziemlich paradoxes Zwischenergebnis für einen Minister, der sich durch besondere Wirtschaftsfreundlichkeit hervortun will.

Am Donnerstagnachmittag  schließlich sahen sich führende Vertreter der mitreisenden Wirtschaft genötigt, mit eigener Stimme in die Debatte einzugreifen. Sie bedankten sich für die politische Flankierung ihrer Gespräche und zeigten Unverständnis über die "innenpolitische Kritik" an der Reise des Außenministers, der ein "Richtiges Signal zur richtigen Zeit gesetzt" habe. Das hat man so noch nicht gesehen: dass die Wirtschaft eine Ministerreise zu retten versucht.

Westerwelle hat Recht: Dass er von Lula außerplanmäßig empfangen wurde, sagte er, zeige "welche Wertschätzung Deutschland in Brasilien" und ganz Lateinamerika genießt. Deutschland ist ein wichtiger und vielerorts immer noch bewunderter Partner für die aufstrebenden Länder des Kontinents. Es braucht einen neuen Blick auf diese Weltgegend, die bemerkenswert gut durch die Krise gekommen ist und auch weltpolitisch mit großem Selbstbewusstsein agiert. Brasilien verfügt zum Beispiel über exzellente Kontakte zu Iran und könnte ein wichtiger Spieler in der diplomatischen Krise um das Atomprogramm der islamischen Republik sein. Wie Deutschlands guter Ruf in Brasilien und Brasiliens guter Ruf in Iran zu einer Lösung des Konflikts beitragen können, wäre ein schönes Thema für eine Debatte, die Westerwelles Lieblingswort "strategisch" verdienen würde.

Aber solche Fragen interessieren zurzeit niemanden in Deutschland. Der Minister hat einiges dafür getan, dass das so ist.

 
Leser-Kommentare
  1. "Wird geredet"...Meint ihr, liebe Medien? Wer redet denn, wenn nicht IHR! Wenn es nich tim stundentakt, sich widerholende Artikel darüber gäbe, anstatt mal übe die Politischen Ziele der Reise zu berichten, würde man vielleicht auch mal was anderes zu hören bekommen, als homophobe Sprüche und wirkungsloses gelaber.

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    Guido hat auch seine rote Ampel im Rausch missachtet und sollte seine Konsequenzen daraus ziehen...
    Hut ab vor Frau Käsmann.
    Würde unser Außenminister seinen "Mann" stehen, würde er es dieser Frau gleich tun.
    Denn auch er ist nicht mehr frei von Tadel, nicht frei genug, um sein Amt so aus zu üben, wie es das Amt, das Volk das ihn wählte verlangen wird.

    Guido hat auch seine rote Ampel im Rausch missachtet und sollte seine Konsequenzen daraus ziehen...
    Hut ab vor Frau Käsmann.
    Würde unser Außenminister seinen "Mann" stehen, würde er es dieser Frau gleich tun.
    Denn auch er ist nicht mehr frei von Tadel, nicht frei genug, um sein Amt so aus zu üben, wie es das Amt, das Volk das ihn wählte verlangen wird.

  2. eines deutschen Außenministers sein. Der Mann instrumentalisiert seine Reisen für die Zurschaustellung von homosexueller Peudo-Normalität. Das ist nicht im Interesse seiner Verpflichtung als Vertreter der deutschen Regierung. Und schon gar nicht im Intesse des deutschen Volkes. Es gibt genügend andere politische Probleme im Land.

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    Intrumentalisieren Sie nicht diese Kommentarfunktion zur demonstration ihrer pseudointelligenz.

    Der Mann hat jedes Recht seine Homosexualität zu präsentieren. Homosexualität gehört zur Normalität in diesem Land. Hören Sie also auf seinen Fehltritt auf seine Homosexualität zu reduzieren.

    Aber Sie beweisen wenigstens gut, dass in diesem Land nach wie vor Homophobie herscht. Genauso wie vor einigen tagen zum Weltfrauentag, die Machos hier ihre Platitüden darlegelegt haben. Offenbar scheint ein Bedarf nach Minderheiten-Bashing zu bestehen...

    Es ist unumstößlich, dass ein Schwuler ein völlig anderes Verständnis vom Zusammenleben allgemein hat als ein Hetero. Ich möchte als Hetero nicht von einem Schwulen - der nur eine kleine Minderheit unseres Volkes darstellt - in der Welt vertreten werden.

    [Anm.: Bitte beachten Sie, dass pauschal herabwürdigende Äußerungen hier nicht erwünscht sind. Danke. /Die Redaktion pt.]

    geht's noch, Kumpel zumewigenfrieden?! Man kann an Westerwelle so ziemlich alles ganz unfassbar schlecht finden, aber an der Homosexualität ist ja nun wirklich ganz und gar nichts an sich auszusetzen. Und ich sehe auch überhaupt keine Instrumentalisierung. Der Mann ist einfach politisch und persönlich für mich ein Kotzbrocken ohne Weitblick, aber auf der Homo-Bashing-Schiene jetzt anzufangen ist ja wohl ziemlich ähm armselig.

    welches Verständnis von Zusammenleben habe ich denn als Homo für sie? Offenbar haben Sie ja belebtes Interesse an Sexualpraktiken und Familienleben von anderne Leuten. Haben Sie auch was dagegen wenn ich mit einemS chwarzen zusammen bin? Oder einem Türken? Mit wem darf ich denn ihrer Meinung nach zusammensein? Gibt es da ein (un)geschriebenes Gesetz? Nicht dass ich irgendwann in meinem Job, so wie westerwelle hier, wegen meinem Partner/meiner Partnerin benachteiligt werde.
    Homophobe, Sexisten, Ausländerfeinde...Schlagen doch alle ind ie Selbe Kerbe. Zur Demokratie gehört fundamental der Minderheitenschutz. Ihre herabwürdigung von einer Minderherheit ist einfach verachtesnwert.

    Ich bin eine linke, bisexuelle Frau und als solche bin ich ausgespüroichen Westerwelle-kritisch und höchst verärgert, dass seine Position augrund seines Lebensgefährten in frage gestellt wird.

    Wir müssen dringend diesen Unterton verlassen und um die tatsächlich kritikwürdigen Handlungen reden. Über Vetternwirtschaft und Lobbyismus. nicht über seine Familie.

    Nun, bisher haben alle Politiker ihre Posten zur Zurschaustellung ihrer sexuellen Vorlieben instrumentalisiert - Herr Schröder nahm gerne erst Hillu, später Frau Schröder-Köpf mit, Herr Rau nahm Frau Rau mit, Herr Genscher Frau Genscher, Herr Kohl Frau Kohl und so weiter. Diese aufdringliche Darstellung von pseudo-normaler Heterosexualität hatte definitiv nichts mir deren Pflichten als Vertreter der deutschen Regierung oder gar des deutschen Volkes zu tun! Gut, dass Sie endlich mal darauf hinweisen, dass die eigene sexuelle Orienierung nicht auf die politische Bühne gehört.

    Intrumentalisieren Sie nicht diese Kommentarfunktion zur demonstration ihrer pseudointelligenz.

    Der Mann hat jedes Recht seine Homosexualität zu präsentieren. Homosexualität gehört zur Normalität in diesem Land. Hören Sie also auf seinen Fehltritt auf seine Homosexualität zu reduzieren.

    Aber Sie beweisen wenigstens gut, dass in diesem Land nach wie vor Homophobie herscht. Genauso wie vor einigen tagen zum Weltfrauentag, die Machos hier ihre Platitüden darlegelegt haben. Offenbar scheint ein Bedarf nach Minderheiten-Bashing zu bestehen...

    Es ist unumstößlich, dass ein Schwuler ein völlig anderes Verständnis vom Zusammenleben allgemein hat als ein Hetero. Ich möchte als Hetero nicht von einem Schwulen - der nur eine kleine Minderheit unseres Volkes darstellt - in der Welt vertreten werden.

    [Anm.: Bitte beachten Sie, dass pauschal herabwürdigende Äußerungen hier nicht erwünscht sind. Danke. /Die Redaktion pt.]

    geht's noch, Kumpel zumewigenfrieden?! Man kann an Westerwelle so ziemlich alles ganz unfassbar schlecht finden, aber an der Homosexualität ist ja nun wirklich ganz und gar nichts an sich auszusetzen. Und ich sehe auch überhaupt keine Instrumentalisierung. Der Mann ist einfach politisch und persönlich für mich ein Kotzbrocken ohne Weitblick, aber auf der Homo-Bashing-Schiene jetzt anzufangen ist ja wohl ziemlich ähm armselig.

    welches Verständnis von Zusammenleben habe ich denn als Homo für sie? Offenbar haben Sie ja belebtes Interesse an Sexualpraktiken und Familienleben von anderne Leuten. Haben Sie auch was dagegen wenn ich mit einemS chwarzen zusammen bin? Oder einem Türken? Mit wem darf ich denn ihrer Meinung nach zusammensein? Gibt es da ein (un)geschriebenes Gesetz? Nicht dass ich irgendwann in meinem Job, so wie westerwelle hier, wegen meinem Partner/meiner Partnerin benachteiligt werde.
    Homophobe, Sexisten, Ausländerfeinde...Schlagen doch alle ind ie Selbe Kerbe. Zur Demokratie gehört fundamental der Minderheitenschutz. Ihre herabwürdigung von einer Minderherheit ist einfach verachtesnwert.

    Ich bin eine linke, bisexuelle Frau und als solche bin ich ausgespüroichen Westerwelle-kritisch und höchst verärgert, dass seine Position augrund seines Lebensgefährten in frage gestellt wird.

    Wir müssen dringend diesen Unterton verlassen und um die tatsächlich kritikwürdigen Handlungen reden. Über Vetternwirtschaft und Lobbyismus. nicht über seine Familie.

    Nun, bisher haben alle Politiker ihre Posten zur Zurschaustellung ihrer sexuellen Vorlieben instrumentalisiert - Herr Schröder nahm gerne erst Hillu, später Frau Schröder-Köpf mit, Herr Rau nahm Frau Rau mit, Herr Genscher Frau Genscher, Herr Kohl Frau Kohl und so weiter. Diese aufdringliche Darstellung von pseudo-normaler Heterosexualität hatte definitiv nichts mir deren Pflichten als Vertreter der deutschen Regierung oder gar des deutschen Volkes zu tun! Gut, dass Sie endlich mal darauf hinweisen, dass die eigene sexuelle Orienierung nicht auf die politische Bühne gehört.

  3. Zum Glück wird gegenwärtig deutlich, von welchen Individuen wir regiert werden: Vetternwirtschaft ist natürlich normal in einer menschlichen Gesellschaft, doch durfte das bisher noch niemand laut sagen. Er wäre der Anhängerschaft von Verschwörungstheorien gezichtigt worden. Das hat nun zum Glück ein Ende: jeder einigermaßen Informierte kann jetzt sehen, daß Vetternwirtschaft und Korruption völlig normal sind. Die Frage bleibt, ob man etwas dagegen tun kann. Die Akteure selbst jedenfalls sind völlig ungeniert wie immer.

    • toom
    • 11.03.2010 um 18:54 Uhr

    Haben Sie auch etwas zu den Themen Südamerikastrategie oder Vetternwirtschaft zu sagen?

    • Jokus
    • 11.03.2010 um 18:59 Uhr

    Es geht doch nicht darum, dass Westerwelle zu all seinen Reisen seinen Freund mitnimmt, es geht jedoch darum, dass nicht nur dieser Freund, sondern ein Großteil der Westerwelle-Delegation allzu sehr nach Vetternwirtschaft sich ausnimmt.
    Dass die Presse - und zwar fast die gesamte deutsche Presse da mehr Augenmerk drauf legt, als auf all jene möglicherweise außenwirtschaftlich und außenpolitisch wichtigen "Randergebnisse", dass diese sogar auf solche Weise erst zu "Randergebnissen" wurden, daran hat vor allem der unkluge, zumindest unerfahrene Außenminister nicht geringe Schuld. Das hat Jörg Lau sehr gut geschildert. Im übrigen kann ich mich nicht auf irgendeine Reise eines deutschen Außenministers besinnen, die soo mißglückt war.

    • Puella
    • 11.03.2010 um 19:04 Uhr
    6. Wieso

    ...musste man jemanden wie G.W. auch zum Aussenminister machen?

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    oft gefragt. Eigentlich hätte ich da unserer Kanzlerin mehr Weitblick zugetraut. Wenn dieses Gemauschel von wirtschaftlichen Interessen keine Konsequenzen hat, ist die Vertrauensbasis komplett verspielt.
    Werden Bezüge/Pensionen für Mitglieder der Parteien, die aus unehrenhaften Gründen ausscheiden, weiter gezahlt? Wenn ja, sollte man das auch schleunigst ändern.

    oft gefragt. Eigentlich hätte ich da unserer Kanzlerin mehr Weitblick zugetraut. Wenn dieses Gemauschel von wirtschaftlichen Interessen keine Konsequenzen hat, ist die Vertrauensbasis komplett verspielt.
    Werden Bezüge/Pensionen für Mitglieder der Parteien, die aus unehrenhaften Gründen ausscheiden, weiter gezahlt? Wenn ja, sollte man das auch schleunigst ändern.

  4. Auch die Zeit reiht sich ein in die Phallanx der Medien mit dem scharfen Blick für das Unwesentliche. Haben wir nach der Dienstwagenaffäre von Frau Schmidt nun etwas neues gefunden, was von den Medien mit aller Gewalt zum Skandal aufgeblasen wird? Langsam habe ich das Gefühl die Medien sind das größte Problem im politischen Deutschland, jedenfalls werden sie der ihnen zugedachten Rolle so in schlechtester Weise gerecht. Wenn der Zeit die Recherchethemen ausgehen empfehle ich: http://www.lobbycontrol.de.

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    Ich weiß nicht ob es hierher gehört, aber möchte anmerken, dass Herr Lau meiner Meinung nach einer der besten Journalisten unseres Landes ist. Auch hier, jeder Punkt ein analytischer Volltreffer... Respekt.

    Übrigens, wer diesem Artikel vorwirft, dass er anstatt der deutschen Lateinamerika-Politik den vermeintlich läppischen Nepotismus unseres Außenministers thematisiere, der übersieht meines Erachtens, dass der Artikel genau diese unsachgemäße Diskursverschiebung aufgreift und kritisiert, sie sich aber eben ausdrücklich nicht zu Eigen macht.

    Ich weiß nicht ob es hierher gehört, aber möchte anmerken, dass Herr Lau meiner Meinung nach einer der besten Journalisten unseres Landes ist. Auch hier, jeder Punkt ein analytischer Volltreffer... Respekt.

    Übrigens, wer diesem Artikel vorwirft, dass er anstatt der deutschen Lateinamerika-Politik den vermeintlich läppischen Nepotismus unseres Außenministers thematisiere, der übersieht meines Erachtens, dass der Artikel genau diese unsachgemäße Diskursverschiebung aufgreift und kritisiert, sie sich aber eben ausdrücklich nicht zu Eigen macht.

    • toom
    • 11.03.2010 um 19:16 Uhr

    Diese Reise ist gemessen an dem, was sie sich vorgenommen hatte, ein komplettes Desaster.

    Das sieht nicht nur die Zeit so.

    Herr Westerwelle wird sich um einen anderen Stil in diesem Amt bemühen müssen - sonst geht das noch eine Weile so weiter.

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